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Archive for the ‘Musik’ Category


Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2019 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wird zum ersten Mal von Christian Thielemann (*1959), Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dirigiert. Mit einem neuen Gesicht an der Front steigt auch immer die Hoffnung auf „neuen Wind“ im Programm. Thielemann, gebürtiger Berliner, erfüllt diese Erwartung zwar nicht unbedingt in der Varietät der gespielten Komponisten, dafür aber hinsichtlich erstmals in diesem Rahmen intonierter Raritäten, es sind deren sechs. Während Joseph Lanner und Johann Strauss Vater heuer (leider!) gänzlich fehlen im offiziellen Programm, räumt Thielemann dafür dem jüngeren Joseph Hellmesberger und Eduard Strauss je zwei Plätze ein. Warum die beiden vergleichsweise wenig bedeutenden, aber wohltalentierten Hellmesbergers Junior und Senior in den letzten Jahren so regelmässig zum Zug kommen an den Neujahrskonzerten, darüber kann man nur rätseln. Alles in allem erwartet uns aber ein recht spannendes, solides Programm mit mehreren seltenen Perlen und immerhin zwei wohlbekannten, wunderbaren Konzertwalzern, derer man nie überdrüssig werden kann.
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Am Neujahrskonzert 2019 werden gespielt:

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1. Carl Michael Ziehrer – Schönfeld Marsch; op. 422

Das Konzert startet gleich mit einer bombastischen Nummer: Der „Freiherr von Schönfeld-Marsch“, wie das Stück mit vollem Namen heisst, gehört nach Ansicht des Autors nicht nur zu den hinreissendsten Märschen, die jemals geschrieben worden sind, sondern es ist eine der berühmtesten Marschkompositionen im deutschsprachigen Raum. Seit 1920 ist es der offizielle Regimentsmarsch der österreichischen Armee. Ziehrer hat den Marsch für den österreichischen Generalstabchef Anton von Schönfeld (1827-1898)  geschrieben. Als dieser nach längerem Ausbleiben der Komposition bei Ziehrer nachhakte, soll dieser erschrocken gerufen haben: „Mein Gott, das habe ich total vergessen!“ Gleich darauf soll sich Ziehrer ans Klavier gesetzt und in Windeseile, jedoch mit genialer Eingebung, den Marsch skizzenhaft komponiert und ihn sofort zur Instrumentierung gegeben haben.

2. Josef Strauss – Transactionen; Walzer op. 184

Ein exzellenter Walzer mit einer für Josef Strauss sehr typischen, wunderbar tonmalerischen Introduktion und einem recht einfachen, aber umso wirkunsvolleren Hauptthema. Woher die Namensgebung rührt, bleibt unklar, zumal die original Partitur Amor zeigt, der die Hände zweier Liebenden vereint, was nicht wirklich etwas mit Börsen-„Transactionen“ zu tun hat. Pepi Struss schrieb diesen Walzer kurz vor seiner Abreise in einen Erholungsurlaub. Die Uraufführung erfolgte am 2. August 1865 im Volksgarten.

3. Joseph Hellmesberger (Jun.) – Elfenreigen, ein Charakterstück

Diese schön arrangierte, sehr kontrasreiche Komposition war bereits im Jahre 2007 im Programm des Neujahrskonzerts. Es vertont den leichten, beschwingten Tanz zarter Feenwesen. Eine willkommene „Erleichterung“ nach dem anspruchsvollen Walzer von Josef Strauss.

4. Johann Strauss (Sohn) – Express-Polka; op. 311

Diese nette kleine Polka, die jedoch nicht unbedingt zu den einfallreichsten Glanzstücken des Komponisten gehört, diente zur Zeit ihrer Entstehung als kleiner Aufsteller-Versuch für das Volk. Erst zuvor nämlich hatte Österreich seine verheerende Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz erlitten mit grossen menschlichen Verlusten. Die Stimmung im Lande war denkbar getrübt. Über vier Monate nach dem Rückschlag, am 18. November 1866, spielten die Strauss-Brüder erstmals wieder auf und wagten den Versuch, das Volk mit Novitäten aus der Lethargie zu locken. Die Express-Polka war einer der Beiträge, welche an diesem Konzert im Volksgarten mit viel Begeisterung aufgenommen wurden.

