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Archive for April 2013


Aktueller denn je ist die Debatte um die gesetzliche Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare. Meiner Meinung nach ist es tragisch, dass man im Jahre 2013 noch immer über etwas streiten muss, das zum Selbstverständlichsten überhaupt gehört. Aber gerade im Rahmen dieser Diskussionen zeigt sich besonders deutlich, wieviele Menschen mit erschreckend kurzsichtigem, verkorkstem und vor allem gefährlichem Gedankengut es nach wie vor gibt innerhalb unserer westlichen Gesellschaft. Sie sind verseucht von einer durch religiösen Fundamentalismus missgeprägten Weltanschauung. Die Folge davon sind Diffamierung, Hetze und purer Hass gegenüber Mitmenschen, die einen anderen Lebensentwurf haben. Und warum solche hasserfüllten Menschen künftig keine Plattform in den Medien mehr erhalten sollten, erklärt David Berger, offen homosexuell lebender Theologe, mit scharfen, aber fundierten und plausiblen Worten (original zu lesen hier):

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Hart, aber nicht hetzend…

Homohasser raus aus den Talkshows!

Schwule und Lesben sollten nicht länger aushalten müssen, dass man sie öffentlich diffamiert. Das Beispiel Frankreich zeigt gerade, wohin das führt.

Ein Kommentar von David Berger

Dass Worte mächtig sind und Taten provozieren, erleben derzeit Frankreichs Schwule und Lesben hautnah. Seitdem die Gegner der Eheöffnung sprachlich deutlich aufgerüstet haben, andauernd demonstrieren und ihr Anliegen in Talkshows und Nachrichtensendungen bringen, sind die homophoben Übergriffe dort um mehr als 30 Prozent angestiegen. Homo-Aktivisten konstatieren einen direkten Zusammenhang zwischen der aggressiven Sprache der Gleichstellungsgegner und der Zunahme auch körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Dass der Erzbischof von Paris jüngst davon sprach, dass die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben zu einer „gewalttätigen Gesellschaft“ führe, vervollständigt dieses Bild noch auf ganz delikate Weise.

Auch in Deutschland ist das Thema längst angekommen. Und auch hier läuft kaum eine Talkshow zur Homo-Ehe über den Bildschirm, ohne dass ein(e) Quoten-Homophobe(r) dort ein Podium geboten bekommt. So abstrus die homofeindlichen Protagonisten von Martin Lohmann über Katherina Reiche bis Gabriele Kuby bei vielen Zuschauern auch rüber kommen – bei Lanz, Jauch, Plasberg & Co dürfen sie sich vor einem Millionenpublikum ausbreiten. Da werden homosexuelle Menschen als „widernatürlich Unzüchtige“ und „Perverse“ bezeichnet. Es wird gesagt, sie seien aufgrund ihres Lebensstils „im Irrtum“ und gefährdeten den gesellschaftlichen Frieden und Wohlstand, was nur durch einen unangebrachten gesellschaftlichen Hype um das Schwulsein und eine einflussreiche „Homo-Lobby“ verdeckt werde.

Meistens ergötzen sich dann die Berufshomophoben der Nation an ihrer eigenen vermeintlichen Toleranz, die so oder ähnlich in dem Motto zum Ausdruck kommt: „Ich habe ja nichts gegen Homosexuelle an und für sich, also als Menschen. Aber dass sie das selbstbewusst ausleben und auch noch Gleichberechtigung fordern, bekämpfe ich mit allen Mitteln.“ Eine Devise, die in Frankreich in ähnlicher Weise vom Bündnis gegen die Homo-Ehe monoton vorgebetet wird.

Remmidemmi für die Quote

Nun wird jeder, der sich im Mediengeschäft ein wenig auskennt, die Redakteure der Talkshows durchaus verstehen, dass sie solchen Menschen ein öffentliches Forum vor einem Millionenpublikum bieten. Im öden TV-Einerlei des Alles-schon-mal-Gesehenhabens sorgen pointierte Extremmeinungen für Remmidemmi in der Sendung. Auch die inhaltliche Begründung, die ich im Gespräch mit Verantwortlichen immer wieder zu hören bekomme, erscheint auf den ersten Blick plausibel: Der homophobe Talkgast stehe doch nur stellvertretend für jenes geschätzte Drittel unserer Gesellschaft, das ähnliche homophobe Ansichten vertritt. Oder vertreten würde, wäre das gesellschaftlich inzwischen nicht weithin verpönt.

