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Archive for the ‘Wien aktuell’ Category


Heute Montag, 21. November 2016, jährt sich der Todestag des zweitletzten Habsburgerkaisers zum 100. Mal. Zum Gedenken an einen bewundernswerten, ausdauernden, pflichtbewussten, tragischen, aber auch umstrittenen und schicksalbeladenen Herrscher.

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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
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Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

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1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrskonzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

 

18. (Zugabe) Eduard StraussMit Vergnügen. Polka schnell, op. 228

Gut, immerhin kommt der „Jubliar“ in einer Zugabe noch zu seinen verdienten Ehren. Die Polka ist eine nette kleine Perle des oft zu Unrecht vernachlässigten Strauss-Bruders.

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Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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Einige schöne Momente fürs Auge, und es waren teils gute und starke Stimmen dabei. Aus musikalischer Sicht war es unter dem Strich einmal mehr ein fader Einheitsbrei aus völlig nichtssagenden Liedern, von denen kein einziges im Ohr nachklingt. Einfach nur langweilig und grottenschlecht.

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Es ist nicht das erste mal, dass es im Café Prückel zu einem unsäglichen Vorfall kommt, nämlich dass ein homosexuelles Paar des Lokals verwiesen wird, nur weil es sich zur Begrüssung geküsst hat. Soeben wieder geschehen mit zwei Frauen – ein Pärchen. Sie wurden dafür von einem der Ober gerügt und abschätzig behandelt, so die Nachricht. Nachdem sich die zwei Frauen bei der Kaffeehausleitung beschweren wollten, wurden Sie hinausgeworfen. Die Inhaberin, Christl Sedlar, gegenüber ORF: „Es war mehr als ein Begrüssungskuss. Man muss ja nicht öffentlich so zeigen, dass man zusammengehört.“ (Obwohl sie die Szene selber nicht gesehen hat!, Anm.) Frau Sedlar soll zudem gesagt haben, dass die Zurschaustellung der Andersartigkeit nicht in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus gehöre, sondern in einen Puff. Und DIES ist der eigentliche Stein des Anstosses!

Dass man sich in einem Gastrobetrieb nicht abschlabbert, versteht sich von selbst. Und das gilt sowohl für Homos als auch für Heteros. Aber das steht hier nun mal nicht im Zentrum, zumal es gemäss Aussage der Betroffenen tatsächlich nicht mehr als eine Begrüssung war. Der Eklat besteht in der eindeutig homofeindlichen Gesinnung der alten Dame. Und wenn dem nicht so ist, dann soll Frau Sedlar hinstehen und die Sache öffentlich klarstellen.

Hausrecht hin oder her, mir war das Prückel immer sympathisch, und ich zählte es zu meinen bevorzugten Stammcafés in Wien. Aber nach diesem neuerlichen skandalösen Vorfall dieser Art überlege ich es mir zweimal, ob ich hier so schnell wieder einkehre und die hier herrschende Homofeindlichkeit und Arroganz unterstütze. Der Artikel zum Café Prückel auf Planet-Vienna.com erhält eine entsprechende Ergänzung.

Schämen Sie sich, Frau Sedlar !! Und genau so soll sich der betreffende Ober schämen.

 

Update: Am Freitag, 16. Jänner, kam es zu einer grossen Protestkundgebung vor dem Kaffeehaus. Hier ein Video dazu:

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Am 1. Jänner wird Zubin Metha zum fünften Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren. Seit geschlagenen 50 Jahren arbeitet das Wiener Orchester eng mit dem gebürtigen Inder (*1936) zusammen. Das Konzert wird laut Angaben der Philharmoniker eine Würdigung an den Dirigenten sein.

Eine ganz besondere Würdigung jedoch vermisse ich am Neujahrskonzert 2015, wo ja zuweilen Geburts- oder Todestagen von Komponisten mit einem ihrer Werke gedacht wird. 2015 jährt sich der Todestag eines der grössten französischen Komponisten des U-Musik-Genres: Emile Waldteufel (1837-1915) hat eine beachtliche Zahl an Walzern, Polkas und Märschen geschrieben, von denen viele den Werken aus Österreich das Wasser reichen können. Eine kleine Würdigung an Waldteufel an diesem Neujahrskonzert wäre schön gewesen. Angeblich war ursprünglich die „Valse Triste“ von Jean Sibelius (1865-1957) anlässlich dessen 150. Geburtstages geplant gewesen. Diese Nummer wurde jedoch durch die Annen-Polka von Strauss Jun. ersetzt. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Verlag, hiess es.

