Feeds:
Beiträge
Kommentare

Dass einem Schweizer in Budapest die grösste Juden-Rettungsaktion des Zweiten Weltkriegs gelang, ist noch immer nicht so bekannt, wie es eigentlich sein sollte: Der Geburtstag von Carl Lutz (1895-1975) jährt sich heuer zum 125. Mal.

Text: Andreas Faessler (Luzerner Zeitung, 3. April 2020)

 

carl_lutzDie Ehrungs- und Würdigungskultur in der Schweiz scheint grundsätzlich weniger ausgeprägt zu sein als andernorts. Es scheint zuweilen, als täte man sich schwer, die Verdienste mutiger Landsleute der jüngeren Vergangenheit gebührend ins Licht zu rücken. Allein mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg nämlich sind mehrere Personen zu nennen, denen viele ihr Leben verdanken. So etwa Louis Häfliger, welcher in zwei Aussenlagern von Mauthausen eine Massentötung von Tausenden Häftlingen verhinderte. Oder Paul Grüninger, der als Schweizer Grenzbeamter Hunderten Juden mittels manipulierter Dokumente die Flucht in die Schweiz ermöglichte und sie so vor dem sicheren Tod bewahrte.

Ein weiterer in diesem Bunde selbstloser Schweizer heisst Carl Lutz, 1895 geboren im appenzellischen Walzenhausen und gläubiger Methodist, dessen Geburtstag sich am 30. März zum 125. Mal gejährt hat. Sein innigster Berufswunsch wäre Pfarrer gewesen, doch führte ihn sein Weg schliesslich über diverse Anstellungen bei Gesandtschaften und Konsulaten zur Diplomatie. Als Schweizer Vizekonsul in Ungarn während des Zweiten Weltkrieges gelang es ihm nach der Besetzung durch die Nazis, gemäss Aufzeichnungen über 60000 Juden vor der Deportation und folglich vor der Vernichtung zu bewahren. Das war gut die Hälfte der Budapester Juden, die den Krieg überlebt haben. Als Leiter der Abteilung für fremde Interessen verfügte Lutz über hohe Kompetenzen. Dank seines Verhandlungsgeschickes und mit einem Trick erhielt er von Obersturmbannführer Adolf Eichmann ein Kontingent von 7800 Schutzbriefen zugesprochen, welche Juden ermöglichten, nach dem heutigen Israel auszuwandern. Systematisch und von den Nazis unbemerkt, vervielfachte Lutz das ihm zur Verfügung stehende Kontingent, indem er die Schutzbriefe nicht wie vorgeschrieben nur an einzelne Personen, sondern an ganze Familien vergab, was die Zahl Geretteter exponentiell erhöhte. Mit dieser grössten Rettungsaktion für die jüdische Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg riskierte der Schweizer freilich sein Leben.

Ernüchterung nach der Rückkehr

Als Carl Lutz nach Kriegsende in sein Heimatland zurückkehrte, schlug ihm alles andere als Anerkennung für seine beispiellose Zivilcourage entgegen. Vielmehr wurde ihm – wenn auch informell – vorgeworfen, er hätte in Budapest eigenmächtig seine Kompetenzen überschritten. Dass er für das Überleben zigtausender Menschen verantwortlich zeichnet, schien in seinem Vaterland keinen zu interessieren. Einzig in seinem Geburtsort Walzenhausen setzte man 1963 ein kleines Zeichen der Wertschätzung, indem die Gemeinde ihm das Ehrenbürgerrecht verlieh. Zeitlebens hoffte Lutz auf eine offizielle Anerkennung seiner Verdienste durchs Vaterland – vergebens. Vereinsamt und von dieser Zermürbung geprägt, starb Carl Lutz 1975 in Bern.

Das Gedenken wächst zaghaft

In Israel hingegen wurde der Schweizer bereits kurz nach Kriegsende für seine Leistungen für das jüdische Volk geehrt. Die 1953 gegründete Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nahm Carl Lutz 1965 in die Ehren-Liste der «Gerechten unter den Völkern» auf. Dieses Prädikat zeichnet Nicht-Juden aus, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben aufs Spiel setzten, um dasjenige von Juden zu retten. Der Begriff «Gerechter unter den Völkern» ist dem Talmud entlehnt. Am See Genezareth existiert zudem ein Lutz-Memorial.

