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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
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Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

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1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrskonzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

 

18. (Zugabe) Eduard StraussMit Vergnügen. Polka schnell, op. 228

Gut, immerhin kommt der „Jubliar“ in einer Zugabe noch zu seinen verdienten Ehren. Die Polka ist eine nette kleine Perle des oft zu Unrecht vernachlässigten Strauss-Bruders.

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Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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Wunderschönes Wiener Lied aus der Operette „Deutschmeister“ von Carl Michael Zieher.

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Würde ich eine Reise ins Wien des ausgehenden 19. Jh. machen können, wäre er der erste, den ich aufsuchen und um ein Autogramm und mehr bitten würde: Carl Michael Ziehrer ist das menschgewordene Wien. In keiner Musik lebt die Stadt so authentisch in Klang auf, wie in derjenigen vom Ziehrer. Der sympathische Mann hat meine allerhöchste Verehrung.

Ein spontaner Schnellschuss war meine Idee, 22 seiner schönsten Walzer aus dem riesigen Oeuvre zu picken und auf dem Klavier in eigenen Versionen wiederzugeben. Das Resultat gibt’s bei Youtube.

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier eine ausführliche Programmbeschreibung mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Franz Welser-Möst – seit 2012 Direktor der Wiener Staatsoper – dirigiert wie bereits schon 2011 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein. Und es ist vielversprechend: Welser-Möst äusserte sich in einem Interview mit ORF, dass er Kompositionen dirigieren wolle, die nicht schon zahlreiche Male von seinen Vorgängern dirigiert worden seien. Ihn interessierten auch die „verborgenen Schätze“. Und so wird es auch mehrheitlich. Neben ein paar wohlbekannten Walzern von den beiden Strauss-Brüdern (Eduard fehlt diesmal) erklingen 2013 erneut mehrere Trouvaillen, über die ich mich sehr freue. Auffallend stark ist Josef Strauss im Programm vertreten. Verdi und Wagner bilden diesmal die „Fremdkörper“ im Programm. An ihre Stelle hätte man lieber wieder einen Ziehrer gesetzt !

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Es werden gespielt:

Josef StraussDie Soubrette, op.109 … Mit einer reizenden Polka vom Pepi eröffnet das aktuelle Neujahrskonzert. In der Zeit, als die Operette ihre Hochblüte feierte, verstand man unter einer Soubrette eine Tänzerin und Sängerin auf der Bühne. Zuvor stand der Begriff jedoch für ein kokettes Stubenmädchen, was auch das Titelblatt der Klavierausgabe von Josef Strauss‘ Polka verbildlicht. Möglicherweise wurde das Werk laut Aufzeichnungen des Komponisten am 8. August 1861 im Dommayer erstmals gespielt. Man geht davon aus, dass das Uraufführungsdatum der 6. August war, wo die Polka an einem Konzert im Volksgarten dem Publikum zum ersten Mal vorgeführt wurde. Obschon das Werk sich ordentlicher Beliebtheit erfreut haben dürfte, wurde es bald von anderen Novitäten verdrängt. Umso erfreulicher, lebt es hier neu auf.

Johann Strauss Jun.Kusswalzer, op.400 „Nur für Natur hegte sie Sympathie…“ Das bezaubernde Hauptthema ist Johann Strauss einmal plötzlich „durch den Schädel gefahren“, wie er sagte. Es war damals noch nicht geplant, dass die Melodie für seine neue Operette „Der lustige Krieg“ verwendet werden sollte (Uraufführung am 25. November 1881 im Theater an der Wien). Als aber der Bühnenstar Alexander Girardi als Ergänzung für seinen Part in der Operette ein Walzerlied verlangte, griff Strauss auf den Kusswalzer zurück und verarbeitete ihn zu einem Couplet. Die konzertante Uraufführung erlebte der Walzer beim Hofball am 10. Jänner 1882. Der Kusswalzer ist und bleibt einer der populärsten Strausswalzer, und ich erachte ihn als eine gute Wahl für das heurige Programm, zumal ja das Neujahrskonzert als eine Art Kuss aus Wien für die ganze Welt bezeichnet werden kann.

