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Archive for Dezember 2009


So, jetzt ist das Programm für das anstehende Neujahrskonzert bekannt. Naja, es ist mässig aufregend – zumindest für mich, der ich mit der Wiener Musik mehr als nur vertraut bin.

Eröffnet wird es mit der Ouvertüre zur Feldermaus von Johann Strauss Jun. Ein Allerweltsstück und eher einfallslos für ein Neujahrskonzert. Die folgende Mazurka „Frauenherz“ von Josef Strauss ist – sagen wir – nett. Warum nicht mal was Unbekannteres? Im Oeuvre von Johanns Bruder gibt es unglaubliche Preziosen!

Die folgenden vier Nummern von Johann Strauss Jun. sind wieder eher 08/15: Im Krapfenwaldl, Stürmisch in Lieb und Tanz, Wein Weib Gesang und Perpetuum Mobile. Allesamt schon mehrmals gespielt worden in den vergangenen Jahren.

Nach der Pause geht’s weiter mit der Ouvertüre zu den „Lustigen Weibern von Windsor“ von Otto Nicolai. Was hat denn das hier verloren? Na, vielleicht werden wir’s ja erfahren am Konzert. Nur, weil Hofkapellmeister Nicolai eine Zeit lang in Wien gewohnt hat (Palais Erzherzog Carl)? Nun gut, er hat die Wiener Philharmoniker gegründet. Lassen wir das mal gelten.

Danach kommt wieder Johann Strauss Jun. dreimal zum Zug mit Wiener Bonbons, Champagner Polka und Ein Herz und ein Sinn. Nachher wird’s endlich interessant mit Johann Strauss Vaters Carneval in Paris, eine nette Galoppe und so richtig schön unbekannt.

Danach gibt sich Jacques Offenbach die Ehre mit der Ouvertüre zu „Rheinnixen“ Auch wenn Offenbach eher unwienerisch ist – eine nette Abwechslung. Passend darauf Eduard Strauss mit der Quadrille über Offenbachs Operette „Die schöne Helena„. Als zweitletzte Nummer folgen Johanns „Morgenblätter“.

Das letzte Stück auf dem Programm freut mich persönlich am meisten: Die „Champagner Galoppe“ von Hans Christian Lumbye, der Strauss des Nordens. Hat es schon mal ein Stück von Lumbye ins Programm des Neujahrskonzerts gebracht? Wenn ja, dann muss es schon lange her sein. Lumbye verdient es, aus dem Dunkel der Vergessenheit hervorgeholt zu werden.

Neujahrskonzert Wien

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Am vergangenen Sonntag, 6. Dezember, ging an der Staatsoper unter den Linden in Berlin die Dernière der „Fledermaus“ über die Bühne. Eine zeitgenössische Inszenierung von Christian Pade, die – den Reaktionen des Publikums zufolge – unterschiedlichen Anklang fand.

Nun ja, einiges in dem Stück war tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Nachdem der erste Akt in der modern eingerichteten Küche im Hause Eisenstein ein wirklich interessanter und wohlinszenierter Hintergrund lieferte, warf der zweite Akt im Palais des Prinzen Orlofsky einige Fragen auf, was der Regisseur dem Publikum vermitteln wollte.

Was wollte der Regisseur sagen?

Hut ab zwar vor dem aufwändigen Bühnenbild auf der Drehplattform, doch was die Kostümierungen der Statisten, Tänzer und vor allem dasjenige Orlofskys überhaupt darstellen sollte, wusste in der voll besetzten Oper wohl niemand. Orlofsky trug kniehohe Lederstiefel, hatte einen Fuchsschwanz umgehängt, und die Frisur war Tokyo Hotel abgeguckt. Die Outfits der Gäste hätten in eine Freakshow gepasst – oder in die „Rocky Horror Show“, nicht in eine Operette. Das ganze sah eher nach einem misslungenen Versuch aus, ein klassisches Bühnenwerk gewaltsam in eine zeitgenössische Form zu zwängen, und das in sich so ziemlich zusammenhangslos.

Auch die Tanzeinlagen waren mehr als gewöhnungsbedürftig. Zur Strauss-Musik am Anfang des zweiten Aktes, bewegten sich die Darsteller wie die Partygänger an einer Technofete. Fast schon peinlich. Zum Tanzintermezzo am Schluss des zweiten Aktes erklang der Walzer „Accelerationen“. Warum? Er hat nichts mit der Operette zu tun. Beim Fallen des Vorhanges erntete das Tanzensemble jedenfalls Buh-Rufe.

Ebenfalls Buhrufe und nicht nur Applaus fielen am ende der Vorstellung für den Dirigenten Zubin Metha und für Christine Schäfer, welche die Adele spielte. Die „Rosalinde“, Silvana Dussmann, hingegen wurde reichlich gefeiert. 

Alles in allem war es eine interessante Aufführung, wenn man über einige fragwürdige Elemente bei der Inszenierung hinwegsieht, die jeglichen Sinnes entbehren.

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