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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
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Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

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1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrskonzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

 

18. (Zugabe) Eduard StraussMit Vergnügen. Polka schnell, op. 228

Gut, immerhin kommt der „Jubliar“ in einer Zugabe noch zu seinen verdienten Ehren. Die Polka ist eine nette kleine Perle des oft zu Unrecht vernachlässigten Strauss-Bruders.

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Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier das Konzertprogramm im goldenen Saal des Wiener Musikvereins  mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Diesmal steht wieder Mariss Jansons am Dirigentenpult (2006, 2012, 2016). Jansons ist Chefdirigent des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters.
Was die Werkwahl bezüglich der Strauss-Familie betrifft, enthält das Programm keine besonderen Überraschungen. Bis auf ein zwei Ausnahmen war alles schon mal da, teils mehrmals und in jüngerer Zeit. Ich frage mich, ob die Verantwortlichen überhaupt auf die zuvor gespielten Werke schauen, wenn sie ihr Programm gestalten? Die Strauss-Brüder haben zusammen über 1000 Walzer und Polkas komponiert. Es sollte doch machbar sein, eine etwas grössere Diversität in die Programme zu bringen und sie aufregender zu gestalten.
Dafür aber hat Janssons diesmal mit Robert Stolz und – was besonders erfreulich ist – Emile Waldteufel zwei „exotische“ Komponisten berücksichtigt. Warum aber Waldteufel erst jetzt zum Zuge kommt, wo doch 2015 sein 100. Todestag war, ist mir schleierhaft.

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Am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2016 werden gespielt:

Robert Stolz – UNO Marsch … Fulminant und festlich wird das Programm mit dem „Überraschungsgast“ Robert Stolz eröffnet. Vom Amerikanischen Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche (1904-1971) zur Komposition animiert, schrieb Stolz diesen Marsch als Widmung für die Vereinten Nationen. Dieses Werk sollte unbedingt weiter hinten im Programm stehen, ist es doch nicht von besonders wienerischer Koloratur, sondern erinnert eher an die zackigen Preussen-Märsche. So ein Konzertbeginn wird das Publikum irritieren. Ob der Marsch gewählt worden ist in Gedenken an die erste UN-Generalversammlung vor genau 70 Jahren?

Johann Strauss Jun. – Schatz-Walzer, op.418 … Der 1885 komponierte Walzer mit Motiven aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ gehört zu den berühmtesten und meistgespielten vom Johann. Aber sowohl das Hauptthema als auch die weiteren Walzerteile sind so beschwingt und populär, dass man den Schatz-Walzer ruhig zum mehrfach wiederholten Male bringen kann an einem Neujahrkonzert.

Johann Strauss Jun. – Violetta, Polka op.404 … Eine liebliche Polka, selten gespielt, darum eine schöne Wahl. Der Name bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur in der Operette „Der lustige Krieg„. Die Musik zitiert unter anderem das Duett „Von einem Mann liess ich mich küssen“. Am 15. Januar 1882 wurde das Stück genau da uraufgeführt, wo es jetzt wieder erklingt: im Musikverein.

Johann Strauss Jun. – Vergnügungszug, Polka op.281 … Die Schnellpolka war 2001 zum letzten Mal im Programm. Die Polka gehört in die Sparte der so genannten „Eisenbahnmusik“. Strauss schrieb sie 1864 als Reminiszenz an das wachsende Eisenbahnnetz. Allmählich begann auch der Tourismus auf den Schienen zu florieren, Eisenbahnzüge waren nicht mehr nur für den Warentransport gedacht. Mit „Vergnügungszügen“ wollte man die Bevölkerung dazu animieren, mit der Bahn zu reisen.

Carl Michael Ziehrer – Weanar Madl’n, Walzer op.388 … Grosse Freude herrscht !! Erstens weil wieder Ziehrer gespielt wird, der meiner Ansicht wienerischste aller Wiener. Und zweitens, weil es dieser bezaubernde Walzer ist, zu recht Ziehrers berühmtester. So berühmt und legendär, dass Willi Forst 1944 die Geschichte dazu in „Wiener Mädeln“ verfilmt hat. Ich darf an dieser Stelle platzieren, dass mein „wien-erprobtes“ Ohr kaum einen anderen Walzer kennt, der den Wiener Spirit und die Wiener Lebens- und Tanzlust so vorzüglich wiedergibt wie die „Weanar Madl’n“. Bin gespannt, ob die Philharmoniker das hinreissende 4. Walzermotiv in ihrer Version wiederholen oder nicht. Der Walzer wurde zum ersten Mal am 23. Januar 1888 in Drehers Etablissement in Wien gespielt zusammen mit der Kapelle des Hoch- und Deutschmeisterregiments.