Josef StraussTheater-Quadrille, op.213 … Die Form der Quadrille wurde gerne benutzt, um Musikstücke zusammenzufassen, die von Aktualität waren. Sie liessen sich aneinanderreihen und in einem eigenständigen Werk arrangieren. Josef Strauss war ein Quadrillen-König. Gastierte ein Komponist in der Stadt oder wurde eine neue Oper uraufgeführt, war Josef sofort zur Stelle, griff die wichtigsten Melodien auf und schusterte sie flugs zu einer Quadrille zusammen, um dem Volk eine Art „Best Of“ zu präsentieren. Die Theater-Quadrille vereint Themen aus Bühnenwerken von Adolf Müller d.Ä., Giuseppe Verdi, Franz von Suppé, Peter Ludwig Hertel, Giacomo Meyerbeer, Julius Hopp und Jacques Offenbach. Die Uraufführung der Theater-Quadrille erfolgte am 12. Jänner 1867 im Dianasaal an einem Maskenball mit Motto „Les Comédiens“. Wiederholt wurde sie an der Carnevalsrevue von 10. März selben Jahres im Volksgarten.

Johann Strauss Jun.Aus den Bergen, Walzer op.292 ... Sehr schön. Eine heute weitgehend unbekannte Komposition des Walzerkönigs. Entstanden ist der Walzer allerdings nicht in den Bergen, sondern während Strauss‘ Konzertaufenthalt im russischen Pawlowsk im Jahre 1864. Die Aufführung im Theater an der Wien erntete reichlich Lob. Dennoch verstaubte der Walzer danach bald in den Regalen. Die Wiener Philharmoniker servieren ihn der neuen Welt, entstaubt und frisch. Das freut mich.

• Franz von Suppé – Leichte Kavallerie, Ouvertüre … Der morbide Franz verdient es auf jeden Fall, am Neujahrskonzert gespielt zu werden. Doch gäbe es weitaus Interessanteres als die Leichte Kavallerie. Sie ist einfach zu berühmt. Man hätte diese Chance nutzen können, den genialen Komponisten einmal durch eines seiner zahllosen unbekannteren Werke kennenzulernen. Leider wird dadurch das Klischee geschürt, Franz von Suppé sei vorwiegend ein Ouvertüren-Komponist gewesen.

Josef StraussSphärenklänge, Walzer op.235 … Einer der berühmtesten Walzer des Strauss-Bruders und mit Recht einer der gerühmtesten. Die Sphärenklänge katapultieren den Zuhörer in der Tat in andere Sphären. Durchaus berechtigt, dass auch ein „Allerweltswerk“ vom Josef hier Platz findet. Die „Sphärenkläge“ waren eine klassische Widmungskomposition für den Ball der Ärztegesellschaft am 21. Jänner 1868 im Sofiensaal. Der Komponist war gleichsam Balldirektor. Unter Kennern der Wienermusik werden die „Sphärenklänge“ als eines der eindrucksvollsten Tongedichte dieser Musikgattung gehandelt. Josef Strauss kümmerte es nicht, dass die Presse den für einen Medizinerball ihrer Ansicht nach sehr unpassenden Titel kritisierte, der wohl „eher für den Zustand der Ballgänger danach stehe als für den Ball selbst“.

Josef StraussDie Spinnerin, Polka op.192 … Diese Polka war eines von zehn Werken von Josef Strauss, welche an der Karnevalsrevue am 18. Februar 1866 im Volksgarten aufgeführt wurden. Die Klavierausgabe war jedoch bereits am 5. Februar erhältlich. „Die Spinnerin“ war ein sehr grosser Erfolg, verschwand später dennoch in den Archiven. Allein deshalb eine schöne Wahl für das Neujahrskonzert.

