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Das umstrittene Internet-Videoportal Gloria.tv agiert mit immer abstruseren und fragwürdigen Methoden, die sich scharf an der Grenze des Legalen bewegen. Die Betreiber wollen den Eindruck erwecken, dass das Portal von Moldawien aus betrieben wird. Es wird aber immer offensichtlicher, dass die Zentrale an der Quelle des Rheins, im Bünderland, liegt.

Erst würdigt Gloria.tv einen bekennenden Antisemiten und Homohasser, dann stempelt das Portal fünf kirchliche Würdenträger, deutsche Kardinäle und Bischöfe, mit dem Hakenkreuz, weil sie die von der katholischen Kirche als tabu geltende „Pille danach“ im Falle einer Vergewaltigung als gerechtfertigt erklären. Dies sind nur zwei der jüngsten Fehltritte dieser rechtsgerichteten, konservativ-katholischen Internetseite. Von Seriosität und Glaubwürdigkeit ist bei Gloria.tv schon lange keine Rede mehr.

Die Seite ist juristisch in Moldawien angesiedelt. Offenbar aber sitzen alle Drahtzieher in ein und derselben Gemeinde in der Schweiz: das beschauliche Tujetsch am hintersten Ende des Surselva. Dorfpfarrer Reto Nay ist Seelsorger in der Gemeinde und wird als Hauptgründer von Gloria.tv angesehen. Unterstützt in der Seelsorge und ebenso im Unterhalt von Gloria.tv wird Nay von Pfarrer Markus Doppelbauer aus dem oberösterreichischen Grieskirchen. Dessen Schwester Eva Maria Doppelbauer moderiert die täglichen Neuigkeiten auf Gloria.tv. Markus Doppelbauer gibt als Anschrift Cadruvi 4 an, das Sedruner Pfarramt. Mit im Boot sitzt die Rumänin Doina Buzut, gemeldet in Lugano, gemäss Handelsregisterauszug jedoch Zeichnungsberechtigte bei Gloria.tv mit der Anschrift Bahnhofstrasse 18 in Ilanz. Dabei handelt es sich offenbar um die Adresse von Reto Nays Eltern. Somit ist davon auszugehen, dass der eigentliche Sitz von Gloria.tv in der Schweiz liegt und dass die Inhalte auch dort produziert werden.

Nun kommt der Oberhirte des Bistums Chur ins Spiel: Bischof Vitus Huonder, von den unsäglichen Misstritten bei Gloria.tv in Kenntnis gesetzt, hat sich an Reto Nay gewendet und ihn aufgefordert, er soll den Hakenkreuz-Beitrag entfernen lassen und sich schriftlich davon distanzieren, worauf letzterer behauptete, er hätte keinen Einfluss auf die Beiträge der englischen Version von Gloria.tv (dort ist das Hakenkreuz-Video aufgetaucht), da „der rechtliche Sitz in Moldawien liegt“ (Stellungnahme von Bischof Vitus Huonder).

Reto Nay behauptete demzufolge, dass er „nichts weiter unernehmen kann“… Oder wohl besser gesagt: nicht will. Zwar betont Vitus Huonder, dass er es nicht dulde, dass Mitarbeiter in seinem Bistum volksverhetzendes Gedankengut verbreiten, und am Nachmittag des 11. März 2013 forderte der Bischof laut Medienmitteilung den Gloria.tv-Sitz in Moldawien auf, „sämtliche mit seiner Person im Zusammenhang stehende Audio- und Video-Beiträge sofort zu löschen und vom Server zu nehmen. Dies gelte insbesondere für alle Beiträge, die Verantwortliche von gloria.tv produziert haben. Der Grund sei, dass Gloria.tv einige seiner bischöflichen Mitbrüder in schwerwiegender Weise verunglimpft.“

Und jetzt täte Bischof Vitus Huonder gut daran, sich den Herrn Nay und seine Kumpanen vorzuknöpfen, denn er kann nicht die Augen davor verschliessen, dass Mitarbeiter in seiner nächsten Nähe für solche Scheusslichkeiten verantwortlich sind! Es kann mir keiner weismachen, dass Pfarrer Reto Nay nicht die Inhalte von Gloria.tv beeinflussen kann. Der Tujetscher Pfarrer hat seinerzeit auch auf dem abgeschalteten Portal Kreuz.net publiziert. Zudem hat sich abgezeichnet, dass auf der rechtswidrigen Internetseite damals zahlreiche hetzerische Beiträge anderer Urheber aus dem Bistum Chur veröffentlicht worden sind. Und immer blieb der Bischof untätig und distanzierte sich bestenfalls, anstatt aktiv zu werden.

UPDATE vom 13. März 2013: Pfarrer Reto Nay ist am Abend des 13. März von der Gemeinde Tujetsch fristlos entlassen worden.

UPDATE vom 15. März 2013: Meldung des Bistums Chur: „Der Bischof von Chur, Msgr. Vitus Huonder, hat mit Datum vom 15. März 2013 den Pfarradministrator von Tujetsch (Sedrun), sur Dr. Reto Nay, des Amtes enthoben.“ Markus Doppelbauer indes muss laut Medienmitteilung das Bistum Chur verlassen. Er wird von Bischof Wolfgang Haas vom Erzbistum Vaduz, dem Doppelbauer angehört, abgezogen.

