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Archive for the ‘Kraut und Rüben’ Category


Kurz und bündig: Danke Österreich für die Wahl. Wir brauchen in Europa nicht noch mehr rechte Kräfte. Die Gesellschaft ist schon genug vergiftet.

 

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Am Silvesterabend gehts wieder rund. Dass hinter diesem Feiertag eine der wichtigsten Figuren des frühen Christentums steht, wissen wohl die wenigsten. Gedanken zum morgigen Feiertag.

Andreas Faessler (Neue Luzerner Zeitung, 30.12.2015)
Zu Silvester knallen die Korken, vergnügt und heiter taumelt man ins neue Jahr. Der Begriff «Silvester» erweckt in den Köpfen allein deshalb wohl primär die Assoziation mit Ausgelassenheit, Feuerwerk, Sekt – oder je nachdem auch einem tölpelhaften Trickfilmkater.  Wer aber würde beim Kauf von Böllerschüssen – 120 Millionen Euro wurden 2015 allein in Deutschland dafür aus-gegeben –, Chipstüten und Flaschen mit sprudelndem Inhalt je an einen  wichtigen Papst denken, unter dessen Pontifkat das Christentum eine bedeutende Wende erlebte? Der 31. De-zember ist Namenstag Papst Silves-ters I. (†335), 33. Bischof von Rom. Seine Amtszeit dauerte 21 Jahre, so lange wie keine andere zuvor. Unter Silvester machte das Römische Reich innert kurzer Zeit eine grundlegende Glaubensentwicklung durch.
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Konstantin und der Papst
Erst noch unter Kaiser Diokletian nämlich erlebte Rom im Jahre 303 sein letztes, doch blutigstes Kapitel der Christenverfolgung. Zu der Zeit amtete Silvester als Priester und war zuweilen gezwungen, im Exil auf dem Monte Soratte ausserhalb Roms zu leben. Unter Kaiser Konstantin verbesserte sich die Situation der Christen in Rom. Spätestens ab 312 entsagte Konstantin selbst weitgehend den bisher ausgeübten heidnischen Kulten und wandte sich dem Christentum zu. Die Rolle des Papstes aber war auch noch nach dem Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313  wenig bedeutend für den Herrscher, da er nicht zum Kreis seiner kirchlichen Berater gehörte. Zu einer Synode in  Arles im Jahre 314 lud Konstantin mehrere Bischöfe ein, den neu gewählten Papst Silvester jedoch nicht. Das Christentum war jetzt zwar ein offi ziell erlaubtes Bekenntnis in Rom, doch erst das Konzil von Nicäa anno 325, im Rahmen dessen Christus als wesensgleich mit Gottvater defniert und der  Arianismus somit besiegt wurde, war grundlegender Wegbereiter für das Christentum als vorherrschende Religion der Römer. Papst Silvester nahm nicht teil, er wurde von Bischof Ossius  von Córdoba vertreten.
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Verherrlichung durch Legenden
Ein Legende erzählt, dass Silvester Kaiser Konstantin von einer Krankheit geheilt und ihn getauft habe, worauf dieser alle heidnischen Tempel in Rom  verriegeln liess. Ausserdem soll Silvester in einem langen Disput zwölf Rabbiner vom Christentum überzeugt und zur Bekehrung veranlasst haben. Diese Überlieferungen entbehren sämtlicher Grundlagen, befeuerten jedoch die Bedeutung und die Verehrung Silvesters nach dessen Tod soweit, dass die päpstlichen Kanzleien im 9. Jahrhundert gar ein Dokument herausgaben, das als Zeugnis der «Konstantinischen Schenkungen» in die Geschichte eingegangen ist. Darin heisst es, dass Konstantin Papst Silvester die Stadt Rom und den gesamten christlichen Okzident zum Eigentum gegeben hatte. Das Dokument wurde zwar als gefälscht entlarvt, beweist aber, dass dem hl. Papst Silvester in der Kirchengeschichte sehr hohe Bedeutung zugemessen wird.
 