5. Johann Strauss (Sohn) – Nordseebilder; Walzer op. 390

In den Jahren 1878 und 1879 weilte Johann Strauss in Norddeutschland und erholte sich an der frischen Nordseeluft, unter anderem auf der Insel Föhr. Inspiriert von der charakteristischen Landschaft, von der angenehmen Rauheit des Klimas und des Wetters schrieb Strauss ein wahres Meisterwerk nieder, ein symphonisches Tongemälde allererster Qualität, das die sanften bis wilden Wellen der kühlen Nordsee umschreibt. Dies beginnt bereits mit der bezaubernden Einleitung, die schliesslich in eines der hinreissendsten Walzerthemen Strauss‘ übergeht. Im Herbst 1879 wurde „Nordseebilder“ in Wien uraufgeführt. Das Publikum war so elektrisiert, dass Strauss den Walzer mehrmals wiederholen musste.

6. Eduard Strauss – Mit Extrapost; Galopp op. 259

Es freut, dass der „schöne Edi“ noch im ersten Teil des Konzerts zu Ehren kommt, denn er wird – oft zu Unrecht – stiefmütterlich behandelt im Vergleich zu seinen Brüdern. „Mit Extrapost“ ist eine zackige, temporeiche Galoppe mit sehr gefälligen Passagen, die nichts als gute Laune bereiten. Leider ist die Stückwahl nicht besonders einfallsreich, zumal die Galoppe schon mehrmals an einem Neujahrskonzert gespielt worden ist. Wann endlich setzt sich ein Dirigent intensiver mit Eduards Oeuvre auseinander und erkennt mit dem nötigen Sachverstand, was es hier für wahre Juwelen zu bergen gibt? Und zwar nicht nur Galoppen und Polkas, auf die der Edi seit jeher beschränkt wird. Man vermisst seine grandiosen Walzer.

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—— PAUSE ——

(Film zu 150 Jahren Wiener Staatsoper)

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7. Johann Strauss (Sohn) – Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron

Mit slawisch anmutenden Takten gehts in den zweiten Teil: Das Eröffnungsstück von Strauss‘ dritterfolgreichster Operette ist ein vielschichtiges, dynamisches Meisterwerk mit viel Feuer – v.a. in der zweiten Hälfte – und ebenso ruhigen wie beschwingten Motiven, die Wohlbekanntes zitieren. Die Operette wurde im Oktober 1885 im Theater an der Wien uraufgeführt. Die Wahl der Ouverture als Einstig in den zweiten Teil des Neujahrskonzerts ist sicher passend.

8. Josef Strauss – Die Tänzerin; Polka op. 227

Eine kleine Trouvaille, selten gehört, da lange Zeit vergessen. Josef Strauss schrieb diese liebliche Polka vermutlich für ein von Carl Schwender organisiertes Park-Konzert in der „Neuen Welt“ in Hietzing im Juni 1867. Es ist davon auszugehen, dass die relativ einfache Polka nicht der Hit des Tages war. Aufzeichnungen zufolge wurde sie nach dem Konzert nur noch einige wenige Male aufgeführt und war bald ganz vergessen. Schön, dass sie hier eine Reinkarnation in populärem Rahmen erlebt.

9. Johann Strauss (Sohn) – Künstlerleben; Waler op. 316

Einer von Strauss‘ meistgespielten Konzertwalzern, der seine Wirkung nie verfehlt und dem auch immer wieder ein Platz im Neujahrskonzertprogramm gebührt. Der Walzer wird hier beschrieben.

