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Archive for Dezember 2011

Der Hawelka ist tot


Nun wird er nicht mehr am Eingang sitzen und den Gästen eigenhändig die Tür öffnen: Am 29. Dezember 2011 ist Leopold Hawelka gestorben. Er und seine Frau, die 2005 verstarb, gehörten fast schon zum Wiener Legendentum. Seit 1939 führten sie das Café Hawelka an der Dorotheergasse. Die Nachfolger des sympathischen Ehepaares führen das Café weiter – zum Glück.

Café Hawelka, Wien

Café Hawelka, Wien

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Genau ein Jahr ist es her, seit ich zum ersten Mal im Ambassador war. Damals bemängelte ich, dass es lediglich einen kostenpflichtigen Internetzugang zu extremen Preisen gibt. Mittlerweile gibt es im ganzen Hotel gratis Wifi. Ich war begeistert.

Alles in allem habe ich den Aufenthalt sehr genossen. Nach wie vor glänzt das Hotel mit einer edlen und schönen Einrichtung. Meinem Wunsch, ein Zimmer gegen den neuen Markt hin zu erhalten, wurde entsprochen.
Habe mich im Zimmer sehr wohl gefühlt. Die Decken sind allerdings für grosse Leute wie mich viel zu kurz. Ich benötigte eine zweite. Es gab im Zimmer jedoch einen echten Wehmutstropfen: Das Bad, wunderschön und riesengross, wartete am Duschvorhang mit grossflächigen gelben Flecken auf. Vermutlich Urin. Das fand ich ekelerrengend, und es passte so gar nicht zum ansonsten blitzsauberen Bad und Zimmer. Schade.

Eine zweite Begebenheit, die meine Begeisterung für das Hotel vorübergehend trübte: Jeder Gast kriegt einen Gutschein für ein Glas Beerenpunsch in der Atriumbar (sehr fein zubereitet!). Doch kleingedruckt steht auf dem Bon, dass dieser nur im Zusammenhang mit einer bezahlten Konsumation gültig ist. Das habe ich übersehen, und der Ober war extrem genervt und forderte mich, die Augen verdrehend, auf, ich soll doch bitte das Kleingedruckte lesen. Das war rüpelhaft und unhöflich.

Ansonsten bin ich ein bekennender Fan von diesem wunderschönen Hotel an der besten Lage in Wien und freu mich auf den nächsten Aufenthalt.

Zimmer-Tipp: Ein zimmer zum Neuen Markt hin ist wohl ruhiger, und der Blick reicht weiter als an der Kärntnerstrasse.

Hotel Ambassador, Wien

Hotel Ambassador, Wien

Hotel Ambassador, Wien

Hotel Ambassador, Wien

Hotel Ambassador, Wien

Hotel Ambassador, Wien

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Mariss Jansons dirigiert das Neujahrskonzert 2012 im Musikverein. Der Lette hat bereits das Neujahrskonzert 2006 geleitet. Wieder werden zwischen 40 und 50 Millionen Menschen weltweit das Konzert am TV mitverfolgen. Als einziger Ballettschauplatz dient diesmal das Obere Belvedere. Hier das Programm:

Johann Strauss Jun. / Josef StraussVaterländischer Marsch … Interessant. Das Neujahrkonzert eröffnet mit einem gemeinsamen Werk von Schani und Pepi aus dem jahr 1859. Der Marsch ist durchsetzt mit Zitaten patriotischer Kompositionen. Dazu gehören Auszüge aus dem Radetzky-Marsch, dem Rakoczy-Marsch und auch der Österreichischen Hymne. Der Marsch war bloss eine Gelegenheitskomposition und geriet schnell in Vergessenheit. Toll, dass er im Rahmen des Neujahrskonzerts wieder zum Leben erweckt wird.

Johann Strauss Jun.Rathausball-Tänze (Walzer, op. 438) … Ein Spätwerk des Meisters von 1890 steht an zweiter Stelle. Geschrieben wurde der Walzer anlässlich der Eröffnung des grossen Festsaals im neuen Wiener Rathaus am 12. Februar. Der Walzer zitiert teils Themen aus dem Donauwalzer. Am selben Abend führte sein Bruder Eduard die Polka „Das tanzende Wien“ auf, und Carl Michael Ziehrer spielte seinen Walzer „Wiener Bürger“. An diesem Ball war der heimliche Strauss-Rivale Ziehrer für einmal der Erfolgreichere. Sein Walzer übertrifft die Rathausball-Tänze um ein Vielfaches an Berühmtheit (siehe weiter unten). Während des Spiels werden im TV Bilder des grössten Rathauses der Welt eingeblendet.