Es ist aber tatsächlich gesichert, dass Kaiser Konstantin als grosszügiger Förderer des Christentums in Erscheinung trat. Er überliess der Kirche kaiserliche Einrichtungen und stiftete den Bau der heute noch grössten Kirchen in Rom, namentlich die Petersbasilika, St. Johann im Lateran und St. Paul vor den Mauern. Papst Silvester weihte sie ein. Rom veränderte sein Aussehen in baulicher Hinsicht schnell und nachhaltig. Das Christentum hatte in Rom über das Heidentum gesiegt. Silvester I. sorgte dafür, dass auch die «neuen» Christen das von der Kirche vorgesehene geordnete Leben leben und die Sitten und Gebote einhalten. Silvester war folglich der erste Papst, dessen Ableben nicht als Märtyrertod galt. Er starb am 31. Dezember 335 und wurde in den Priscilla-Katakomben bestattet. Die Kirche San Silvestro in Capite in Rom ist dem Heiligen geweiht.
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Der Patron der Haustiere
Sein Todestag hat Silvester, zu Deutsch etwa «der im Wald lebt», zum Namensgeber für das Jahresende gemacht. Seine Verehrung ist nicht besonders verbreitet, Darstellungen des hl. Silvesters sind vergleichsweise selten. In der Zentralschweiz etwa finden wir aber ein besonders schönes Beispiel: Der Altar in der Johanneskapelle von Ottenhusen in der Gemeinde Hohenrain weist eine eindrückliche Figurengruppe auf. Neben der Gottesmutter mit Kind stehen da der hl. Eligius und der hl. Silvester. Letzterer im päpstlichen Ornat mit Tiara und Stab. Dass man diese Statue in einer Kapelle mitten auf dem Land findet, ist insofern naheliegend, als Silvester als Schutzherr der Haustiere, also auch von  Vieh, gilt. Einer anderen Legende zufolge nämlich soll Silvester einen Ochsen  wieder zum Leben erweckt haben, nachdem dieser von einem jüdischen Magier getötet worden war. Deshalb wird Silvester oft mit einem Ochsen oder Stier zu seinen Füssen dargestellt. Manche Abbildungen zeigen ihn auch mit einer Muschel oder einem gefesselten Dra-chen, der das Heidentum symbolisiert,  welches unter Papst Silvester I. seinen Untergang in Rom erlebte. Aufgrund seines Todestages ist der hl. Silvester gleichermassen Patron für «ein gutes neues Jahr» geworden.
Wenn also morgen Abend rund um den Globus die Korken knallen, Böller am Himmel explodieren und Millionen von Menschen ausgelassen ins neue Jahr prosten, so steht doch hinter dem ganzen Trubel ein allseits bekannter Name, der an sich eng mit der Verbreitung des Christentums in Verbindung steht.
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Statue Papst Silvesters I. in der Johanneskapelle zu Ottenhusen bei Hohenrain.

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Vivaldi. Man kennt ihn für seine konzertanten Werke, allen voran die „Vier Jahreszeiten“. Was für ein brillanter Opernkomponist er aber war, zeigt sich bei der Inszenierung seines Dreiakters La verità in cimento“, dessen Uraufführung im Opernhaus Zürich am 25. Mai 2015 über die Bühne ging. Was für ein Erfolg!

