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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wird von Riccardo Muti dirigiert. Der 75-jährige Italiener leitet das Konzert zum fünften Mal. Die Programmwahl ist sehr klassisch: viel Strauss. Leider wieder ohne Eduard, dafür gleich zweimal mit dem Vater im offiziellen Programm. Die diesjährige Besonderheit ist ein Beitrag von Alphons Czibulka, ein heute kaum mehr bekannter Vertreter des Wiener Genres. Es ist ein solides, mittelmässig aufregendes Programm mit drei vier Paradenummern und einigen selten gehörten Perlen. Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer fehlen diesmal. Bedauerlich.
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Am Neujahrskonzert 2018 werden gespielt:

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1. Johann Strauss (Sohn)Einzugsmarsch (aus dem „Zigeunerbaron„)

Mit dem schneidigen Einzugsmarsch aus dem 3. Akt der Operette „Der Zigeunerbaron“ vertont Johann Strauss seine Vorstellung eines pompösen, freudigen Empfangs von heimkehrenden Soldaten aus dem Spanischen Erbfolgekrieg. Die erste konzertante Aufführung dieses Marsches fand am 6. Dezember 1885 ebenfalls im Goldenen Saal statt. Diese schwungvolle Wahl passt sehr gut zur Eröffnung eines Neujahrskonzerts.

2. Josef StraussWiener Fresken; Walzer op. 249

Weiter gehts mit einem selten gespielten Walzer von Josef – ein lebensbejahendes Tongedicht, Wiener Musik erster Güte. Geschrieben hat Josef diesen melodienreichen Walzer für das grosse Schützen-Festival in Wien im Juli 1968. „Wiener Fresken“ war vorgesehen für das Konzert im Volksgarten am 28. Juli 1868, welches Teil des Festivals war. Warum der Komponist den Titel „Fresken“ wählte, ist nicht überliefert. Ob er die internationale Gästeschar auf die allgegenwärtigen Kunstwerke in den Wiener Kirchen und Wiener Palästen aufmerksam machen wollte? Jedenfalls ein sehr schöner Beitrag für das Neujahrskonzert 2018. Der bildliche Exkurs führt u.a. in den Prunksaal der Nationalbibliothek mit seinen fantstischen Deckenfresken.

3. Johann Strauss (Sohn)Brautschau; Polka op. 417

Schon sind wir wieder beim „Zigeunerbaron„. Mit dem Titel „Brautschau“ dürften die wenigsten etwas anfangen können, umso mehr dafür aber mit der Melodie. Das neckische Hauptthema der Polka ist nichts anderes als das weltberühmte Couplet des Schweinezüchters Zsupan, dessen einziger Lebenszweck „Borstenvieh und Schweinespeck“ ist. Diese Polka hat Johann Strauss bereits einen Monat nach der Uraufführung der Operette konzertant aufführen lassen, durch seinen Bruder Edi am 29. November 1885 an einem der traditionellen Sonntagskonzerte.

4. Johann Strauss (Sohn)Leichtes Blut; Polka op. 319

Die Strauss-Brüder pflegten es, für die Wiener Karnevalsrevuen mit Novitäten aufzuwarten. Für diejenige des Jahres 1867 komponierten Johann und Josef zusammen mindestens 24 Neuheiten, darunter kamen von Johann auch „An der schönen blauen Donau“ und „Künstlerleben„. Die Uraufführung von „Leichtes Blut“ am 10. März 1867 schlug ein – die Polka musste mehrmals wiederholt werden. Bis heute gehört sie zu den populärsten Strauss-Werken im 2/4-Takt und steht am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker regelmässig auf dem Programm. Immer wieder erfrischend.

5. Johann Strauss (Vater)Marienwalzer; op. 212

Ein Walzer von Papa Strauss, das freut! Es ist ein typisches Werk von ihm: fröhliche, zuweilen sehr einfache, aber effektive aneinandergereihte Melodienfolgen, wie sie typisch sind für die frühen Zeiten der Wiener Konzertwalzer. Dass die immer tanzbarer werdenden Lanner- und Strausswalzer vom vergnügungshungrigen Wiener Publikum mit einer enormen Begeisterung aufgenommen wurden, zeigte sich auch an der Uraufführung des Marienwalzers am 20. Juli 1847 im Volksgarten. Trotz trübem Wetter erschien das Publikum zahlreich und verlangte gleich zweimal eine Wiederholung.

