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Archive for the ‘Musik’ Category


Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wird von Riccardo Muti dirigiert. Der 75-jährige Italiener leitet das Konzert zum fünften Mal. Die Programmwahl ist sehr klassisch: viel Strauss. Leider wieder ohne Eduard, dafür gleich zweimal mit dem Vater im offiziellen Programm. Die diesjährige Besonderheit ist ein Beitrag von Alphons Czibulka, ein heute kaum mehr bekannter Vertreter des Wiener Genres. Es ist ein solides, mittelmässig aufregendes Programm mit drei vier Paradenummern und einigen selten gehörten Perlen. Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer fehlen diesmal. Bedauerlich.
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Am Neujahrskonzert 2018 werden gespielt:

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1. Johann Strauss (Sohn)Einzugsmarsch (aus dem „Zigeunerbaron„)

Mit dem schneidigen Einzugsmarsch aus dem 3. Akt der Operette „Der Zigeunerbaron“ vertont Johann Strauss seine Vorstellung eines pompösen, freudigen Empfangs von heimkehrenden Soldaten aus dem Spanischen Erbfolgekrieg. Die erste konzertante Aufführung dieses Marsches fand am 6. Dezember 1885 ebenfalls im Goldenen Saal statt. Diese schwungvolle Wahl passt sehr gut zur Eröffnung eines Neujahrskonzerts.

2. Josef StraussWiener Fresken; Walzer op. 249

Weiter gehts mit einem selten gespielten Walzer von Josef – ein lebensbejahendes Tongedicht, Wiener Musik erster Güte. Geschrieben hat Josef diesen melodienreichen Walzer für das grosse Schützen-Festival in Wien im Juli 1968. „Wiener Fresken“ war vorgehsehen für das Konzert im Volksgarten am 28. Juli 1868, welches Teil des Festivals war. Warum der Komponist den Titel „Fresken“ wählte, ist nicht überliefert. Ob er die internationale Gästeschar auf die allgegenwärtigen Kunstwerke in den Wiener Kirchen und Wiener Palästen aufmerksam machen wollte? Jedenfalls ein sehr schöner Beitrag für das Neujahrskonzert 2018.

3. Johann Strauss (Sohn)Brautschau; Polka op. 417

Schon sind wir wieder beim „Zigeunerbaron„. Mit dem Titel „Brautschau“ dürften die wenigsten etwas anfangen können, umso mehr dafür aber mit der Melodie. Das neckische Hauptthema der Polka ist nichts anderes als das weltberühmte Couplet des Schweinezüchters Zsupan, dessen einziger Lebenszweck „Borstenvieh und Schweinespeck“ ist. Diese Polka hat Johann Strauss bereits einen Monat nach der Uraufführung der Operette konzertant aufführen lassen, durch seinen Bruder Edi am 29. November 1885 an einem der traditionellen Sonntagskonzerte.

4. Johann Strauss (Sohn)Leichtes Blut; Polka op. 319

Die Strauss-Brüder pflegten es, für die Wiener Karnevalsrevuen mit Novitäten aufzuwarten. Für diejenige des Jahres 1867 komponierten Johann und Josef zusammen mindestens 24 Neuheiten, darunter kamen von Johann auch „An der schönen blauen Donau“ und „Künstlerleben„. Die Uraufführung von „Leichtes Blut“ am 10. März 1867 schlug ein – die Polka musste mehrmals wiederholt werden. Bis heute gehört sie zu den populärsten Strauss-Werken im 2/4-Takt und steht am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker regelmässig auf dem Programm. Immer wieder erfrischend.

5. Johann Strauss (Vater)Marienwalzer; op. 212

Ein Walzer von Papa Strauss, das freut! Es ein typisches Werk von ihm: fröhliche, zuweilen sehr einfache, aber effektive aneinandergereihte Melodienfolgen, wie sie typisch sind für die frühen Zeiten der Wiener Konzertwalzer. Dass die immer tanzbarer werdenden Lanner- und Strausswalzer vom begeisterungsfähigen Wiener Publikum mit einer enormen Begeisterung aufgenommen wurden, zeigte sich auch an der Uraufführung des Marienwalzers am 20. Juli 1847 im Volksgarten. Trotz trübem Wetter erschien das Publikum zahlreich und verlangte gleich zweimal eine Wiederholung.