Eine grossflächigere Würdigung setzte erst in den 1990er-Jahren ein. In Budapest steht seit 1991 ein ihm gewidmetes Denkmal, 2004 wurde ebenda die Carl-Lutz-Stiftung gegründet. 1995 ist er von der Schweiz posthum immerhin «rehabilitiert» worden. Seit 2018 gibt es in Bern die Carl Lutz Gesellschaft. Eine treibende Kraft, ihn endlich der unverdienten Vergessenheit zu entreissen, ist seine Stieftochter Agnes Hirschi, deren jüdische Mutter Lutz kurz vor Kriegsende gerettet hatte. 1949 heiratete er sie und adoptierte deren Tochter Agnes. Diese ist bestrebt, das Andenken an ihren Stiefvater zu fördern, und verwaltet seinen Nachlass. Ende März 2019 enthüllte sie feierlich eine Gedenktafel an Carl Lutz’ Geburtshaus in Walzenhausen.


Man kann es einfach nicht leugnen: Das Café Savoy im Palais Léon-Wernburg an der linken Wienzeile ist fürs Auge eines der spektakulärsten Kaffeehäuser Wiens. 2009 wurde das traditionelle Lokal umfassend aufgefrischt, nachdem es reichlich angestaubt geworden und an vielen Stellen zerschlissen war. Was die Verantwortlichen damals vollbracht haben: Das Gesicht des Cafés ist dabei völlig unverändert geblieben, während andere Traditionslokale meist einen grossen Teil ihrer Patina einbüssen, wenn sie renoviert werden.

Jüngst ist das Savoy auf Seite Wienzeile um einen ganzen Raum mit „Loge“ erweitert worden. Und auch hier ist dasselbe gelungen wie schon 2009: Es sieht aus, als wäre es schon immer so gewesen. Der zusätzliche Raum ist stilistisch dem bisherigen Café so geschickt angepasst, dass man kaum erkennt, dass alles neu ist. Und der prächtige Luster, welcher bis 2009 beim Eingang gehangen hatte, hat einen neuen Plaz gefunden. Tolle Arbeit.

savoy_neu
Blick aus dem erweiterten Teil hinüber ins „alte“ Café Savoy

Betrachtung eines Kunstwerkes

 

Es gibt eine Reihe hochkarätiger Aquarellisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Wiener Stadtansichten festgehalten haben, welche heute als wertvolle Zeitdokumente gelten können, obschon es die Fotografie damals bereits gab. Allen voran ist natürlich Rudolf von Alt (1812-1905) anzuführen. In dessen Nachfolge traten insbesondere Namen wie Carl Wenzel Zaijeck (1860-1923), Franz Poledne (1873-1932) oder Erwin Pendl (1875-1945) hervor.

Etwas früher als die Genannten war ein weiterer Wiener Aquarellist tätig: Robert Raschka, am 5. August 1847 in Bukarest geboren, liess er sich erst am Polytechnikum in Zürich zum Architekt ausbilden, ehe er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien fortsetzte, dies unter keinem Geringeren als Friedrich von Schmidt.

Raschka bewies eine aussergewöhnlich talentierte Hand, was die Architekturmalerei anging. So zeichnete er nicht nur als Architekt für eine stattliche Zahl öffentlicher und privater Gebäude in Wien und Umgebung verantwortlich, er hinterliess der Nachwelt ein ebenso reiches Oeuvre an hochfeiner Aquarellmalerei. Seine Veduten zeigen bekannte Plätze, Gebäude und Strassenzüge in Wien. Auch reich ausgestattete Interieurs und Ansichten aus der Umgebung von Wien oder anderen Städte wie Prag oder Krakau finden sich in seinem malerischen Werk. Robert Raschka starb am 19. April 1908 in Wien.

Seine Aquarelle zeichnen sich durch frappierende Feinteiligkeit aus. Raschka schien hohen Wert auf das Detail zu legen, insbesondere im Hinblick auf die abgebildete Architektur. Figurenstaffagen und „Beiwerk“ hingegen führt er meist nur angedeutet aus. Besonders eindrücklich ist Raschkas Fokus auf das Detail bei seinen in der Folge vorgestellten zwei Aquarellen des Stephansdomes aus dem Jahre 1899:

Das eine zeigt den unvollendeten Nordturm mit der Renaissancehaube. Auch den Masswerk-Chorfenstern und der Capistrankanzel mit der barocken Erweiterung schenkt er reichlich Aufmerksamkeit. Im Hintergrund unten rechts erkennt man noch das Erzbischöfliche Palais. Da, wo heute die Einfahrt zur Tiefgarage liegt, stehen Fiakerkutschen. Die Figuren bildet Raschka nur schemenhaft ab.

