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Archive for the ‘Architektur’ Category


Seit jeher amüsiert mich die eine Portalfigur am Haus Wasagasse 2, ein stattliches Gründerzeit-Mietshaus im Ringstrassenstil. Auf dem Sprenggiebel über dem Portal liegen zwei sehr gut gebaute bärtige Herren mit wenig an. Während sich derjenige links in einer aufmerksamen Achtungstellung mit angewinkeltem Knie präsentiert, liegt der Herr rechts entspannt da, die Beine elegant übereinander geschlagen. Den rechten Fuss streckt er dabei neckisch, was dem Ganzen etwas ausgeprägt Damenhaftes verleiht. Man kennt sowas beispielsweise aus Werbungen für Damenstrümpfe oder -schuhe. Bei so einem muskelbepackten Bartträger kriegt dies eine erheiternde Note.

lasziv

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Tief in der steinernen Konsole der linken Säule am Adlertor des Stephansdomes verankert, entdeckt der aufmerksame Passant etwas, das wie ein eiserner Griff aussieht. Das mutmassliche Griffteil jedoch ist beweglich und lässt sich drehen. Es handelt sich um ein einzigartiges Relikt aus der Bauzeit des Nordturmes: Mit Sicherheit diente das Eisenteil als Seilspule oder Umlenkrolle für eine Vorrichtung, mit welcher Bauelemente in die Höhe gezogen wurden. Es hatte also eine rein praktische Funktion.

Wie es aber so ist, provozieren so alte Kuriositäten allerlei Legenden und Mutmassungen. So ist im Falle dieser mittelalterlichen Seilspule schon vor langer Zeit die Geschichte erzählt worden, bei der Spule handle es sich um einen so genannten „Asylring“. Verfolgte, welche es schafften, diesen „Asylring“ zu berühren, standen per sofort unter kirchlichem Schutz und durften nicht mehr festgenommen und bestraft werden. Dies geht vermutlich auf einen Erlass Herzog Leopold IV. des Glorreichen (1176-1230) zurück, der es Kirchen und Klöstern erlaubte, Verbrechern Schutz zu bieten, wenn sie es bis zu deren Mauern, respektive zu deren „Lepoltring“ geschafft haben. Lokalkundige kennen für diesen Asylring deshab auch die Bezeichnung „Leo“.

 

asylring

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Zigtausende Touristen und Passanten strömen täglich am Stephansdom vorbei, aber wohl kaum ein einziger bemerkt je die unscheinbare kleine Laterne hinter einem der Pilaster an der Hauptfassade. Nahe an der Ecke zum erzbischöflichen Palais ist das kleine, wohl aus neuerer Zeit stammende Laternchen angebracht. Und fast immer brennt darin ein Kerzchen. Irgendjemand scheint sich regelmässig um das Armenseelenlichtlein zu kümmern. Schön.

armenseelenlicht.jpg

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Aus der „Zuger Zeitung“ vom Samstag, 9. Dezember 2017

Wer war dieser «Johann Strauss Frankreichs»? Vor 180 Jahren, am 9. Dezember 1837, wurde er im Elsass geboren. Ein Pariser oder Londoner Ball wäre im ausgehenden 19. Jahrhundert ohne die elektrisierenden Walzer Émile Waldteufels unvollkommen gewesen.

Die ganze Welt schunkelt mit, wenn Cindy und Bert ihren Megahit «Wenn die Rosen erblühen in Malaga» von 1975 aus den Lautsprechern trällern. Oder schwelgend summt man mit bei den «Schlittschuhläufern», einem der populärsten Konzertwalzer der Musikgeschichte. Welchem kreativen Geiste diese unverkennbaren Melodien entsprungen sind, vermag so gut wie keiner zu benennen. Dabei war der Urheber mit dem einpräg­samen Namen Émile Waldteufel für das Paris und das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts das, was Johann Strauss für das Wien derselben Zeit war. Wo Waldteufel mit seinem gefeierten Orchester aufspielte, da versammelte sich die Société féodale.

Charles Émile Lévy Wald­teufel wurde am 9. Dezember 1837, exakt heute vor 180 Jahren, in Strassburg in eine angesehene Musikerfamilie hineingeboren. Sein Vater Louis führte ein beliebtes Tanzorchester, und sein fünf Jahre älterer Bruder Léon war ein begnadeter Violinist. Als dieser ans Pariser Konservatorium aufgenommen wurde, zog die gesamte Familie Waldteufel kurzentschlossen in die Hauptstadt. Der Ortswechsel legte den Grundstein für Émiles fulminante Karriere: Er selbst trat 1853 als Pianist ins Pariser Konservatorium ein, während das Orchester seines Vaters immer angesehener wurde – hauptsächlich bei der feinen Gesellschaft. Im Jahr 1865 wurde Émile Waldteufel von Eugénie, Frankreichs letzter Kaiserin, höchstpersönlich zum französischen Hofpianisten ernannt, nachdem sein Vorgänger Joseph Ascher nach London umgesiedelt war.

Internationaler Durchbruch

Bald dirigierte Émile – mittlerweile auch als Komponist aktiv – das Orchester seines Vaters, meist weiterhin in fürnehmster Umgebung wie dem Tuilerienpalast. Der internationale Durchbruch gelang Émile Waldteufel, als sich an einem Konzert im Oktober 1874 der künftige britische König Edward VII. unter dem Publikum befand. Angetan von Waldteufels Werk, verschaffte ihm der Monarch einen vielversprechenden Vertrag mit einem Londoner Verlag. Selbst an den Bällen von Queen Victoria gehörte Waldteufels beschwingte Musik bald zum guten Ton. Wohl war der Komponist zu Lebzeiten primär der besseren Gesell­schaft bekannt, sein Netzwerk zog sich durch sämtliche Adelsränge. Die klangvollen Widmungsträger seiner über 250 Walzer, Polkas und Märsche zeugen eindrücklich davon.

