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Archive for the ‘Kunst’ Category


Es sind wunderschöne Landschaftsveduten aus dem 19. Jahrhundert, qualitativ hervorragend gemalt, zuweilen gar meisterhaft, häufig zeigen sie romantische Ansichten aus dem Berner Oberland, aber auch malerische Motive aus anderen Schweizer Regionen. Die Ölgemälde sind signiert mit „G. Stähly-Rychen“. Dieser Name sorgt für Verwirrung.

Internetplattformen mit Fokus Kunst wie auch namhafte Auktionshäuser pflegen es, diesen Stähly-Rychen als Pseudonym des bekannten und hoch gehandelten österreichischen Landschaftsmalers Hubert Sattler (1817-1904) anzupreisen. Wo diese Zuschreibung ihren Ursprung hat und warum man überhaupt auf diese Annahme gekommen ist, steht in den Sternen. Setzt man sich hinsichtlich Komposition und Handschrift mit den Gemälden dieses Stähly-Rychen wie auch mit denjenigen Hubert Sattlers auseinander, so kommen Zweifel auf, ob es sich tatsächlich um ein- und dieselbe Person – um Hubert Sattler – handelt. Zu unterschiedlich scheinen die Malweisen. Kommt hinzu, dass Hubert Sattler fast ausschliesslich kleinformatig gemalt hat, während von Stähly-Rychen grosse bis sehr grosse Ölgemälde existieren.

Es ist dem Anschein nach ein Gottfried Stähly-Rychen nachgewiesen, der von 1840 bis 1920 gelebt und wohl zum grossen Kreis der Thuner Vedutenmaler gehört hat. Details hierzu sind auf www.foto.ch nachzulesen. Im „Intelligenzblatt“ vom 3. Februar 1891 ist ferner folgende „Kunstnotiz“ publiziert:

Wie schon öfters, so hat gegenwärtig Hr. Stähly-Rychen in Bern (Bärenplatz, „Spar- und Betriebsverein“) eine seiner vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete der Thiermalerei, die ihm bereits im Auslande den Namen eins Thiermalers ersten Ranges erworben hat, ausgestellt. Wir  machen die hiesigen Kunst- und Naturfreunde auf das betreffende, vorzüglich gelungene Bild aufmerksam.

Und im Verzeichnis für literarisches und künstlerisches Schweizer Eigentum des Schweizerischen Handelsamtsblattes wird am 15. Dezember 1888 ein Ölgemälde mit dem Titel „Lehrerseminar in Münchenbuchsee“ von Gottfried Stähly-Rychen eingetragen.

Zwar kennt man von Gottfried Stähly-Rychen nicht unbedingt Tier-, sondern Landschaftsbilder, aber es ist dennoch wahrscheinlich, dass hier von „unserem“ Stähly-Rychen die Rede ist. Auf jeden Fall ist diese Annonce ein weiteres Indiz dafür, dass es sich bei Gottfried Stähly-Rychen nicht um Hubert Sattler handelt, sondern um einen eigenständigen und begnadeten Schweizer Künstler, welcher biografisch nur sehr spärlich erfasst ist. Trifft diese Annahme zu, so ist es bedenklich, wenn namhafte Auktionshäuser den Namen „Gottfried Stähly-Rychen“ weiterhin als Sattler-Pseudonym handeln und so mit potenziell falschen Angaben höhere Preise erzielen.

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Betrachtung eines Kunstwerkes

schultze

Wiederholt ist dieses Gemälde im Dorotheum in Wien angeboten worden unter dem Titel „Am Sankt Gotthard in der Schweiz“. Ein klassisches Beispiel dafür, dass selbst renommierte Auktionshäuser sich nicht immer die nötige Zeit nehmen, die Betitelung von Gemälden, die ihnen angeboten werden, seriös zu überprüfen. Jeder, der schon mal auf dem bekanntesten aller Alpenpässe war, sieht auf Anhieb, dass es sich nicht um den Gotthardpass handeln kann, der als wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Alpen gilt.

Was Carl Schultze (1856-1926) hier gemalt hat, ist in Tat und Wahrheit das Stilfser Joch, der 2757 Meter hohe Alpenpass knapp an Schweizer Grenze, der das Veltlin mit dem Vinschgau verbindet. Wir sehen das Hotel Ferdinandshöhe. Im Vordergrund erkennt man den Kaiser-Franz-Joseph-Obelisken von 1888, der um 1925 schliesslich auf den höchsten Punkt der Passstrasse verbracht worden ist. Im Hintergrund auf der Anhöhe ist wohl der Vorgängerbau der Tibet-Hütte zu sehen.