Im zweiten Aquarell zeichnet Raschka die Pilgramkanzel, eines der bedeutendsten Kunstwerke der Spätgotik weit und breit. Der hölzerne Schalldeckel, der hier noch über der Kanzel angebracht ist, hängt heute über dem Taufstein in der Katharinenkapelle. Raschka bildet schenkt selbst dem kleinsten Detail der aus Sandstein gehauenen Kanzel mit Treppenaufgang Aufmerksamkeit, darunter zeichet er den legendären Fenstergucker. Auch der Luster, der Pfeilerschmuck, die Gewölbe und das Fenster führt der Maler mit höchster Liebe zur Detailhaftigkeit aus.

Beide 23 x 30 Zentimeter grossen Bilder sind wunderbare Beispiele bester Wiener Aquarellmalerei der Jahrhundertwende und zeugen von einer sehr geschickten Hand und dem geschulten Auge für die detailgetreue Abbildung der Realität.

raschka_kein


Betrachtung eines Kunstwerkes


Von einem tüchtigen, nicht näher erfassten Maler des 19. Jahrhunderts stammt eine seltene Vedute der Stadt Zug. Die detailreiche, leicht idealisierte Darstellung vermittelt eine Idee davon, wie die Altstadt in den 1860er-Jahren in etwa aussah.

Text & Bild: Andreas Faessler (Zuger Zeitung vom 17. November 2018)

jankowski_klein

Die Zentralschweiz lieferte den Romantikern des 19. Jahrhunderts reichlich Stoff. Namhafte Maler aus dem In- und Ausland bannten die Landschaften rund um die Rigi vielfach auf Leinwand und trugen die Schönheit dieser Region so in die Welt hinaus. Allein der Münchner Maler Josef Schoyerer etwa schuf mehrere Ansichten vom Urnersee mit dem Urirotstockmassiv. Auch Grössen wie Hubert Sattler, François Diday oder Alexandre Calame würdigten dieses Panorama mit Malereien von fantastischer Qualität. Die Mythen oder die Stadt Luzern und deren Hinterland finden sich ebenso häufig in romantischen Veduten wieder – etwa bei Jakob Joseph Zelger und natürlich bei Robert Zünd. Und der grösste aller Biedermeiermaler – der Wiener Ferdinand Georg Waldmüller – hat gar eine bäuerliche Szene mit dem Zugersee und der Rigi im Hintergrund festgehalten, wovon an dieser Stelle im November 2013 zu lesen war.

Etwas arg stiefmütterlich behandelten die Künstler von damals hingegen die Stadt Zug. Qualitätvoll gemalte Ansichten von ihr sind vergleichsweise sehr selten, erst recht solche aus namhafter Hand. Eine der wenigen erwähnenswerten Zuger Veduten stammt vom Düsseldorfer Maler Franz Pauly (1837-1913): Auf einem grossformatigen Gemälde sind die alte Michaelskirche und der Zurlaubenhof vor der See- und Bergkulisse zu sehen.

Eine weitere Ansicht Zugs, welche gar die gesamte Altstadt zeigt, hat der böhmisch-österreichische Maler Johann Wilhelm Jankowski (ca. 1800-1870) geschaffen, gelegentlich wird er auch als Friedrich W. Jankowski benannt. Ob sein Gemälde – Öl auf Leinwand, 55x69cm – vor Ort entstanden ist, ob er es mittels Versatzstücken im Atelier ausgeführt oder gar nach einer Vorlage gemalt hat, ist nicht überliefert. Aber das Bild zeigt bemerkenswerte Details. Unverkennbar ist es die Ansicht Zugs von der Guggiwiese aus betrachtet. Sollte Jankowski vor Ort gemalt haben, so hätte er seine Staffelei wohl exakt an jener Stelle aufgestellt gehabt, wo heute die überdachte Holzbeige steht. In der linken unteren Hälfte des Gemäldes sind zwei Leutchen im Sonnenlicht. Etwa dort dürfte heute der kleine Platz mit der bei vielen als «Kifferbänkli» bekannten Ruhebank liegen.