6. Johann Strauss (Vater)Wilhelm Tell Galopp; op. 29b

Nachdem Rossinis Oper „Guillaume Tell“ am 3. August 1829 in Paris uraufgeführt worden war, sprach sich der beispiellose Erfolg des Werkes in ganz Europa herum. Dennoch war die berühmte Ouverture mit dem unverkennbaren Tell-Galopp-Motiv in Wien erst im März 1830 erstmals zu hören. Strauss Vater reagierte umgehend und zimmerte aus den einprägsamen Takten schnell eine Galoppe, welche er erst gegen den Schluss mit eigenen Ideen anreicherte. Diese arrangierte er jedoch so geschickt, dass man meinen könnte, sie wären ebenfalls von Rossini.

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zuBoccaccio

Mit von Suppé, dem Wegbereiter der Wiener Operette, eröffnet der zweite Teil des Konzerts. „Boccaccio“ war das erfolgreichste Bühnenwerk von Suppés, und es wird auch heute noch regelmässig aufgeführt. Die Ouvertüre beginnt mit einer Tonfolge, die den Donauwalzer zu implizieren scheint. Es folgen tonmalerische Motive mit zuweilen dramatischer Linienführung. Typisch von Suppé. Ein sehr schöner Start in den zweiten Konzertteil.

8. Johann Strauss (Sohn)Myrthenblüten; Walzer op. 395

Ein heute selten mehr gespielter Walzer, der sich für ein Neujahrskonzert-Programm jedoch hervorragend eignet. Mit blumigen Harfenklängen eröffnet das Intro, bald geht es fast nahtlos in eines der bezauberndsten Hauptthemen eines Strauss-Walzers über. Der Kenner merkt gleich: Es ist eine Melodie aus der Operette „Wiener Blut“ („Wie hab‘ auf dir ich musiziert, Armes Spinett, dich malträtiert!“). Strauss hat den Walzer anlässlich der Vermählung von Kronprinz Rudolf mit Stephanie von Belgien am 10. Mai 1881 geschrieben, ursprünglich als Chorfassung für den Wiener Männergesangsverein. In dieser Version wurde der Walzer zwei Tage vor der Hochzeit im Wiener Prater erstmals aufgeführt – vor einer hingerissenen Menge von 20’000 Menschen!

9. Alphons CzibulkaStephanie-Gavotte; op. 312

Czibulka kennen heutzutage (leider) nur noch wenige Liebhaber der leichten U-Musik. Es gibt auch nur wenige Kompositionen des gebürtigen Ungaren/Slowaken, welche die Zeit überdauert haben. Sein wohl berühmtestes Werk, das vielen vertraut klingen dürfte, ist die Stephanie-Gavotte, ein reizendes, eingängiges Kleinod feinster Wiener Salonmusik, welches – wie die „Myrthenblüthen“ – der Kronprinzessin Stephanie gewidmet ist. Es ist hocherfreulich, dass Czibulka am Neujahrskonzert gespielt wird. Das Ballett tanzt dazu im Kaiserlichen Hofpavillon der Wiener Stadtbahn, welcher Otto Wagner für den Kaiser erbaut hat. 2018 ist der 100. Todestag des Architekten.

10. Johann Strauss (Sohn)Freikugeln; Polka op. 326

Eine populäre, vor Fröhlichkeit sprudelnde Strauss-Polka, zum x-ten Male am Neujahrskonzert vertreten. Komponiert hatte Strauss die „Freikugeln“ anlässlich des grossen Bundesfestschiessens der internationalen Schützenvereine im Wiener Prater im Jahre 1868. Die Erstaufführung am 27. Juli erntete Begeisterungsstürme, genauso wie auch die Reprise am Tag darauf im Volksgarten.