6. Johann Strauss (Vater)Wilhelm Tell Galopp; op. 29b

Nachdem Rossinis Oper „Guillaume Tell“ am 3. August 1829 in Paris uraufgeführt worden war, sprach sich der beispiellose Erfolg des Werkes in ganz Europa herum. Dennoch war die berühmte Ouverture mit dem unverkennbaren Tell-Galopp-Motiv in Wien erst im März 1830 erstmals zu hören. Strauss Vater reagierte umgehend und zimmerte aus den einprägsamen Takten schnell eine Galoppe, welche er erst gegen den Schluss mit eigenen Ideen anreicherte. Diese arrangierte er jedoch so geschickt, dass man meinen könnte, sie wären ebenfalls von Rossini.

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zuBoccaccio

Mit von Suppé, dem Wegbereiter der Wiener Operette, eröffnet der zweite Teil des Konzerts. „Boccaccio“ war das erfolgreichste Bühnenwerk von Suppés, und es wird auch heute noch regelmässig aufgeführt. Die Ouvertüre beginnt mit einer Tonfolge, die den Donauwalzer zu implizieren scheint. Es folgen tonmalerische Motive mit zuweilen dramatischer Linienführung. Typisch von Suppé. Ein sehr schöner Start in den zweiten Konzertteil.

8. Johann Strauss (Sohn)Myrthenblüten; Walzer op. 395

Ein heute selten mehr gespielter Walzer, der sich für ein Neujahrskonzert-Programm jedoch hervorragend eignet. Mit blumigen Harfenklängen eröffnet das Intro, bald geht es fast nahtlos in eines der bezauberndsten Hauptthemen eines Strauss-Walzers über. Der Kenner merkt gleich: Es ist eine Melodie aus der Operette „Wiener Blut“ („Wie hab‘ auf dir ich musiziert, Armes Spinett, dich malträtiert!“). Strauss hat den Walzer anlässlich der Vermählung von Kronprinz Rudolf mit Stephanie von Belgien am 10. Mai 1881 geschrieben, ursprünglich als Chorfassung für den Wiener Männergesangsverein. In dieser Version wurde der Walzer zwei Tage vor der Hochzeit im Wiener Prater erstmals aufgeführt – vor einer hingerissenen Menge von 20’000 Menschen!

9. Alphons CzibulkaStephanie-Gavotte; 312

Czibulka kennen heutzutage (leider) nur noch wenige Liebhaber der leichten U-Musik. Es gibt auch nur noch wenige Kompositionen des gebürtigen Slowaken, welche die Zeit überdauert haben. Sein wohl berühmtestes Werk, das vielen vertraut klingen dürfte, ist die Stephanie-Gavotte, ein reizendes, eingängiges Kleinod feinster Wiener Salonmusik, welches – wie die „Myrthenblüthen“ – der Kronprinzessin Stephanie gewidmet ist. Es ist hocherfreulich, dass Czibulka am Neujahrskonzert gespielt wird.

10. Johann Strauss (Sohn)Freikugeln; Polka op. 326

Eine populäre, vor Fröhlichkeit sprudelnde Strauss-Polka, zum x-ten Male am Neujahrskonzert vertreten. Komponiert hatte Strauss die „Freikugeln“ anlässlich des grossen Bundesfestschiessens der internationalen Schützenvereine im Wiener Prater im Jahre 1868. Die Erstaufführung am 27. Juli erntete Begeisterungsstürme, genauso wie auch die Reprise am Tag darauf im Volksgarten.

11. Johann Strauss (Sohn)Geschichten aus dem Wienerwald; Walzer op. 325

Ja, hierzu gibt’s nicht viel zu sagen, ausser dass dieser Walzer – zumindest aus Sicht des Autors – das Non-Plus-Ultra aus Johann Strauss‘ Werk darstellt. Es ist einer der genialsten, wenn nicht der genialste Wurf des Komponisten, musikalische Vollkommenheit, ein unerreichtes Tongemälde. Der Walzer dürfte jedes Jahr auf dem Programm stehen. Näheres zu diesem Meisterwerk hier.