Das unaufgeregte und somit besonders effektvolle Bühnenbild – eine Wohnung im Stil der 30er bis 50er Jahre -, die Sänger, das Orchester – alles von einer ungeheuren Stimmigkeit und Perfektion, so dass es sämtliche Erwartungen übertraf. Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger raubt dem Image der Barockoper sämtlichen Muff. Ein besonders positiver Aspekt ist das auf einen Bruchteil der Gesamtgrösse des Bühnenraums reduzierte Bühnenbild. Die Handlung findet abgeschirmt von der schallschluckenden Höhe/Tiefe der Bühne statt. Somit breitet sich der Gesang der Protagonisten direkt in den Zuschauerraum aus und erhält ein überdurchschnittliches Volumen. Das Zusammenspiel mit dem überaus versierten Orchester La Scintilla war schlicht perfekt. Sowohl im Klang als auch im Timing. Alles in allem eine absolute Glanzleistung. Einzig bei Countertenor Christophe Dumaux in der Rolle des Melindo hat man generell etwas an Stimmstärke vermisst. Technisch aber erwies er sich wie alle anderen als wahrer Virtuose des barocken Gesangs.

Wirklich bedauerlich, dass das Opernhaus nicht ausgebucht war. Das Publikum war hingerissen und zollte den Mitwirkenden den lautstarken Beifall, den sie verdienen. Es sei jedem Opernfreund unbedingt (!!) empfohlen hinzugehen, insbesondere demjenigen, der eine Barockoper für einmal jugendlich-frisch und mit viel Humor erleben will – auch wenn das Ganze in dieser eigens für Zürich leicht abgeänderten Version mit Tod und Verzweiflung endet.

La Verita in Cimento, Premiere im Opernhaus Zürich

La Verita in Cimento, Premiere im Opernhaus Zürich

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Beitrag in der „Neuen Zuger Zeitung“ vom 22. Oktober 2014:

Sakraler Zuger Prunk im Tirol

Zwei Zuger emigrierten vor Jahrhunderten ins Inntal. Dort schufen sie beeindruckende Kunstwerke, von denen zwei noch heute prominent zu bewundern sind.

Autor: Andreas Faessler

Wir blicken über die Kantonsgrenzen – ja, hiermit gar über die Landesgrenzen – hinaus und finden in der Ferne von Zugern geschaffenes Kulturgut. Es ist der Tiroler Historiker Hans Hochenegg (1894–1993), der von drei Meistern aus der Zuger Handwerksfamilie Kayser (alt. Kaiser, Keiser) zu berichten weiss, die in der Gegend um Innsbruck Wunderbares geschaffen haben. Vom ersten Kayser-«Emigranten» Wolfgang (†1566) weiss man wenig, ausser, dass er als Plattner (Rüstungsschmied) am österreichischen Hof tätig war.

Aufschlussreicher sind die historischen Aufzeichnungen über den Kunsttischler und Zeichner Oswald Kayser, 1610 in Zug geboren. Als Jesuitenbruder war er an den Kollegien in Bregenz, Ingolstadt, Eichstätt und Innsbruck tätig. Bei letzterem zeichnete er für die Innenausstattung der ab 1627 errichteten Klosterkirche massgeblich verantwortlich. So entwarf er dort neben den Altargruppen, dem Chor- und Beichtgestühl, den Bänken und der Kanzel auch höchst eindrucksvolle Stuckplastiken. Ein faszinierendes Beispiel zeigt unser oberes Bild. Im Chorraum trägt beidseits je eine vollplastische Figurenkonsole einen Balkon. Die Gruppe von Engeln wirkt ungemein lebendig, ausdrucksstark und ist voller Bewegung. Angesichts dessen wird uns offenbart, dass Oswald Kaysers Fähigkeiten deutlich über das Tischlerhandwerk hinaus reichten.

