Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘judensau’


Der Titel dieses Beitrags besteht aus sehr provokativen Ausdrücken. Aber was es damit auf sich hat, soll folgender Zeitungsartikel erläutern. Das Türkenmotiv und die so genannte „Judensau“ sind zwei sehr aussagekräftige Symbole aus alter Zeit. Sie sollen heute mahnen zu interreligiösem Verständnis, zu Toleranz und ganz einfach zum Frieden. In etwa so sie die gotische antisemitische Judentafel am Wiener Judenplatz, die aus eben diesen Gründen dort belassen worden ist.

______________________________________________________________

 

Die einzig «richtige» Religion

Ein abgetrennter Türkenkopf an der Oswaldkirche im Schweizerischen Zug fällt kaum ins Auge, spricht aus historischer Sicht jedoch Bände. Und was hat der tote Muselman mit einer «Judensau» gemeinsam?

Zug (Schweiz) – Viele Menschen sind überzeugt, dass es ohne Religion weniger Kriege gäbe. Der ewige Streitpunkt: Welche der fünf Weltreligionen ist die «richtige»? Welcher Gott oder welches Abbild des Allmächtigen entspricht der (vermeintlichen) Wahrheit? Nehmen wir das Beispiel des Christentums, weil es in unseren Breitengraden die vorherrschende Weltreligion ist. Schauen wir genauer hin, entdecken wir uralte Hinweise, dass sich das Christentum seit jeher für die einzig «richtige» Religion gehalten hat. Es sind kleine, von Laien meist gar nicht erkennbare «Seitenhiebe» an andere Glaubensbekenntnisse. Sie haben ihren Niederschlag zahlreich in der Kunst gefunden.

Zug – Viele Menschen sind überzeugt, dass es ohne Religion weniger Kriege gäbe. Der ewige Streitpunkt: Welche der fünf Weltreligionen ist die «richtige»? Welcher Gott oder welches Abbild des Allmächtigen entspricht der (vermeintlichen) Wahrheit? Nehmen wir das Beispiel des Christentums, weil es in unseren Breitengraden die vorherrschende Weltreligion ist. Schauen wir genauer hin, entdecken wir uralte Hinweise, dass sich das Christentum seit jeher für die einzig «richtige» Religion gehalten hat. Es sind kleine, von Laien meist gar nicht erkennbare «Seitenhiebe» an andere Glaubensbekenntnisse. Sie haben ihren Niederschlag zahlreich in der Kunst gefunden.

Wir finden an der Königspforte der Zuger Oswaldkirche ein klassisches Beispiel. Die linke der drei grossen Figuren zeigt Sankt Oswald, wie er den walisischen König Cadwallon ap Cadfan erdolcht. Dieser hatte sich laut Geschichtsschreibung zwar ursprünglich zum Christentum bekannt, war aber mit Heiden verbündet. Hier eine erste Symbolik: Das Christentum (Oswald) siegt über das Heidentum (Cadwallon). Die erwähnte klassische und gleichsam «perfidere» Aussage dieser in Stein gemeisselten Szene liegt in der Konsole. Sie zeigt den Kopf eines turbantragenden Türken, also eines Muselmanen. Kurzum: Das Christentum besiegt also nicht nur die Ungläubigen, sondern auch den Islam. Und der Islam war in der Geschichte stets die grösste religiöse Bedrohung des Christentums. Eine pikante Begebenheit rankt sich hierbei um das Wappen von Adolf Graf von Schwarzenberg. Die um 1594 von den Türken eingenommene Festung Raab (heute das ungarische Györ) wurde unter Führung des christlichen Grafen um 1598 zurückerobert. Als Zeichen der Anerkennung durfte sein Familienwappen um einen Raben ergänzt werden, der einem abgetrennten Türkenkopf die Augen auspickt. Zahlreiche Adelswappen in Österreich-Ungarn wurden einst mit dem Motiv des abgeschlagenen Türkenkopfes ausgestattet.

Aus heutiger Sicht sind Darstellungen wie diejenige an der Oswaldkirche alles andere als unbedenklich, wo ja ethnische und religiöse Unterdrückung in vielen fortschrittlichen Ländern rechtlich verfolgt werden. Dass solche Symbolik Skandalpotenzial birgt, zeigte sich im Frühjahr 2013 in Regensburg. Am dortigen Zieroldsplatz steht die Statue Ritter Johanns von Österreich, der 1571 die Schlacht von Lepanto gewonnen hatte. Als triumphierender «Retter des Abendlandes» ruht Johanns linker Fuss auf einem abgeschlagenen Türkenkopf. Auch hier die Botschaft: Das Christentum hat den Islam besiegt. Ein junger Mann protestierte 2013 drei Stunden lang lautstark gegen diese Figur und verursachte auf dem Sockel stehend – einen Polizei- und Feuerwehreinsatz.

Wo wir schon beim Thema sind, sei mir an dieser Stelle ein kleiner Exkurs erlaubt zu einem besonders bedenklichen Symbol, welches von ähnlicher Charakteristik wie der abgeschlagene Türkenkopf ist, jedoch erst recht nach den Gräueln des Holocausts als eine besonders verstörende Darstellung wahrgenommen wird: die Judensau. Im Mittelalter erlebte die Judensau in der christlichen Sakralkunst ihre Hochblüte. Es ist ein (als unrein geltendes) Schwein, an dessen Zitzen Juden wie Ferkel saugen. Abwandlungen zeigen Juden, die auf der Sau reiten, das Gesicht dem After des Tieres zugewandt, aus dem Urin spritzt. Die Judensau diente als extrem aggressives christliches Spottbild gegenüber dem Judentum, für das ein «guter Christ» nur Hohn und Demütigung übrig haben sollte. Von den einst zahllosen Judensäuen, die in und an christlichen Kirchen in Europa zu finden waren, haben nur etwa 30 Exemplare die Zeit bis heute überdauert. Eine Judensau am Taufstein des Basler Münsters wurde in den 90er-Jahren vom damaligen Pfarrer entfernt. Heute darf oder sollte man Symbole wie die Judensau und natürlich auch die Türkenköpfe wie unser Beispiel an der Oswaldkirche als Mahnmal wahrnehmen gegen Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und -denkenden.

Türkenkopf

Der Türkenkopf an der Oswaldkirche in Zug

Read Full Post »