10. Johann Strauss (Sohn) – Die Bajadere; Polka op. 351

Diese Wahl ist insofern etwas rätselhaft, als diese im Gesamtwerk von Strauss eher unbedeutende, wenn auch neckische Polka in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits dreimal Teil des Programms war. Die Polka zitiert Passagen aus Strauss‘ ersten, wenig erfolgreichen Operette „Indigo und die 40 Räuber“. Die Musik hingegen, darunter auch diese Polka kamen beim Publikum gut an. Im Juni 1871 wurde sie im Volksgarten erstmals konzertant aufgeführt. Dennoch hätte man sich an dieser Stelle etwas Einfallsreicheres gewünscht.

11. Eduard Strauss – Opern-Soirée; Polka op. 162

Nun noch eine Polka von Edi, kompositorisch keine Meisterleistung (er konnte es viel besser), aber immerhin eine Neujahrskonzert-Novität. Im Dezember 1877 gaben Eduard und Johann im Rahmen einer Opern-Soirée ihr erstes gemeinsames Konzert mit den Wiener Philharmonikern. Als Eduard seine neue, entsprechend benannte Polka anstimmte, sollen der überlieferung zufolge schnurstracks alle Sessel zur Seite geräumt geworden sein, damit das begeisterte Publikum dazu tanzen konnte. Der anwesende Kaiser Franz Joseph soll darob nicht sonderlich begeistert gewesen sein.

12. Johann Strauss (Sohn) – Eva-Walzer nach Motiven aus „Ritter Pásmán“

Mit Hörnern und Fanfaren eröffnet das Stück, das keine Opus-Nummer trägt. Der Eva-Walzer ist ein musikalisches Exzerpt aus der einzigen Strauss-Oper, mit welcher der Komponist im Januar 1892 leider grandios scheiterte – der Versuch, sich „ernster Musik“ zuzuwenden, er gelang nicht. Der Eva-Walzer war eines der wenigen Stücke dieser komischen Oper, das von den Kritikern gelobt wurde. Zu recht, denn der vergleichsweise kurze Walzer überzeugt mit bezaubernden Sequenzen, die zwar so gar nicht strauss-typisch, aber dem Gemüt sehr zuträglich sind.

13. Johann Strauss (Sohn) – Csárdás aus „Ritter Pásmán“; op. 441

Auch dieser Csárdás gehört zu den wenigen erfolgreichen Musikteilen der Oper. Hier wird Strauss sehr „ungarisch“. Die erste Hälfte des Stückes ist allerdings reht langatmig, bevor es dann endlich das temperamentvolle slawische Feuer entwickelt.

14. Johann Strauss (Sohn) – Egyptischer Marsch; op. 335

Als Strauss in den Sommermonaten von 1869 wieder im Russischen Pawlowsk weilte, schrieb er diesen interessanten Marsch, der vom Publikum ausserordentlich gut angenommen wurde. Strauss benannte seinen „Egyptischen Marsch“ (sic!) für das Folgekonzert in „Tscherkessen-Marsch“ um. Auch in Wien wurde das Stück erst mit diesem Namen verlegt, später dann aber wieder zum Originalnamen zurückgeführt. Grund war mit Sicherheit die Eröffnung des Suezkanals, und da die Strauss-Brüder ihre Werke ja oft mit wichtigen Ereignissen in Verbindung brachten, bot sich der Name „Egyptischer Marsch“ natürlich wieder bestens an – gscheites „Marketing“ halt.

15. Joseph Hellmesberger (Jun.) – Entr’acte Valse

Mit den Hellmesbergers haben sie’s wirklich in den letzten Jahren. Die Entr’acte-Valse ist ein weitgehend vergessenes Stück, das vermutlich seit Jahrzehnten nie mehr in einem grösseren Rahmen aufgeführt worden ist. Es taucht einizig in einigen wenigen Programmen aus dem frühen 20. Jahrhundert auf – vornehmlich in Amerika. Das Werk trägt keine Opusnummer. Man kann gespannt sein, wie die Philharmoniker diese Perle mit höchstem Seltenheitswert interpretieren.

