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Archive for November 2012


Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Hintermänner der widerwärtigen, pseudokatholischen Hass- und Fanatikerseite Kreuz.net – die Seite ist mittlerweile vom Netz genommen – hat sich bei der intensiven Fahndung nach den Verantwortlichen der Verdacht erhärtet, dass der Pfarrer von St. Jakob in Penzing, Christian Sieberer, neben fünf anderen Verdächtigen mit den Machern der Seite in enger Verbindung steht oder gar zu den Drahtziehern gehört. Spiegel TV hat sich auf die Spurensuche begeben und Pfarrer Sieberer zur Causa Kreuz.net befragen wollen (Sendung vom 25.11.2012, 23.15 Uhr). Als das Reporterteam den Geistlichen auf der Strasse in Penzing fragen wollte, wie er zu Kreuz.net stehe, ist dieser wortlos weitergegangen, hat keinen Mucks gemacht, die Anfrage eisern ignoriert.

Die (Nicht-)Reaktion spricht wohl für sich
Mal ehrlich: Hätte der „Pfaffenheini“, wie sich der ultrakonservative Priester selbst nennt, eine saubere Weste bezüglich Kreuz.net, hätte er anders reagiert oder zumindest den Reportern guten Gewissens mit ein paar wenigen Worten sagen können, er hätte nichts mit dem Hassportal zu tun. Kurzum: So reagiert kein Unbeteiligter. Sollte sich rausstellen, dass Sieberer mit Kreuz.net in Verbindung steht, dürfte ein Sturm über die Pfarre Penzing hereinbrechen. Und dann müsste die Erzdiözese Wien wohlüberlegt handeln. Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn äusserte unlängst, er habe einen festen Verdacht, dass zwei Geistliche aus seiner Diözese mit hinter Kreuz.net stecken. Ob Pfarrer Sieberer einer der von ihm Verdächtigten ist? Letzterer ist dem Erzbischof seit einem Zwist um das Vetorecht bezüglich Wahlen innerhalb der Pfarre nicht mehr freundlich gesinnt.
Vor einem ähnlichen Problem steht indes das Bistum Mainz. Ein Priester im Raum Darmstadt – zum Bistum gehörend – hat erwiesenermassen auf Kreuz.net Beiträge mit hetzerischem Inhalt befürwortend mit Spott und Hohn kommentiert. Der Priester, namentlich handelt es sich um Pfarrer Hendrick Jolie, hüllte sich ebenfalls in Schweigen gegenüber dem Repoter-Team von Spiegel TV. Auch er sehr suspekt. Das Bistum hat ihn zu einem Gespräch zitiert. Und das Resultat? Es hat natürlich keine Konsequenzen. Einzig ein mildes Hinweisen, er soll sich künftig von dem Portal distanzieren. Schwach und einfach kennzeichnend für die Gesinnung der katholischen Kirche.

Kreuz.net – das Werk einer bösartigen, gottlosen Gruppierung
Kreuz.net verbreitet seit Jahren menschenverachtendes Gedankengut, verunglimpft auf primitivste Weise Personen des öffentlichen Interesses, die aus Sicht von Kreuz.net mit den erzkonservativen Ansichten des Katholizismus nicht konform gehen, schürt Antisemitismus und Rechtsextremismus. Am allerstärksten jedoch hat Kreuz.net homosexuelle Menschen im Visier, beschimpft sie und ruft zu deren Verfolgung auf. Erneut in den Fokus geraten ist Kreuz.net im Oktober 2012 mit einem scheusslichen Hassartikel zu Dirk Bachs Tod, in dem der homosexuelle Schauspieler und Komödiant posthum aufs Übelste beschimpft worden ist („Jetzt brennt er in der ewigen Homohölle“, „Sittenverderber“, „Kotstecher“, „gesellschaftsschädlicher Homo-Gestörter“, …). Die Autoren und viele Kommentatoren bedienen sich primitivster Fäkalsprache. Die Eigenleistungen von Kreuz.net sind mehrheitlich redaktioneller Brechdurchfall.

Einen aufschlussreichen und meiner Meinung nach sehr fundierten, in fast jeder Hinsicht zutreffenden Blick auf die Causa Kreuz.net gibt der offen homosexuell lebende katholische Tehologe David Berger (Interview lesen).

Zum Verständnis:
Die Hintergründe
Update

Pfarrkirche St. Jakob, Penzing

Pfarrkirche St. Jakob, Penzing. Hier predigt der „Pfaffenheini“.