Abweichungen und Idealisierungen

Der Ortskundige erkennt aber auch gleich, dass der Maler nicht in jeder Hinsicht die Realität abgebildet hat, was Perspektiven und Beschaffenheit der Gebäude betrifft: Der Zytturm in der Bildmitte erweckt mit dem überhöhten Spitzhelm eher den Eindruck, eine Kirche zu sein. Gleich links davon ist die Liebfrauenkapelle erkennbar. Der Abstand zur Oswaldskirche, welche Jankowski in ihren Dimensionen stark reduziert hat, ist geringer als in Wirklichkeit. Auch die Burg, der ebenfalls überhöhte Pulverturm und das Kapuzinerkloster sind gedrungen dargestellt. Der Kapuzinerturm versteckt sich hinter dem Baum, aber die alte Michaelskirche hingegen ist wieder sichtbar, jedoch ohne die Käsbisse, sondern hier mit einem Spitzhelm. Die Bergkulisse entspricht mehrheitlich der Realität, ausser dass die Ostflanke der Rigi etwas steil geraten ist und der Pilatus rechts von der Bildmitte eher wie ein gross geratener Hügel daherkommt.

Der spannendste Teil unserer Vedute liegt in der unteren rechten Ecke. Hell von der Nachmittagssonne erleuchtet malt Jankowski verhältnismässig realitätsgetreu das alte Baarertor, welches 1873 abgebrochen worden ist. Beim rechts anschliessenden Gebäude handelt es sich um das 1842 erbaute Stadttheater, das ab 1849 auch die Post beherbergte und später dem heutigen Verwaltungsgebäude weichen musste. Mit dem Umzug der Post vom «Hirschen» hierhin wurde der Platz in «Postplatz» umbenannt. Bis dahin hatte er «Schanzenplatz» geheissen. Im Vordergrund anhand des markanten Mansardwalmdaches schön zu erkennen ist der Vorgängerbau der im Jahre 1902 fertiggestellten Hauptpost. Es ist das sogenannte Landtwing’sche Fideikommissgebäude, ein spätbarocker Palastbau von 1762, erbaut von Franz Fidel Landtwing. Das Palais beherbergte ab 1882 bis zu seinem Abbruch kurz vor der Jahrhundertwende die Poststelle und ab 1892 zudem Büroräumlichkeiten der Zuger Kantonalbank.

Ganz aussen am rechten Bildrand malt Jankowski das Regierungsgebäude, welches von 1869 bis 1873 errichtet worden ist. Zuvor war dieser Grund unbebaut gewesen und der ehemalige Schanzenplatz zum See hin offen. Die Tatsache, dass Jankowski das Regierungsgebäude abbildet, lässt auf ein Spätwerk des Malers schliessen, da er um 1870 verstorben ist, als das Regierungsgebäude im Bau war. Dass der Maler die im Entstehen begriffene «Kantonskanzlei» als schlichten Baukörper mit Walmdach ausführt, mag einerseits dadurch zu erklären sein, dass zum damaligen Zeitpunkt erst die Grundmauern standen und er es aus der Fantasie heraus «vollendete». Andererseits könnte sich der Maler an Entwürfen aus den 1860er-Jahren orientiert haben, die tatsächlich ein Bauwerk vorsahen, welches dem hier gemalten ähnlich war. Ein interessantes Detail erkennt man beim genauen Hinsehen mitten auf dem Postplatz: Eine grosse Treppenanlage führt rechts weg auf eine scheinbar tiefer gelegene Ebene nach dahin, wo heute auf gleichem Bodenniveau die Bahnhofstrasse vom Postplatz wegführt.