Im Jahre 1882 gelang Émile Waldteufel sein bedeutendster Wurf: Mit dem Walzer «Les Pâtineurs» op.183, bei uns besser bekannt als «Die Schlittschuhläufer», hat der gebürtige Elsässer Musikgeschichte geschrieben. Kein Karussell, keine Drehorgel, keine der zahllosen Kompilationen der «schönsten Walzer der Welt» kommt ohne die eingängig dahinfliessende Melodie in A-Dur aus, in einer Vielzahl an Hollywoodfilmen oder Cartoons dient sie als Tonmalerei. Am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker vom 1. Januar 2017 waren «Die ­Schlittschuhläufer» Teil des Programms. In der fast 80-jährigen Geschichte des traditionsreichen Konzerts im Wiener Musikverein fand Émile Waldteufel zum zweiten Mal in Folge einen Platz an der Seite der Strauss-Brüder. Ein posthumer Ritterschlag.

Émile Waldteufel aber ist freilich weit mehr als nur «Die Schlittschuhläufer»: Weitere bis heute regelmässig gespielte ­Walzer sind etwa «Estudiantina» (1883) oder «España» (1886). Letzterer basiert auf Melodien der gleichnamigen Rhapsodie von Emmanuel Chabrier (1841–1894) und stand schliesslich auch Pate für den eingangs erwähnten Welthit von Cindy und Bert. Auch geniale Schöpfungen wie «Pomone», «Amour et printemps», «La Source» oder «Pluie de diamants» tauchen bis heute noch im einen oder anderen U-Musik-Konzertprogramm auf.

Der Name des Urhebers ist weitgehend in Vergessenheit geraten, erlebt aber seit einigen Jahren eine kleine Renaissance, wenn auch eine zaghafte. Ab 1998 publizierte Naxos Records unter dem Label Marco Polo ein «Best of Émile Waldteufel» auf 11 CDs. Die Staatliche Slowakische Philharmonie Košice spielte über 100 Werke ein, viele von ihnen waren nun erstmals wieder zu hören. Eine Besonderheit Waldteufels war, dass er sämtliche Kompositionen als Klavierpartitur erstellte. Erst im Nachgang liess er sie orchestrieren.

«Feminine» Kompositionsweise

Waldteufels Walzer, Polkas und Galoppe zeichnen sich aus durch eine auffällige Zartheit und einen aussergewöhnlichen Melodienreichtum, den er bis in die feinste Nuance ausreizt. Obschon einige Werke, vor allem die spanisch geprägten, geradezu elektrisierend auf das tanzwillige Publikum wirken, so lassen sie dennoch die typische «Handschrift» Waldteufels nie missen. Viele Motive tauchen in unterschiedlichen Kompositionen subtil in variierender Weise wiederholt auf. Im Gegensatz zu Johann Strauss, dessen Walzer punktuell kräftig und archaisch ausbrechen, komponierte Waldteufel viel «femininer», wie es ein Kritiker einmal treffend notierte. Selbst seinen Märschen hat Waldteufel nie die Zackigkeit der deutschen und österreichischen Pendants einverleibt.

Dieser omnipräsente Liebreiz in Waldteufels Musik kann nicht zuletzt auch auf sein Gemüt zurückgeführt werden: Es ist überliefert, dass er eine sanfte, gesellige sowie überaus gutmütige und humorvolle Natur, ein liebender Ehemann und Familienmensch war. Am 12. Februar 1915 verstarb der schaffens­kräftige «Johann Strauss Frankreichs» in Paris. Sein unauffälliges Grab mit verblichener Inschrift liegt auf dem Friedhof Père Lachaise.

Andreas Faessler

waldteufel_portrait

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Kurz und bündig: Danke Österreich für die Wahl. Wir brauchen in Europa nicht noch mehr rechte Kräfte. Die Gesellschaft ist schon genug vergiftet.

 

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Am Silvesterabend gehts wieder rund. Dass hinter diesem Feiertag eine der wichtigsten Figuren des frühen Christentums steht, wissen wohl die wenigsten. Gedanken zum morgigen Feiertag.