Johann Strauss Jun.Entweder oder! (Schnellpolka, op. 403) … Eine reizende kleine Polka aus der Operette „Der lustige Krieg„. Kaum bekannt, daher eine besonders schöne Wahl.

Johann Strauss Jun.Tritsch-Tratsch-Polka (op. 214) … Eine der bekanntesten Polkas überhaupt. Als Strauss 1858 in Russland weilte, tratschte man in Wien allerhand. Strauss hätte wohl Affären in Russland, sei dort verlobt oder gar verheiratet. Das Gerede wurde in der humoristischen Zeitschrift Tritsch-Tratsch veröffentlicht. Strauss machte sich mit dieser Polka über das Gequatsche der Wiener lustig. Die Uraufführung erfolgte am 24. November 1858 im Grossen Zeisig unterhalb von St. Ulrich am Spittelberg. Der Grosse Zeisig war damals eines der populärsten Tanz-Gasthäuser Wiens. Die Wiener Sängerknaben sind bei diesem Stück zungenbrecherisch mit von der Partie.

Carl Michael ZiehrerWiener Bürger (Walzer, op. 419) … So! Hat man mich denn nun endlich erhört? Trägt mein Rufen und Bitten nach Würdigung des grossen Ziehrers an einem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker nun endlich doch noch Früchte? Ich kann meiner Freude in Worten kaum Ausdruck verleihen. Ziehrer, dessen Walzer, Lieder und Märsche an Erhabenheit, an Charme, Liebreiz und Poesie viele Strauss-Werke weit übertreffen, kommt nach vielen Jahren endlich wieder zum Zuge. Dass ein derart begnadeter Komponist wie Ziehrer bis heute kaum anerkannt, kaum beachtet worden ist, da nach wie vor im Schatten Strauss‘, ist nicht in Ordnung! Dank engagierter Leute wie Hans Schadenbauer, Max Schönherr oder auch der Ziehrer-Stiftung kommen Ziehrers Werke nach und nach wieder ins Bewusstsein von Menschen mit wirklich gutem Musikgeschmack.

Johann Strauss Jun.Albion-Polka (op. 102) … Wie schön, ein eher frühes und minder bekanntes Strauss-Werk aus dem Jahr 1851. Die Polka wurde bereits am Neujahrskonzert 2000 gespielt. Sie ist nicht spektakulär, doch in ihrer Einfachheit durchaus reizend.

Josef StraussJockey-Polka (op. 278) … Hier begegnet uns wieder etwas Bekannteres. Die kurze rasante Polka bringt Stimmung in den Saal. Sie widerspiegelt Pepis Liebe zum Pferdesport. Die Uraufführung fand am 17. Februar 1870 in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft statt – mit riesigem Erfolg.

PAUSE (Japanische Schulmädchen und so fliegen durch die Luft)

Joseph Hellmesberger Jun.Teufelstanz … Schon wieder Hellmesberger? Was hat der, was Ziehrer nicht hat? Hatten wir den Teufelstanz nicht unlängst bereits an einem Neujahrskonzert? Na, warum nicht. Trotzdem eine nette Abwechslung. Und Hellmesberger ist einer der weniger bekannten Wiener, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Josef StraussKünstler-Gruss (Polka, op. 274) … Diese Polka hat im Rahmen des Neujahrskonzerts eine symbolische Bedeutung. Am ersten Konzert der Strauss-Brüder  im Januar 1870  im neu eröffneten Musikverein stand sie als erstes Werk auf der Liste.

Johann Strauss Jun.Freut euch des Lebens (Walzer, op. 340) … Auch dieses Werk wurde für die Eröffnung des Musikvereinsgebäudes geschrieben. Bereits am Neujahrskonzert 2008 aufgeführt, aber immer wieder herrlich zu hören. Wunderbares Hauptthema. Zu diesem Walzer tanzt das Ballett durch die Räume des Oberen Belvedere.

Johann Strauss VaterSperl-Galopp (op.42) … Zum Glück ist Papa Strauss auch vertreten. Die rasante Galoppe widmete Strauss dem berühmten Etablissement Sperl in der Leopoldstadt, an welches heute nur noch die Sperlgasse erinnert. Der riesige Ballsaal gehörte zu den beliebtesten Vergnügungsstätten Alt-Wiens.

Hans Christian LumbyeKopenhagen-Eisenbahn-Galopp … Ah wie schön! Auch dieses Jahr dachte man an den sympathischen Dänen. Lumbye schrieb diese Galoppe anlässlich der Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie von Kopenhagen nach Roskilde, die erste Bahnstrecke Dänemarks. Sie wurde am 18. Juni 1847 feierlich in Betrieb genommen. Die Galoppe erklingt im Hinblick auf die EU-Ratspräseidentschaft Dänemarks, welche am 1. Jänner 2012 beginnt. Ein aktueller Bezug also.