11. Johann Strauss (Sohn)Geschichten aus dem Wienerwald; Walzer op. 325

Ja, hierzu gibt’s nicht viel zu sagen, ausser dass dieser Walzer – zumindest aus Sicht des Autors – das Non-Plus-Ultra aus Johann Strauss‘ Werk darstellt. Es ist einer der genialsten, wenn nicht der genialste Wurf des Komponisten, musikalische Vollkommenheit, ein unerreichtes Tongemälde. Der Walzer dürfte jedes Jahr auf dem Programm stehen. Näheres zu diesem Meisterwerk hier.

12. Johann Strauss (Sohn)Fest-Marsch; op. 452

Von Strauss Sohn sind zwei „Fest-Märsche“ überliefert. Op.49 entstand im Jahre 1847 anlässlich der Wiedner Kirchweih. Op.452 aus dem Jahre 1893 war eine Widmungskomposition. Strauss schrieb den Marsch zu Ehren der Vermählung von Prinz Ferdinand von Bulgarien mit Prinzessin Maria Luisa von Bourbon-Parma. Die Erstaufführung erfolgte am 4. Juni 1893 im Wiener Prater im Rahmen eines grossen Aufmarsches aller in Wien stationierten Regimentsmusiken. An die 10’000 Zuschauer waren anwesend.

13. Johann Strauss (Sohn)Stadt und Land; Mazurka op. 322

Im Gegensatz zu seinem Vater zog es Johann Strauss Sohn nur einmal nach England. Als er in einem Vorort Londons weilte, war er beeindruckt von dem ausgeprägten Kontrast zwischen dem ruralen Leben und der pulsierenden Metropole. Diese Faszination vertonte er mit der schwelgerisch-melodiösen Mazurka op.322, welche er in Wien am 19. Januar 1868 an einem Konzert in den Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft uraufführte. Erwartungsgemäss war der Jubel gross. Auch im Russischen Pawlowsk, wo Strauss die Mazurka im Folgejahr vortrug, wurde das Werk mit Begeisterung aufgenommen und unter dem Titel „Vilanella-Polka“ veröffentlicht.

14. Johann Strauss (Sohn)Un ballo in maschera; Quadrille op. 272

Wenn wir schon so eine Häufung an Johann Strauss-Werken in der zweiten Konzerthälfte aufgetischt erhalten, ist es nur gut, dass wir auch eine Quadrille hören. Schon der Vater, aber auch Bruder Josef haben davon mehrere geschrieben. Die Maskenball-Quadrille basiert – wie der Titel es sagt – auf Themen der gleichnamigen Verdi-Oper. Diese wurde am 17. Februar 1859 in Rom uraufgeführt. Es dauerte jedoch geschlagene fünf Jahre, bis das Bühnenwerk auch in Wien gezeigt wurde. Die Wiener hatten damals nie viel übrig für Verdi und nahmen seine Opern mit tendenziell ablehnender Haltung zur Kenntnis. Anders sah das Johann Strauss. Er schwärmte für den Italiener. Als Strauss 1861 in Russland weilte, wurde dort „Un ballo in maschera“ aufgeführt – lange bevor es das Werk nach Wien schaffte. Strauss nutzte diese Gelegenheit, griff die prägnantesten Themen der Oper auf und verarbeitete sie zu einer Quadrille. Diese präsentierte er am 21. Dezember 1862 an einem Konzert im Volksgarten. Über die Reaktionen des Publikums ist jedoch nichts Verlässliches überliefert.

15. Johann Strauss (Sohn)Rosen aus dem Süden; Walzer op. 388

Grossartig: Wie die „Geschichten aus dem Wienerwald“ gehören die „Rosen aus dem Süden“ zu den erfolgreichsten, bekanntesten und vor allem bezauberndsten Konzertwalzern von Strauss. Der Walzer zitiert die schönsten Passagen aus der hingegen nicht mehr bekannten Operette „Das Spitzentuch der Königin“. Näheres zu op.388 hier. Zu Recht steht der häufig gespielte Walzer wieder auf dem Konzertprogramm. Die Balletteinspielung wurde in Schloss Eckartsau aufgenommen.