16. Johann Strauss (Sohn) – Lob der Frauen; Mazurka op. 315

Für das „schwache Geschlecht“ hatte der Schani sehr viel übrig, was sich auch in mehreren Kompositionen niederschlug. Mit dieser Mazurka als Widmung an die Frau wollte er das Volk aus einer Lethargie holen, welche sich durch politische Unruhen und Spannungen breit gemacht hatte. Die bittere Niederlage der Donaumonarchie nach der Schlacht bei Königgrätz lag noch nicht lange zurück. Strauss schaffte die Aufheiterung erwartungsgemäss am Konzert im Volksgarten vom 17. Februar 1867. Das Publikum war  hingerissen von dieser gemütlichen Mazur.

17. Josef Strauss – Sphärenklänge; Walzer op. 235

Dieser fantastische Konzertwalzer, der einer von Pepis grössten Würfen geworden ist, war ursprünglich eine übliche Widmungskomposition – und zwar für den Medizinerball anno 1868 in den Sofiensälen, wo Strauss denn auch als Balldirektor fungierte. Zu recht gilt der Walzer als eines der grossartigsten Tongedichte der Wiener U-Musik. Die Kritiken nach der Uraufführungen waren denn auch hervorragend, was die Musik betrifft. Moniert wurde hingegen der Titel, welcher nach Auffassung der Kritiker der Güte der Musik nicht gerecht werde… Wir sehen das anders: Der Walzer ist so bezaubernd schön, dass er die Hörerschaft in andere Sphären hebt. Ein Stück, das im Programm eines Neujahrskonzertes nie eine falsche Wahl sein kann. Mit den „Sphärenklängen“ verklingt das offizielle Programm 2019.

Angekündigte Zugabe: Johann Strauss (Sohn) – Im Sturmschritt; Polka op. 348

Eine Melodie, welche vielen vertraut vorkommen dürfte: „Im Sturmschritt“ ist eine gerne aufgeführte Komposition, die durch und durch gute Laune macht. Strauss verarbeitete einiges von der Musik aus seiner Operette „Indigo und die 40 Räuber“ zu Konzertstücken. Bei dieser Polka dürfte er sich von der Rasanz von Jacques Offenbachs „Can can“ inspiriert haben lassen. Die Wiener Uraufführung erfolgte an einem Mai-Konzert im Jahre 1871 im Volksgarten.

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Wie es Tradition ist, verklingt auch das Neujahrskonzert 2019 mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch – Letzterer wie immer im Bierzelt-Modus.

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Eine Ziehrer-Melodie macht der Kenner sofort aus. Dieses wunderschöne Quodlibet aus dem „Fremdenführer“ trägt besonders deutlich die Handschrift des Meisters. Die Textstelle „s’Gibt kein grösseres Vergnügen, als im Walzer hinzufliegen“ ist wohl populärer mit den Worten „Wenn als Wiener du geboren, hast du Glück g’habt in der Tat…“

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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wird von Riccardo Muti dirigiert. Der 75-jährige Italiener leitet das Konzert zum fünften Mal. Die Programmwahl ist sehr klassisch: viel Strauss. Leider wieder ohne Eduard, dafür gleich zweimal mit dem Vater im offiziellen Programm. Die diesjährige Besonderheit ist ein Beitrag von Alphons Czibulka, ein heute kaum mehr bekannter Vertreter des Wiener Genres. Es ist ein solides, mittelmässig aufregendes Programm mit drei vier Paradenummern und einigen selten gehörten Perlen. Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer fehlen diesmal. Bedauerlich.
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Am Neujahrskonzert 2018 werden gespielt:

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1. Johann Strauss (Sohn)Einzugsmarsch (aus dem „Zigeunerbaron„)

Mit dem schneidigen Einzugsmarsch aus dem 3. Akt der Operette „Der Zigeunerbaron“ vertont Johann Strauss seine Vorstellung eines pompösen, freudigen Empfangs von heimkehrenden Soldaten aus dem Spanischen Erbfolgekrieg. Die erste konzertante Aufführung dieses Marsches fand am 6. Dezember 1885 ebenfalls im Goldenen Saal statt. Diese schwungvolle Wahl passt sehr gut zur Eröffnung eines Neujahrskonzerts.