Josef StraussFeuerfest (Polka, op. 269) … Der Industrielle Franz von Wertheim fertigte feuerfeste Tresoren an, machte damit ein enormes Vermögen und baute sich am Schwarzenbergplatz ein stattliches Palais. Anlässlich der Produktion des 20’000. Tresors um 1869 organisierte Wertheim ein rauschendes Fest. Eigens dafür komponierte Josef Strauss diese nette Polka. Am Konzert wirken die Wiener Sängerknaben bei dieser Polka mit.

Eduard StraussCarmen-Quadrille (op. 134) … Eduards Bruder Josef war ein besonderer Spezialist darin, Opern, die in Wien zur Erstaufführung kamen, in eine Quadrille zu verpacken. George Bizets Carmen hat sich jedoch der schöne Edi angenommen. Aus den bekanntesten Melodien der Oper hat Eduard Strauss diese Quadrille geformt.

• Peter Tschaikowsky – Panorama und Walzer aus „Dornröschen“… Nanu, Tschaikowsky an einem Neujahrskonzert? Es ist weder ein Geburts- noch ein Todestag des Komponisten. Na, spätestens am Konzert werden wir den Grund für diese Wahl erfahren. Jedenfalls ist das Panorama eine sehr gefühlvolle und verträumte Abwechslung zum bisherigen, lebhaften Prgramm. Und der folgende Walzer beschwingt dann von Neuem. Trotzdem: Meiner Meinung nach hat Tschaikowsky ohne einen speziellen Anlass nichts verloren an einem Neujahrskonzert in Wien.

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Johann Strauss Jun. / Josef StraussPizzicato-Polka … Von mehreren Pizzicato-Polkas kommt hiermit Johanns und Josefs Gemeinschaftswerk zur Aufführung. Oft wird die Polka Johann allein zugeschrieben. (Nicht zu verwechseln mit der „Neuen Pizzicato-Polka“, op. 449 von Johann Strauss Jun.)

Johann Strauss Jun.Persischer Marsch (op. 289) … Strauss war nie in Persien, aber trotzdem schrieb er diese Hommage an den Osten und führte sie erstmals im Frühsommer 1864 in St. Petersburg auf. Die Wiener Uraufführung erfolgte im Oktober selben Jahres.

Josef StraussBrennende Liebe (Mazurka, op. 129) … Pepi hat oft Gemütszustände und Gefühlsempfinden in seine Kompositionen einfliessen lassen. Mit seiner Frau Caroline verband ihn eine innige Liebe. In dieser Mazurka drückt er diese besonders gefühlvoll aus. Auch hier kommt eine live Balletteinlage aus dem Oberen Belvedere. Passend dazu orientiert sich die Choreographie des Pas de Deux von Davide Bombana am weltberühmten Gemälde „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Der Maler feiert 2012 seinen 150. Geburtstag.

Josef StraussDelirien (Walzer, op. 212) … Ein ganz tolles, gross angelegtes Werk des Pepi Strauss. Uraufgeführt in der Karnevalssaison von 1867.

Johann Strauss Jun.Unter Donner und Blitz (Polka, op. 324) … Diese äusserst lebhafte Polka war schon mehrmals vertreten an den Neujahrskonzerten. Immer wieder eine gute Wahl. Ursprünglich hiess diese Komposition „Sternschnuppe“ (Uraufführung am 16. Februar 1868 im Dianasaal). Doch für das Phänomen einer Sternschnuppe war die Polka dann doch etwas zu geräuschvoll und grollend. Daher der passendere neue Titel.

Johann Strauss Jun.Tik-Tak-Polka (op. 365) … Die Polka, an eine Uhr erinnert (wie der Name schon verrät), ist Teil der Operette „Die Fledermaus“ und von daher bestens bekannt.

• Der Donauwalzer (das Ballett tanzt zum dritten mal im Oberen Belvedere) und der Radetzky-Marsch werden wie immer das Spektakel ausklingen lassen.

Fazit: Wie letztes Jahr schon ein überraschend diversifiziertes Programm! Erneut wird eine Fülle an weniger bekannten Werken präsentiert. Der absolute Höhepunkt für mich ist auf jeden Fall der Walzer von Carl Michael Ziehrer. Dass der wienerischste aller Walzerkomponisten endlich wieder mal einen Platz im Programm eines Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker findet, freut mich ungemein! Das absolute Non-Plus-Ultra wäre gewesen, wenn Joseph Lanner auch noch vertreten gewesen wäre. Schade, erklingt von ihm dieses Mal nichts. Aber man darf sich mit gutem Grund riesig freuen auf das Konzert am 1. Januar um 11.15 Uhr.

Der Musikverein, Wien

Der Musikverein, Wien


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