Obschon das Programm mindestens fünf Werke umfasst, die überhaupt zum ersten mal im Rahmen eines Neujahrskonzerts gespielt werden, ist die Werkwahl nur mässig aufregend, geschweige denn diversifiziert. Bis auf Franz von Suppé und (erstaunlicherweise) abermals Hans Christian Lumbye beschränkt sich alles auf die Strauss-Familie. Kein Joseph Lanner diesmal und erneut kein Carl Michael Ziehrer. Immerhin werden einige weniger bekannte Kompositionen gespielt. Lediglich mit den Dorfschwalben, Perpetuum Mobile, Wein, Weib,Gesang un der Annen-polka gibt es je eine populäre Darbietung, abgesehen von den Standardzugaben (Donauwalzer, Radetzky-Marsch). Dennoch: Dieses Programm verspricht keine wirklichen Höhepunkte. Schade. Ich hätte da Zubin Metha etwas mehr Kreativität und Einfallsreichtum zugetraut. So viele verpasste Chancen…

Am Neujahrskonzert 2015 werden gespielt:

1. Franz von Suppé  – Ouverture “Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien” … Mit einer Ouvertüre wird das Neujahrskonzert eröffnet. Gute Idee und schön, dass es sie von einem Komponisten ist, der an den Neujahrskonzerten selten zu hören ist… Franz von Suppé hatte sich allein mit seinen zahlreichen Ouvertüren einen Namen gemacht. Viele von ihnen haben nichts an Bekanntheit verloren, während das dazugehörende Bühnenwerk heute so gut wie vergessen ist. Dazu gehört auch das zweiaktige Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ aus dem Jahre 1844. Die Ouvertüre dazu ist voller Leidenschaft und hingebungsvoller sowie sehr lebendiger Melodien aus der Anfangszeit der goldenen Operettenära.

2. Johann Strauss Sohn – Märchen aus dem Orient; Walzer op.444 … Und weiter gehts mit dem Walzerkönig und einem eher weniger bekannten Walzer… Widmungskompositionen brachten den Urhebern nicht selten hochbegehrte Orden ein. Johann Strauss war regelrecht scharf auf diese Auszeichnungen. Er nutzte die Gunst der Stunde und widmete dem Regenten von Konstantinopel, Sultan Abdul Hamid-Khan, zu dessen 50. Geburtstag diesen hinreissenden Walzer. Die Uraufführung erfolgte am 27. November 1892 im Musikverein. Der Beifall war so gross, dass Strauss den Walzer dreimal wiederholen musste. Strauss hat den erwarteten Orden zwar erhalten, aber erst drei Jahre nach der Uraufführung.

3. Josef Strauss – Wiener Leben; Polka op.218 … Die reizende Polka hat Josef Strauss für einen grossen Maskenball am 18. Februar 1867 im Etablissement Schwender geschrieben, welcher unter dem Motto „Wiener und Pariser Leben“ stand. Die Bälle bei Schwender waren jeweils sehr gut besucht, und die grossen Räumlichkeiten boten mehreren tausend Personen Platz. Das Werk erhielt vorerst keine besondere Aufmerksamkeit, aber später – vor allem im Sommer selben Jahres – tauchte es immer wieder in den Programmen auf.

4. Eduard Strauss– Wo man lacht und lebt; Polka op.108 … Der „schöne Edi“ war das „Schlusslicht“ im Dreierteam der Strauss-Söhne. Seine Opus-Liste konnte sich nie mit derjenigen von Johann oder Josef messen. Dennoch hat Eduard ein bemerkenswertes Talent zutage gebracht und eine Reihe hinreissender Kompositionen hingezaubert. Darunter zahlreiche Schnellpolkas, die es wahrlich in sich haben. Diese hier gehört dazu. Sie ist eine weitgehend vergessene, entstanden im Jahre 1873.