Andreas Faessler (Neue Luzerner Zeitung, 30.12.2015)
Zu Silvester knallen die Korken, vergnügt und heiter taumelt man ins neue Jahr. Der Begriff «Silvester» erweckt in den Köpfen allein deshalb wohl primär die Assoziation mit Ausgelassenheit, Feuerwerk, Sekt – oder je nachdem auch einem tölpelhaften Trickfilmkater.  Wer aber würde beim Kauf von Böllerschüssen – 120 Millionen Euro wurden 2015 allein in Deutschland dafür aus-gegeben –, Chipstüten und Flaschen mit sprudelndem Inhalt je an einen  wichtigen Papst denken, unter dessen Pontifkat das Christentum eine bedeutende Wende erlebte? Der 31. De-zember ist Namenstag Papst Silves-ters I. (†335), 33. Bischof von Rom. Seine Amtszeit dauerte 21 Jahre, so lange wie keine andere zuvor. Unter Silvester machte das Römische Reich innert kurzer Zeit eine grundlegende Glaubensentwicklung durch.
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Konstantin und der Papst
Erst noch unter Kaiser Diokletian nämlich erlebte Rom im Jahre 303 sein letztes, doch blutigstes Kapitel der Christenverfolgung. Zu der Zeit amtete Silvester als Priester und war zuweilen gezwungen, im Exil auf dem Monte Soratte ausserhalb Roms zu leben. Unter Kaiser Konstantin verbesserte sich die Situation der Christen in Rom. Spätestens ab 312 entsagte Konstantin selbst weitgehend den bisher ausgeübten heidnischen Kulten und wandte sich dem Christentum zu. Die Rolle des Papstes aber war auch noch nach dem Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313  wenig bedeutend für den Herrscher, da er nicht zum Kreis seiner kirchlichen Berater gehörte. Zu einer Synode in  Arles im Jahre 314 lud Konstantin mehrere Bischöfe ein, den neu gewählten Papst Silvester jedoch nicht. Das Christentum war jetzt zwar ein offi ziell erlaubtes Bekenntnis in Rom, doch erst das Konzil von Nicäa anno 325, im Rahmen dessen Christus als wesensgleich mit Gottvater defniert und der  Arianismus somit besiegt wurde, war grundlegender Wegbereiter für das Christentum als vorherrschende Religion der Römer. Papst Silvester nahm nicht teil, er wurde von Bischof Ossius  von Córdoba vertreten.
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Verherrlichung durch Legenden
Ein Legende erzählt, dass Silvester Kaiser Konstantin von einer Krankheit geheilt und ihn getauft habe, worauf dieser alle heidnischen Tempel in Rom  verriegeln liess. Ausserdem soll Silvester in einem langen Disput zwölf Rabbiner vom Christentum überzeugt und zur Bekehrung veranlasst haben. Diese Überlieferungen entbehren sämtlicher Grundlagen, befeuerten jedoch die Bedeutung und die Verehrung Silvesters nach dessen Tod soweit, dass die päpstlichen Kanzleien im 9. Jahrhundert gar ein Dokument herausgaben, das als Zeugnis der «Konstantinischen Schenkungen» in die Geschichte eingegangen ist. Darin heisst es, dass Konstantin Papst Silvester die Stadt Rom und den gesamten christlichen Okzident zum Eigentum gegeben hatte. Das Dokument wurde zwar als gefälscht entlarvt, beweist aber, dass dem hl. Papst Silvester in der Kirchengeschichte sehr hohe Bedeutung zugemessen wird.
 
Es ist aber tatsächlich gesichert, dass Kaiser Konstantin als grosszügiger Förderer des Christentums in Erscheinung trat. Er überliess der Kirche kaiserliche Einrichtungen und stiftete den Bau der heute noch grössten Kirchen in Rom, namentlich die Petersbasilika, St. Johann im Lateran und St. Paul vor den Mauern. Papst Silvester weihte sie ein. Rom veränderte sein Aussehen in baulicher Hinsicht schnell und nachhaltig. Das Christentum hatte in Rom über das Heidentum gesiegt. Silvester I. sorgte dafür, dass auch die «neuen» Christen das von der Kirche vorgesehene geordnete Leben leben und die Sitten und Gebote einhalten. Silvester war folglich der erste Papst, dessen Ableben nicht als Märtyrertod galt. Er starb am 31. Dezember 335 und wurde in den Priscilla-Katakomben bestattet. Die Kirche San Silvestro in Capite in Rom ist dem Heiligen geweiht.
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Der Patron der Haustiere
Sein Todestag hat Silvester, zu Deutsch etwa «der im Wald lebt», zum Namensgeber für das Jahresende gemacht. Seine Verehrung ist nicht besonders verbreitet, Darstellungen des hl. Silvesters sind vergleichsweise selten. In der Zentralschweiz etwa finden wir aber ein besonders schönes Beispiel: Der Altar in der Johanneskapelle von Ottenhusen in der Gemeinde Hohenrain weist eine eindrückliche Figurengruppe auf. Neben der Gottesmutter mit Kind stehen da der hl. Eligius und der hl. Silvester. Letzterer im päpstlichen Ornat mit Tiara und Stab. Dass man diese Statue in einer Kapelle mitten auf dem Land findet, ist insofern naheliegend, als Silvester als Schutzherr der Haustiere, also auch von  Vieh, gilt. Einer anderen Legende zufolge nämlich soll Silvester einen Ochsen  wieder zum Leben erweckt haben, nachdem dieser von einem jüdischen Magier getötet worden war. Deshalb wird Silvester oft mit einem Ochsen oder Stier zu seinen Füssen dargestellt. Manche Abbildungen zeigen ihn auch mit einer Muschel oder einem gefesselten Dra-chen, der das Heidentum symbolisiert,  welches unter Papst Silvester I. seinen Untergang in Rom erlebte. Aufgrund seines Todestages ist der hl. Silvester gleichermassen Patron für «ein gutes neues Jahr» geworden.
Wenn also morgen Abend rund um den Globus die Korken knallen, Böller am Himmel explodieren und Millionen von Menschen ausgelassen ins neue Jahr prosten, so steht doch hinter dem ganzen Trubel ein allseits bekannter Name, der an sich eng mit der Verbreitung des Christentums in Verbindung steht.
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Statue Papst Silvesters I. in der Johanneskapelle zu Ottenhusen bei Hohenrain.

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier das Konzertprogramm im goldenen Saal des Wiener Musikvereins  mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Diesmal steht wieder Mariss Jansons am Dirigentenpult (2006, 2012, 2016). Jansons ist Chefdirigent des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters.
Was die Werkwahl bezüglich der Strauss-Familie betrifft, enthält das Programm keine besonderen Überraschungen. Bis auf ein zwei Ausnahmen war alles schon mal da, teils mehrmals und in jüngerer Zeit. Ich frage mich, ob die Verantwortlichen überhaupt auf die zuvor gespielten Werke schauen, wenn sie ihr Programm gestalten? Die Strauss-Brüder haben zusammen über 1000 Walzer und Polkas komponiert. Es sollte doch machbar sein, eine etwas grössere Diversität in die Programme zu bringen und sie aufregender zu gestalten.
Dafür aber hat Janssons diesmal mit Robert Stolz und – was besonders erfreulich ist – Emile Waldteufel zwei „exotische“ Komponisten berücksichtigt. Warum aber Waldteufel erst jetzt zum Zuge kommt, wo doch 2015 sein 100. Todestag war, ist mir schleierhaft.