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Kreuz.net ist ein Hetz- und Hassportal, ein pseudokatholisches Fäkalforum ersten Ranges. Eine pure Dreckschleuder primär gegen homosexuelle Menschen und gegen alles, was in der erzkonservativen katholischen Weltanschauung als fortschrittlich gelten könnte. Weiter brilliert das Portal mit Antisemitisus und Rechtsextremismus.

Als die Autoren einen abscheulichen Artikel über den Tod von Dirk Bach („Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“) publizierten, war das Fass für viele übergelaufen. Anzeige wurde erstattet und ein hoher Geldbetrag für die Erfassung der Hintermänner der Internetseite ausgesetzt. Nun haben intensive Recherchen ergeben, dass die Autoren, die wohl aus Deutschland, der Schweiz und Österreich stammen, teils höchsten kirchlichen Kreisen angehören. Vier der fünf Verantwortlichen sind den Ermittlungen zufolge Diözesanpriester. Einer davon soll der Diözese Wien angehören.

Erbauend, was in der katholischen Kirche für eine Brut heranreift.

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Zur Einstimmung in Fis-/G-Dur. Lange dauert’s ja nicht mehr 🙂

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier eine ausführliche Programmbeschreibung mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Franz Welser-Möst – seit 2012 Direktor der Wiener Staatsoper – dirigiert wie bereits schon 2011 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein. Und es ist vielversprechend: Welser-Möst äusserte sich in einem Interview mit ORF, dass er Kompositionen dirigieren wolle, die nicht schon zahlreiche Male von seinen Vorgängern dirigiert worden seien. Ihn interessierten auch die „verborgenen Schätze“. Und so wird es auch mehrheitlich. Neben ein paar wohlbekannten Walzern von den beiden Strauss-Brüdern (Eduard fehlt diesmal) erklingen 2013 erneut mehrere Trouvaillen, über die ich mich sehr freue. Auffallend stark ist Josef Strauss im Programm vertreten. Verdi und Wagner bilden diesmal die „Fremdkörper“ im Programm. An ihre Stelle hätte man lieber wieder einen Ziehrer gesetzt !

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Es werden gespielt:

Josef StraussDie Soubrette, op.109 … Mit einer reizenden Polka vom Pepi eröffnet das aktuelle Neujahrskonzert. In der Zeit, als die Operette ihre Hochblüte feierte, verstand man unter einer Soubrette eine Tänzerin und Sängerin auf der Bühne. Zuvor stand der Begriff jedoch für ein kokettes Stubenmädchen, was auch das Titelblatt der Klavierausgabe von Josef Strauss‘ Polka verbildlicht. Möglicherweise wurde das Werk laut Aufzeichnungen des Komponisten am 8. August 1861 im Dommayer erstmals gespielt. Man geht davon aus, dass das Uraufführungsdatum der 6. August war, wo die Polka an einem Konzert im Volksgarten dem Publikum zum ersten Mal vorgeführt wurde. Obschon das Werk sich ordentlicher Beliebtheit erfreut haben dürfte, wurde es bald von anderen Novitäten verdrängt. Umso erfreulicher, lebt es hier neu auf.

Johann Strauss Jun.Kusswalzer, op.400 „Nur für Natur hegte sie Sympathie…“ Das bezaubernde Hauptthema ist Johann Strauss einmal plötzlich „durch den Schädel gefahren“, wie er sagte. Es war damals noch nicht geplant, dass die Melodie für seine neue Operette „Der lustige Krieg“ verwendet werden sollte (Uraufführung am 25. November 1881 im Theater an der Wien). Als aber der Bühnenstar Alexander Girardi als Ergänzung für seinen Part in der Operette ein Walzerlied verlangte, griff Strauss auf den Kusswalzer zurück und verarbeitete ihn zu einem Couplet. Die konzertante Uraufführung erlebte der Walzer beim Hofball am 10. Jänner 1882. Der Kusswalzer ist und bleibt einer der populärsten Strausswalzer, und ich erachte ihn als eine gute Wahl für das heurige Programm, zumal ja das Neujahrskonzert als eine Art Kuss aus Wien für die ganze Welt bezeichnet werden kann.