• Richard Wagner – „Lohengrin“, Vorspiel zum 3. Akt … Am 22. Mai 2013 würde Richard Wagner 200 Jahre alt. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des grossen Deutschen Komponisten. Wagner hatte in Wien zu Lebzeiten beruflich einen schweren Stand und erhielt wenig Anerkennung. Meine persönliche Meinung: Genialer Komponist, der meine höchste Bewunderung hat. Aber müsste hier trotzdem nicht sein, da zu unpassend für ein Neujahrskonzert und zuwenig Gemeinsamkeiten mit dem Wiener Genre. Im Prunksaal der Nationalbibliothek findet ihm zu Ehren bis am 10.  Februar 2013 die Ausstellung „Geliebt, verlacht, vergöttert – Richard Wagner und die Wiener“ statt.

Joseph Hellmesberger Jun.Unter vier Augen, Polka Mazurka … Hellmesberger wird auch diesmal wieder die Ehre zuteil. „Unter vier Augen“ ist eine einfache, aber höchst leidenschaftliche Mazurka von gut vier Minuten. Das Hauptthema ist so richtig wienerisch. Bedauerlicherweise ist Hellmesberger bereits mit 52 Jahren verstorben. Die Welt der Wiener Musik hätte noch mehr von ihm gebrauchen können.

Josef StraussHesperus-Bahnen, Walzer op.279 … Ein kaum bekanntes Werk vom Josef. Wunderbar! Der Walzer hat ein berauschend schönes Hauptthema. Es ist ein Walzer, der auf keinen Fall zu schnell gespielt werden darf. Die Hesperus-Bahnen waren die letzte Komposition, die Strauss für die Ballsaison der Künstlervereinigung „Hesperus“ komponiert hatte. Eigentlich hätte der Walzer in der ersten Hälfte der Karnevalssaison 1870 aufgeführt werden sollen. Aber wegen eines Feuers in der neuen Heimstätte der Gesellschaft beim Karlsplatz musste dies verschoben werden. Am 4. April erfolgte die Uraufführung im drei Monate zuvor eröffneten Musikverein. Das Publikum war nicht gross, der Applaus dafür umso grösser. Die Hesperus-Bahnen schlugen voll ein und waren das letzte derart mitreissende Werk Josef Strauss‘. Im Juli selben Jahres starb er – und mit ihm die Hepserus-Bahnen. Der Walzer ging weitgehend vergessen. Umso schöner, dass er jetzt seine Reinkarnation erlebt.

Josef StraussGaloppin-Polka, op.237 … Man liest gelegentlich auch „Galopin-Polka“. Diese Polka befand sich unter den Novitäten, welche Josef und Eduard Strauss für den traditionellen Wohltätigkeitsball in dem Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft an der Ringstrasse am 13. Februar 1868 geschrieben haben. Unter einem Galoppin verstand man einen jungen Mann, der eifrig mit Börsennachrichten hin und her rannte, und je schneller er diese übermittelte, desto höher fiel sein Trinkgeld aus. Dieser Service ersetzte damals die spätere Telekommunikation. Die Zeit der Galoppine war zwar wegen Neuerungen bald vorbei, aber dennoch versäumte es Josef Strauss nicht, ihnen diese sehr lebendige Komposition zu widmen. Die Polka erntete lautstarken Applaus. Laut der Aufzeichnung eines Orchestermitgliedes wurde die Galoppin-Polka bereits am 12. Februar an einem Maskenball im Sofiensaal gespielt, der Komponist nennt aber ersteres Datum als offiziellen Tag der Uraufführung. Eine tolle Wahl für dieses Programm. Die Balletteinspielung  kommt aus Schloss Hof. Man erkennt in dieser Polka die musikalische Verwandtschaft Pepis mit Joseph Lanner. Und dieser folgt jetzt gleich…