Schultze hat hier mit Sicherheit eine historische Fotografie, respektive Postkarte als (Teil-)Vorlage für sein sehr gekonnt ausgeführtes Ölgemälde auf Holz genommen. Nicht nur wegen dem Wagen, sondern auch wegen dem Hintergrund lässt sich darauf schliessen (siehe Bild unten). Selbst die Holzstämme am Strassenrand und den nicht näher definierten Kubus beim Obelisken hat er in sein Gemälde übernommen.

Bildschirmfoto 2018-10-28 um 22.33.51

Carl Schultze ist in Düsseldorf geboren und gehörte folglich der Düsseldorfer Schule an. Nach seiner akademischen Ausbildung unternahm er mehrere Studienreisen, unter anderem auch durch die Alpen. Dabei entstanden zahlreiche Landschaftsgemälde aus Österreich, Italien und der Schweiz.

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Betrachtung eines Kunstwerkes

poledne

Die Aquarelle von Franz Poledne (1873-1932) gehören mit zu den schönsten und akkuratst ausgeführten unter der Vedutenmalerei, wie ich finde. Der weitgehend autodidakte Wiener war ausserordentlich produktiv – kaum eine Ecke in Wien und Umgebung, die er nicht abgebildet hat. Zu Polednes Abnehmer gehörten Personen aus höchten Adelskreisen, gar Kaiser Franz Joseph höchstselbst hat ein Aquarell von Poledne erworben.

Generell zeigen Franz Polednes Sujets wohlbekannte Orte und Ansichten, die zumindest mit der Provenienz überliefert worden sind. Beim hier vorliegenden Aqauarell aus dem Jahre 1909 ist es etwas anders. Das Bild ist bereits wiederholt auf dem Kunstmarkt aufgetaucht, allerdings stets ohne Ortsangabe.  Die grosse Frage also: Welches barocke Palais oder Schlösschen mit Garten und einem lustwandelnden Paar ist hier abgebildet? Vom Baustil her würde ich es – wenn nicht in Wien selbst – eher in die Region östlich der Kaiserstadt verorten. Da sämtliche heute noch existierenden Barockgebäude in Wien weitestgehend dokumentiert sind und sich dieses Gebäude hier in Wien nicht (mehr) finden lässt, vermute ich, dass es sich entweder um ein weniger bekanntes (Land-/Jagd-)Schlösschen irgendwo in ruraler Umgebung handelt, oder aber um einen Wiener Adelssitz, der so nicht mehr existent ist.

Architektonisch erinnert das Gebäude im Entferntesten an den Seitentrakt von Schloss Hunyadi in Maria Enzersdorf. Generell aber würde ich eher an ein ungarisches Landgut denken. Jedenfalls muss es sich um ein Gebäude mit einer gewissen Bedeutung handeln, sonst hätte es Franz Polende nicht abgebildet. Und zwar in seiner üblich natürlichen und fast fotografisch genauen Manier. Polednes Aquarelle vermitteln stets pure Anmut und Schönheit in Strich und Farbwahl. Wer einen Hinweis hat, um welches Gebäude es sich hier handeln könnte… – wird sehr gerne entgegengenommen.

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Betrachtung eines Kunstwerkes

ellminger

Es ist die ländliche Idylle schlechthin: eine beschauliche Landschaft, dem Anschein nach im Vorgebirge, im Zentrum der Szene zwei friedlich weidende Kühe und am Zaun ein grosses Holzmarterl mit dem Gekreuzigten. Links leicht in den Mittelgrund gerückt steht ein Hirte mit blauem Kittel. Während der Maler die Tier- und Personenstaffage verhältnismässig gegenständlich ausführt, erinnern der Hintergrund sowie der Himmel in ihrer leichten Diffusität und in der Farbgebung eher an die Malweise eines Daubigny, denn an einen österreichischen Künstler.

Das kleine Ölgemälde auf Holz ist ein reizendes Kabinettstück des Wiener Malers Ignaz Ellminger (1843-1894). War er vorerst als Zeichenlehrer und Dichter aktiv, studierte er später an der Akademie der bildenden Künste in Wien, worauf er sich primär der Landschaftsmalerei zuwandte. Gelegentlich schuf er auch Porträtbilder. Doch in erster Linie bestimmen bäuerliche Idyllen das Werk Ellmingers. Sie zeigen romantische Bauernhofszenen, oft mit Kühen oder Pferden sowie auch Personen. Die Ellmingergasse im 23. Wiener Bezirk erinnert bis heute an den Maler, der dem Wiener Künstlerhaus angehörte.

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