Eduard Strauss – Mit Extrapost, Polka op.259 … Der jüngste der Strauss-Brüder starb auch zuletzt, nämlich 1916. Somit feiern wir heuer seinen 100. Todestag. Dass Edi in diesem Prgramm schon wieder wenig berücksichtigt wird mit lediglich zwei einfachen Polkas, ist recht fragwürdig. Eduards Oeuvre umfasst auch zahlreiche hinreissende Konzertwalzer. Wo sind die geblieben in all den vergangenen Jahren?? „Extrapost“ ist eine flotte kleine Polka, die deutlich Edis Handschrift trägt.

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PAUSE….PAUSE….PAUSE….PAUSE
(Film „Zauberhaftes Salzburg“ im TV)

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• Johann Strauss Jun. – Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig“ … Die Operette „Eine Nacht in Venedig“ ist neben „Der Zigeunerbaron“ und „Die Fledermaus„, Strauss‘ populärstes und meist aufgeführtes Bühnenwerk. Die Ouvertüre war am Neujahrskonzert von 2009 bereits wiederholt im Programm, und jetzt (leider) schon wieder. So schön sie ist – es gäbe weitere Ouvertüren von Strauss, die weniger bekannt, aber genauso toll sind. Verpasste Chance.

• Eduard Strauss – Ausser Rand und Band, Polka op.168 … Das zweite und letzte Werk des Jubilaren ist wieder eine Schnellpolka. Flott und rassig, wies der Titel verspricht. Sowohl der erste Beitrag als auch dieser ist kaum repräsentativ für das verkannte Talent des jüngsten Strauss-Bruders. Eine weitere verpasste Chance. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Josef Strauss – Sphärenklänge, Walzer op.235 … Schon wieder eine Nummer, die erst 2009 im Programm war. Zugegeben eine der wundervollsten Kompositionen von Josef, aber halt auch eine der populärsten. Wies der Name verrät, handelt es sich bei diesem Walzer um ein schwelgerisches Tongedicht mit herrlichen Harmonien.

Johann Strauss Jun.Sängerlust, Polka op.328 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Eine nette, einfache Polka vom Walzerkönig, die sowohl gesungen als auch rein orchestral gleichermassen lieblich ist. Die Wiener Sängerknaben werden das bestimmt wunderbar hinkriegen.

• Josef Strauss – Auf Ferienreisen, Polka op.135 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Schneller und flotter als die Sängerlust ist diese Polka. Man darf gespannt sein, wie es wirkt, wenn sie gesungen wird.

Johann Strauss Jun. – Entr’acte aus der Operette „Fürstin Ninetta“ … Wies der Titel sagt, ist es ein Intermezzo. Heute ist diese Operette weitgehend vergessen, obwohl sie damals sehr erfolgreich war und 76 Mal aufgeführt wurde. Das gemächliche Intermezzo bringt etwas Ruhe ins Programm, bevor es sehr beschwingt weiter geht mit der nächsten Nummer.

Emile Waldteufel – España, Walzer op.236 … Für mich der Höhepunkt dieses Programms. Es ist meines Wissens das erste Mal überhaupt, dass Waldteufel am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker erklingt. Bravo! Vom sympathsichen Elsässer kennt man heute fast nur noch drei Werke, namentlich „Die Schlittschuhläufer“, „Estudiantina“ und eben „España“, das wir hier vorgeführt kriegen. España basiert auf der furiosen gleichnamigen Rhapsodie von Emmanuel Chabrier, welche 1883 herausgegeben wurde. Durch Emile Waldteufels Vertrag mit Hopwood & Crew war es ihm erlaubt, Arrangements mit Melodien anderer Komponisten zu schreiben. So schreib Waldteufel Melodien der Chabrier-Rhapsodie zu einem ungemein elektrisierenden Walzer um, der bezüglich Schwung und Vervé seinesgleichen sucht. Neben den „Weaner Madl’n“ von Ziehrer ist „España“ der treibendste und flotteste Walzer an diesem Konzert. Waldteufel, einer meiner drei Lieblingskomponisten überhaupt, hatte 2015 seinen 100. Todestag. Darum finde ich es – wie oben bereits erwähnt – seltsam, dass er erst 2016 zu seinem ehrenvollen Debut kommt.