5. Josef Strauss – Dorfschwalben aus Österreich; Walzer op.164 … Einer von Josefs berühmtesten une meistinterpretierten Walzern. Zu Recht, besticht das Werk doch als bezauberndes Tongedicht von Anfang bis Schluss. Dem Walzer zugrunde liegt höchstwahrscheinlich das gleichnamige Buch von August Silberstein. Es ist ein Band mit lauter Dorfgeschichten, charakteristisch und das Gemüt der Landbevölkerung wiedergebend. Das Buch war im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich. Josef Strauss holte seine Inspiration zu seinem Walzer aus den kleinen, heiteren Gschichterl’n. Den Walzer widmete Strauss selbstverständlich dem Herrn Silberstein. Josef Strauss‘ Dorschwalben aus Österreich ist eines der deutlichsten Beispiele an Kompositionen, in denen der biedermeierliche Wiener Ländlerstil und der hochentwickelte Wienerwalzer miteinander meisterhaft verschmelzen. Am 6. September 1864 wurde der Walzer im Volksgarten uraufgeführt.

6. Johann Strauss Sohn – Vom Donaustrande; Polka op.356 … Die Operette „Carneval in Rom“ wurde 1873 uraufgeführt. Es war das Jahr der grossen Weltausstellung. „Vom Donaustrande“ hat Johann Strauss aus Melodien der Operette zusammengestellt. Um sie in Verbindung mit der Weltausstellung zu bringen und nicht mit der Handlung der Operette, verpasste er der Polka diesen Titel. Am 6. April 1873 wurde die Polka an einem Jubiläumskonzert – 50 Jahre Strausskapelle – uraufgeführt. Der Erfolg war riesig.

—— PAUSE ——

7. Johann Strauss Sohn – Perpetuum mobile („ein musikalischer Scherz“); Polka op.257 … Dieser „musikalische Scherz“ oder auch „charakteristisches Fantasiestück für Orchester“ ist eine besonders populäre Nummer des Walzerkönigs. Rasant, neckisch und gar mit viel Schalk nimmt er indirekten Bezug auf die technische Konstruktion, die sich aus eigenem Antrieb, also ohne externe Energiezufuhr, unendlich lange bewegen soll. Der Bezug ist insofern indirekt, als Strauss damit auf einen wahren Ballmarathon im Januar 1861 anspielt. Gleich drei Bälle in Folge, nacheinander geleitet von jeweils einem der drei Strauss-Brüder, mit über 50 Tänzen katapultierten das tanzwütige Wien in einen wahren Festrausch. Nonstop-Tanz, unaufhörliche Bewegung, oder eben auf gut Latein „perpetuum mobile“. Johann Strauss sah sich nach diesem Dreifachball animiert, rückblickend darauf diese Schnellpolka zu komponieren. Uraufgeführt wurde sie am 4. April 1861 in Schwenders Casino in Rudolfsheim. Zwar hielt sich das Interesse an dieser Komposition im damaligen Wien nicht lange. Dafür ist es heute umso beliebter.

8. Johann Strauss Sohn – Accelerationen; Walzer op.234 … Die Strauss-Brüder waren sehr an den technischen Entwicklungen ihrer Zeit interessiert und haben so manche Aspekte daraus in ihre Kompositionen einfliessen lassen. Der Walzer „Accelerationen“ ist ein solches Beispiel. „Akzeleration“ ist ein Begriff aus der Physik und bedeutet Beschleunigung. Und entsprechend hat Strauss den Walzer arrangiert. Schneller werdend im Hauptmotiv und dann wieder rallentierend in späteren Partien. Alles fein aufeinander abgestimmt. Einer Anekdote zufolge soll Strauss die Idee zu diesem Walzer spontan auf der Rückseite einer Speisekarte notiert haben. Strauss hat dies nie bestätigt, aber auch nicht abgestritten. Fakt ist, dass er den Walzer für den Technikerball am 14. Februar in den Sofiensälen geschrieben hat.

9. Johann Strauss Sohn – Elektro-magnetische Polka; op.110 … Es ist ein Frühwerk des jungen Johann, uraufgeführt am ersten Technikerball am 11. Februar 1852 ebenfalls in den Sofiensälen. Analog zu den Accelerationen kommt hier Johanns Interesse an der Naturwissenschaft zum Ausdruck. Da der Elektromagnetismus damals noch nicht vollends erforscht war, mag er besondere Faszination auf die Gesellschaft ausgeübt haben.