2. Josef StraussWiener Fresken; Walzer op. 249

Weiter gehts mit einem selten gespielten Walzer von Josef – ein lebensbejahendes Tongedicht, Wiener Musik erster Güte. Geschrieben hat Josef diesen melodienreichen Walzer für das grosse Schützen-Festival in Wien im Juli 1968. „Wiener Fresken“ war vorgesehen für das Konzert im Volksgarten am 28. Juli 1868, welches Teil des Festivals war. Warum der Komponist den Titel „Fresken“ wählte, ist nicht überliefert. Ob er die internationale Gästeschar auf die allgegenwärtigen Kunstwerke in den Wiener Kirchen und Wiener Palästen aufmerksam machen wollte? Jedenfalls ein sehr schöner Beitrag für das Neujahrskonzert 2018. Der bildliche Exkurs führt u.a. in den Prunksaal der Nationalbibliothek mit seinen fantstischen Deckenfresken.

3. Johann Strauss (Sohn)Brautschau; Polka op. 417

Schon sind wir wieder beim „Zigeunerbaron„. Mit dem Titel „Brautschau“ dürften die wenigsten etwas anfangen können, umso mehr dafür aber mit der Melodie. Das neckische Hauptthema der Polka ist nichts anderes als das weltberühmte Couplet des Schweinezüchters Zsupan, dessen einziger Lebenszweck „Borstenvieh und Schweinespeck“ ist. Diese Polka hat Johann Strauss bereits einen Monat nach der Uraufführung der Operette konzertant aufführen lassen, durch seinen Bruder Edi am 29. November 1885 an einem der traditionellen Sonntagskonzerte.

4. Johann Strauss (Sohn)Leichtes Blut; Polka op. 319

Die Strauss-Brüder pflegten es, für die Wiener Karnevalsrevuen mit Novitäten aufzuwarten. Für diejenige des Jahres 1867 komponierten Johann und Josef zusammen mindestens 24 Neuheiten, darunter kamen von Johann auch „An der schönen blauen Donau“ und „Künstlerleben„. Die Uraufführung von „Leichtes Blut“ am 10. März 1867 schlug ein – die Polka musste mehrmals wiederholt werden. Bis heute gehört sie zu den populärsten Strauss-Werken im 2/4-Takt und steht am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker regelmässig auf dem Programm. Immer wieder erfrischend.

5. Johann Strauss (Vater)Marienwalzer; op. 212

Ein Walzer von Papa Strauss, das freut! Es ist ein typisches Werk von ihm: fröhliche, zuweilen sehr einfache, aber effektive aneinandergereihte Melodienfolgen, wie sie typisch sind für die frühen Zeiten der Wiener Konzertwalzer. Dass die immer tanzbarer werdenden Lanner- und Strausswalzer vom vergnügungshungrigen Wiener Publikum mit einer enormen Begeisterung aufgenommen wurden, zeigte sich auch an der Uraufführung des Marienwalzers am 20. Juli 1847 im Volksgarten. Trotz trübem Wetter erschien das Publikum zahlreich und verlangte gleich zweimal eine Wiederholung.

6. Johann Strauss (Vater)Wilhelm Tell Galopp; op. 29b

Nachdem Rossinis Oper „Guillaume Tell“ am 3. August 1829 in Paris uraufgeführt worden war, sprach sich der beispiellose Erfolg des Werkes in ganz Europa herum. Dennoch war die berühmte Ouverture mit dem unverkennbaren Tell-Galopp-Motiv in Wien erst im März 1830 erstmals zu hören. Strauss Vater reagierte umgehend und zimmerte aus den einprägsamen Takten schnell eine Galoppe, welche er erst gegen den Schluss mit eigenen Ideen anreicherte. Diese arrangierte er jedoch so geschickt, dass man meinen könnte, sie wären ebenfalls von Rossini.