Und zu guter Letzt sei noch auf ein weiteres Detail hingewiesen, was im Kontext mit dem aktuell wieder auflodernden Gezeter um die Parkplätze auf dem Postplatz nicht einer gewissen Ironie entbehrt: Schon in den 1860er-Jahren wurde auf dem unteren Postplatz parkiert, auch wenn es damals halt nur Pferdefuhrwerke waren…

Ein gemaltes Zeitdokument

Johann Wilhelm Jankowski ist biografisch kaum erfasst. Man kennt bestenfalls die ungefähren Lebensdaten, dass er böhmisch-österreichischer Abstammung und dem Anschein nach sehr viel gereist war. Seine qualitativ hochwertigen Bilder sind beliebt und recht häufig im Kunsthandel anzutreffen – er scheint fleissig gewesen zu sein. Jankowski dürfte auch wiederholt Luzern besucht haben, zumal mehrere Veduten der Stadt existieren, sogar eine von Kriens mit dem Pilatus. Häufig reicherte der Maler seine Ansichten mit fantasievollen Ergänzungen an, so dass sie zuweilen stark von der Realität abweichen. Glücklicherweise ist das bei unserem hier präsentierten Gemälde weniger der Fall, was es zu einem wunderbaren Zeitdokument macht, welches dem Betrachter vor Augen führt, wie sich Stadt und Landschaft in den 1860er-Jahren präsentiert haben – beim Blick von der Guggiwiese.


Die Katholische Kirche listet eine Märtyrerin mit diesem Namen. Sie hat zwar nichts mit dem Virus zu tun, aber wenn man bedenkt, aus welchen Gründen sie angerufen wird, so kriegt ihre Verehrung neue Aktualität.

Text & Bild: Andreas Faessler, Luzerner Zeitung (20. März 2020)
st.corona_klein

Selten war ein Begriff weltweit so dauerpräsent, medien- und alltagsbeherrschend wie zur Zeit «Corona». Bis vor wenigen Monaten brachte man den Namen bestenfalls mit prickelndem Biergenuss in Verbindung, ehe er mit Auftauchen des aggressiven Erregers schlagartig überaus negativ behaftet war.

Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass die Bezeichnung auch im Heiligenkalender der Katholischen Kirche existiert: Tatsächlich führt diese eine Märtyrerin dieses Namens auf. Die heilige Corona – eigentlich Corona Stephana – gehört zu den wenig bekannten Patroninnen, ihre Verehrung in Westeuropa beschränkt sich heute weitgehend auf den österreichisch-bayrischen Raum und wird selbst da nur punktuell noch praktiziert.

Wie im Falle zahlreicher anderer Märtyrerinnen und Märtyrer ist Coronas Biografie hauptsächlich von Überlieferung geprägt, die sich im Laufe der Zeit verwässert haben. Gelebt hat sie vermutlich im 2. Jahrhundert. Sie soll die Frau des Viktor von Damaskus gewesen sein, ein ebenfalls mehrheitlich durch Legenden erfasster Heiliger. Die Herkunft Coronas ist nicht bekannt, genannt werden Syrien, Ägypten, die Türkei oder auch Sizilien oder Südfrankreich, je nach Schrift (griechisch oder lateinisch).

Viktor, ein römischer Soldat, weigerte sich, von seinem christlichen Glauben abzulassen, weshalb er zur Folter und schliesslich zum Tode verurteilt wurde. Dies unter dem Regime von Kaiser Marc Aurel oder dessen Adoptivvater Antonius Pius. Viktors erst 16 Jahre alte Ehefrau Corona soll ihren Mann während dessen Leiden gepflegt und ihm Mut gemacht haben, ehe er enthauptet wurde.

Da Corona ihrem Glauben ebenso treu blieb, war auch sie dem Tod geweiht. Ihre Hinrichtung war grausam: So sollen die Peiniger sie mit Stricken zwischen zwei heruntergebeugten Palmen festgebunden haben. Danach liessen sie die Bäume hochschnellen, und Coronas Körper wurde gewaltsam zerrissen. Eine der Überlieferungen erzählt, dass darauf zwei Kronen vom Himmel gefallen seien, wovon sich schliesslich auch ihr Heiligenname ableiten dürfte.