10. Eduard Strauss – Mit Dampf; Polka op.70 … Auch Eduard teilte die Vorliebe für technische Angelegenheiten. Seine Schnellpolka bezieht sich sinngemäss auf eine Dampfmaschine, genauer auf eine Lokomotive. Das Sujet war zu jener Zeit besonders beliebt. Zahlreiche Kompositionen wurden der faszinierenden Kraft des Damfes gewidmet. Schon Joseph Lanner hat mit seinem Dampf-Walzer das Thema musikalisch aufgegriffen.

11.Johann Strauss Sohn – An der Elbe; Walzer op.477 … Es war der letzte Konzertwalzer Johanns, erschienen beim Seeling-Verlag in Dresden. Mehrmals war Strauss in Dresden, als er auf Konzertreise war. Daher darf dieser Walzer wohl als Widmungskomposition an den Fluss verstanden werden. Die genauen Hintergründe zur Entstehung dieser Komposition sind jedoch nie bekannt geworden. Die Uraufführung erfolgte nicht etwa in Dresden, sondern an einem Benfizkonzert am 28. November 1897 im Wiener Musikverein. Dirigiert wurde das Konzert zwar vom Bruder Eduard, aber für die Präsentation von „An der Elbe“ stieg Johann flugs selbst aufs Dirigierpodest. Der Walzer erntete Begeisterungswellen, verschwand in den Jahren danach jedoch von der Bildfläche und erlebte erst knapp 100 Jahre später sein Revival.

12. Hans Christian Lumbye – Champagner-Galopp; op.14 … Schon wieder? Die war doch bereits im Neujahrskonzert von 2010 im Programm. Lumbye hat bei Gott genug komponiert, das es wert ist, in Wien zu Neujahr aufgeführt zu werden! Wie einfallslos und unverständlich. Wie auch immer, schön ist sie alleweil, die Champagner-Galoppe, flott und hinreissend. Der symphatische Däne dirigierte sie zum letzen Mal eigenhändig im Jahre 1873. Sitzend, da altersgeschwächt.

13. Johann Strauss Sohn – Studenten-Polka; op.263 … 1862 organisierten die Studenten Wiens den ersten Studentenball. Ziel war es, die Finanzierung der Krankenversorgung für Studenten zu ermöglichen. Die Mission gelang, es zeigten sich auch Personen aus dem Hochadel gewillt, die Studenten zu unterstützen. Für den Ball erhielten sie gar die Erlaubnis, ihn in den kaiserlichen Redoutensälen in der Hofburg abzuhalten. Am 24. Februar 1862 also stieg das grosse Fest. Diese Polka war einer von zwei Beiträgen Johanns für diesen Anlass. Die Melodien dieser Polka gehen auf populäre Studentenlieder zurück.

14. Johann Strauss Vater – Freiheits-Marsch; op.226 … Vater Strauss kommt doch noch zu Ehren im offiziellen Programm, wenn auch „nur“ mit einem Marsch. Und dieser gehört sicher nicht zu seinen glanzvollsten Würfen. Man hätte ruhig an dieser Stelle noch etwas Grösseres vom Strauss-Vater wählen können! Der Marsch dürfte im Zusammenhang mit den Revolutionswirren um 1848 entstanden sein. Mehr ist nicht bekannt.

15. Johann Strauss Sohn – Annen-Polka; op.117 … Schade, dies ist ein Allerwelts-Gassenhauer von Strauss. Etliche Male schon gehört am Neujahrskonzert. Müsste wirklich nicht sein, auch wenn die Polka noch so reizend ist. Geschrieben anlässlich des Namenstages der hl. Anna (26. Juli), führte Johann Strauss diese Komposition am 24. Juli 1852 an einem Waldmusikfest im Prater auf, zu dem der Komponist neben allen anderen explizit die Damen mit dem Namen Anna einlud. Die Polka gefiel so sehr, dass sie etliche Male wiederholt werden musste. Sie ging als eines der populärsten Werke des Komponisten in die Geschichte ein.