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zuBoccaccio

Mit von Suppé, dem Wegbereiter der Wiener Operette, eröffnet der zweite Teil des Konzerts. „Boccaccio“ war das erfolgreichste Bühnenwerk von Suppés, und es wird auch heute noch regelmässig aufgeführt. Die Ouvertüre beginnt mit einer Tonfolge, die den Donauwalzer zu implizieren scheint. Es folgen tonmalerische Motive mit zuweilen dramatischer Linienführung. Typisch von Suppé. Ein sehr schöner Start in den zweiten Konzertteil.

8. Johann Strauss (Sohn)Myrthenblüten; Walzer op. 395

Ein heute selten mehr gespielter Walzer, der sich für ein Neujahrskonzert-Programm jedoch hervorragend eignet. Mit blumigen Harfenklängen eröffnet das Intro, bald geht es fast nahtlos in eines der bezauberndsten Hauptthemen eines Strauss-Walzers über. Der Kenner merkt gleich: Es ist eine Melodie aus der Operette „Wiener Blut“ („Wie hab‘ auf dir ich musiziert, Armes Spinett, dich malträtiert!“). Strauss hat den Walzer anlässlich der Vermählung von Kronprinz Rudolf mit Stephanie von Belgien am 10. Mai 1881 geschrieben, ursprünglich als Chorfassung für den Wiener Männergesangsverein. In dieser Version wurde der Walzer zwei Tage vor der Hochzeit im Wiener Prater erstmals aufgeführt – vor einer hingerissenen Menge von 20’000 Menschen!

9. Alphons CzibulkaStephanie-Gavotte; op. 312

Czibulka kennen heutzutage (leider) nur noch wenige Liebhaber der leichten U-Musik. Es gibt auch nur wenige Kompositionen des gebürtigen Ungaren/Slowaken, welche die Zeit überdauert haben. Sein wohl berühmtestes Werk, das vielen vertraut klingen dürfte, ist die Stephanie-Gavotte, ein reizendes, eingängiges Kleinod feinster Wiener Salonmusik, welches – wie die „Myrthenblüthen“ – der Kronprinzessin Stephanie gewidmet ist. Es ist hocherfreulich, dass Czibulka am Neujahrskonzert gespielt wird. Das Ballett tanzt dazu im Kaiserlichen Hofpavillon der Wiener Stadtbahn, welcher Otto Wagner für den Kaiser erbaut hat. 2018 ist der 100. Todestag des Architekten.

10. Johann Strauss (Sohn)Freikugeln; Polka op. 326

Eine populäre, vor Fröhlichkeit sprudelnde Strauss-Polka, zum x-ten Male am Neujahrskonzert vertreten. Komponiert hatte Strauss die „Freikugeln“ anlässlich des grossen Bundesfestschiessens der internationalen Schützenvereine im Wiener Prater im Jahre 1868. Die Erstaufführung am 27. Juli erntete Begeisterungsstürme, genauso wie auch die Reprise am Tag darauf im Volksgarten.

11. Johann Strauss (Sohn)Geschichten aus dem Wienerwald; Walzer op. 325

Ja, hierzu gibt’s nicht viel zu sagen, ausser dass dieser Walzer – zumindest aus Sicht des Autors – das Non-Plus-Ultra aus Johann Strauss‘ Werk darstellt. Es ist einer der genialsten, wenn nicht der genialste Wurf des Komponisten, musikalische Vollkommenheit, ein unerreichtes Tongemälde. Der Walzer dürfte jedes Jahr auf dem Programm stehen. Näheres zu diesem Meisterwerk hier.

12. Johann Strauss (Sohn)Fest-Marsch; op. 452

Von Strauss Sohn sind zwei „Fest-Märsche“ überliefert. Op.49 entstand im Jahre 1847 anlässlich der Wiedner Kirchweih. Op.452 aus dem Jahre 1893 war eine Widmungskomposition. Strauss schrieb den Marsch zu Ehren der Vermählung von Prinz Ferdinand von Bulgarien mit Prinzessin Maria Luisa von Bourbon-Parma. Die Erstaufführung erfolgte am 4. Juni 1893 im Wiener Prater im Rahmen eines grossen Aufmarsches aller in Wien stationierten Regimentsmusiken. An die 10’000 Zuschauer waren anwesend.