Josef StraussTheater-Quadrille, op.213 … Die Form der Quadrille wurde gerne benutzt, um Musikstücke zusammenzufassen, die von Aktualität waren. Sie liessen sich aneinanderreihen und in einem eigenständigen Werk arrangieren. Josef Strauss war ein Quadrillen-König. Gastierte ein Komponist in der Stadt oder wurde eine neue Oper uraufgeführt, war Josef sofort zur Stelle, griff die wichtigsten Melodien auf und schusterte sie flugs zu einer Quadrille zusammen, um dem Volk eine Art „Best Of“ zu präsentieren. Die Theater-Quadrille vereint Themen aus Bühnenwerken von Adolf Müller d.Ä., Giuseppe Verdi, Franz von Suppé, Peter Ludwig Hertel, Giacomo Meyerbeer, Julius Hopp und Jacques Offenbach. Die Uraufführung der Theater-Quadrille erfolgte am 12. Jänner 1867 im Dianasaal an einem Maskenball mit Motto „Les Comédiens“. Wiederholt wurde sie an der Carnevalsrevue von 10. März selben Jahres im Volksgarten.

Johann Strauss Jun.Aus den Bergen, Walzer op.292 ... Sehr schön. Eine heute weitgehend unbekannte Komposition des Walzerkönigs. Entstanden ist der Walzer allerdings nicht in den Bergen, sondern während Strauss‘ Konzertaufenthalt im russischen Pawlowsk im Jahre 1864. Die Aufführung im Theater an der Wien erntete reichlich Lob. Dennoch verstaubte der Walzer danach bald in den Regalen. Die Wiener Philharmoniker servieren ihn der neuen Welt, entstaubt und frisch. Das freut mich.

• Franz von Suppé – Leichte Kavallerie, Ouvertüre … Der morbide Franz verdient es auf jeden Fall, am Neujahrskonzert gespielt zu werden. Doch gäbe es weitaus Interessanteres als die Leichte Kavallerie. Sie ist einfach zu berühmt. Man hätte diese Chance nutzen können, den genialen Komponisten einmal durch eines seiner zahllosen unbekannteren Werke kennenzulernen. Leider wird dadurch das Klischee geschürt, Franz von Suppé sei vorwiegend ein Ouvertüren-Komponist gewesen.

Josef StraussSphärenklänge, Walzer op.235 … Einer der berühmtesten Walzer des Strauss-Bruders und mit Recht einer der gerühmtesten. Die Sphärenklänge katapultieren den Zuhörer in der Tat in andere Sphären. Durchaus berechtigt, dass auch ein „Allerweltswerk“ vom Josef hier Platz findet. Die „Sphärenkläge“ waren eine klassische Widmungskomposition für den Ball der Ärztegesellschaft am 21. Jänner 1868 im Sofiensaal. Der Komponist war gleichsam Balldirektor. Unter Kennern der Wienermusik werden die „Sphärenklänge“ als eines der eindrucksvollsten Tongedichte dieser Musikgattung gehandelt. Josef Strauss kümmerte es nicht, dass die Presse den für einen Medizinerball ihrer Ansicht nach sehr unpassenden Titel kritisierte, der wohl „eher für den Zustand der Ballgänger danach stehe als für den Ball selbst“.

Josef StraussDie Spinnerin, Polka op.192 … Diese Polka war eines von zehn Werken von Josef Strauss, welche an der Karnevalsrevue am 18. Februar 1866 im Volksgarten aufgeführt wurden. Die Klavierausgabe war jedoch bereits am 5. Februar erhältlich. „Die Spinnerin“ war ein sehr grosser Erfolg, verschwand später dennoch in den Archiven. Allein deshalb eine schöne Wahl für das Neujahrskonzert.

• Richard Wagner – „Lohengrin“, Vorspiel zum 3. Akt … Am 22. Mai 2013 würde Richard Wagner 200 Jahre alt. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des grossen Deutschen Komponisten. Wagner hatte in Wien zu Lebzeiten beruflich einen schweren Stand und erhielt wenig Anerkennung. Meine persönliche Meinung: Genialer Komponist, der meine höchste Bewunderung hat. Aber müsste hier trotzdem nicht sein, da zu unpassend für ein Neujahrskonzert und zuwenig Gemeinsamkeiten mit dem Wiener Genre. Im Prunksaal der Nationalbibliothek findet ihm zu Ehren bis am 10.  Februar 2013 die Ausstellung „Geliebt, verlacht, vergöttert – Richard Wagner und die Wiener“ statt.

Joseph Hellmesberger Jun.Unter vier Augen, Polka Mazurka … Hellmesberger wird auch diesmal wieder die Ehre zuteil. „Unter vier Augen“ ist eine einfache, aber höchst leidenschaftliche Mazurka von gut vier Minuten. Das Hauptthema ist so richtig wienerisch. Bedauerlicherweise ist Hellmesberger bereits mit 52 Jahren verstorben. Die Welt der Wiener Musik hätte noch mehr von ihm gebrauchen können.