Steyrische Tänze - Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Steyrische Tänze – Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Joseph LannerSteyrische Tänze, op.165 … Wunderbar! Eine von Lanners bezauberndsten Kompositionen, ein gemächlicher Walzer im leichten Ländler-Stil. Vielleicht wäre etwas weniger Populäres von Lanner die noch interessantere Wahl gewesen, aber dass der Walzervater auch heuer vertreten ist, freut mich ausserordentlich. Diese Tänze selbst haben nicht etwa direkt etwas mit der oberösterreichischen Stadt Steyr zu tun, sondern mit der Steiermark (alte Schreibweise). Dieser Name leitet sich allerdings von der Stadt Steyr ab, von wo die Gründung der Steiermark ausging. Der “Steirische” ist ein volkstümlicher Tanz, der sich in der Steiermark grösster Beliebtheit erfreute und von Region zu Region unterschiedliche Ausprägungen hatte. Steirische aus der Biedermeierzeit haben sich kaum erhalten können, ausser Lanners op.165, das in der Originalpartitur auch mit “Pas Styrien” oder “Steyrische-National-Tänze” betitelt ist. Joseph Gungls „Alpenklänge/Steirische National-Tänze“ oder die „Aechten Ober-Steyrer Ländler“ von Michael Pamer haben seinerzeit einige Beachtung erhalten, sind aber heute völlig vergessen. Lanners Komposition ist dem Walzer-Genre zuzuordnen, der klassische Steirische wird nur anhand stilisierter Ländlermotive angedeutet. Im rhythmischen Grundmuster des ersten Themas sind deutliche Parallelen zum überlieferten steirischen Liedgut zu finden. Der Komponist hat dieses Werk ursprünglich für ein Divertissement namens „Die Macht der Kunst“ geschrieben, aufgeführt im 1870 demolierten Kärtnertortheater. Das Notenmaterial für das Neujahrskonzert wurde von der Joseph-Lanner-Gesellschaft zur Verfügung gestellt (wie auch für weitere Kompositionen im heurigen Programm).

Johann Strauss Jun.Melodien-Quadrille, op.112 … Mein Verhältnis zu all den Strauss’schen Quadrillen ist ambivalent. Melodien fremder Komponisten kann jeder zu einem Bouquet zusammenfassen. Deshalb gehören in ein Neujahrskonzert meiner Meinung nach reine Eigenleistungen und nicht „Abgekupfertes“. Opus 112 ist wohl ausgewählt worden, um auf die nächste Nummer einzustimmen. Verdi hatte anno 1843 die Wiener Uraufführung von „Nabucco“ geleitet, doch kaum ein namhaftes Presseblatt berichtete gebührend darüber. Verdi hatte wie Wagner auch keinen leichten Stand in der Kaiserstadt. Strauss zollte mit dieser Quadrille seinen Tribut an den Italiener. Sie vereint Verdi-Themen und war anfänglich unter dem Namen „Hesperiden-Quadrille“ aufgeführt und später umbenannt worden.

• Giuseppe Verdi – Presstissimo aus der Ballettmusik im 3. Akt von „Don Carlo“ … Auch Giuseppe Verdi würde 2013 seinen 200. Geburtstag feiern und zwar am 10. Oktober. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des schaffenskräftigen Italieners.

Johann Strauss Jun.Wo die Citronen blüh’n, Walzer op.364 „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, kennst du es wohl?…“ Der Walzer entstand unter dem Namen „Bella Italia“, als Strauss 1874 nach Italien reiste. Später erfolgte die Umbenennung. Es handelt sich um eines der populäreren Werke des Walzerkönigs, und man hört es heute immer mal wieder. Insbesondere das Hauptthema ist ungeheuer reizvoll. Es darf auf keinen Fall zu schnell wiedergegeben werden, weil der ganze Zauber dadurch zerstört würde. Franz Welser-Möst wirds sicher recht machen. Die Balletteinspielung  kommt erneut aus Schloss Hof.

