Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘flughafen’


Manche Flughäfen begrüssen die Ankommenden mit irgendwas Landestypischem. Zürich zelebriert dies geradezu. In der grossen Baggage-Claim-Halle prangen riesige Leuchtreklamen von Ulysse Nardin. Im Korridor dahin präsentiert sich Credit Suisse, da steht das Matterhorn, Roger Federer lächelt auch irgendwo von einem Transsparent, dann wieder Uhren – Parmigiani, Blancpain, Swatch … Swissness in Fülle. Der Besucher darf schliesslich ruhig wissen, wo er gelandet ist. Finde ich schön und sympathisch.

Immer wieder schleierhaft ist mir jedoch jene unmögliche Installation in der Skymetro, die das Dock Midfield mit dem Flughafen-«Festland» verbindet. Da grinst und schmutzt ein blondgezopftes, unheidihaftes Pseudo-Heidi von einer Monitorreihe in den Zug rein. In der entgegengesetzten Richtung schmeisst ein Fahnenschwinger mit einer Landesflagge um sich. Gut, das geht ja noch und hat an sich was Reizendes. Wenn da diese unheimliche akustische Einlage nicht wäre:  Kuhglockengebimmel wie aus dem Nichts, dann blökts, und bald folgt gar schauderhaft ein Naturjuutz, der sich schnell wieder verliert. «Unheimlich», denk ich mir da jeweils und beobachte die Leute: Die meisten von ihnen – grundsätzlich Ankommende aus dem Ausland – machen dann einen fast schon verstörten Eindruck, gucken sich fragend an, Kinder erleben einen Anflug von Angst. Sie kennen das ja kaum und können es sichtlich nicht einordnen. Wenn der Spuk vorbei ist, grinsen sie dann, bleiben aber ratlos. Ziel verfehlt, finde ich.

Ein bisschen anders machen es da unsere österreichischen Nachbarn. Bereits im Flieger, wenn das Anschnallzeichen erloschen ist, spielen die Austrian Airlines den «Ankunfts-Walzer» von Josef Lanner. Nun gut, ich mag möglicherweise der Einzige sein, der das überhaupt weiss, aber tut nichts zur Sache – es passt perfekt. Und es ist urcharmant! Auf dem Weg zum Ausgang begrüsst einen dann eine riesige Leuchtwand mit einer historischen Abbildung des Palais Liechtenstein. In der Gepäckhalle indes ziert ein überdimensionales Notenblatt mit einem Exzerpt aus Franz Lehárs «Lustiger Witwe» die Wand.

Mach ich mich jetzt zu einer Art Landesverräter, wenn ich frank und frei sage, dass so etwas einfach viel mehr Klasse hat als ein schauderhaftes Kuhglocken-Gejodel um ein Barbie-Heidi im U-Bahn-Stollen?

Read Full Post »