Josef StraussHesperus-Bahnen, Walzer op.279 … Ein kaum bekanntes Werk vom Josef. Wunderbar! Der Walzer hat ein berauschend schönes Hauptthema. Es ist ein Walzer, der auf keinen Fall zu schnell gespielt werden darf. Die Hesperus-Bahnen waren die letzte Komposition, die Strauss für die Ballsaison der Künstlervereinigung „Hesperus“ komponiert hatte. Eigentlich hätte der Walzer in der ersten Hälfte der Karnevalssaison 1870 aufgeführt werden sollen. Aber wegen eines Feuers in der neuen Heimstätte der Gesellschaft beim Karlsplatz musste dies verschoben werden. Am 4. April erfolgte die Uraufführung im drei Monate zuvor eröffneten Musikverein. Das Publikum war nicht gross, der Applaus dafür umso grösser. Die Hesperus-Bahnen schlugen voll ein und waren das letzte derart mitreissende Werk Josef Strauss‘. Im Juli selben Jahres starb er – und mit ihm die Hepserus-Bahnen. Der Walzer ging weitgehend vergessen. Umso schöner, dass er jetzt seine Reinkarnation erlebt.

Josef StraussGaloppin-Polka, op.237 … Man liest gelegentlich auch „Galopin-Polka“. Diese Polka befand sich unter den Novitäten, welche Josef und Eduard Strauss für den traditionellen Wohltätigkeitsball in dem Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft an der Ringstrasse am 13. Februar 1868 geschrieben haben. Unter einem Galoppin verstand man einen jungen Mann, der eifrig mit Börsennachrichten hin und her rannte, und je schneller er diese übermittelte, desto höher fiel sein Trinkgeld aus. Dieser Service ersetzte damals die spätere Telekommunikation. Die Zeit der Galoppine war zwar wegen Neuerungen bald vorbei, aber dennoch versäumte es Josef Strauss nicht, ihnen diese sehr lebendige Komposition zu widmen. Die Polka erntete lautstarken Applaus. Laut der Aufzeichnung eines Orchestermitgliedes wurde die Galoppin-Polka bereits am 12. Februar an einem Maskenball im Sofiensaal gespielt, der Komponist nennt aber ersteres Datum als offiziellen Tag der Uraufführung. Eine tolle Wahl für dieses Programm. Die Balletteinspielung  kommt aus Schloss Hof. Man erkennt in dieser Polka die musikalische Verwandtschaft Pepis mit Joseph Lanner. Und dieser folgt jetzt gleich…

Steyrische Tänze - Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Steyrische Tänze – Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Joseph LannerSteyrische Tänze, op.165 … Wunderbar! Eine von Lanners bezauberndsten Kompositionen, ein gemächlicher Walzer im leichten Ländler-Stil. Vielleicht wäre etwas weniger Populäres von Lanner die noch interessantere Wahl gewesen, aber dass der Walzervater auch heuer vertreten ist, freut mich ausserordentlich. Diese Tänze selbst haben nicht etwa direkt etwas mit der oberösterreichischen Stadt Steyr zu tun, sondern mit der Steiermark (alte Schreibweise). Dieser Name leitet sich allerdings von der Stadt Steyr ab, von wo die Gründung der Steiermark ausging. Der “Steirische” ist ein volkstümlicher Tanz, der sich in der Steiermark grösster Beliebtheit erfreute und von Region zu Region unterschiedliche Ausprägungen hatte. Steirische aus der Biedermeierzeit haben sich kaum erhalten können, ausser Lanners op.165, das in der Originalpartitur auch mit “Pas Styrien” oder “Steyrische-National-Tänze” betitelt ist. Joseph Gungls „Alpenklänge/Steirische National-Tänze“ oder die „Aechten Ober-Steyrer Ländler“ von Michael Pamer haben seinerzeit einige Beachtung erhalten, sind aber heute völlig vergessen. Lanners Komposition ist dem Walzer-Genre zuzuordnen, der klassische Steirische wird nur anhand stilisierter Ländlermotive angedeutet. Im rhythmischen Grundmuster des ersten Themas sind deutliche Parallelen zum überlieferten steirischen Liedgut zu finden. Der Komponist hat dieses Werk ursprünglich für ein Divertissement namens „Die Macht der Kunst“ geschrieben, aufgeführt im 1870 demolierten Kärtnertortheater. Das Notenmaterial für das Neujahrskonzert wurde von der Joseph-Lanner-Gesellschaft zur Verfügung gestellt (wie auch für weitere Kompositionen im heurigen Programm).