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Am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2016 werden gespielt:

Robert Stolz – UNO Marsch … Fulminant und festlich wird das Programm mit dem „Überraschungsgast“ Robert Stolz eröffnet. Vom Amerikanischen Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche (1904-1971) zur Komposition animiert, schrieb Stolz diesen Marsch als Widmung für die Vereinten Nationen. Dieses Werk sollte unbedingt weiter hinten im Programm stehen, ist es doch nicht von besonders wienerischer Koloratur, sondern erinnert eher an die zackigen Preussen-Märsche. So ein Konzertbeginn wird das Publikum irritieren. Ob der Marsch gewählt worden ist in Gedenken an die erste UN-Generalversammlung vor genau 70 Jahren?

Johann Strauss Jun. – Schatz-Walzer, op.418 … Der 1885 komponierte Walzer mit Motiven aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ gehört zu den berühmtesten und meistgespielten vom Johann. Aber sowohl das Hauptthema als auch die weiteren Walzerteile sind so beschwingt und populär, dass man den Schatz-Walzer ruhig zum mehrfach wiederholten Male bringen kann an einem Neujahrkonzert.

Johann Strauss Jun. – Violetta, Polka op.404 … Eine liebliche Polka, selten gespielt, darum eine schöne Wahl. Der Name bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur in der Operette „Der lustige Krieg„. Die Musik zitiert unter anderem das Duett „Von einem Mann liess ich mich küssen“. Am 15. Januar 1882 wurde das Stück genau da uraufgeführt, wo es jetzt wieder erklingt: im Musikverein.

Johann Strauss Jun. – Vergnügungszug, Polka op.281 … Die Schnellpolka war 2001 zum letzten Mal im Programm. Die Polka gehört in die Sparte der so genannten „Eisenbahnmusik“. Strauss schrieb sie 1864 als Reminiszenz an das wachsende Eisenbahnnetz. Allmählich begann auch der Tourismus auf den Schienen zu florieren, Eisenbahnzüge waren nicht mehr nur für den Warentransport gedacht. Mit „Vergnügungszügen“ wollte man die Bevölkerung dazu animieren, mit der Bahn zu reisen.

Carl Michael Ziehrer – Weanar Madl’n, Walzer op.388 … Grosse Freude herrscht !! Erstens weil wieder Ziehrer gespielt wird, der meiner Ansicht wienerischste aller Wiener. Und zweitens, weil es dieser bezaubernde Walzer ist, zu recht Ziehrers berühmtester. So berühmt und legendär, dass Willi Forst 1944 die Geschichte dazu in „Wiener Mädeln“ verfilmt hat. Ich darf an dieser Stelle platzieren, dass mein „wien-erprobtes“ Ohr kaum einen anderen Walzer kennt, der den Wiener Spirit und die Wiener Lebens- und Tanzlust so vorzüglich wiedergibt wie die „Weanar Madl’n“. Bin gespannt, ob die Philharmoniker das hinreissende 4. Walzermotiv in ihrer Version wiederholen oder nicht. Der Walzer wurde zum ersten Mal am 23. Januar 1888 in Drehers Etablissement in Wien gespielt zusammen mit der Kapelle des Hoch- und Deutschmeisterregiments.

Eduard Strauss – Mit Extrapost, Polka op.259 … Der jüngste der Strauss-Brüder starb auch zuletzt, nämlich 1916. Somit feiern wir heuer seinen 100. Todestag. Dass Edi in diesem Prgramm schon wieder wenig berücksichtigt wird mit lediglich zwei einfachen Polkas, ist recht fragwürdig. Eduards Oeuvre umfasst auch zahlreiche hinreissende Konzertwalzer. Wo sind die geblieben in all den vergangenen Jahren?? „Extrapost“ ist eine flotte kleine Polka, die deutlich Edis Handschrift trägt.

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PAUSE….PAUSE….PAUSE….PAUSE
(Film „Zauberhaftes Salzburg“ im TV)

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• Johann Strauss Jun. – Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig“ … Die Operette „Eine Nacht in Venedig“ ist neben „Der Zigeunerbaron“ und „Die Fledermaus„, Strauss‘ populärstes und meist aufgeführtes Bühnenwerk. Die Ouvertüre war am Neujahrskonzert von 2009 bereits wiederholt im Programm, und jetzt (leider) schon wieder. So schön sie ist – es gäbe weitere Ouvertüren von Strauss, die weniger bekannt, aber genauso toll sind. Verpasste Chance.

• Eduard Strauss – Ausser Rand und Band, Polka op.168 … Das zweite und letzte Werk des Jubilaren ist wieder eine Schnellpolka. Flott und rassig, wies der Titel verspricht. Sowohl der erste Beitrag als auch dieser ist kaum repräsentativ für das verkannte Talent des jüngsten Strauss-Bruders. Eine weitere verpasste Chance. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Josef Strauss – Sphärenklänge, Walzer op.235 … Schon wieder eine Nummer, die erst 2009 im Programm war. Zugegeben eine der wundervollsten Kompositionen von Josef, aber halt auch eine der populärsten. Wies der Name verrät, handelt es sich bei diesem Walzer um ein schwelgerisches Tongedicht mit herrlichen Harmonien.