13. Johann Strauss (Sohn)Stadt und Land; Mazurka op. 322

Im Gegensatz zu seinem Vater zog es Johann Strauss Sohn nur einmal nach England. Als er in einem Vorort Londons weilte, war er beeindruckt von dem ausgeprägten Kontrast zwischen dem ruralen Leben und der pulsierenden Metropole. Diese Faszination vertonte er mit der schwelgerisch-melodiösen Mazurka op.322, welche er in Wien am 19. Januar 1868 an einem Konzert in den Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft uraufführte. Erwartungsgemäss war der Jubel gross. Auch im Russischen Pawlowsk, wo Strauss die Mazurka im Folgejahr vortrug, wurde das Werk mit Begeisterung aufgenommen und unter dem Titel „Vilanella-Polka“ veröffentlicht.

14. Johann Strauss (Sohn)Un ballo in maschera; Quadrille op. 272

Wenn wir schon so eine Häufung an Johann Strauss-Werken in der zweiten Konzerthälfte aufgetischt erhalten, ist es nur gut, dass wir auch eine Quadrille hören. Schon der Vater, aber auch Bruder Josef haben davon mehrere geschrieben. Die Maskenball-Quadrille basiert – wie der Titel es sagt – auf Themen der gleichnamigen Verdi-Oper. Diese wurde am 17. Februar 1859 in Rom uraufgeführt. Es dauerte jedoch geschlagene fünf Jahre, bis das Bühnenwerk auch in Wien gezeigt wurde. Die Wiener hatten damals nie viel übrig für Verdi und nahmen seine Opern mit tendenziell ablehnender Haltung zur Kenntnis. Anders sah das Johann Strauss. Er schwärmte für den Italiener. Als Strauss 1861 in Russland weilte, wurde dort „Un ballo in maschera“ aufgeführt – lange bevor es das Werk nach Wien schaffte. Strauss nutzte diese Gelegenheit, griff die prägnantesten Themen der Oper auf und verarbeitete sie zu einer Quadrille. Diese präsentierte er am 21. Dezember 1862 an einem Konzert im Volksgarten. Über die Reaktionen des Publikums ist jedoch nichts Verlässliches überliefert.

15. Johann Strauss (Sohn)Rosen aus dem Süden; Walzer op. 388

Grossartig: Wie die „Geschichten aus dem Wienerwald“ gehören die „Rosen aus dem Süden“ zu den erfolgreichsten, bekanntesten und vor allem bezauberndsten Konzertwalzern von Strauss. Der Walzer zitiert die schönsten Passagen aus der hingegen nicht mehr bekannten Operette „Das Spitzentuch der Königin“. Näheres zu op.388 hier. Zu Recht steht der häufig gespielte Walzer wieder auf dem Konzertprogramm. Die Balletteinspielung wurde in Schloss Eckartsau aufgenommen.

16. Josef StraussEingesendet; Polka op. 240

Nach einer grossen Portion Johann macht also Josef den Abschluss des offiziellen Konzertprogramms. Quirlig und fröhlich sprudelt die Schnellpolka dahin. Die Strauss-Brüder komponierten auch im Jahre 1868 wieder Walzer und Polkas eigens für den traditionellen Concordiaball. Bei der Aufführung am 4. Februar besagten Jahres wurde „Eingesendet“ von allen Widmungskompositionen am besten aufgenommen. Die Polka findet sich noch heute auf Konzertprogrammen.

17. (Zugabe) Johann Strauss (Sohn)Unter Donner und Blitz; Polka op. 324

Strauss komponierte diese Polka für den Hesperus-Ball am 16. Februar 1868 im Dianabad-Saal. Hesperus bedeutet Abendstern (Planet Venus), und Strauss hat sich mit der Polka im Zusammenhang damit eine andere Himmelserscheinung zum Vorbild genommen – ein Gewitter. Mit „Unter Donner und Blitz“ vertont er die häufige meteorologische Folge von Sommerhitze. Schnell und zackig sprudelt die Polka dahin.