• Joseph Hellmesberger Sen. – Ballszenen-Walzer … Herr Hellmesberger scheint sich in den letzten Jahren einen fixen Platz im Programm ergattert zu haben (warum eigentlich?). Auf diesen Beitrag hier freue ich mich sehr! Die Ball-Szenen muten an wie ein Charakterstück. Das einmalig schöne, sehr lebendige Hauptthema stellt die Spieler vor eine respektable technische Herausforderung. Es ist kaum tanzbar…

• Johann Strauss Vater – Seufzer-Galopp, op.9 … Populäres Stück, zu populär und auch nicht besonders aufregend. Und vor allem nicht wirklich repräsentativ für die hohen kompositorischen Fertigkeiten von Strauss-Senior. Es gäbe so herrliche Walzer, soviele einfallsreichere Galoppen und Polkas von ihm – die man noch nie gehört hat am Neujahrskonzert.

• Josef Strauss – Die Libelle, Mazurka op.204 … Die Inspiration zu dieser gemächlichen Mazurka von hat Josef Strauss in der Natur geholt, in der er sich besonders gerne aufhielt. Tondichterisch zeichnet er den Flug einer Libelle, wie sie über die saftige Wiese schwebt. Am 21. Oktober 1866 führte Strauss „Die Libelle“ im Volksgarten zum ersten Mal auf.

Johann Strauss Jun. – Kaiserwalzer op.437 … Das Monumentalwerk unter Johanns Konzertwalzern. An den Neujahrskonzerten wiederholt im Programm und somit keine Überraschung. Man hätte heuer gerne darauf verzichten dürfen und an seiner Stelle etwas Spannenderes von Johann setzen können. Dennoch wirds dem Publikum gefallen, da wohlvertraut. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Johann Strauss Jun. – Auf der Jagd, Polka op.373 … Schon wieder? 2010 war diese Polka erst zum letzten Mal im Programm. Etwas wie beispielsweise die Vöslauer-Polka hätte an dieser Stelle besser gepasst.

Johann Strauss Jun. – Im Sturmschritt, Polka op.348 … Eine ebenso flotte, lebendige Polka als Zugabe… schön.

Johann Strauss Jun. – An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … Alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss Vater – Radetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert.

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Am 1. Jänner wird Zubin Metha zum fünften Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren. Seit geschlagenen 50 Jahren arbeitet das Wiener Orchester eng mit dem gebürtigen Inder (*1936) zusammen. Das Konzert wird laut Angaben der Philharmoniker eine Würdigung an den Dirigenten sein.

Eine ganz besondere Würdigung jedoch vermisse ich am Neujahrskonzert 2015, wo ja zuweilen Geburts- oder Todestagen von Komponisten mit einem ihrer Werke gedacht wird. 2015 jährt sich der Todestag eines der grössten französischen Komponisten des U-Musik-Genres: Emile Waldteufel (1837-1915) hat eine beachtliche Zahl an Walzern, Polkas und Märschen geschrieben, von denen viele den Werken aus Österreich das Wasser reichen können. Eine kleine Würdigung an Waldteufel an diesem Neujahrskonzert wäre schön gewesen. Angeblich war ursprünglich die „Valse Triste“ von Jean Sibelius (1865-1957) anlässlich dessen 150. Geburtstages geplant gewesen. Diese Nummer wurde jedoch durch die Annen-Polka von Strauss Jun. ersetzt. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Verlag, hiess es.

Obschon das Programm mindestens fünf Werke umfasst, die überhaupt zum ersten mal im Rahmen eines Neujahrskonzerts gespielt werden, ist die Werkwahl nur mässig aufregend, geschweige denn diversifiziert. Bis auf Franz von Suppé und (erstaunlicherweise) abermals Hans Christian Lumbye beschränkt sich alles auf die Strauss-Familie. Kein Joseph Lanner diesmal und erneut kein Carl Michael Ziehrer. Immerhin werden einige weniger bekannte Kompositionen gespielt. Lediglich mit den Dorfschwalben, Perpetuum Mobile, Wein, Weib,Gesang un der Annen-polka gibt es je eine populäre Darbietung, abgesehen von den Standardzugaben (Donauwalzer, Radetzky-Marsch). Dennoch: Dieses Programm verspricht keine wirklichen Höhepunkte. Schade. Ich hätte da Zubin Metha etwas mehr Kreativität und Einfallsreichtum zugetraut. So viele verpasste Chancen…