Johann Strauss Jun.Sängerlust, Polka op.328 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Eine nette, einfache Polka vom Walzerkönig, die sowohl gesungen als auch rein orchestral gleichermassen lieblich ist. Die Wiener Sängerknaben werden das bestimmt wunderbar hinkriegen.

• Josef Strauss – Auf Ferienreisen, Polka op.135 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Schneller und flotter als die Sängerlust ist diese Polka. Man darf gespannt sein, wie es wirkt, wenn sie gesungen wird.

Johann Strauss Jun. – Entr’acte aus der Operette „Fürstin Ninetta“ … Wies der Titel sagt, ist es ein Intermezzo. Heute ist diese Operette weitgehend vergessen, obwohl sie damals sehr erfolgreich war und 76 Mal aufgeführt wurde. Das gemächliche Intermezzo bringt etwas Ruhe ins Programm, bevor es sehr beschwingt weiter geht mit der nächsten Nummer.

Emile Waldteufel – España, Walzer op.236 … Für mich der Höhepunkt dieses Programms. Es ist meines Wissens das erste Mal überhaupt, dass Waldteufel am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker erklingt. Bravo! Vom sympathsichen Elsässer kennt man heute fast nur noch drei Werke, namentlich „Die Schlittschuhläufer“, „Estudiantina“ und eben „España“, das wir hier vorgeführt kriegen. España basiert auf der furiosen gleichnamigen Rhapsodie von Emmanuel Chabrier, welche 1883 herausgegeben wurde. Durch Emile Waldteufels Vertrag mit Hopwood & Crew war es ihm erlaubt, Arrangements mit Melodien anderer Komponisten zu schreiben. So schreib Waldteufel Melodien der Chabrier-Rhapsodie zu einem ungemein elektrisierenden Walzer um, der bezüglich Schwung und Vervé seinesgleichen sucht. Neben den „Weaner Madl’n“ von Ziehrer ist „España“ der treibendste und flotteste Walzer an diesem Konzert. Waldteufel, einer meiner drei Lieblingskomponisten überhaupt, hatte 2015 seinen 100. Todestag. Darum finde ich es – wie oben bereits erwähnt – seltsam, dass er erst 2016 zu seinem ehrenvollen Debut kommt.

• Joseph Hellmesberger Sen. – Ballszenen-Walzer … Herr Hellmesberger scheint sich in den letzten Jahren einen fixen Platz im Programm ergattert zu haben (warum eigentlich?). Auf diesen Beitrag hier freue ich mich sehr! Die Ball-Szenen muten an wie ein Charakterstück. Das einmalig schöne, sehr lebendige Hauptthema stellt die Spieler vor eine respektable technische Herausforderung. Es ist kaum tanzbar…

• Johann Strauss Vater – Seufzer-Galopp, op.9 … Populäres Stück, zu populär und auch nicht besonders aufregend. Und vor allem nicht wirklich repräsentativ für die hohen kompositorischen Fertigkeiten von Strauss-Senior. Es gäbe so herrliche Walzer, soviele einfallsreichere Galoppen und Polkas von ihm – die man noch nie gehört hat am Neujahrskonzert.

• Josef Strauss – Die Libelle, Mazurka op.204 … Die Inspiration zu dieser gemächlichen Mazurka von hat Josef Strauss in der Natur geholt, in der er sich besonders gerne aufhielt. Tondichterisch zeichnet er den Flug einer Libelle, wie sie über die saftige Wiese schwebt. Am 21. Oktober 1866 führte Strauss „Die Libelle“ im Volksgarten zum ersten Mal auf.

Johann Strauss Jun. – Kaiserwalzer op.437 … Das Monumentalwerk unter Johanns Konzertwalzern. An den Neujahrskonzerten wiederholt im Programm und somit keine Überraschung. Man hätte heuer gerne darauf verzichten dürfen und an seiner Stelle etwas Spannenderes von Johann setzen können. Dennoch wirds dem Publikum gefallen, da wohlvertraut. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Johann Strauss Jun. – Auf der Jagd, Polka op.373 … Schon wieder? 2010 war diese Polka erst zum letzten Mal im Programm. Etwas wie beispielsweise die Vöslauer-Polka hätte an dieser Stelle besser gepasst.

Johann Strauss Jun. – Im Sturmschritt, Polka op.348 … Eine ebenso flotte, lebendige Polka als Zugabe… schön.

Johann Strauss Jun. – An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … Alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss Vater – Radetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert.

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Es ist nicht das erste mal, dass es im Café Prückel zu einem unsäglichen Vorfall kommt, nämlich dass ein homosexuelles Paar des Lokals verwiesen wird, nur weil es sich zur Begrüssung geküsst hat. Soeben wieder geschehen mit zwei Frauen – ein Pärchen. Sie wurden dafür von einem der Ober gerügt und abschätzig behandelt, so die Nachricht. Nachdem sich die zwei Frauen bei der Kaffeehausleitung beschweren wollten, wurden Sie hinausgeworfen. Die Inhaberin, Christl Sedlar, gegenüber ORF: „Es war mehr als ein Begrüssungskuss. Man muss ja nicht öffentlich so zeigen, dass man zusammengehört.“ (Obwohl sie die Szene selber nicht gesehen hat!, Anm.) Frau Sedlar soll zudem gesagt haben, dass die Zurschaustellung der Andersartigkeit nicht in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus gehöre, sondern in einen Puff. Und DIES ist der eigentliche Stein des Anstosses!