16. Johann Strauss Sohn – Wein, Weib und Gesang; Walzer op.333 … Hier haben wir einen der berühmtesten Walzer Johanns, der auch heute noch zu den meistaufgeführten gehört. Er ist so schön und grossartig arrangiert, dass er immer mal wieder einen Platz verdient am Neujahrskonzert. Ähnlich wie der Donauwalzer hat Strauss „Wein, Weib und Gesang“ als Chorwerk für den Wiener Männergesangsverein komponiert. An dessen „Narrenabend“ am 2. Februar 1869 im Dianabad-Saal wurde der Chorwalzer uraufgeführt und begeistert angenommen. Das Publikum war so hingerissen und tobte vor Freude, dass die Aufführung mehrmals unterbrochen werden musste. Erstmals rein orchestral wurde der Walzer am 16. März selben Jahres an einem Promenadenkonzert im Pester Redoutensaal aufgeführt. Das Werk ist noch heute eines der meistinterpretierten des Walzerkönigs.

17. Eduard Strauss– Mit Chic; Polka op.221 … Ein reizendes Kleinod von Eduard zum Schluss des offiziellen Programms. Selten gehört und somit ein netter Abschluss.

Es folgen als Zugabe die Explosions-Polka op.43 , ein Frühwerk von Johann Strauss Sohn, und wie jedes Jahr „An der schönen blauen Donau“ und der Radetzky-Marsch.

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Was sich der Wiener Gastronom hier geleistet hat, entbehrt jeglicher Worte… lesen Sie selbst:

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Erneut schaut die ganze Welt auf Wien und das Geschehen im goldenen Saal des Musikvereins: Für das Neujahrskonzert 2014 haben sich die Wiener Philharmoniker Daniel Barenboim an Land gezogen, der somit zum „Wiederholungstäter“ wird. Bereits 2009 hat der 71-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper unter den Linden und Musikdirektor der Mailänder Scala das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigert. Die Werkwahl ist erneut recht einfallsreich und sieht von Gassenhauern weitgehend ab. Das einzige, was ich vermisse, ist ein Beitrag von Carl Michael Ziehrer. Ansonsten: Man darf sich freuen.

Am Neujahrskonzert 2014 werden gespielt:

1. Eduard StraussHelenen Quadrille; op.14 … Festlich und belebt eröffnet das Konzert mit dieser selten gehörten, 1865 uraufgeführten Komposition des „schönen Edi“. Mit viel Paukenschlag und Melodienreichtum knüpft Eduard Strauss hier ein Bouquet bekannter Motive aus Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena„. 1865 erfolgte im Theater an der Wien die Wiener Erstaufführung der Operette mit der legendären Marie Geistinger in der Hauptrolle. Der Erfolg war bombastisch. Die Strauss-Brüder machten sich bevorzugt angekündigte Bühnen-Aufführungen ausländischer Komponisten zunutze, um Quadrillen aus deren Motiven zu schaffen. Eine schöne Wahl für den Einstieg. Allein, weil dadurch dem Edi, der unter den Sträussen am wenigsten Beachtung erhalten hat, gebührend Ehre zuteil wird.

2. Josef StraussFriedenspalmen; Walzer op.207 … Ein weiteres Stück mit Seltenheitswert. Geheimnisvoll und überaus harmonisch erhebt sich das Intro dieses Walzers wie aus dem Nichts. Er gehört nicht unbedingt zu Josefs Geniestreichen, überzeugt aber dennoch mit hinreissenden Passagen. Dass der Walzer weitgehend frei von Festlichkeit ist, hat seine Gründe: Josef Strauss hat ihn im Herbst 1866 komponiert, kurz nachdem die Donaumonarchie einschneidende Kriegsniederlagen erlitten hatte und das Volk somit alles andere als in Festlaune war. Der Titel „Friedenspalmen“ wird also selbsterklärend. Im Rahmen eines Benefizkonzerts im Volksgarten am 18. November 1866 wurde der Walzer erstmals aufgeführt.