Wenig verbreitete Verehrung

Die Corona-Verehrung im heutigen Europa hat bereits im 6. Jahrhundert eingesetzt, beschränkte sich allerdings für lange Zeit auf Italien. Nördlich der Alpen kennt man das Patrozinium erst seit dem 14. Jahrhundert, obschon Corona-Reliquien bereits im 10.  Jahrhundert aus Italien nach Aachen, Bremen und Prag gelangt sind. Corona-Wallfahrtsorte gab und gibt es hauptsächlich in Nieder- und Oberbayern sowie in Niederösterreich. Die wenigen der Märtyrerin geweihten Kirchen und Kapellen beschränken sich denn auch hauptsächlich auf diesen Raum. Eine von ihnen steht abseits der Zivilisation mitten im Wald zwischen den zur Gemeinde Sauerlach gehörenden Weilern Arget und Gumpertsham südlich von München. Die schlichte, eher wenig einladende Kapelle, weist an der Chorwand einen Schriftzug auf, der da lautet: Müder Wanderer, stehe still, mach bei Sankt Corona Rast, dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn du manch Kummer und Sorgen hast.

St.Corona hilft

Kummer und Sorgen haben in Zeiten wie diesen wohl einige. Und auch wenn der Name der Märtyrerin mit dem Virus freilich nicht direkt etwas zu tun hat  – ein gewisser Bezug besteht: Die hl. Corona ist nicht nur die Patronin der Fleischhauer und Schatzgräber, für Geldbelange und Glücksspiele, sie hilft auch gegen Seuchen. Wie passend…

Dargestellt wird die heilige Corona Stephana meist mit Krone und einem oder zwei Palmzweigen, gelegentlich mit einer Geldmünze, einer Schatulle oder einer Lilie. Ihr katholischer Gedenktag ist der 14. Mai.

 


Während der Fastenzeit 2020 wird der Stephansdom um ein etwas eigenwilliges Kunstwerk erweitert: An seiner Südseite ragt eine überdimensionale Wärmeflasche in die Höhe und reicht bis ans Dach des Anbaus. Am Mittwoch, 19. Februar, ist die riesige Installation aufgestellt worden. Die Bettflasche mit dem Namen „Big Mutter“ ist das Werk des österreichischen Künstlers Erwin Wurm (*1954), der seit Jahren immer wieder mit extravaganten Interventionen an Gebäuden und Infrastruktur von sich reden macht.

Wurms wuchtige metallene Bettflasche soll  – klar – Wärme versinnbildlichen und somit Symbol für (Mit)Menschlichkeit sein. Dadurch, dass der Künstler der Plastik zwei tapsig wirkende Füsse verpasst hat, wirkt das Ganze etwas karikaturhaft. Und doch, oder gerade deshalb zieht „Big Mutter“ viel Aufmerksamkeit auf sich und dient Besuchern fleissig als Selfie-Fotomotiv. Die Bettflasche soll bis Juni 2020 bei Dom verbleiben.

Erwin Wurm zeichnet in diesem Jahr übrigens auch als Gestalter des grossen Fastentuches im Chor des Stephansdoms verantwortlich.

Clipboard01


Viele Menschen, die in der Geschichte unter schlimmsten Bedingungen wichtige Beiträge für die Gesellschaft geleistet haben, sind heute vergessen. Sie waren seinerzeit schon kaum ge- und beachtet, ihre Leistungen wurden kaum honoriert.

Ein Denkmal für eine ganz bestimmte Gruppe solcher Menschen finden wir bei der Bushaltestelle Am Rosenhügel im Bezirk Meidling. Im Zwickel Wundtgasse / Rosenhügelstrasse stehen fünf lebensgrosse Frauenfiguren aus Kunststein. Sie tragen Kopftücher und hieven und stapeln Blöcke. Es sind die sogenannten „Ziegelschupferinnen“. Das Denkmal ist hier im Jahre 1985 errrichtet worden und erinnert an die Frauen, welche hauptsächlich im ausgehenden 19. Jahrhundert bis nach der Jahrhundertwende für die Errichtung der Gemeindebauten harte körperliche Arbeit für ein kleines Gehalt verrichtet haben.

Der Wiener Lyrker Albert Ehrenstein (1886-1950) nannte die Ziegelschupferinnen – zuweilen auch als „Mörtelweiber“ bezeichnet – als „die einzigen Huren, die keine Huren sind“. Dies, weil sie sich gemäss Ehrenstein erst dem Baustellenleiter haben hingeben müssen, um eine Anstellung mit Entlöhnung zu erhalten. So war das Schicksal dieser bettelarmen Frauen ein besonders unmenschliches. Nur recht, dass sie hiermit ein Denkmal erhalten haben, um nicht vergessen zu werden.

ziegelschupferinnen