16. Josef StraussEingesendet; Polka op. 240

Nach einer grossen Portion Johann macht also Josef den Abschluss des offiziellen Konzertprogramms. Quirlig und fröhlich sprudelt die Schnellpolka dahin. Die Strauss-Brüder komponierten auch im Jahre 1868 wieder Walzer und Polkas eigens für den traditionellen Concordiaball. Bei der Aufführung am 4. Februar besagten Jahres wurde „Eingesendet“ von allen Widmungskompositionen am besten aufgenommen. Die Polka findet sich noch heute auf Konzertprogrammen.

17. (Zugabe) Johann Strauss (Sohn)Unter Donner und Blitz; Polka op. 324

Strauss komponierte diese Polka für den Hesperus-Ball am 16. Februar 1868 im Dianabad-Saal. Hesperus bedeutet Abendstern (Planet Venus), und Strauss hat sich mit der Polka im Zusammenhang damit eine andere Himmelserscheinung zum Vorbild genommen – ein Gewitter. Mit „Unter Donner und Blitz“ vertont er die häufige meteorologische Folge von Sommerhitze. Schnell und zackig sprudelt die Polka dahin.

Und wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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Erneut schaut die ganze Welt auf Wien und das Geschehen im goldenen Saal des Musikvereins: Für das Neujahrskonzert 2014 haben sich die Wiener Philharmoniker Daniel Barenboim an Land gezogen, der somit zum „Wiederholungstäter“ wird. Bereits 2009 hat der 71-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper unter den Linden und Musikdirektor der Mailänder Scala das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigert. Die Werkwahl ist erneut recht einfallsreich und sieht von Gassenhauern weitgehend ab. Das einzige, was ich vermisse, ist ein Beitrag von Carl Michael Ziehrer. Ansonsten: Man darf sich freuen.

Am Neujahrskonzert 2014 werden gespielt:

1. Eduard StraussHelenen Quadrille; op.14 … Festlich und belebt eröffnet das Konzert mit dieser selten gehörten, 1865 uraufgeführten Komposition des „schönen Edi“. Mit viel Paukenschlag und Melodienreichtum knüpft Eduard Strauss hier ein Bouquet bekannter Motive aus Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena„. 1865 erfolgte im Theater an der Wien die Wiener Erstaufführung der Operette mit der legendären Marie Geistinger in der Hauptrolle. Der Erfolg war bombastisch. Die Strauss-Brüder machten sich bevorzugt angekündigte Bühnen-Aufführungen ausländischer Komponisten zunutze, um Quadrillen aus deren Motiven zu schaffen. Eine schöne Wahl für den Einstieg. Allein, weil dadurch dem Edi, der unter den Sträussen am wenigsten Beachtung erhalten hat, gebührend Ehre zuteil wird.

2. Josef StraussFriedenspalmen; Walzer op.207 … Ein weiteres Stück mit Seltenheitswert. Geheimnisvoll und überaus harmonisch erhebt sich das Intro dieses Walzers wie aus dem Nichts. Er gehört nicht unbedingt zu Josefs Geniestreichen, überzeugt aber dennoch mit hinreissenden Passagen. Dass der Walzer weitgehend frei von Festlichkeit ist, hat seine Gründe: Josef Strauss hat ihn im Herbst 1866 komponiert, kurz nachdem die Donaumonarchie einschneidende Kriegsniederlagen erlitten hatte und das Volk somit alles andere als in Festlaune war. Der Titel „Friedenspalmen“ wird also selbsterklärend. Im Rahmen eines Benefizkonzerts im Volksgarten am 18. November 1866 wurde der Walzer erstmals aufgeführt.

3. Johann Strauss VaterCarolinen Galopp; op.21a … Wir reisen zurück ins Biedermeier. Diese frühe Komposition von Strauss-Vater versprüht Frohgemüt. Ich freue mich sehr über diese heute so gut wie vergessene Perle. Ende November 1827 wurde diese Galoppe in der Wiener Zeitung angekündigt. Das genaue Datum der Uraufführung ist nicht überliefert. Es dürfte im Etablissement zu den „Zwey Tauben“ gewesen sein. Das Lokal lag am Ende der damaligen Carolinen-Brücke über den Wienfluss. Somit  erklärt sich die Bezeichnung. Die Kettenbrücke-Galoppe trägt die Opus-Nummer 21b. Sie wurde kurz später in ähnlicher Manier komponiert und ist ebenfalls ein Tribut an eine ehemalige Brücke über den Wienfluss.

