Feeds:
Beiträge
Kommentare

Danke, Österreich


Kurz und bündig: Danke Österreich für die Wahl. Wir brauchen in Europa nicht noch mehr rechte Kräfte. Die Gesellschaft ist schon genug vergiftet.

 


Heute Montag, 21. November 2016, jährt sich der Todestag des zweitletzten Habsburgerkaisers zum 100. Mal. Zum Gedenken an einen bewundernswerten, ausdauernden, pflichtbewussten, tragischen, aber auch umstrittenen und schicksalbeladenen Herrscher.

Biografie

franz_joseph_i


Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
.

Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

.

1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrsoknzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

.

Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

.

.

Im siebten Himmel…


Wunderschönes Wiener Lied aus der Operette „Deutschmeister“ von Carl Michael Zieher.


Kurz, einfach und reizend ist das so genannte Geburtstagsständchen von Paul Lincke. Hier ein „Nach-Gehör-Arrangement“ für Piano.


So typisch, so beschaulich, so wienerisch ist es, das Café Raimann. Eines der Kaffeehaus-Relikte der Wiener Vorstädte mit ungemeinem Charme. Mehrmals bin ich an ihm vorbeigekommen, aber jedesmal war es zu. Es muss jeweils ein Sonntag oder ein Feiertag gewesen sein, denn das Raimann ist von Montag bis Samstag täglich geöffnet. Für mich wars eine der schönsten Entdeckungen der letzten Zeit in der Wiener Gastronomie-Welt.

Alles über das Café Raimann gibts zu lesen auf –> Café Raimann.

 


Am Silvesterabend gehts wieder rund. Dass hinter diesem Feiertag eine der wichtigsten Figuren des frühen Christentums steht, wissen wohl die wenigsten. Gedanken zum morgigen Feiertag.

Andreas Faessler (Neue Luzerner Zeitung, 30.12.2015)
Zu Silvester knallen die Korken, vergnügt und heiter taumelt man ins neue Jahr. Der Begriff «Silvester» erweckt in den Köpfen allein deshalb wohl primär die Assoziation mit Ausgelassenheit, Feuerwerk, Sekt – oder je nachdem auch einem tölpelhaften Trickfilmkater.  Wer aber würde beim Kauf von Böllerschüssen – 120 Millionen Euro wurden 2015 allein in Deutschland dafür aus-gegeben –, Chipstüten und Flaschen mit sprudelndem Inhalt je an einen  wichtigen Papst denken, unter dessen Pontifkat das Christentum eine bedeutende Wende erlebte? Der 31. De-zember ist Namenstag Papst Silves-ters I. (†335), 33. Bischof von Rom. Seine Amtszeit dauerte 21 Jahre, so lange wie keine andere zuvor. Unter Silvester machte das Römische Reich innert kurzer Zeit eine grundlegende Glaubensentwicklung durch.
 .
Konstantin und der Papst
Erst noch unter Kaiser Diokletian nämlich erlebte Rom im Jahre 303 sein letztes, doch blutigstes Kapitel der Christenverfolgung. Zu der Zeit amtete Silvester als Priester und war zuweilen gezwungen, im Exil auf dem Monte Soratte ausserhalb Roms zu leben. Unter Kaiser Konstantin verbesserte sich die Situation der Christen in Rom. Spätestens ab 312 entsagte Konstantin selbst weitgehend den bisher ausgeübten heidnischen Kulten und wandte sich dem Christentum zu. Die Rolle des Papstes aber war auch noch nach dem Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313  wenig bedeutend für den Herrscher, da er nicht zum Kreis seiner kirchlichen Berater gehörte. Zu einer Synode in  Arles im Jahre 314 lud Konstantin mehrere Bischöfe ein, den neu gewählten Papst Silvester jedoch nicht. Das Christentum war jetzt zwar ein offi ziell erlaubtes Bekenntnis in Rom, doch erst das Konzil von Nicäa anno 325, im Rahmen dessen Christus als wesensgleich mit Gottvater defniert und der  Arianismus somit besiegt wurde, war grundlegender Wegbereiter für das Christentum als vorherrschende Religion der Römer. Papst Silvester nahm nicht teil, er wurde von Bischof Ossius  von Córdoba vertreten.
 .
Verherrlichung durch Legenden
Ein Legende erzählt, dass Silvester Kaiser Konstantin von einer Krankheit geheilt und ihn getauft habe, worauf dieser alle heidnischen Tempel in Rom  verriegeln liess. Ausserdem soll Silvester in einem langen Disput zwölf Rabbiner vom Christentum überzeugt und zur Bekehrung veranlasst haben. Diese Überlieferungen entbehren sämtlicher Grundlagen, befeuerten jedoch die Bedeutung und die Verehrung Silvesters nach dessen Tod soweit, dass die päpstlichen Kanzleien im 9. Jahrhundert gar ein Dokument herausgaben, das als Zeugnis der «Konstantinischen Schenkungen» in die Geschichte eingegangen ist. Darin heisst es, dass Konstantin Papst Silvester die Stadt Rom und den gesamten christlichen Okzident zum Eigentum gegeben hatte. Das Dokument wurde zwar als gefälscht entlarvt, beweist aber, dass dem hl. Papst Silvester in der Kirchengeschichte sehr hohe Bedeutung zugemessen wird.
 