3. Johann Strauss VaterCarolinen Galopp; op.21a … Wir reisen zurück ins Biedermeier. Diese frühe Komposition von Strauss-Vater versprüht Frohgemüt. Ich freue mich sehr über diese heute so gut wie vergessene Perle. Ende November 1827 wurde diese Galoppe in der Wiener Zeitung angekündigt. Das genaue Datum der Uraufführung ist nicht überliefert. Es dürfte im Etablissement zu den „Zwey Tauben“ gewesen sein. Das Lokal lag am Ende der damaligen Carolinen-Brücke über den Wienfluss. Somit  erklärt sich die Bezeichnung. Die Kettenbrücke-Galoppe trägt die Opus-Nummer 21b. Sie wurde kurz später in ähnlicher Manier komponiert und ist ebenfalls ein Tribut an eine ehemalige Brücke über den Wienfluss.

4. Johann Strauss Jun.Ägyptischer Marsch; op.335 … Johann Strauss Sohn ist heuer stärker vertreten als in den vergangenen Jahren. Sein Debut an diesem Konzert gibt er mit einem wohlbekannten und originellen Charakterstück. Den „Egyptischen Marsch“ hat er 1869 während seines Aufenthalts im Russischen Pawlowsk geschrieben. Unter dem Zweit-Titel „Tscherkessen-Marsch“ gelangte das Stück nach Wien, wurde da dann aber doch mit der ursprünglichen Bezeichnung versehen. Passend eh, da am 16. November selben Jahres der Suez-Kanal eröffnet wurde.

5. Johann Strauss Jun.Seid umschlungen, Millionen; Walzer op.443 … Weiter gehts mit einem ebenfalls recht populären Walzer des Walzerkönigs mit einem atemberaubenden Hauptthema. Von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ liess sich Strauss leiten bei der Namensgebung. Gewidmet ist der späte Strauss-Walzer keinem Geringeren als Johannes Brahms. Uraufgeführt wurde der Walzer im März 1892 im Übrigen genau da, wo er am Neujahrskonzert 2014 gespielt wird, im Musikverein.

6. Johann Strauss Jun.Stürmisch in Lieb‘ und Tanz; Polka op.393 … Sehr schnell ist diese berühmte Polka und steckt doch voller Leidenschaft. Strauss hat sie für den Concordia-Ball vom 22. Februar 1881 in den Sofiensälen geschrieben. Der Concordia-Ball war der jährliche Ball der Wiener Autoren und Journalisten. Dirigiert hat nicht der Komponist selbst, sondern sein Bruder Eduard. Die Polka beinhaltet Melodien aus der Operette „Das Spitzentuch der Königin„.

—— PAUSE ——

7. Johann Strauss Jun.Ouvertüre „Waldmeister“ … Strauss war bereits im fortgeschrittenen Alter, als er sich an die Komposition der Operette „Waldmeister“ machte. Die Operette wird heute höchst selten mehr aufgeführt, dafür die Ouvertüre umso öfter. Es ist ein vor Einfallsreichtum nur so jugendlich frisch sprudelndes Werk, wie man es dem 70-Jährigen Strauss nicht mehr zugetraut hätte. Das Hauptthema ist der Walzer „Trau, schau, wem“. Am 4. Dezember 1895 im Musikverein konzertant aufgeführt, erntete Strauss grossen Applaus für seine Ouvertüre. Ein weiteres Motiv darin ist übrigens die Polka zur Librettostelle „Klipp Klapp“, die sich auf eine sich im Gange befindende Mühle zu Beginn der Operette bezieht. Strauss erinnerte sich an eine Melodie, welche ihm in Jugendjahren zu einem ähnlichen Szenario eingefallen war. Er integrierte sie in die Ouvertüre. Im Nachhinein komponierte Strauss aus diesem Motiv ein eigenständiges Stück: Die „Klipp Klapp- Galoppe“, die jetzt gleich folgt.

8. Johann Strauss Jun. Klipp Klapp; Galopp op.466 … Am 10. Februar 1896, mitten in der Karnevalszeit, führte Strauss dieses spritzige „Waldmeister-Extrakt“ am Concordia-Ball in den Sofiensälen erstmals auf. Noch im selben Monat war die Polka Teil der berühmten Sonntagskonzerte im Musikverein.

9. Johann Strauss Jun.Geschichten aus dem Wiener Wald; Walzer op.325 … Einer der berühmtesten Konzertwalzer der Musikgeschichte und mein persönlicher Lieblings-Strauss-Walzer. Dieses Meisterwerk kann man nicht oft genug spielen und hören, weshalb ich mich riesig freue, es auf dem Programm zu sehen. Eine TV-Einspielung führt die Zuschauer in den Wienerwald und ins Stift Klosterneuburg. Näheres zu diesem überwältigenden Walzer gibt es hier.