4. Johann Strauss Jun.Ägyptischer Marsch; op.335 … Johann Strauss Sohn ist heuer stärker vertreten als in den vergangenen Jahren. Sein Debut an diesem Konzert gibt er mit einem wohlbekannten und originellen Charakterstück. Den „Egyptischen Marsch“ hat er 1869 während seines Aufenthalts im Russischen Pawlowsk geschrieben. Unter dem Zweit-Titel „Tscherkessen-Marsch“ gelangte das Stück nach Wien, wurde da dann aber doch mit der ursprünglichen Bezeichnung versehen. Passend eh, da am 16. November selben Jahres der Suez-Kanal eröffnet wurde.

5. Johann Strauss Jun.Seid umschlungen, Millionen; Walzer op.443 … Weiter gehts mit einem ebenfalls recht populären Walzer des Walzerkönigs mit einem atemberaubenden Hauptthema. Von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ liess sich Strauss leiten bei der Namensgebung. Gewidmet ist der späte Strauss-Walzer keinem Geringeren als Johannes Brahms. Uraufgeführt wurde der Walzer im März 1892 im Übrigen genau da, wo er am Neujahrskonzert 2014 gespielt wird, im Musikverein.

6. Johann Strauss Jun.Stürmisch in Lieb‘ und Tanz; Polka op.393 … Sehr schnell ist diese berühmte Polka und steckt doch voller Leidenschaft. Strauss hat sie für den Concordia-Ball vom 22. Februar 1881 in den Sofiensälen geschrieben. Der Concordia-Ball war der jährliche Ball der Wiener Autoren und Journalisten. Dirigiert hat nicht der Komponist selbst, sondern sein Bruder Eduard. Die Polka beinhaltet Melodien aus der Operette „Das Spitzentuch der Königin„.

—— PAUSE ——

7. Johann Strauss Jun.Ouvertüre „Waldmeister“ … Strauss war bereits im fortgeschrittenen Alter, als er sich an die Komposition der Operette „Waldmeister“ machte. Die Operette wird heute höchst selten mehr aufgeführt, dafür die Ouvertüre umso öfter. Es ist ein vor Einfallsreichtum nur so jugendlich frisch sprudelndes Werk, wie man es dem 70-Jährigen Strauss nicht mehr zugetraut hätte. Das Hauptthema ist der Walzer „Trau, schau, wem“. Am 4. Dezember 1895 im Musikverein konzertant aufgeführt, erntete Strauss grossen Applaus für seine Ouvertüre. Ein weiteres Motiv darin ist übrigens die Polka zur Librettostelle „Klipp Klapp“, die sich auf eine sich im Gange befindende Mühle zu Beginn der Operette bezieht. Strauss erinnerte sich an eine Melodie, welche ihm in Jugendjahren zu einem ähnlichen Szenario eingefallen war. Er integrierte sie in die Ouvertüre. Im Nachhinein komponierte Strauss aus diesem Motiv ein eigenständiges Stück: Die „Klipp Klapp- Galoppe“, die jetzt gleich folgt.

8. Johann Strauss Jun. Klipp Klapp; Galopp op.466 … Am 10. Februar 1896, mitten in der Karnevalszeit, führte Strauss dieses spritzige „Waldmeister-Extrakt“ am Concordia-Ball in den Sofiensälen erstmals auf. Noch im selben Monat war die Polka Teil der berühmten Sonntagskonzerte im Musikverein.

9. Johann Strauss Jun.Geschichten aus dem Wiener Wald; Walzer op.325 … Einer der berühmtesten Konzertwalzer der Musikgeschichte und mein persönlicher Lieblings-Strauss-Walzer. Dieses Meisterwerk kann man nicht oft genug spielen und hören, weshalb ich mich riesig freue, es auf dem Programm zu sehen. Eine TV-Einspielung führt die Zuschauer in den Wienerwald und ins Stift Klosterneuburg. Näheres zu diesem überwältigenden Walzer gibt es hier.