Es ist aber tatsächlich gesichert, dass Kaiser Konstantin als grosszügiger Förderer des Christentums in Erscheinung trat. Er überliess der Kirche kaiserliche Einrichtungen und stiftete den Bau der heute noch grössten Kirchen in Rom, namentlich die Petersbasilika, St. Johann im Lateran und St. Paul vor den Mauern. Papst Silvester weihte sie ein. Rom veränderte sein Aussehen in baulicher Hinsicht schnell und nachhaltig. Das Christentum hatte in Rom über das Heidentum gesiegt. Silvester I. sorgte dafür, dass auch die «neuen» Christen das von der Kirche vorgesehene geordnete Leben leben und die Sitten und Gebote einhalten. Silvester war folglich der erste Papst, dessen Ableben nicht als Märtyrertod galt. Er starb am 31. Dezember 335 und wurde in den Priscilla-Katakomben bestattet. Die Kirche San Silvestro in Capite in Rom ist dem Heiligen geweiht.
 .
Der Patron der Haustiere
Sein Todestag hat Silvester, zu Deutsch etwa «der im Wald lebt», zum Namensgeber für das Jahresende gemacht. Seine Verehrung ist nicht besonders verbreitet, Darstellungen des hl. Silvesters sind vergleichsweise selten. In der Zentralschweiz etwa finden wir aber ein besonders schönes Beispiel: Der Altar in der Johanneskapelle von Ottenhusen in der Gemeinde Hohenrain weist eine eindrückliche Figurengruppe auf. Neben der Gottesmutter mit Kind stehen da der hl. Eligius und der hl. Silvester. Letzterer im päpstlichen Ornat mit Tiara und Stab. Dass man diese Statue in einer Kapelle mitten auf dem Land findet, ist insofern naheliegend, als Silvester als Schutzherr der Haustiere, also auch von  Vieh, gilt. Einer anderen Legende zufolge nämlich soll Silvester einen Ochsen  wieder zum Leben erweckt haben, nachdem dieser von einem jüdischen Magier getötet worden war. Deshalb wird Silvester oft mit einem Ochsen oder Stier zu seinen Füssen dargestellt. Manche Abbildungen zeigen ihn auch mit einer Muschel oder einem gefesselten Dra-chen, der das Heidentum symbolisiert,  welches unter Papst Silvester I. seinen Untergang in Rom erlebte. Aufgrund seines Todestages ist der hl. Silvester gleichermassen Patron für «ein gutes neues Jahr» geworden.
Wenn also morgen Abend rund um den Globus die Korken knallen, Böller am Himmel explodieren und Millionen von Menschen ausgelassen ins neue Jahr prosten, so steht doch hinter dem ganzen Trubel ein allseits bekannter Name, der an sich eng mit der Verbreitung des Christentums in Verbindung steht.
Bildschirmfoto 2015-12-30 um 00.25.19

Statue Papst Silvesters I. in der Johanneskapelle zu Ottenhusen bei Hohenrain.