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Der Wiener Stephansdom ist nicht einfach eine grosse Kirche mit ihren „üblichen“ Funktionen. Er ist eine Schatztruhe voller Geheimnisse und birgt eine Vielzahl an Kuriositäten, deren Bedeutung nur Eingeweihten bekannt ist. Wer weiss denn beispielsweise schon, dass an der Hauptfassade des Doms je ein männliches und ein weibliches Geschlechtsteil dargestellt ist und zwar vollplastisch. Jawohl, unter den Heidentürmen prangen ein Penis und eine Vagina. Selbstverständlich nicht so explizit gemeisselt, dass man es als Betrachter gleich wahrnimmt.

Die Portalanlage wird von je einer Doppelsäule flankiert, die bis auf halbe Höhe unter die beiden Rundfenster reichen. Ihren Abschluss finden die beiden Säulen in einem Phallus (links) und einer Vulva (rechts). Diese Zeichen sind für eine christliche und erst recht für eine katholische Kirche höchst ungewöhnlich. Historiker deuten die beiden Doppel-Rundpilaster als die Säulen Jachin und Boas. Sie entsprechend somit den beiden das Portal flankierenden Säulen des Tempels in Jerusalem, welche von König Salomo in Auftrag gegeben worden waren. In den Dombauhütten war es bei Freimaurern Tradition, diese Symbolik aufzugreifen als Zeichen der Berufsnachfolge.

Die Genitalien am Ende der Säulen gehören allerdings nicht zu dieser salomonischen Symbolik. Die Geschlechtsdarstellungen bedeuten vielmehr das männlich-aktive und das weiblich-passive Prinzip. Die genaue Absicht des Baumeisters scheint nicht überliefert und lässt deshalb Raum für Mutmassungen und Interpretationen. Aber es ist reichlich erheiternd, an einer erzkatholischen Kirche zwei so freizügige Symbole vorzufinden.

dom_phallus

Salomonische Säule am Stephansdom mit Phallus-Darstellung

dom_vulva

Salomonische Säule am Stephansdom mit Vulva-Darstellung

 

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