10. Joseph Hellmesberger Jun.Vielliebchen, Polka op.1 … Hellmesberger kommt wiederholt zum Zug. Das ist schön, denn er (und ebenso sein Vater) ist einer der weniger bekannten Wiener. „Vielliebchen“ ist eine reizende kleine Polka mit durch und durch wienerischem Charakter und zarten Melodienfolgen. Ein entspanntes Intermezzo.

11. Josef StraussBouquet; Polka op.188 … Eine ziemlich unbekannte Trouvaille vom Pepi und eine schöne Wahl. Als die Gartenbaugesellschaft am Stubenring ihr eigenes Festgebäude, die Blumensäle, feierlich eröffnete, steuerte Josef Strauss für die Einweihungsfestivitäten am 26. Dezember 1864 diese liebliche Polka bei. Die Blumensäle sind Geschichte, diese Polka hingegen lebt hiermit erneut auf.

12. Richard Strauss – „Capriccio“ (Mondscheinmusik) … Dies wirkt wie ein Fremdkörper – musikalisch und konzeptuell. Wir werden spätestens am Konzert erfahren, warum die Wahl auf dieses Werk von Richard Strauss fiel. Dieser Titan ernster Musik will hier so gar nicht reinpassen. Strauss‘ Oper „Capriccio“ wurde am 28. Oktober 1942 an der Münchner Oper uraufgeführt. Die tonmalerisch ausdrucksvolle, und bewegend-dramatische „Mondscheinmusik“ ist Teil des Finales der Oper. Als Richard Strauss am 13. Juli 1949 zum letzten Mal am Pult stand, dirigierte er die Mondscheinmusik. Einfach ein Tribut an den genialen Deutschen? Ich bin gespannt.

13. Joseph LannerDie Romantiker; Walzer op.167 … Freude herrscht! Der in meinen Augen grösste aller Wiener Komponisten des 19. Jahrhunderts ist auch heuer wieder vertreten. Diesmal mit einem seiner bekanntesten Walzern – dieser ist wahrlich eine vertonte Allegorie der Schönheit. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu in den Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein. Die Uraufführung des Walzers erfolgte Aufzeichnungen zufolge am Theresien-Fest-Ball in der „Goldenen Birn“ am 14. Oktober 1840. Wenige Tage später erklang der Walzer auch im „Grossen Zeisig“. Weitere Aufführungen in den Redoutensälen und in Baden bei Wien weisen darauf hin, dass „Die Romantiker“ mit grösster Begeisterung aufgenommen worden sein muss. Der Walzer gehört auch heute noch zu den meistgespielten des Walzervaters Lanner, der meiner Meinung nach der begnadetste Wiener Komponist und Musiker der letzten 200 Jahre ist.

14. Josef StraussNeckerei; Mazurka op.262 … Gemütlich und trotzdem beschwingt fliesst diese liebliche Mazurka dahin. Sie trägt Pepis deutliche Handschrift. „Neckerei“ war eine von zahlreichen Novitäten am Strauss-Benefiz-Ball in den Blumensälen am 8. Februar 1869. In der Fülle an elektrisierenden Neuheiten an jenem Abend schien „Neckerei“ jedoch untergegangen zu sein oder einfach wenig Beachtung gefunden zu haben. Darum lebt sie hiermit umso mehr auf und erhält die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Sehr schön.

15. Josef StraussSchabernack; Polka op.98 … Trotz seines von Krankheit und zuweilen Schwermut geprägten Lebens behielt Josef Strauss stets Fröhlichkeit. Dies zeigt sich mit dieser Polka, die themenmässig der Vorherigen Mazurka anschliesst. Einer Zeitungsannonce zufolge erklang die Polka an einem Volksgartenkonzert am 3. Februar 1861. Sie fand grossen Zuspruch und gehörte zu den bedeutendsten Kompositionen der Gebrüder Strauss des Jahres 1861. Heute ist sie jedoch fast vergessen. Jetzt erfährt sie ein wahres Revival.