Noch mehr Biografisches weiss Hans Hochenegg vom gleichnamigen Kunstschlosser Oswald Kayser (Carl Oswalt Keiser) zu berichten. Wohl kurz nach 1660 als Sohn des Schlossermeisters Wolfgang Kayser und der Maria Anna Scherer in Zug geboren, gelangte der junge Berufsanwärter um das Jahr 1680 als Wandergeselle ins Tirol und heiratete in Hall i. T. die Witwe eines Schlossermeisters. Das bedeutete Reputation und verhalf ihm zu einer weitgehend sicheren Berufsexistenz. Der Zuger wurde Bürger von Hall und besetzte mehrere Ehrenstellen mit seinem Beruf. Nach dem Tod seiner Frau um 1693 ehelichte er die Tochter eines Kupferschmieds. 1726 starb Schlossermeister Oswald Kayser in Hall. Das Inventar seiner Arbeiten ist kaum mehr rekonstruierbar, zumal Aufträge von privater Seite aufgrund spärlicher Dokumentation schnell vergessen gingen. Aber es lassen sich einige Bestellungen von kirchlicher Seite her belegen. So erfährt man aus dem Haller Rechnungsbuch von 1692, dass Oswald Kayser von der Stadt den Auftrag erhielt, ein so genanntes Narrenhäusl anzufertigen, ein Eisenkäfig, in dem streitsüchtige Weiber der Öffentlichkeit zum Spott preisgegeben wurden. Und anno 1715 hat Kayser offenbar für das Haller Damenstift Schlosserarbeiten am dortigen Gartenhaus vorgenommen, welche laut Hochenegg «von grosser Kunstfertigkeit zeugen».

Will man sich von Oswald Kaysers Können ein Bild machen, so hat man Gelegenheit dazu, wenn man auf der Inntalautobahn im Tirol Richtung Osten fährt. Nach Hall i. T. folgt bald ein Autobahnrastplatz. Hinter den Bäumen lugt der markante Zwiebelturm der Volderser Karlskirche hervor, eine der prächtigsten Rokokokirchen Österreichs. Ein kleiner Weg führt vom Rastplatz zur Kirche. In ihr finden wir ein bemerkenswertes Gitter aus Schmiedeeisen aus dem Jahre 1682. Es trennt den Kirchenraum vom Vorraum ab und ist ein frühes Werk von unserem Oswald Kayser aus Zug. Ein Rahmenwerk aus Stuckmarmor gibt der Gitteranlage seine Kontur. Gekrönt wird der Balken von filigranen Schmiedearbeiten, dominiert von Volutenwerk mit geschickt ineinandergreifenden Armen. Die seitlichen Durchbrüche weisen hingegen verhältnismässig schlichte Gitterstäbe auf, während sich Kayser beim mittigen Tor so richtig verausgabt zu haben scheint. Aufwendig verarbeitet und mit qualitätvollem Eisenblech beschlagen ist hier das schwarze Eisen.

Die Schaffensperiode unserer beiden Zuger im Tirol fiel in die Zeit der drei Habsburger Kaiser Ferdinand II., Ferdinand III. und Leopold I. Unter ihnen, und ganz besonders unter letzterem, erlebte das Habsburgerreich einen beispiellosen Schub an barocker Prachtentfaltung in Architektur, Kunst und Handwerk. Vergleichbarer Prunk aus etwa derselben Zeit findet sich in der Schweiz hauptsächlich in einflussreichen Abteien wie Einsiedeln, St. Gallen, Rheinau, St. Urban, Muri und einigen mehr. In ihrer Heimat hätten die Kaysers seinerzeit vermutlich weniger tief in die Kiste des Pomp greifen können als im habsburgischen Österreich.

Jesuitenkirche, Innsbruck

Jesuitenkirche, Innsbruck. Stukkaturen von Oswald Kayser

Karlskirche, Volders

Karlskirche, Volders. Gitter von Oswald Kayser

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Der Titel dieses Beitrags besteht aus sehr provokativen Ausdrücken. Aber was es damit auf sich hat, soll folgender Zeitungsartikel erläutern. Das Türkenmotiv und die so genannte „Judensau“ sind zwei sehr aussagekräftige Symbole aus alter Zeit. Sie sollen heute mahnen zu interreligiösem Verständnis, zu Toleranz und ganz einfach zum Frieden. In etwa so sie die gotische antisemitische Judentafel am Wiener Judenplatz, die aus eben diesen Gründen dort belassen worden ist.