UPDATE vom 18. März 2013: Noch am Abend seiner Amtsenthebung liess Pfarrer Reto Nay auf Gloria.tv eine Stellungnahme in Form eines Interviews veröffentlichen. Darin sieht er sich als Opfer einer „deutschen Hexenjagd“, welche von „zwei homosexuellen Aktivisten“ aus Deutschland eingeleitet worden sei (was übrigens nicht zutreffend ist, denn hinter der Bewegung stehen mehrere homo- und nichthomosexuelle Personen, die gemeinsam der unchristlichen Hetzterei rechtskatholischer Fanatiker Einhalt gebieten wollen). Selbst in diesem Interview distanziert sich der ehemalige Sedruner Pfarrer in keiner Weise von der Verwendung der Hakenkreuze im genannten Beitrag der englischsprachigen Gloria.tv-Version. Im Gegenteil: Nay rechtfertigt dieses Vorgehen mit haltlosen Argumenten und meint „wer die Tötung neu-gezeugter Kinder erlaubt, darf nicht zimperlig (sic!) sein“. Reto Nay stellt somit die Entfernung einer befruchteten Eizelle mit dem Mord an Millionen in einen Kontext.

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Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Hintermänner der widerwärtigen, pseudokatholischen Hass- und Fanatikerseite Kreuz.net – die Seite ist mittlerweile vom Netz genommen – hat sich bei der intensiven Fahndung nach den Verantwortlichen der Verdacht erhärtet, dass der Pfarrer von St. Jakob in Penzing, Christian Sieberer, neben fünf anderen Verdächtigen mit den Machern der Seite in enger Verbindung steht oder gar zu den Drahtziehern gehört. Spiegel TV hat sich auf die Spurensuche begeben und Pfarrer Sieberer zur Causa Kreuz.net befragen wollen (Sendung vom 25.11.2012, 23.15 Uhr). Als das Reporterteam den Geistlichen auf der Strasse in Penzing fragen wollte, wie er zu Kreuz.net stehe, ist dieser wortlos weitergegangen, hat keinen Mucks gemacht, die Anfrage eisern ignoriert.

Die (Nicht-)Reaktion spricht wohl für sich
Mal ehrlich: Hätte der „Pfaffenheini“, wie sich der ultrakonservative Priester selbst nennt, eine saubere Weste bezüglich Kreuz.net, hätte er anders reagiert oder zumindest den Reportern guten Gewissens mit ein paar wenigen Worten sagen können, er hätte nichts mit dem Hassportal zu tun. Kurzum: So reagiert kein Unbeteiligter. Sollte sich rausstellen, dass Sieberer mit Kreuz.net in Verbindung steht, dürfte ein Sturm über die Pfarre Penzing hereinbrechen. Und dann müsste die Erzdiözese Wien wohlüberlegt handeln. Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn äusserte unlängst, er habe einen festen Verdacht, dass zwei Geistliche aus seiner Diözese mit hinter Kreuz.net stecken. Ob Pfarrer Sieberer einer der von ihm Verdächtigten ist? Letzterer ist dem Erzbischof seit einem Zwist um das Vetorecht bezüglich Wahlen innerhalb der Pfarre nicht mehr freundlich gesinnt.
Vor einem ähnlichen Problem steht indes das Bistum Mainz. Ein Priester im Raum Darmstadt – zum Bistum gehörend – hat erwiesenermassen auf Kreuz.net Beiträge mit hetzerischem Inhalt befürwortend mit Spott und Hohn kommentiert. Der Priester, namentlich handelt es sich um Pfarrer Hendrick Jolie, hüllte sich ebenfalls in Schweigen gegenüber dem Repoter-Team von Spiegel TV. Auch er sehr suspekt. Das Bistum hat ihn zu einem Gespräch zitiert. Und das Resultat? Es hat natürlich keine Konsequenzen. Einzig ein mildes Hinweisen, er soll sich künftig von dem Portal distanzieren. Schwach und einfach kennzeichnend für die Gesinnung der katholischen Kirche.

Kreuz.net – das Werk einer bösartigen, gottlosen Gruppierung
Kreuz.net verbreitet seit Jahren menschenverachtendes Gedankengut, verunglimpft auf primitivste Weise Personen des öffentlichen Interesses, die aus Sicht von Kreuz.net mit den erzkonservativen Ansichten des Katholizismus nicht konform gehen, schürt Antisemitismus und Rechtsextremismus. Am allerstärksten jedoch hat Kreuz.net homosexuelle Menschen im Visier, beschimpft sie und ruft zu deren Verfolgung auf. Erneut in den Fokus geraten ist Kreuz.net im Oktober 2012 mit einem scheusslichen Hassartikel zu Dirk Bachs Tod, in dem der homosexuelle Schauspieler und Komödiant posthum aufs Übelste beschimpft worden ist („Jetzt brennt er in der ewigen Homohölle“, „Sittenverderber“, „Kotstecher“, „gesellschaftsschädlicher Homo-Gestörter“, …). Die Autoren und viele Kommentatoren bedienen sich primitivster Fäkalsprache. Die Eigenleistungen von Kreuz.net sind mehrheitlich redaktioneller Brechdurchfall.

Einen aufschlussreichen und meiner Meinung nach sehr fundierten, in fast jeder Hinsicht zutreffenden Blick auf die Causa Kreuz.net gibt der offen homosexuell lebende katholische Tehologe David Berger (Interview lesen).

Zum Verständnis:
Die Hintergründe
Update

Pfarrkirche St. Jakob, Penzing

Pfarrkirche St. Jakob, Penzing. Hier predigt der „Pfaffenheini“.

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