Und wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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Es ist ein Jammer, wie eine Unmenge an bezaubernder Musikliteratur in den Archiven dieser Welt auf Nimmerwiedersehen verstaubt. Von Oscar Fetrás etwa kennt man lediglich noch „Mondnacht auf der Alster“ , die „Uhlenhorster Kinder“ oder den „Hindenburg-Marsch“. Aber was ist beispielsweise mit den umwerfenden „Harvestehuder Schwalben“? Youtube liefert lediglich eine verstaubte Grammophon-Aufnahme aus alter Zeit. Anhand dieser habe ich versucht, den Walzer auf dem Klavier nachzuspielen, ohne mich dabei verbissen ans Original zu halten. Was ist daraus geworden? Sehen/hören Sie selbst:

 

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Die meisten Schweizer Volklieder sind fröhlicher, beschwingter Natur. Umso mehr sticht das berühmte Guggisberg-Lied hervor, das fast so unendlich düster ist wie das Lied vom traurigen Sonntag. Das Geschichte erzählt von einem jungen Mädchen aus dem Dorfe Guggisberg im Schwarzenburger Land. Es war unsterblich in einen Jungen aus der Nachbarschaft verliebt, welcher Hals über Kopf fliehen musste, weil er in einem Streit vermeintlich einen anderen getötet hatte. Als er nach langer Zeit vernahm, dass er sich geirrt hatte und zurück nach Guggisberg gekehrt ist, war sein Vreneli an gebrochenem Herzen gestorben. Vermutlich geht diese erschütternd tragische Geschichte auf eine wahre Begebenheit zurück.

 

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Zweifelsohne ist die Operette „Im Weissen Rössl“ eines der erfolgreichsten Bühnenstücke der silbernen Ära. Viel Klamauk und unsterbliche Melodien haben den Dreiakter zum heute noch vielaufgeführten Kassenschlager gemacht. Stark mit beteiligt am Erfolg war kein geringerer als Robert Stolz, der mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ und „Die ganze Welt ist himmelblau“ zwei der prägendsten Musiknummern in Ralph Benatzkys Operette beigesteuert hat.

Aber – wie unfair: Robert Stolz blieben die ihm zustehenden Tantiemen für seine beiden Piecen verwehrt. Stolz machte Benatzky dafür verantwortlich und soll diesen fortan despektierlich „Benutzky“ genannt haben. So ist es zumindest anekdotisch überliefert. Doch soll nicht Benatzky selbst für diese unrühmliche Begebenheit verantwortlich gewesen sein, sondern der Bühnenregisseur und „Produzent“ Erik Charell, welcher die Verträge perfiderweise so aufsetzen liess, dass er selbst als Besitzer der Rechte an der Musik notiert ist. Charell persönlich gab bei Stolz die zwei Nummern in Auftrag und spies diesen mit einem einmaligen Honorar ab. Robert Stolz ging nach eigener Aussage davon aus, dass diese beiden Stücke nur für die Aufführungen in Berlin gedacht seien. Einen Prozess gegen Charell in dieser Sache aber verlor Stolz.

Ob der Term „Benutzky“ nun tatsächlich auf Robert Stolz‘ Mist gewachsen, oder ob dies lediglich Legendenbildung ist – mit „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ hat Meister Stolz sich einmal mehr ein musikalisches Denkmal gesetzt, dass der Welt nie mehr aus den Ohren gehen wird.

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Eigentlich ein Totschläger unter den Gassenhauern, aber die Melodie ist so eingängig und schön, dass seine Unsterblichkeit mehr als berechtigt ist. Nachdem Hinz und Kunz „Tulpen aus Amsterdam“ interpretiert hat, komme ich nun auch noch damit… et voilà

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