Johann Strauss VaterErinnerungen an Ernst oder Der Carneval in Venedig, op.126 … Schön, dass Strauss Senior es diesmal auch wieder ins Programm geschafft hat. Etwas einfallslos jedoch finde ich die Werkwahl. Einerseits, weil sie bereits 2007 im Programm war, andererseits, weil auch Strauss-Papa hier fremde Musik verwendet. In dieser Fantasie greift er zwei berühmte Themen des deutschen Wundergeigers Heinrich Wilhelm Ernst (1814-1865) auf und arrangiert und paraphrasiert sie auf originelle Weise. Das bekanntere der beiden: „Ein Mops/Hund kam in die Küche“ respektive „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Wenn der Strauss-Vater aber schon nur einmal vorkommt im Programm, so hätte es meines Erachtens eine Komposition sein müssen, die gänzlich seinem Kopf entsprungen ist. Es gibt da bei Gott genug unbekannte, höchst interessante Würfe des Genius. Am Katharinenfest im Sperl anno 1840 wurde dieses Werk mit grosser Neugier erwartet, denn H.W. Ernst war kurz zuvor in Wien zu Besuch gewesen und hatte das Volk begeistert. Wie auch immer, das Stück wird garantiert für amüsierte Gesichter sorgen im Goldenen Saal. Trotzdem hätte eine andere, repräsentativere Strauss-Vater-Komposition hierhin gehört.

Josef StraussPlappermäulchen, Polka op.245 … Eine kleine Reminiszenz an ein geschwätziges Fräulein, namentlich des Komponisten Tochter Carolina Anna. Nichts Besonderes und unspektakulär, aber dennoch von Reiz und somit ein nettes Intermezzo. 

Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert. Was mich freut: Welser-Möst findet es laut seinen Aussagen genauso unpassend wie ich, wenn in einem ehrwürdigen Haus wie dem Musikverein zum Radetzky-Marsch geklatscht wird.

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Die beiden Balletteinlagen wurden dieses Mal auf Schloss Hof im Marchfeld aufgezeichnet, dem prächtigen Barockjuwel von Prinz Eugen, erbaut von Johann Lucas von Hildebrandt. Prinz Eugen wäre im neuen Jahr 350 Jahre alt.

Der Musikverein, Wien
Der Musikverein, Wien

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Es ist eines der wenigen Lieder aus der Operette „Die drei Wünsche“ von Carl Michael Ziehrer, das man heutzutage noch da und dort kennt und hört. Und der Text ist bestimmt einer der komischsten aus der Operettenwelt. Man stellt sich da so einen richtigen Hungerhaken vor, fein und zerbrechlich, der aber rabiat und gewalttätig werden kann. Naja, wenn an dem Ort kein Gras mehr wächst, wo die Leopoldin hintritt? Besonders köstlich ist die Stelle, wo sie in der Hochzeitskutsche plötzlich nicht mehr auffindbar war, dann aber aus irgend einer Spalte hervorkommt und aus der Kutsche herausfällt. Hier der Text:

Meine Frau war die „Dine“, die Leopoldine,
Die hatt‘ eine wahrhaft bezaubernde Miene,
Die Augen wie Kohlen, wie Kirschen der Mund,
Das G’sichterl recht freundlich, voll Grieberl und rund,
Die Waderln recht stramm, die Fusserl so klein,
Die Handerl sauber, schlank und fein.
Zum Anbeissen lieb sah wirklich sie aus,
Nur eines, ich mach‘ kein Geheimnis daraus:

So dünn, dünn war die Leopoldin.
Dünn, dünn, wie a Bleistift so dünn.
Wie die Zündhölzer, wie die Stricknadeln,
Wie die Spinnweben, wie zum Einfadeln,
Wie die Zwirnsfaderln dünn war die Leopoldin.
Ja dünn, dünn… (Refrain wiederholt)

Als wir zu der Kirche uns hinführen liessen,
Um dort für das Leben den Bund zu beschliessen,
Befiel bei der Ankunft uns alle ein Schreck:
Die Braut war verschwunden, die Braut, sie war weg!
Wir suchten hin, wir suchten her,
Der Platz, wo sie sass, der Platz, der war leer.
Da plötzlich, entsetzlich, da rührt sich was drin.
Wer stürtzt aus dem Wagen? – Die Leopoldin!