10. Joseph Hellmesberger Jun.Vielliebchen, Polka op.1 … Hellmesberger kommt wiederholt zum Zug. Das ist schön, denn er (und ebenso sein Vater) ist einer der weniger bekannten Wiener. „Vielliebchen“ ist eine reizende kleine Polka mit durch und durch wienerischem Charakter und zarten Melodienfolgen. Ein entspanntes Intermezzo.

11. Josef StraussBouquet; Polka op.188 … Eine ziemlich unbekannte Trouvaille vom Pepi und eine schöne Wahl. Als die Gartenbaugesellschaft am Stubenring ihr eigenes Festgebäude, die Blumensäle, feierlich eröffnete, steuerte Josef Strauss für die Einweihungsfestivitäten am 26. Dezember 1864 diese liebliche Polka bei. Die Blumensäle sind Geschichte, diese Polka hingegen lebt hiermit erneut auf.

12. Richard Strauss – „Capriccio“ (Mondscheinmusik) … Dies wirkt wie ein Fremdkörper – musikalisch und konzeptuell. Wir werden spätestens am Konzert erfahren, warum die Wahl auf dieses Werk von Richard Strauss fiel. Dieser Titan ernster Musik will hier so gar nicht reinpassen. Strauss‘ Oper „Capriccio“ wurde am 28. Oktober 1942 an der Münchner Oper uraufgeführt. Die tonmalerisch ausdrucksvolle, und bewegend-dramatische „Mondscheinmusik“ ist Teil des Finales der Oper. Als Richard Strauss am 13. Juli 1949 zum letzten Mal am Pult stand, dirigierte er die Mondscheinmusik. Einfach ein Tribut an den genialen Deutschen? Ich bin gespannt.

13. Joseph LannerDie Romantiker; Walzer op.167 … Freude herrscht! Der in meinen Augen grösste aller Wiener Komponisten des 19. Jahrhunderts ist auch heuer wieder vertreten. Diesmal mit einem seiner bekanntesten Walzern – dieser ist wahrlich eine vertonte Allegorie der Schönheit. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu in den Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein. Die Uraufführung des Walzers erfolgte Aufzeichnungen zufolge am Theresien-Fest-Ball in der „Goldenen Birn“ am 14. Oktober 1840. Wenige Tage später erklang der Walzer auch im „Grossen Zeisig“. Weitere Aufführungen in den Redoutensälen und in Baden bei Wien weisen darauf hin, dass „Die Romantiker“ mit grösster Begeisterung aufgenommen worden sein muss. Der Walzer gehört auch heute noch zu den meistgespielten des Walzervaters Lanner, der meiner Meinung nach der begnadetste Wiener Komponist und Musiker der letzten 200 Jahre ist.

14. Josef StraussNeckerei; Mazurka op.262 … Gemütlich und trotzdem beschwingt fliesst diese liebliche Mazurka dahin. Sie trägt Pepis deutliche Handschrift. „Neckerei“ war eine von zahlreichen Novitäten am Strauss-Benefiz-Ball in den Blumensälen am 8. Februar 1869. In der Fülle an elektrisierenden Neuheiten an jenem Abend schien „Neckerei“ jedoch untergegangen zu sein oder einfach wenig Beachtung gefunden zu haben. Darum lebt sie hiermit umso mehr auf und erhält die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Sehr schön.

15. Josef StraussSchabernack; Polka op.98 … Trotz seines von Krankheit und zuweilen Schwermut geprägten Lebens behielt Josef Strauss stets Fröhlichkeit. Dies zeigt sich mit dieser Polka, die themenmässig der Vorherigen Mazurka anschliesst. Einer Zeitungsannonce zufolge erklang die Polka an einem Volksgartenkonzert am 3. Februar 1861. Sie fand grossen Zuspruch und gehörte zu den bedeutendsten Kompositionen der Gebrüder Strauss des Jahres 1861. Heute ist sie jedoch fast vergessen. Jetzt erfährt sie ein wahres Revival.