Am Neujahrskonzert 2015 werden gespielt:

1. Franz von Suppé  – Ouverture “Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien” … Mit einer Ouvertüre wird das Neujahrskonzert eröffnet. Gute Idee und schön, dass es sie von einem Komponisten ist, der an den Neujahrskonzerten selten zu hören ist… Franz von Suppé hatte sich allein mit seinen zahlreichen Ouvertüren einen Namen gemacht. Viele von ihnen haben nichts an Bekanntheit verloren, während das dazugehörende Bühnenwerk heute so gut wie vergessen ist. Dazu gehört auch das zweiaktige Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ aus dem Jahre 1844. Die Ouvertüre dazu ist voller Leidenschaft und hingebungsvoller sowie sehr lebendiger Melodien aus der Anfangszeit der goldenen Operettenära.

2. Johann Strauss Sohn – Märchen aus dem Orient; Walzer op.444 … Und weiter gehts mit dem Walzerkönig und einem eher weniger bekannten Walzer… Widmungskompositionen brachten den Urhebern nicht selten hochbegehrte Orden ein. Johann Strauss war regelrecht scharf auf diese Auszeichnungen. Er nutzte die Gunst der Stunde und widmete dem Regenten von Konstantinopel, Sultan Abdul Hamid-Khan, zu dessen 50. Geburtstag diesen hinreissenden Walzer. Die Uraufführung erfolgte am 27. November 1892 im Musikverein. Der Beifall war so gross, dass Strauss den Walzer dreimal wiederholen musste. Strauss hat den erwarteten Orden zwar erhalten, aber erst drei Jahre nach der Uraufführung.

3. Josef Strauss – Wiener Leben; Polka op.218 … Die reizende Polka hat Josef Strauss für einen grossen Maskenball am 18. Februar 1867 im Etablissement Schwender geschrieben, welcher unter dem Motto „Wiener und Pariser Leben“ stand. Die Bälle bei Schwender waren jeweils sehr gut besucht, und die grossen Räumlichkeiten boten mehreren tausend Personen Platz. Das Werk erhielt vorerst keine besondere Aufmerksamkeit, aber später – vor allem im Sommer selben Jahres – tauchte es immer wieder in den Programmen auf.

4. Eduard Strauss– Wo man lacht und lebt; Polka op.108 … Der „schöne Edi“ war das „Schlusslicht“ im Dreierteam der Strauss-Söhne. Seine Opus-Liste konnte sich nie mit derjenigen von Johann oder Josef messen. Dennoch hat Eduard ein bemerkenswertes Talent zutage gebracht und eine Reihe hinreissender Kompositionen hingezaubert. Darunter zahlreiche Schnellpolkas, die es wahrlich in sich haben. Diese hier gehört dazu. Sie ist eine weitgehend vergessene, entstanden im Jahre 1873.

5. Josef Strauss – Dorfschwalben aus Österreich; Walzer op.164 … Einer von Josefs berühmtesten une meistinterpretierten Walzern. Zu Recht, besticht das Werk doch als bezauberndes Tongedicht von Anfang bis Schluss. Dem Walzer zugrunde liegt höchstwahrscheinlich das gleichnamige Buch von August Silberstein. Es ist ein Band mit lauter Dorfgeschichten, charakteristisch und das Gemüt der Landbevölkerung wiedergebend. Das Buch war im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich. Josef Strauss holte seine Inspiration zu seinem Walzer aus den kleinen, heiteren Gschichterl’n. Den Walzer widmete Strauss selbstverständlich dem Herrn Silberstein. Josef Strauss‘ Dorschwalben aus Österreich ist eines der deutlichsten Beispiele an Kompositionen, in denen der biedermeierliche Wiener Ländlerstil und der hochentwickelte Wienerwalzer miteinander meisterhaft verschmelzen. Am 6. September 1864 wurde der Walzer im Volksgarten uraufgeführt.