So dünn, dünn…

Trotzdem sie so dünn war, die Leopoldine,
Hat sie eine Kraft g’habt wie eine Maschine.
Zu seh’n war sie ohne Fernrohr nur schwer,
Dafür aber spürte ich sie umso mehr.
Die Handerl klein und gustios,
Die konnten kratzen – grandios!
Die Fusserl so reizend, von zierlichem Mass,
Wenn die wo hintraten, da wuchs lang kein Gras.

Trotzdem:

So dünn, dünn…

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Mariss Jansons dirigiert das Neujahrskonzert 2012 im Musikverein. Der Lette hat bereits das Neujahrskonzert 2006 geleitet. Wieder werden zwischen 40 und 50 Millionen Menschen weltweit das Konzert am TV mitverfolgen. Als einziger Ballettschauplatz dient diesmal das Obere Belvedere. Hier das Programm:

Johann Strauss Jun. / Josef StraussVaterländischer Marsch … Interessant. Das Neujahrkonzert eröffnet mit einem gemeinsamen Werk von Schani und Pepi aus dem jahr 1859. Der Marsch ist durchsetzt mit Zitaten patriotischer Kompositionen. Dazu gehören Auszüge aus dem Radetzky-Marsch, dem Rakoczy-Marsch und auch der Österreichischen Hymne. Der Marsch war bloss eine Gelegenheitskomposition und geriet schnell in Vergessenheit. Toll, dass er im Rahmen des Neujahrskonzerts wieder zum Leben erweckt wird.

Johann Strauss Jun.Rathausball-Tänze (Walzer, op. 438) … Ein Spätwerk des Meisters von 1890 steht an zweiter Stelle. Geschrieben wurde der Walzer anlässlich der Eröffnung des grossen Festsaals im neuen Wiener Rathaus am 12. Februar. Der Walzer zitiert teils Themen aus dem Donauwalzer. Am selben Abend führte sein Bruder Eduard die Polka „Das tanzende Wien“ auf, und Carl Michael Ziehrer spielte seinen Walzer „Wiener Bürger“. An diesem Ball war der heimliche Strauss-Rivale Ziehrer für einmal der Erfolgreichere. Sein Walzer übertrifft die Rathausball-Tänze um ein Vielfaches an Berühmtheit (siehe weiter unten). Während des Spiels werden im TV Bilder des grössten Rathauses der Welt eingeblendet.

Johann Strauss Jun.Entweder oder! (Schnellpolka, op. 403) … Eine reizende kleine Polka aus der Operette „Der lustige Krieg„. Kaum bekannt, daher eine besonders schöne Wahl.

Johann Strauss Jun.Tritsch-Tratsch-Polka (op. 214) … Eine der bekanntesten Polkas überhaupt. Als Strauss 1858 in Russland weilte, tratschte man in Wien allerhand. Strauss hätte wohl Affären in Russland, sei dort verlobt oder gar verheiratet. Das Gerede wurde in der humoristischen Zeitschrift Tritsch-Tratsch veröffentlicht. Strauss machte sich mit dieser Polka über das Gequatsche der Wiener lustig. Die Uraufführung erfolgte am 24. November 1858 im Grossen Zeisig unterhalb von St. Ulrich am Spittelberg. Der Grosse Zeisig war damals eines der populärsten Tanz-Gasthäuser Wiens. Die Wiener Sängerknaben sind bei diesem Stück zungenbrecherisch mit von der Partie.

Carl Michael ZiehrerWiener Bürger (Walzer, op. 419) … So! Hat man mich denn nun endlich erhört? Trägt mein Rufen und Bitten nach Würdigung des grossen Ziehrers an einem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker nun endlich doch noch Früchte? Ich kann meiner Freude in Worten kaum Ausdruck verleihen. Ziehrer, dessen Walzer, Lieder und Märsche an Erhabenheit, an Charme, Liebreiz und Poesie viele Strauss-Werke weit übertreffen, kommt nach vielen Jahren endlich wieder zum Zuge. Dass ein derart begnadeter Komponist wie Ziehrer bis heute kaum anerkannt, kaum beachtet worden ist, da nach wie vor im Schatten Strauss‘, ist nicht in Ordnung! Dank engagierter Leute wie Hans Schadenbauer, Max Schönherr oder auch der Ziehrer-Stiftung kommen Ziehrers Werke nach und nach wieder ins Bewusstsein von Menschen mit wirklich gutem Musikgeschmack.