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Die einzig «richtige» Religion

Ein abgetrennter Türkenkopf an der Oswaldkirche im Schweizerischen Zug fällt kaum ins Auge, spricht aus historischer Sicht jedoch Bände. Und was hat der tote Muselman mit einer «Judensau» gemeinsam?

Zug (Schweiz) – Viele Menschen sind überzeugt, dass es ohne Religion weniger Kriege gäbe. Der ewige Streitpunkt: Welche der fünf Weltreligionen ist die «richtige»? Welcher Gott oder welches Abbild des Allmächtigen entspricht der (vermeintlichen) Wahrheit? Nehmen wir das Beispiel des Christentums, weil es in unseren Breitengraden die vorherrschende Weltreligion ist. Schauen wir genauer hin, entdecken wir uralte Hinweise, dass sich das Christentum seit jeher für die einzig «richtige» Religion gehalten hat. Es sind kleine, von Laien meist gar nicht erkennbare «Seitenhiebe» an andere Glaubensbekenntnisse. Sie haben ihren Niederschlag zahlreich in der Kunst gefunden.

Zug – Viele Menschen sind überzeugt, dass es ohne Religion weniger Kriege gäbe. Der ewige Streitpunkt: Welche der fünf Weltreligionen ist die «richtige»? Welcher Gott oder welches Abbild des Allmächtigen entspricht der (vermeintlichen) Wahrheit? Nehmen wir das Beispiel des Christentums, weil es in unseren Breitengraden die vorherrschende Weltreligion ist. Schauen wir genauer hin, entdecken wir uralte Hinweise, dass sich das Christentum seit jeher für die einzig «richtige» Religion gehalten hat. Es sind kleine, von Laien meist gar nicht erkennbare «Seitenhiebe» an andere Glaubensbekenntnisse. Sie haben ihren Niederschlag zahlreich in der Kunst gefunden.

Wir finden an der Königspforte der Zuger Oswaldkirche ein klassisches Beispiel. Die linke der drei grossen Figuren zeigt Sankt Oswald, wie er den walisischen König Cadwallon ap Cadfan erdolcht. Dieser hatte sich laut Geschichtsschreibung zwar ursprünglich zum Christentum bekannt, war aber mit Heiden verbündet. Hier eine erste Symbolik: Das Christentum (Oswald) siegt über das Heidentum (Cadwallon). Die erwähnte klassische und gleichsam «perfidere» Aussage dieser in Stein gemeisselten Szene liegt in der Konsole. Sie zeigt den Kopf eines turbantragenden Türken, also eines Muselmanen. Kurzum: Das Christentum besiegt also nicht nur die Ungläubigen, sondern auch den Islam. Und der Islam war in der Geschichte stets die grösste religiöse Bedrohung des Christentums. Eine pikante Begebenheit rankt sich hierbei um das Wappen von Adolf Graf von Schwarzenberg. Die um 1594 von den Türken eingenommene Festung Raab (heute das ungarische Györ) wurde unter Führung des christlichen Grafen um 1598 zurückerobert. Als Zeichen der Anerkennung durfte sein Familienwappen um einen Raben ergänzt werden, der einem abgetrennten Türkenkopf die Augen auspickt. Zahlreiche Adelswappen in Österreich-Ungarn wurden einst mit dem Motiv des abgeschlagenen Türkenkopfes ausgestattet.

Aus heutiger Sicht sind Darstellungen wie diejenige an der Oswaldkirche alles andere als unbedenklich, wo ja ethnische und religiöse Unterdrückung in vielen fortschrittlichen Ländern rechtlich verfolgt werden. Dass solche Symbolik Skandalpotenzial birgt, zeigte sich im Frühjahr 2013 in Regensburg. Am dortigen Zieroldsplatz steht die Statue Ritter Johanns von Österreich, der 1571 die Schlacht von Lepanto gewonnen hatte. Als triumphierender «Retter des Abendlandes» ruht Johanns linker Fuss auf einem abgeschlagenen Türkenkopf. Auch hier die Botschaft: Das Christentum hat den Islam besiegt. Ein junger Mann protestierte 2013 drei Stunden lang lautstark gegen diese Figur und verursachte auf dem Sockel stehend – einen Polizei- und Feuerwehreinsatz.