6. Johann Strauss Sohn – Vom Donaustrande; Polka op.356 … Die Operette „Carneval in Rom“ wurde 1873 uraufgeführt. Es war das Jahr der grossen Weltausstellung. „Vom Donaustrande“ hat Johann Strauss aus Melodien der Operette zusammengestellt. Um sie in Verbindung mit der Weltausstellung zu bringen und nicht mit der Handlung der Operette, verpasste er der Polka diesen Titel. Am 6. April 1873 wurde die Polka an einem Jubiläumskonzert – 50 Jahre Strausskapelle – uraufgeführt. Der Erfolg war riesig.

—— PAUSE ——

7. Johann Strauss Sohn – Perpetuum mobile („ein musikalischer Scherz“); Polka op.257 … Dieser „musikalische Scherz“ oder auch „charakteristisches Fantasiestück für Orchester“ ist eine besonders populäre Nummer des Walzerkönigs. Rasant, neckisch und gar mit viel Schalk nimmt er indirekten Bezug auf die technische Konstruktion, die sich aus eigenem Antrieb, also ohne externe Energiezufuhr, unendlich lange bewegen soll. Der Bezug ist insofern indirekt, als Strauss damit auf einen wahren Ballmarathon im Januar 1861 anspielt. Gleich drei Bälle in Folge, nacheinander geleitet von jeweils einem der drei Strauss-Brüder, mit über 50 Tänzen katapultierten das tanzwütige Wien in einen wahren Festrausch. Nonstop-Tanz, unaufhörliche Bewegung, oder eben auf gut Latein „perpetuum mobile“. Johann Strauss sah sich nach diesem Dreifachball animiert, rückblickend darauf diese Schnellpolka zu komponieren. Uraufgeführt wurde sie am 4. April 1861 in Schwenders Casino in Rudolfsheim. Zwar hielt sich das Interesse an dieser Komposition im damaligen Wien nicht lange. Dafür ist es heute umso beliebter.

8. Johann Strauss Sohn – Accelerationen; Walzer op.234 … Die Strauss-Brüder waren sehr an den technischen Entwicklungen ihrer Zeit interessiert und haben so manche Aspekte daraus in ihre Kompositionen einfliessen lassen. Der Walzer „Accelerationen“ ist ein solches Beispiel. „Akzeleration“ ist ein Begriff aus der Physik und bedeutet Beschleunigung. Und entsprechend hat Strauss den Walzer arrangiert. Schneller werdend im Hauptmotiv und dann wieder rallentierend in späteren Partien. Alles fein aufeinander abgestimmt. Einer Anekdote zufolge soll Strauss die Idee zu diesem Walzer spontan auf der Rückseite einer Speisekarte notiert haben. Strauss hat dies nie bestätigt, aber auch nicht abgestritten. Fakt ist, dass er den Walzer für den Technikerball am 14. Februar in den Sofiensälen geschrieben hat.

9. Johann Strauss Sohn – Elektro-magnetische Polka; op.110 … Es ist ein Frühwerk des jungen Johann, uraufgeführt am ersten Technikerball am 11. Februar 1852 ebenfalls in den Sofiensälen. Analog zu den Accelerationen kommt hier Johanns Interesse an der Naturwissenschaft zum Ausdruck. Da der Elektromagnetismus damals noch nicht vollends erforscht war, mag er besondere Faszination auf die Gesellschaft ausgeübt haben.

10. Eduard Strauss – Mit Dampf; Polka op.70 … Auch Eduard teilte die Vorliebe für technische Angelegenheiten. Seine Schnellpolka bezieht sich sinngemäss auf eine Dampfmaschine, genauer auf eine Lokomotive. Das Sujet war zu jener Zeit besonders beliebt. Zahlreiche Kompositionen wurden der faszinierenden Kraft des Damfes gewidmet. Schon Joseph Lanner hat mit seinem Dampf-Walzer das Thema musikalisch aufgegriffen.

11.Johann Strauss Sohn – An der Elbe; Walzer op.477 … Es war der letzte Konzertwalzer Johanns, erschienen beim Seeling-Verlag in Dresden. Mehrmals war Strauss in Dresden, als er auf Konzertreise war. Daher darf dieser Walzer wohl als Widmungskomposition an den Fluss verstanden werden. Die genauen Hintergründe zur Entstehung dieser Komposition sind jedoch nie bekannt geworden. Die Uraufführung erfolgte nicht etwa in Dresden, sondern an einem Benfizkonzert am 28. November 1897 im Wiener Musikverein. Dirigiert wurde das Konzert zwar vom Bruder Eduard, aber für die Präsentation von „An der Elbe“ stieg Johann flugs selbst aufs Dirigierpodest. Der Walzer erntete Begeisterungswellen, verschwand in den Jahren danach jedoch von der Bildfläche und erlebte erst knapp 100 Jahre später sein Revival.