Dass man sich in einem Gastrobetrieb nicht abschlabbert, versteht sich von selbst. Und das gilt sowohl für Homos als auch für Heteros. Aber das steht hier nun mal nicht im Zentrum, zumal es gemäss Aussage der Betroffenen tatsächlich nicht mehr als eine Begrüssung war. Der Eklat besteht in der eindeutig homofeindlichen Gesinnung der alten Dame. Und wenn dem nicht so ist, dann soll Frau Sedlar hinstehen und die Sache öffentlich klarstellen.

Hausrecht hin oder her, mir war das Prückel immer sympathisch, und ich zählte es zu meinen bevorzugten Stammcafés in Wien. Aber nach diesem neuerlichen skandalösen Vorfall dieser Art überlege ich es mir zweimal, ob ich hier so schnell wieder einkehre und die hier herrschende Homofeindlichkeit und Arroganz unterstütze. Der Artikel zum Café Prückel auf Planet-Vienna.com erhält eine entsprechende Ergänzung.

Schämen Sie sich, Frau Sedlar !! Und genau so soll sich der betreffende Ober schämen.

 

Update: Am Freitag, 16. Jänner, kam es zu einer grossen Protestkundgebung vor dem Kaffeehaus. Hier ein Video dazu:

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Dank persönlicher Verbindungen erwies sich mir die Gelegenheit, eine wenig bekannte Klosterkirche im Rahmen einer kleinen Privatführung zu besichtigen. Oberin Schwester Judith Lehner der Töchter des Göttlichen Heilands an der Kaiserstrasse persönlich brachte mir die Besonderheiten ihrer Klosterkirche näher. Da die Kirche für gewöhnlich geschlossen ist, lohnt es sich, entweder eine Messe dort zu besuchen oder unmittelbar danach einen Blick hinein zu werfen. Nicht nur ist der Innenraum generell sehr sehenswert und weist Werke bedeutender Künstler wie Josef Kastner auf, sondern interessant ist inbesondere die Tatsache, dass die Nonnen selbst tatkräftig an der Gestaltung der Kirche mitgewirkt haben.

Informationen hier.

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Der Wiener Stephansdom ist nicht einfach eine grosse Kirche mit ihren „üblichen“ Funktionen. Er ist eine Schatztruhe voller Geheimnisse und birgt eine Vielzahl an Kuriositäten, deren Bedeutung nur Eingeweihten bekannt ist. Wer weiss denn beispielsweise schon, dass an der Hauptfassade des Doms je ein männliches und ein weibliches Geschlechtsteil dargestellt ist und zwar vollplastisch. Jawohl, unter den Heidentürmen prangen ein Penis und eine Vagina. Selbstverständlich nicht so explizit gemeisselt, dass man es als Betrachter gleich wahrnimmt.

Die Portalanlage wird von je einer Doppelsäule flankiert, die bis auf halbe Höhe unter die beiden Rundfenster reichen. Ihren Abschluss finden die beiden Säulen in einem Phallus (links) und einer Vulva (rechts). Diese Zeichen sind für eine christliche und erst recht für eine katholische Kirche höchst ungewöhnlich. Historiker deuten die beiden Doppel-Rundpilaster als die Säulen Jachin und Boas. Sie entsprechen somit den beiden das Portal flankierenden Säulen des Tempels in Jerusalem, welche von König Salomo in Auftrag gegeben worden waren. In den Dombauhütten war es bei Freimaurern Tradition, diese Symbolik aufzugreifen als Zeichen der Berufsnachfolge.

Die Genitalien am Ende der Säulen gehören allerdings nicht zu dieser salomonischen Symbolik. Die Geschlechtsdarstellungen bedeuten vielmehr das männlich-aktive und das weiblich-passive Prinzip. Die genaue Absicht des Baumeisters scheint nicht überliefert und lässt deshalb Raum für Mutmassungen und Interpretationen. Aber es ist reichlich erheiternd, an einer erzkatholischen Kirche zwei so freizügige Symbole vorzufinden.

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Salomonische Säule am Stephansdom mit Phallus-Darstellung

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Salomonische Säule am Stephansdom mit Vulva-Darstellung

 

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In den Jahren 1871/72 erbaute der Architekt Wilhelm Stiassny für einen gewissen Gottlieb Schwab ein Mietspalais an der unteren Weihburggasse. Jahre später wurde das Ehepaar Flora und Heinrich Schnabel Besitzer des Gebäudes. Nach dem Tod Heinrich Schnabels im Juli 1936 ging das Haus an seine Erben über. Diese wurden 1938 gezwungen, das Palais für 250’000 Reichsmark an die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zu verkaufen. Nach einem Rückstellungsvergleich im Jahre 1957 erhielten die Erben lediglich 618’000 Schilling, was gerade mal zehn Prozent des tatsächlichen Wertes bedeutete. Die Republik Österreich erklärte die Angelegenheit somit für beendet. 2003 wurde der Fall neu aufgerollt, und die Schiedsinstanz beim Allgemeinen Entschädigungsfonds entschied, dass die Liegenschaft den rechtmässigen Besitzern zurückzugeben ist. Es war das erste Mal, dass in der zweiten Republik einem Antrag auf Naturalrestitution entsprochen wurde. Bis dahin war die Immobilie Eigentum des Arbeitsmarktservices. Aktuell sind die Besitzer im Ansinnen, das Palais zu verkaufen.

Palais Schwab, Wien

Palais Schwab, Wien

In der ersten Dekade des 21. Jh. wurde das leer stehende Palais Schwab mehrmals und aus diversen Motiven von Linksaktivisten besetzt. Das Haus geriet zudem immer wieder in den Fokus einer Wiener Gruppe mit Interesse am Übersinnlichen. Dies, nachdem Sicherheitsleute wiederholt von unheimlichen und verstörenden Phänomenen berichtet hatten, die sie auf ihren Kontrollgängen durch das ungenutzte Haus erlebten. Seien es geisterhafte Erscheinungen, unerklärbare Geräusche oder andere Wahrnehmungen. Es ging soweit, dass kaum ein Security-Mann mehr bereit war, das Haus zu betreten. Es trug sich zudem gleich zweimal zu, dass im Keller des Hauses ein Obdachloser erfror.