Allerdings stellen Forscher seit Jahren einen ähnlich gefährlichen gesellschaftlichen Bodensatz in Deutschland fest, wenn es um Antisemitismus und Rassismus geht. Man stelle sich nun einmal vor, eine Talkshow würde auch hier beschließen, den gesellschaftlichen Proporz im Hinblick auf latenten Antisemitismus in ihrer Sendung widerzuspiegeln. Das würde etwa bedeuten, dass zu einem Jauch-Talk zur Zukunft des Euro als Gesprächspartner – und damit als ernst genommener Fachmann zum Thema – ein ultra-rechter Hardliner eingeladen wird, etwa ein Chefredakteur einer antisemtischen Internetseite. Und er würde behaupten, er habe zwar nichts gegen Juden, ja er habe sogar einige jüdische Freunde. Aber dass sie sich in der Finanzwelt betätigten und dort gleiche Rechte wie „arische Menschen“ forderten, sei ein Ding der Unmöglichkeit und gefährde unseren Wohlstand in eminenter Weise. Dass diesem im öffentlich rechtlichen Fernsehen zur besten Sendezeit ein Podium geboten wird, um dort seine These auszubreiten – undenkbar.

Diffamierung ist keine Meinung

Der Aufschrei in Politik und Gesellschaft wäre immens. Und das zu Recht. Wo es um Antisemitismus, Frauenrechte und Rassismus geht, hat sich ein Konsens gebildet, der sehr gut zwischen diffamierenden Äußerungen auf der einen und Debattenbeiträgen bzw. Meinungsäußerungen auf der anderen Seite zu unterscheiden weiß. Und ersteren eben kein Podium bietet. Auch wenn der ausufernde Pluralismus des Internets dazu angelegt ist, dafür die Sinne zu trüben: Das klare Nein zu Hassrede bzw. diffamierenden Äußerungen – gerade gegenüber Randgruppen – hat mit der Beschneidung von Meinungsfreiheit schlicht gar nichts zu tun. Vielmehr schützt es diese. Im Bereich der Homophobie besteht in der deutschen Medienlandschaft noch enormer Lernbedarf.

Nach all dem überzeugt auch der immer wieder von den Homophoben vorgebrachte Vorwurf, ihre Kritiker seien intolerant, weil sie die (diskriminierenden) Äußerungen der Homophoben nicht dulden, in keiner Weise. Sie müssten, wie Martin Lohmann die Zuschauer bei „Hart aber fair“ wissen ließ, „aushalten, dass man ihnen sagt, sie seien im Irrtum“.

Nein, Herr Lohmann, das müssen wir nicht! Ja ich gehe sogar noch weiter: Das wollen, ja das dürfen wir nicht! Eben weil uns der Respekt vor der Würde jedes Menschen, unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Hautfarbe oder eben seiner sexuellen Orientierung, unverzichtbar und die Meinungsfreiheit wertvoll ist. Schauen Sie sich das Gesicht von Wilfried de Bruijn an, der vor einigen Tagen in Paris brutal zusammengeschlagen wurde, als er mit seinem Partner Arm in Arm durch die Straßen lief! Schauen Sie ihm ins zerschlagene Gesicht, Herr Lohmann! Vielleicht werden dann Sie und die Ihren verstehen, dass wir dagegen kämpfen, dass man diffamierenden, homofeindlichen Äußerungen ein großes Podium bietet!

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Ich kann mir nicht erklären, was genau diesem Lied innewohnt, das mich seit meiner Kindheit in einen unbeschreiblichen Bann zieht. Für mich ist es jedenfalls das allerschönste Wienerlied überhaupt. Die Melodie ist nicht einfach nur schön. Sie ist vertonte Lebensfreude, zu der sich aber ganz viel Melancholie und ungeheure Sehnsucht mengt. Wenn ich mir allerdings die zigfachen instrumentalen und gesungenen Wiedergaben anhöre, so scheint gerade diese Melancholie und Sehnsucht den meisten Interpreten verborgen zu bleiben. Viel zu stark betonen sie die Fröhlichkeit des Liedes.

Kein Stück habe ich auf dem Klavier so häufig in so mannigfaltiger Weise gespielt, wie dieses. Allein wegen „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ ist Robert Stolz für mich einer der genialsten Komponisten neuerer Zeit. Und ich wünschte mir, ich hätte jemals die Gelegenheit gehabt, dies dem ehrenwerten Herrn persönlich mitteilen können.

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Es ist eines der hingebungsvollsten und romantischsten Lieder der silbernen Operettnära: Das Duett des verliebten Wirtenpaares in einem Wiener Beisl am Rande der Stadt von Leo Fall aus der Operette „Der liebe Augustin“. Am schönsten ist es wohl, wenn sich Anneliese Rothenberger und Rupert Glawitsch das Stelldichein im schummrigen Wirthaus geben. Ich haben mich dafür einfach mal hingesetzt, das Lied in G-Dur angestimmt… et voilà: meine persönliche Pianoversion.

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