Johann Strauss Jun.Albion-Polka (op. 102) … Wie schön, ein eher frühes und minder bekanntes Strauss-Werk aus dem Jahr 1851. Die Polka wurde bereits am Neujahrskonzert 2000 gespielt. Sie ist nicht spektakulär, doch in ihrer Einfachheit durchaus reizend.

Josef StraussJockey-Polka (op. 278) … Hier begegnet uns wieder etwas Bekannteres. Die kurze rasante Polka bringt Stimmung in den Saal. Sie widerspiegelt Pepis Liebe zum Pferdesport. Die Uraufführung fand am 17. Februar 1870 in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft statt – mit riesigem Erfolg.

PAUSE (Japanische Schulmädchen und so fliegen durch die Luft)

Joseph Hellmesberger Jun.Teufelstanz … Schon wieder Hellmesberger? Was hat der, was Ziehrer nicht hat? Hatten wir den Teufelstanz nicht unlängst bereits an einem Neujahrskonzert? Na, warum nicht. Trotzdem eine nette Abwechslung. Und Hellmesberger ist einer der weniger bekannten Wiener, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Josef StraussKünstler-Gruss (Polka, op. 274) … Diese Polka hat im Rahmen des Neujahrskonzerts eine symbolische Bedeutung. Am ersten Konzert der Strauss-Brüder  im Januar 1870  im neu eröffneten Musikverein stand sie als erstes Werk auf der Liste.

Johann Strauss Jun.Freut euch des Lebens (Walzer, op. 340) … Auch dieses Werk wurde für die Eröffnung des Musikvereinsgebäudes geschrieben. Bereits am Neujahrskonzert 2008 aufgeführt, aber immer wieder herrlich zu hören. Wunderbares Hauptthema. Zu diesem Walzer tanzt das Ballett durch die Räume des Oberen Belvedere.

Johann Strauss VaterSperl-Galopp (op.42) … Zum Glück ist Papa Strauss auch vertreten. Die rasante Galoppe widmete Strauss dem berühmten Etablissement Sperl in der Leopoldstadt, an welches heute nur noch die Sperlgasse erinnert. Der riesige Ballsaal gehörte zu den beliebtesten Vergnügungsstätten Alt-Wiens.

Hans Christian LumbyeKopenhagen-Eisenbahn-Galopp … Ah wie schön! Auch dieses Jahr dachte man an den sympathischen Dänen. Lumbye schrieb diese Galoppe anlässlich der Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie von Kopenhagen nach Roskilde, die erste Bahnstrecke Dänemarks. Sie wurde am 18. Juni 1847 feierlich in Betrieb genommen. Die Galoppe erklingt im Hinblick auf die EU-Ratspräseidentschaft Dänemarks, welche am 1. Jänner 2012 beginnt. Ein aktueller Bezug also.

Josef StraussFeuerfest (Polka, op. 269) … Der Industrielle Franz von Wertheim fertigte feuerfeste Tresoren an, machte damit ein enormes Vermögen und baute sich am Schwarzenbergplatz ein stattliches Palais. Anlässlich der Produktion des 20’000. Tresors um 1869 organisierte Wertheim ein rauschendes Fest. Eigens dafür komponierte Josef Strauss diese nette Polka. Am Konzert wirken die Wiener Sängerknaben bei dieser Polka mit.

Eduard StraussCarmen-Quadrille (op. 134) … Eduards Bruder Josef war ein besonderer Spezialist darin, Opern, die in Wien zur Erstaufführung kamen, in eine Quadrille zu verpacken. George Bizets Carmen hat sich jedoch der schöne Edi angenommen. Aus den bekanntesten Melodien der Oper hat Eduard Strauss diese Quadrille geformt.