Beim Palais Schwab handelt es sich um ein grosses strenghistoristisches Eckhaus mit dreigeschossigem Eckerker. Sehr deutlich gegliedert und in vier Zonen aufgeteilt präsentiert sich die strukturenreiche Fassade auf beiden Seiten. Das Hochparterre und das erste Obergeschoss sind von Rustika geprägt. Eine Parapetbalustrade akzentuiert das erste und das zweite Obergeschoss. Die Fenster der oberen beiden Geschosse weisen Dreiecksgiebel, respektive Segmentbogengiebel auf. Der Eckerker ruht auf zwei Volutenkonsolen, ist pilastergegliedert, und die Fenster weisen ebenfalls Balusterparapeten auf. Gegen oben schliesst die gesamte Fassade mit einem ausgeprägten Zahngebälk ab. Das ionische Säulenportal mit Rundbogen trägt einen Balkon mit Schmiedeeisengeländer.

Palais Schwab, Wien

Palais Schwab, Wien

Hinter dem Portal eröffnet sich ein Vestibül mit Stuck und reicher Groteskenmalerei. Beachtenswert sind insbesondere die Räume im ersten Obergeschoss. Hinter dem Vorzimmer mit stuckiertem Spiegelgewölbe folgt der reich gestaltete Speisesaal mit kostbarer Vertäfelung und Holzkassettendecke. Letztere weist zwei Gemälde des deutschen Historienmalers Julius Frank auf – eine Tafelszene und eine Kahnfahrt. Ebenso reich ausgestattet sind der Ecksalon, der ebenfalls Malereien von Julius Frank aufweist, und das Wohnzimmer sowie einige kleinere Nebenräume.

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Die Fülle an Sehenswürdigkeiten und prächtiger Bausubstanz setzt sich jenseits der Wiener Stadtgrenzen ungebrochen fort. Und selbst für viele Wiener sind gar so zahlreiche sehenswerte Objekte ausserhalb ihrer Stadt unbekannt. Schloss Altkettenhof in Schwechat gehört sicher dazu. Zwar kann man nicht rein, aber ein Spaziergang im Park ist Balsam für die Seele. Er schliesst sich an den weitläufigeren Rathauspark an. Das Schloss selbst ist zwar seit der grossen Umgestaltung im Jahre 1902 neobarock – ich hielt es jedoch am Anfang für stilecht, so schön gestaltet ist es.

Schloss Altkettenhof, Schwechat

Schloss Altkettenhof, Schwechat

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Ich bin es nicht gewohnt, Eintrittsgebühren zu bezahlen, um eine Kirche anzuschauen. Die Karlskirche bleibt zum Glück die Ausnahme. Beim letzten Besuch hab ich mich beim Aufzug angestellt, um mit dem Fahrstuhl hochzufahren und das Rottmayr-Fresko mal aus der Nähe zu betrachten. Ich habe keine Höhenangst, aber auf dem wackligen Gerüst herumzuspazieren mit dem Wissen, dass der Boden 70 Meter unter meinen Füssen liegt, hat mir weiche Knie beschert, was danach drei Stunden angehalten hat. Aber es lohnt sich. Es ist unfassbar, was der Maler Johann Michael Rottmayr geschaffen hat.

Karlskirche Wien, Kuppelfresko

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Der Ground Zero von Wien


Das Hufeisen Himmelpfortgasse – Kärntnerstrasse – Johannesgasse ist derzeit eine einzige Baustelle. Das Stadtpalais des Prinzen Eugen und das Palais Questenberg-Kaunitz sind vollständig eingerüstet. dazwischen klafft ein gigantisches Loch mitten in der Wiener Altstadt. Peek & Cloppenburg wird hier ein Kaufhaus errichten. Der Plan sieht eine schlichte Fassade vor, die nicht besonders auffallen soll.

Hoffen wirs. Die Kärntnerstrasse wurde schliesslich seit dem Zweiten Weltkrieg schon genug verschandelt und bautechnisch vergewaltigt. Zu ihrer „Prachtmeile“ haben die Wiener peinlich wenig Sorge getragen, und gar mancher Tourist wird schon enttäuscht über das schäbige Pflaster gestolpert sein. Die Kärntnerstrasse ist schon lange nicht mehr das, was sie war und eigentlich sein sollte. Und sie wird es auch nie wieder sein. Schade.

Baustelle an der Kärntnerstrasse

Baustelle an der Kärntnerstrasse

Projekt Peek & Cloppenburg, Wien

Projekt Peek & Cloppenburg, Wien

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Zürich ahmt Wien nach


Ich fand’s ja von Anfang an fürchterlich, das MUMOK in Wien, welches wie ein bösartiger hässlicher Tumor im Inneren von Fischer von Erlachs hochbarocken Stallungen – heute Museumsquartier – klotzt, im wahrsten Sinne des Wortes: Ein grauer Klotz. Mehr stellt es nicht dar. Einer von vielen krampfhaften Versuchen, alte Architektur mit neuer zu vereinen. Leider bleibt es in Wien meistens beim Versuch.

Und Zürich, mein geliebtes, vom Krieg gänzlich verschontes Zürich plant nun einen ähnlichen Blödsinn: Das Landesmuseum, ein prächtiger Schlossbau im historistischen Stil von Gustav Gull, soll einen Erweiterungsbau erhalten, der an Hässlichkeit mit dem MUMOK locker mithalten kann. Und noch schlimmer: Er soll an der hinterseite auf dem beschaulichen Platzspitz zu stehen kommen. Somit ist es aus mit dem prächtigen Stadtpark mit der imposanten Kulisse. Wieder mal ein grossartiger Coup der Stadtplanung.