Wo wir schon beim Thema sind, sei mir an dieser Stelle ein kleiner Exkurs erlaubt zu einem besonders bedenklichen Symbol, welches von ähnlicher Charakteristik wie der abgeschlagene Türkenkopf ist, jedoch erst recht nach den Gräueln des Holocausts als eine besonders verstörende Darstellung wahrgenommen wird: die Judensau. Im Mittelalter erlebte die Judensau in der christlichen Sakralkunst ihre Hochblüte. Es ist ein (als unrein geltendes) Schwein, an dessen Zitzen Juden wie Ferkel saugen. Abwandlungen zeigen Juden, die auf der Sau reiten, das Gesicht dem After des Tieres zugewandt, aus dem Urin spritzt. Die Judensau diente als extrem aggressives christliches Spottbild gegenüber dem Judentum, für das ein «guter Christ» nur Hohn und Demütigung übrig haben sollte. Von den einst zahllosen Judensäuen, die in und an christlichen Kirchen in Europa zu finden waren, haben nur etwa 30 Exemplare die Zeit bis heute überdauert. Eine Judensau am Taufstein des Basler Münsters wurde in den 90er-Jahren vom damaligen Pfarrer entfernt. Heute darf oder sollte man Symbole wie die Judensau und natürlich auch die Türkenköpfe wie unser Beispiel an der Oswaldkirche als Mahnmal wahrnehmen gegen Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und -denkenden.

Türkenkopf

Der Türkenkopf an der Oswaldkirche in Zug

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Mir sagt das ganze Trara ja nicht besonders viel. Trotzdem: GRATULIERE, CONCHITA WURST zum Sieg am Eurovision Song Contest !

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Ein unschätzbar wertvolles Biedermeier-Gemälde, das Zuger Landleute auf der Heimkehr zeigt, befindet sich irgendwo in Privatbesitz. Ein Künstler aus Cham (Schweiz) hat das Bild «nachgebaut» – als Intarsie.

Der Beitrag vom 26. November 2013 handelte von einem Gemälde des Wiener Biedermeier-Malers Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865), das eine Gruppe Zuger Trachtenleute auf der Heimkehr von der Ernte zeigt. In den 1960er-Jahren war der damalige Zuger Stadtbibliothekar Hans Koch (1907–1987) auf das Gemälde aufmerksam geworden und wünschte sich, dass es irgendwann in seine Zuger Heimat finden würde. Dies ist leider nie geschehen. Das Waldmüller-Gemälde von 1844 wird vom Auktionshaus Sothebys als «Spitzenwerk» bezeichnet und hat einen geschätzten Wert von über einer halben Million Franken. Es befindet sich heute in Privatbesitz – irgendwo auf der Welt.

Ferdinand Georg Waldmüller - "Heimkehr von der Ernte"

Das Original von Waldmüller: „Heimkehr von der Ernte“

Aber jetzt hat der Kanton Zug seine eigene Version des Waldmüller-Werkes «Heimkehr von der Ernte am Zugersee». Es ist mit 60 x 90 Zentimetern sogar eineinhalb mal so gross wie das Original. Im Gegensatz zu diesem ist es jedoch nicht Öl auf Holz, sondern – Holz auf Holz! Der Chamer Intarsien-Künstler Erich Zihlmann hat keinen Aufwand gescheut, das Ölgemälde so authentisch wie nur möglich als Holzeinlegearbeit «nachzubauen». Und das Resultat ist schlicht und ergreifend überwältigend. So detailreich und zuweilen fotografisch genau Waldmüllers Maltechnik war – alles ist im Werk des Chamers wiedergegeben. Jeder Stein, jeder Busch, Pupillen, Augenbrauen … selbst das kleinste Teilchen im Bild besteht aus Holz. Da gibt es keinen Tupfen Farbe, geschweige denn ein holzfremdes Füllmaterial.