12. Johann Strauss (Sohn)Fest-Marsch; op. 452

Von Strauss Sohn sind zwei „Fest-Märsche“ überliefert. Op.49 entstand im Jahre 1847 anlässlich der Wiedner Kirchweih. Op.452 aus dem Jahre 1893 war eine Widmungskomposition. Strauss schrieb den Marsch zu Ehren der Vermählung von Prinz Ferdinand von Bulgarien mit Prinzessin Maria Luisa von Bourbon-Parma. Die Erstaufführung erfolgte am 4. Juni 1893 im Wiener Prater im Rahmen eines grossen Aufmarsches aller in Wien stationierten Regimentsmusiken. An die 10’000 Zuschauer waren anwesend.

13. Johann Strauss (Sohn)Stadt und Land; Mazurka op. 322

Im Gegensatz zu seinem Vater, zog es Johann Strauss Sohn nur einmal nach England. Als er in einem Vorort Londons weilte, war er beeindruckt von dem ausgeprägten Kontrast zwischen dem ruralen Leben und der pulsierenden Metropole. Diese Faszination vertonte er mit der schwelgerisch-melodiösen Mazurka op.322, welche er in Wien am 19. Januar 1868 an einem Konzert in den Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft uraufführte. Erwartungsgemäss war der Jubel gross. Auch im Russischen Pawlowsk, wo Strauss die Mazurka im Folgejahr vortrug, wurde das Werk mit Begeisterung aufgenommen und unter dem Titel „Vilanella-Polka“ veröffentlicht.

14. Johann Strauss (Sohn)Un ballo in maschera; Quadrille op. 272

Wenn wir schon so eine Häufung an Johann Strauss-Werken in der zweiten Konzerthälfte aufgetischt erhalten, so ist es nur gut, dass wir auch eine Quadrille hören. Schon der Vater, aber auch Bruder Josef haben davon mehrere geschrieben. Die Maskenball-Quadrille basiert – wie der Titel es sagt – auf Themen der gleichnamigen Verdi-Oper. Diese wurde am 17. Februar 1859 in Rom uraufgeführt. Es dauerte jedoch geschlagene fünf Jahre, bis das Bühnenwerk auch in Wien gezeigt wurde. Die Wiener hatten damals nie viel übrig für Verdi und nahmen seine Opern mit tendenziell ablehnender Haltung zur Kenntnis. Anders sah das Johann Strauss. Er schwärmte für den Italiener. Als Strauss 1861 in Russland weilte, wurde dort „Un ballo in maschera“ aufgeführt – lange bevor es das Werk nach Wien schaffte. Strauss nutzte diese Gelegenheit, griff die prägnantesten Themen der Oper auf und verarbeitete sie zu einer Quadrille. Diese präsentierte er am 21. Dezember 1862 an einem Konzert im Volksgarten. Über die Reaktionen des Publikums ist jedoch nichts überliefert.

15. Johann Strauss (Sohn)Rosen aus dem Süden; Walzer op. 388

Grossartig: Wie die „Geschichten aus dem Wienerwald“ gehören die „Rosen aus dem Süden“ zu den erfolgreichsten, bekanntesten und vor allem bezauberndsten Konzertwalzern von Strauss. Der Walzer zitiert die schönsten Passagen aus der hingegen nicht mehr bekannten Operette „Das Spitzentuch der Königin“. Näheres zu op.388 hier. Zu Recht steht der häufig vertretene Walzer wieder auf dem Konzertprogramm.

16. Josef StraussEingesendet; Polka op. 240

Nach einer grossen Portion Johann macht also Josef den Abschluss des offiziellen Konzertprogramms. Quirlig und fröhlich sprudelt die Schnellpolka dahin. Die Strauss-Brüder komponierten auch im Jahre 1868 wieder Walzer und Polkas eigens für den traditionellen Concordiaball. Bei der Aufführung am 4. Februar besagten Jahres wurde „Eingesendet“ von allen Widmungskompositionen am besten aufgenommen. Die Polka findet sich noch heute auf Konzertprogrammen.