16. Léo DelibesMusik aus dem Ballett „Sylvia ou La Nymphe de Diane“ … Hiermit kommen wir zum zweiten „Exoten“ am diesjährigen Neujahrskonzert. Ich persönlich halte Léo Delibes allerdings sehr hoch, hatte der Herr doch ein ausgeprägtes Faible für besonders hinreissende und effektvolle Melodien, die mit den Wiener Weisen zuweilen eng verwandt sind. Vor allem beim Walzer in seinen Balletten legte der Komponist einen ungeheuren Einfallsreichtum zutage. Aus „Sylvia“ hat besonders die Pizzicato grosse Berühmtheit erlangt und ist heute in zahlreichen Kontexten in Film und Werbung zu hören. Warum die Wahl auf Delibes gefallen ist, werden wir ebenfalls spätestens am Konzert erfahren. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu erneut im Stadtpalais Liechtenstein, diesmal im Stiegenhaus.

17. Josef StraussDynamiden (Geheime Anziehungskräfte); Walzer op.173 … Der Pepi ist auch recht stark vertreten dieses Jahr. Hier haben wir eine seiner hinreissendsten und gelungendsten Walzerkompositionen. Die tondichterische Klangmalerei, die er hier zaubert, verschafft einem wahre Gänsehaut. Das beginnt beim Intro und setzt sich intensiviert beim Hauptthema fort. Getragen auf Walzerwogen wähnt man sich in einem träumerischen Klanggebilde, wie es fast nur ein Josef Strauss kreieren vermag. Physikalisch gesehen bezeichnen Dynamiden in etwa die Bausteine, aus denen ein Atom besteht. Der Zusammenhang zwischen dieser physikalischen Erklärung und dem Alternativtitel „Geheime Anziehungskräfte“ geht wohl auf eine Interpretation des Komponisten zurück. Die Atomphysik dürfte auf Josef Strauss als gelernter Ingenieur nach wie vor eine grosse Faszination ausgeübt haben. Jedenfalls ist der Dynamiden-Walzer eines der schönsten und exklusivsten Werke, die Josef Strauss geschrieben hat. Es war das Widmungswerk für den Industriellenball in den Redoutensälen der Hofburg und wurde da am 30. Januar 1865 uraufgeführt.

18. Josef StraussOhne Sorgen; Polka op.271 … Und erneut kommt die Lebenslust Josefs zum Ausdruck, obwohl diese Polka entstanden ist, als der Komponist bereits schwer mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte. Josef Strauss komponierte diese Polka während eines Aufenthaltes mit seinem Bruder Johann im russischen Pawlowsk im Sommer 1869. Das Stück wird auch heute noch oft gespielt.

19. Josef StraussCarrière; Polka op.200 … Und gleich nochmal der Josef. Zum Schluss mit einer weiteren seltenen Perle. Die Carrière (Karriere) bezeichnet die schnellste Gangart des Pferdes, und somit ist die Polka dementsprechend ein lebendiges Werk. Die Uraufführung fand am 4. Juli 1866 im Volksgarten statt, einen Tag nach der Niederlage der österreichischen Armee bei Königgrätz.  Denkbar gedrückt war da die Stimmung der Bevölkerung, welche sich daher kaum von der Polka mitreissen liess. So konnte sich das Werk nicht halten. Jetzt wird auch dieses wieder zum Leben erweckt.

20. Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … traditionell zum Schluss des Neujahrskonzerts erklingt der Walzer aller Walzer. Informationen hier.

21. Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Und wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das alljährliche Spektakel.

Die Balletteinlage für den Walzer „Die Romantiker“ von Joseph Lanner ist in den neu renovierten Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein gedreht worden. Das Wiener Staatsballett trägt Kostüme, geschaffen von Vivienne Westwood. Deren bunte Extravaganz wird zur barocken Pracht des Palais mit Sicherheit einen eigenwilligen Kontrast schaffen. Der Pausenfilm indes verspricht, nicht mehr so ein Reinfall wie der letztjährige zu werden, der vom ganzen Österreichischen Volk voller Empörung zerrissen worden war. Diesmal gibt es einen Blick hinter die Kulissen des Neujahrskonzerts.

Am Neujahrskonzert 2015 wird übrigens wieder Zubin Metha am Dirigentenpult stehen. Bereits zum 5. Mal.

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