Naja, noch ist es ja nicht beschlossene Sache. Die Entscheidung liegt beim Volk. Glücklicherweise zeichnet es sich ab, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen dieses unsägliche Bauvorhaben ist. Hoffen wir das Beste. Da wären mir ein paar Minarette tausendmal lieber! 🙂

Landesmuseum Zürich

Projekt Landesmuseum Zürich

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Barocker geht nicht


Heute zog es mich wieder mal nach Einsiedeln. Nicht wegen der schwarzen Madonna, denn besonders religiös bin ich nicht. Nein, mich zieht die Stiftskirche immer wieder magisch an. Schon in meiner Kindheit fuhren wir immer mal wieder in den Wallfahrtsort, und der Besuch der Kirche war jeweils der Höhepunkt. Es handelt sich um eine der überwältigendsten Barockkirchen, die es gibt. Nur wenige Kirchen können mit jenem Überfluss mithalten (zb. die Wies, Ottobeuren, Melk oder Zwiefalten), den einen in Einsiedeln mit offenem Mund dastehen lässt. Und dass die Kirche in meiner Heimat steht, macht mich stolz 🙂

Ich bin mit barocken Kirchen aufgewachsen und habe auf der ganzen Welt schon hunderte prächtige Gotteshäuser aus dem 17. und 18. Jh. besucht. Doch von allen ist und bleibt für mich die Einsiedler Stiftskirche die prächtigste und spektakulärste. Abgesehen von der atemberaubenden Ausstattung hebt sich die Kirche allein mit ihrem einmaligen Grundriss von allen anderen ab. Dem riesigen Oktogon mit der schwarzen Gnadenkapelle schliesst sich das Hauptschiff an. Der Chor ist fast ebenso lang.

Im Vergleich zum österreichischen Barock weist der süddeutsche, wie er in Einsiedeln mit vollster Prachtentfaltung aufwartet, feinere und verspieltere Elemente auf. Die filigranen Stuckarbeiten in Einsiedeln mit ihren femininen Farben (rosa, hellgrün…) verleihen dem riesigen Kirchenraum eine beflügelnde Leichtigkeit, wie man sich gewohnt ist beim vorarlbergischen Kirchenschema, welches der Klosterkirche zugrunde liegt. Die mächtigen Pfeiler, die das Oktogon und den Emporenumlauf tragen, scheinen sich gegen oben hin mit dem Himmel vereinen und sich in der ganzen göttlichen Glorie mit auflösen zu wollen.

Und dann diese Deckengemälde! Cosmas Damian Asam hat hier ganze Arbeit geleistet. Und was seh ich auf den Beschreibungen zu den zahlreichen Seitenaltären? Diego und Carlo Carlone waren hier ausgiebig am Werk. Carlo C. hat in Wien und Umgebung ebenfalls an mehreren Orten gewirkt (Hofburg, Schloss Esterhazy, Schottenkirche, Belvedere, Schloss Hetzendorf, Kirche am Hof).

Ich könnte Stunden in dieser Kirche verbringen. Irgendwann fängt es hinten im Oktogon an zu beten. Eine Gruppe Frauen arbeitet den Rosenkranz lauthals zur Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle ab. Irgendwie passt’s… Welch ein Jammer, dass es nicht erlaubt ist, in der Kirche zu fotografieren. Ich hab das Verbot trotzdem mal ignoriert und diskret ein paar Schnappschüsse gemacht – freilich von schlechter Qualität, da mit meiner alten Kompaktkamera geschossen. Natürlich kommt die wahre überwältigende Pracht auf den schlechten Bildern nicht annähernd so rüber, wie wenn man das alles mit eigenen Augen betrachtet.

Stiftskirche Einsiedeln

Stiftskirche Einsiedeln

Klosterkirche Einsiedeln

Stiftskirche Einsiedeln

Kuppelfresko
Kuppelfresko
Oktogon

Oktogon

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Ach ja, sämtliche Palais habe ich neulich in der online Version auf eine Kurzform beschnitten. Dasselbe ist derzeit mit den Kirchen im Gange.

Grund dafür ist, dass die Architekturinteressierten, die sich die jeweiligen eBooks kaufen, einen gewissen Mehrwert erhalten. Schliesslich bezahlen sie ja dafür. Die Bilder und Hauptfakten über das jeweilige Objekt sind selbstverständlich weiterhin auf der Page zu finden – wie gesagt halt eben in Kurzform.

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Jaja, zusammen mit den Kirchen ist die Palais-Sektion die stärkste bei Planetvienna und – welche Wohltat für mein Ego – wohl die stärkste dieser Art im ganzen Netz.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass an sich jedes alte Gebäude Wiens als Palais bezeichnet werden kann. Aber irgendwo müssen Grenzen gesetzt werden. Wenn es der Wohnsitz einer adligen oder einfach reichen oder angesehenen Person war, dann erachte ich es auf jeden Fall als Palais. Ja, das Dorotheum oder das Equitable beispielsweise tanzen aus der Reihe. Aber ich finde, sie passen in die Kategorie, allein weil sie in Wien als „Palais“ bekannt sind.

Wenn ich in meine to do – Liste gucke, stell ich fest, da mir noch ziemlich viel Arbeit bevorsteht. Da warten derzeit noch rund 20 edle Häuser auf ihre Integration bei Planet-Vienna. An die Arbeit…

Palais Abensberg-Traun

Palais Abensberg-Traun

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