16. Léo DelibesMusik aus dem Ballett „Sylvia ou La Nymphe de Diane“ … Hiermit kommen wir zum zweiten „Exoten“ am diesjährigen Neujahrskonzert. Ich persönlich halte Léo Delibes allerdings sehr hoch, hatte der Herr doch ein ausgeprägtes Faible für besonders hinreissende und effektvolle Melodien, die mit den Wiener Weisen zuweilen eng verwandt sind. Vor allem beim Walzer in seinen Balletten legte der Komponist einen ungeheuren Einfallsreichtum zutage. Aus „Sylvia“ hat besonders die Pizzicato grosse Berühmtheit erlangt und ist heute in zahlreichen Kontexten in Film und Werbung zu hören. Warum die Wahl auf Delibes gefallen ist, werden wir ebenfalls spätestens am Konzert erfahren. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu erneut im Stadtpalais Liechtenstein, diesmal im Stiegenhaus.

17. Josef StraussDynamiden (Geheime Anziehungskräfte); Walzer op.173 … Der Pepi ist auch recht stark vertreten dieses Jahr. Hier haben wir eine seiner hinreissendsten und gelungendsten Walzerkompositionen. Die tondichterische Klangmalerei, die er hier zaubert, verschafft einem wahre Gänsehaut. Das beginnt beim Intro und setzt sich intensiviert beim Hauptthema fort. Getragen auf Walzerwogen wähnt man sich in einem träumerischen Klanggebilde, wie es fast nur ein Josef Strauss kreieren vermag. Physikalisch gesehen bezeichnen Dynamiden in etwa die Bausteine, aus denen ein Atom besteht. Der Zusammenhang zwischen dieser physikalischen Erklärung und dem Alternativtitel „Geheime Anziehungskräfte“ geht wohl auf eine Interpretation des Komponisten zurück. Die Atomphysik dürfte auf Josef Strauss als gelernter Ingenieur nach wie vor eine grosse Faszination ausgeübt haben. Jedenfalls ist der Dynamiden-Walzer eines der schönsten und exklusivsten Werke, die Josef Strauss geschrieben hat. Es war das Widmungswerk für den Industriellenball in den Redoutensälen der Hofburg und wurde da am 30. Januar 1865 uraufgeführt.

18. Josef StraussOhne Sorgen; Polka op.271 … Und erneut kommt die Lebenslust Josefs zum Ausdruck, obwohl diese Polka entstanden ist, als der Komponist bereits schwer mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte. Josef Strauss komponierte diese Polka während eines Aufenthaltes mit seinem Bruder Johann im russischen Pawlowsk im Sommer 1869. Das Stück wird auch heute noch oft gespielt.

19. Josef StraussCarrière; Polka op.200 … Und gleich nochmal der Josef. Zum Schluss mit einer weiteren seltenen Perle. Die Carrière (Karriere) bezeichnet die schnellste Gangart des Pferdes, und somit ist die Polka dementsprechend ein lebendiges Werk. Die Uraufführung fand am 4. Juli 1866 im Volksgarten statt, einen Tag nach der Niederlage der österreichischen Armee bei Königgrätz.  Denkbar gedrückt war da die Stimmung der Bevölkerung, welche sich daher kaum von der Polka mitreissen liess. So konnte sich das Werk nicht halten. Jetzt wird auch dieses wieder zum Leben erweckt.

20. Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … traditionell zum Schluss des Neujahrskonzerts erklingt der Walzer aller Walzer. Informationen hier.

21. Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Und wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das alljährliche Spektakel.

Die Balletteinlage für den Walzer „Die Romantiker“ von Joseph Lanner ist in den neu renovierten Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein gedreht worden. Das Wiener Staatsballett trägt Kostüme, geschaffen von Vivienne Westwood. Deren bunte Extravaganz wird zur barocken Pracht des Palais mit Sicherheit einen eigenwilligen Kontrast schaffen. Der Pausenfilm indes verspricht, nicht mehr so ein Reinfall wie der letztjährige zu werden, der vom ganzen Österreichischen Volk voller Empörung zerrissen worden war. Diesmal gibt es einen Blick hinter die Kulissen des Neujahrskonzerts.

Am Neujahrskonzert 2015 wird übrigens wieder Zubin Metha am Dirigentenpult stehen. Bereits zum 5. Mal.

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