«Das Bild und die Geschichte dahinter haben mich nicht losgelassen», sagt Zihlmann, der ein Flair für historische Sujets hegt. «Ich habe mir ausgiebig Gedanken gemacht, wie ich eine Umsetzung als Intarsie angehen könnte.» Er liess sich ein Poster in der gewünschten Grösse anfertigen, welches ihm als leitende Vorlage diente, und machte sich ans Werk. Nach insgesamt «nur» 100 Stunden aufwendiger Feinarbeit lag der fertige Holz-Waldmüller vor. Er enthält Teilchen, die Zihlmann mit Arztskalpellen bis auf einen zehntel Millimeter genau zugeschnitten und eingepasst hat. «Für mich war es das erste Mal, dass ich ein Gemälde dieser Art in Holz gearbeitet habe», sagt der 41-Jährige. Neben der Detailvielfalt war die Farbgebung eine weitere grosse Herausforderung für den Holzkünstler. Für die Ockertöne der Umgebung und erst recht für die farbenprächtigen Trachten der Zuger Landleute musste Zihlmann Holzsorten finden, deren natürlicher Farbton und Textur dem gemalten Original so nah wie möglich kommen. Voraussichtlich bis Ende Juni ist das beeindruckende Waldmüller-Furnierintarsienbild von Erich Zihlmann im Einkaufszentrum Neudorf in Cham ausgestellt. Es befindet sich im ersten Schaukasten an der Wand im Durchgang gleich neben der Postfiliale.

Erich Zihlmann ist gelernter Schreiner, arbeitet aber seit einigen Jahren bei der Post Cham. Doch seine Liebe zur Arbeit mit Holz ist ungebrochen. Zihlmanns Intarsien entstehen somit nebenberuflich in seinem Atelier in Cham. Das Handwerk hat er autodidakt erlernt. Er erinnert sich: «In der Schreinerlehre musste ich einmal ein Schachbrett anfertigen. Das war ausschlaggebend, und da hats mir den ‹Ärmel reingenommen›.» Man könnte sagen, dass der Chamer zu einer aussterbenden Spezies gehört. Denn die Intarsienkunst hatte in Europa vor allem im Barock und Rokoko ihre Hochblüte, weshalb es Intarsienfachleute heutzutage nur noch sehr wenige gibt. Und meistens seien es ältere Leute, die keine Nachfolger haben, erklärt Zihlmann. Schön, dass durch den Chamer das faszinierende Handwerk auch von einer jüngeren Generation gepflegt wird.

Erich Zihlmann ist gelernter Schreiner, arbeitet aber seit einigen Jahren bei der Post Cham. Doch seine Liebe zur Arbeit mit Holz ist ungebrochen. Zihlmanns Intarsien entstehen somit nebenberuflich in seinem Atelier in Cham. Das Handwerk hat er autodidakt erlernt. Er erinnert sich: «In der Schreinerlehre musste ich einmal ein Schachbrett anfertigen. Das war ausschlaggebend, und da hats mir den ‹Ärmel reingenommen›.» Man könnte sagen, dass der Chamer zu einer aussterbenden Spezies gehört. Denn die Intarsienkunst hatte in Europa vor allem im Barock und Rokoko ihre Hochblüte, weshalb es Intarsienfachleute heutzutage nur noch sehr wenige gibt. Und meistens seien es ältere Leute, die keine Nachfolger haben, erklärt Zihlmann. Schön, dass durch den Chamer das faszinierende Handwerk auch von einer jüngeren Generation gepflegt wird.

Näheres zum Künstler: http://zihlmann-intarsien.ch

Erich Zihlmann, Intarsienkünstler aus Cham ZG

Erich Zihlmann, Intarsienkünstler aus Cham ZG, mit seinem „nachgebauten“ Waldmüller-Bild

 

 

 

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