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Es ist ein Jammer, wie eine Unmenge an bezaubernder Musikliteratur in den Archiven dieser Welt auf Nimmerwiedersehen verstaubt. Von Oscar Fetrás etwa kennt man lediglich noch „Mondnacht auf der Alster“ , die „Uhlenhorster Kinder“ oder den „Hindenburg-Marsch“. Aber was ist beispielsweise mit den umwerfenden „Harvestehuder Schwalben“? Youtube liefert lediglich eine verstaubte Grammophon-Aufnahme aus alter Zeit. Anhand dieser habe ich versucht, den Walzer auf dem Klavier nachzuspielen, ohne mich dabei verbissen ans Original zu halten. Was ist daraus geworden? Sehen/hören Sie selbst:

 

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Die meisten Schweizer Volklieder sind fröhlicher, beschwingter Natur. Umso mehr sticht das berühmte Guggisberg-Lied hervor, das fast so unendlich düster ist wie das Lied vom traurigen Sonntag. Das Geschichte erzählt von einem jungen Mädchen aus dem Dorfe Guggisberg im Schwarzenburger Land. Es war unsterblich in einen Jungen aus der Nachbarschaft verliebt, welcher Hals über Kopf fliehen musste, weil er in einem Streit vermeintlich einen anderen getötet hatte. Als er nach langer Zeit vernahm, dass er sich geirrt hatte und zurück nach Guggisberg gekehrt ist, war sein Vreneli an gebrochenem Herzen gestorben. Vermutlich geht diese erschütternd tragische Geschichte auf eine wahre Begebenheit zurück.

 

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Zweifelsohne ist die Operette „Im Weissen Rössl“ eines der erfolgreichsten Bühnenstücke der silbernen Ära. Viel Klamauk und unsterbliche Melodien haben den Dreiakter zum heute noch vielaufgeführten Kassenschlager gemacht. Stark mit beteiligt am Erfolg war kein geringerer als Robert Stolz, der mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ und „Die ganze Welt ist himmelblau“ zwei der prägendsten Musiknummern in Ralph Benatzkys Operette beigesteuert hat.

Aber – wie unfair: Robert Stolz blieben die ihm zustehenden Tantiemen für seine beiden Piecen verwehrt. Stolz machte Benatzky dafür verantwortlich und soll diesen fortan despektierlich „Benutzky“ genannt haben. So ist es zumindest anekdotisch überliefert. Doch soll nicht Benatzky selbst für diese unrühmliche Begebenheit verantwortlich gewesen sein, sondern der Bühnenregisseur und „Produzent“ Erik Charell, welcher die Verträge perfiderweise so aufsetzen liess, dass er selbst als Besitzer der Rechte an der Musik notiert ist. Charell persönlich gab bei Stolz die zwei Nummern in Auftrag und spies diesen mit einem einmaligen Honorar ab. Robert Stolz ging nach eigener Aussage davon aus, dass diese beiden Stücke nur für die Aufführungen in Berlin gedacht seien. Einen Prozess gegen Charell in dieser Sache aber verlor Stolz.

Ob der Term „Benutzky“ nun tatsächlich auf Robert Stolz‘ Mist gewachsen, oder ob dies lediglich Legendenbildung ist – mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ hat Meister Stolz sich einmal mehr ein musikalisches Denkmal gesetzt, dass der Welt nie mehr aus den Ohren gehen wird.

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Eigentlich ein Totschläger unter den Gassenhauern, aber die Melodie ist so eingängig und schön, dass seine Unsterblichkeit mehr als berechtigt ist. Nachdem Hinz und Kunz „Tulpen aus Amsterdam“ interpretiert hat, komme ich nun auch noch damit… et voilà

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Es gibt nichts Schöneres, als vergessene Musik aus dem Dunkel der Archive zu holen. Vom Hamburger Komponisten Oscar Fetrás kennt man heute fast ausschliesslich noch die „Mondnacht auf der Alster“. In jüngster Zeit gab es neue Einspielungen von ein zwei weteren Werken, beispielsweise „Uhlenhorster Kinder“. Fetrás besticht mit wahrlich bezaubernden Melodien, so süss und lieblich wie kaum ein anderer Deutscher Komponist es je hervorbrachte. Eine alte, schäbige Aufnahme von Opus 10, „Goldschmieds Töchterlein“, veranlasste mich, das Stück auf dem Piano nach Gehör nachzuspielen – wenigstens annähernd. Somit haben wir ein weiteres Werk diese begabten Musikers neu verfügbar. On es Piano-Noten davon gibt? Keine Ahnung, aber bestimmt irgendwo…

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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
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Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

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1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrskonzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

 

18. (Zugabe) Eduard StraussMit Vergnügen. Polka schnell, op. 228

Gut, immerhin kommt der „Jubliar“ in einer Zugabe noch zu seinen verdienten Ehren. Die Polka ist eine nette kleine Perle des oft zu Unrecht vernachlässigten Strauss-Bruders.

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Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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