• Peter Tschaikowsky – Panorama und Walzer aus „Dornröschen“… Nanu, Tschaikowsky an einem Neujahrskonzert? Es ist weder ein Geburts- noch ein Todestag des Komponisten. Na, spätestens am Konzert werden wir den Grund für diese Wahl erfahren. Jedenfalls ist das Panorama eine sehr gefühlvolle und verträumte Abwechslung zum bisherigen, lebhaften Prgramm. Und der folgende Walzer beschwingt dann von Neuem. Trotzdem: Meiner Meinung nach hat Tschaikowsky ohne einen speziellen Anlass nichts verloren an einem Neujahrskonzert in Wien.

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Johann Strauss Jun. / Josef StraussPizzicato-Polka … Von mehreren Pizzicato-Polkas kommt hiermit Johanns und Josefs Gemeinschaftswerk zur Aufführung. Oft wird die Polka Johann allein zugeschrieben. (Nicht zu verwechseln mit der „Neuen Pizzicato-Polka“, op. 449 von Johann Strauss Jun.)

Johann Strauss Jun.Persischer Marsch (op. 289) … Strauss war nie in Persien, aber trotzdem schrieb er diese Hommage an den Osten und führte sie erstmals im Frühsommer 1864 in St. Petersburg auf. Die Wiener Uraufführung erfolgte im Oktober selben Jahres.

Josef StraussBrennende Liebe (Mazurka, op. 129) … Pepi hat oft Gemütszustände und Gefühlsempfinden in seine Kompositionen einfliessen lassen. Mit seiner Frau Caroline verband ihn eine innige Liebe. In dieser Mazurka drückt er diese besonders gefühlvoll aus. Auch hier kommt eine live Balletteinlage aus dem Oberen Belvedere. Passend dazu orientiert sich die Choreographie des Pas de Deux von Davide Bombana am weltberühmten Gemälde „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Der Maler feiert 2012 seinen 150. Geburtstag.

Josef StraussDelirien (Walzer, op. 212) … Ein ganz tolles, gross angelegtes Werk des Pepi Strauss. Uraufgeführt in der Karnevalssaison von 1867.

Johann Strauss Jun.Unter Donner und Blitz (Polka, op. 324) … Diese äusserst lebhafte Polka war schon mehrmals vertreten an den Neujahrskonzerten. Immer wieder eine gute Wahl. Ursprünglich hiess diese Komposition „Sternschnuppe“ (Uraufführung am 16. Februar 1868 im Dianasaal). Doch für das Phänomen einer Sternschnuppe war die Polka dann doch etwas zu geräuschvoll und grollend. Daher der passendere neue Titel.

Johann Strauss Jun.Tik-Tak-Polka (op. 365) … Die Polka, an eine Uhr erinnert (wie der Name schon verrät), ist Teil der Operette „Die Fledermaus“ und von daher bestens bekannt.

• Der Donauwalzer (das Ballett tanzt zum dritten mal im Oberen Belvedere) und der Radetzky-Marsch werden wie immer das Spektakel ausklingen lassen.

Fazit: Wie letztes Jahr schon ein überraschend diversifiziertes Programm! Erneut wird eine Fülle an weniger bekannten Werken präsentiert. Der absolute Höhepunkt für mich ist auf jeden Fall der Walzer von Carl Michael Ziehrer. Dass der wienerischste aller Walzerkomponisten endlich wieder mal einen Platz im Programm eines Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker findet, freut mich ungemein! Das absolute Non-Plus-Ultra wäre gewesen, wenn Joseph Lanner auch noch vertreten gewesen wäre. Schade, erklingt von ihm dieses Mal nichts. Aber man darf sich mit gutem Grund riesig freuen auf das Konzert am 1. Januar um 11.15 Uhr.

Der Musikverein, Wien

Der Musikverein, Wien


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