Johann Strauss Jun.Melodien-Quadrille, op.112 … Mein Verhältnis zu all den Strauss’schen Quadrillen ist ambivalent. Melodien fremder Komponisten kann jeder zu einem Bouquet zusammenfassen. Deshalb gehören in ein Neujahrskonzert meiner Meinung nach reine Eigenleistungen und nicht „Abgekupfertes“. Opus 112 ist wohl ausgewählt worden, um auf die nächste Nummer einzustimmen. Verdi hatte anno 1843 die Wiener Uraufführung von „Nabucco“ geleitet, doch kaum ein namhaftes Presseblatt berichtete gebührend darüber. Verdi hatte wie Wagner auch keinen leichten Stand in der Kaiserstadt. Strauss zollte mit dieser Quadrille seinen Tribut an den Italiener. Sie vereint Verdi-Themen und war anfänglich unter dem Namen „Hesperiden-Quadrille“ aufgeführt und später umbenannt worden.

• Giuseppe Verdi – Presstissimo aus der Ballettmusik im 3. Akt von „Don Carlo“ … Auch Giuseppe Verdi würde 2013 seinen 200. Geburtstag feiern und zwar am 10. Oktober. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des schaffenskräftigen Italieners.

Johann Strauss Jun.Wo die Citronen blüh’n, Walzer op.364 „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, kennst du es wohl?…“ Der Walzer entstand unter dem Namen „Bella Italia“, als Strauss 1874 nach Italien reiste. Später erfolgte die Umbenennung. Es handelt sich um eines der populäreren Werke des Walzerkönigs, und man hört es heute immer mal wieder. Insbesondere das Hauptthema ist ungeheuer reizvoll. Es darf auf keinen Fall zu schnell wiedergegeben werden, weil der ganze Zauber dadurch zerstört würde. Franz Welser-Möst wirds sicher recht machen. Die Balletteinspielung  kommt erneut aus Schloss Hof.

Johann Strauss VaterErinnerungen an Ernst oder Der Carneval in Venedig, op.126 … Schön, dass Strauss Senior es diesmal auch wieder ins Programm geschafft hat. Etwas einfallslos jedoch finde ich die Werkwahl. Einerseits, weil sie bereits 2007 im Programm war, andererseits, weil auch Strauss-Papa hier fremde Musik verwendet. In dieser Fantasie greift er zwei berühmte Themen des deutschen Wundergeigers Heinrich Wilhelm Ernst (1814-1865) auf und arrangiert und paraphrasiert sie auf originelle Weise. Das bekanntere der beiden: „Ein Mops/Hund kam in die Küche“ respektive „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Wenn der Strauss-Vater aber schon nur einmal vorkommt im Programm, so hätte es meines Erachtens eine Komposition sein müssen, die gänzlich seinem Kopf entsprungen ist. Es gibt da bei Gott genug unbekannte, höchst interessante Würfe des Genius. Am Katharinenfest im Sperl anno 1840 wurde dieses Werk mit grosser Neugier erwartet, denn H.W. Ernst war kurz zuvor in Wien zu Besuch gewesen und hatte das Volk begeistert. Wie auch immer, das Stück wird garantiert für amüsierte Gesichter sorgen im Goldenen Saal. Trotzdem hätte eine andere, repräsentativere Strauss-Vater-Komposition hierhin gehört.

Josef StraussPlappermäulchen, Polka op.245 … Eine kleine Reminiszenz an ein geschwätziges Fräulein, namentlich des Komponisten Tochter Carolina Anna. Nichts Besonderes und unspektakulär, aber dennoch von Reiz und somit ein nettes Intermezzo. 

Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert. Was mich freut: Welser-Möst findet es laut seinen Aussagen genauso unpassend wie ich, wenn in einem ehrwürdigen Haus wie dem Musikverein zum Radetzky-Marsch geklatscht wird.

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Die beiden Balletteinlagen wurden dieses Mal auf Schloss Hof im Marchfeld aufgezeichnet, dem prächtigen Barockjuwel von Prinz Eugen, erbaut von Johann Lucas von Hildebrandt. Prinz Eugen wäre im neuen Jahr 350 Jahre alt.

Der Musikverein, Wien
Der Musikverein, Wien

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