12. Hans Christian Lumbye – Champagner-Galopp; op.14 … Schon wieder? Die war doch bereits im Neujahrskonzert von 2010 im Programm. Lumbye hat bei Gott genug komponiert, das es wert ist, in Wien zu Neujahr aufgeführt zu werden! Wie einfallslos und unverständlich. Wie auch immer, schön ist sie alleweil, die Champagner-Galoppe, flott und hinreissend. Der symphatische Däne dirigierte sie zum letzen Mal eigenhändig im Jahre 1873. Sitzend, da altersgeschwächt.

13. Johann Strauss Sohn – Studenten-Polka; op.263 … 1862 organisierten die Studenten Wiens den ersten Studentenball. Ziel war es, die Finanzierung der Krankenversorgung für Studenten zu ermöglichen. Die Mission gelang, es zeigten sich auch Personen aus dem Hochadel gewillt, die Studenten zu unterstützen. Für den Ball erhielten sie gar die Erlaubnis, ihn in den kaiserlichen Redoutensälen in der Hofburg abzuhalten. Am 24. Februar 1862 also stieg das grosse Fest. Diese Polka war einer von zwei Beiträgen Johanns für diesen Anlass. Die Melodien dieser Polka gehen auf populäre Studentenlieder zurück.

14. Johann Strauss Vater – Freiheits-Marsch; op.226 … Vater Strauss kommt doch noch zu Ehren im offiziellen Programm, wenn auch „nur“ mit einem Marsch. Und dieser gehört sicher nicht zu seinen glanzvollsten Würfen. Man hätte ruhig an dieser Stelle noch etwas Grösseres vom Strauss-Vater wählen können! Der Marsch dürfte im Zusammenhang mit den Revolutionswirren um 1848 entstanden sein. Mehr ist nicht bekannt.

15. Johann Strauss Sohn – Annen-Polka; op.117 … Schade, dies ist ein Allerwelts-Gassenhauer von Strauss. Etliche Male schon gehört am Neujahrskonzert. Müsste wirklich nicht sein, auch wenn die Polka noch so reizend ist. Geschrieben anlässlich des Namenstages der hl. Anna (26. Juli), führte Johann Strauss diese Komposition am 24. Juli 1852 an einem Waldmusikfest im Prater auf, zu dem der Komponist neben allen anderen explizit die Damen mit dem Namen Anna einlud. Die Polka gefiel so sehr, dass sie etliche Male wiederholt werden musste. Sie ging als eines der populärsten Werke des Komponisten in die Geschichte ein.

16. Johann Strauss Sohn – Wein, Weib und Gesang; Walzer op.333 … Hier haben wir einen der berühmtesten Walzer Johanns, der auch heute noch zu den meistaufgeführten gehört. Er ist so schön und grossartig arrangiert, dass er immer mal wieder einen Platz verdient am Neujahrskonzert. Ähnlich wie der Donauwalzer hat Strauss „Wein, Weib und Gesang“ als Chorwerk für den Wiener Männergesangsverein komponiert. An dessen „Narrenabend“ am 2. Februar 1869 im Dianabad-Saal wurde der Chorwalzer uraufgeführt und begeistert angenommen. Das Publikum war so hingerissen und tobte vor Freude, dass die Aufführung mehrmals unterbrochen werden musste. Erstmals rein orchestral wurde der Walzer am 16. März selben Jahres an einem Promenadenkonzert im Pester Redoutensaal aufgeführt. Das Werk ist noch heute eines der meistinterpretierten des Walzerkönigs.

17. Eduard Strauss– Mit Chic; Polka op.221 … Ein reizendes Kleinod von Eduard zum Schluss des offiziellen Programms. Selten gehört und somit ein netter Abschluss.

Es folgen als Zugabe die Explosions-Polka op.43 , ein Frühwerk von Johann Strauss Sohn, und wie jedes Jahr „An der schönen blauen Donau“ und der Radetzky-Marsch.

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Erneut schaut die ganze Welt auf Wien und das Geschehen im goldenen Saal des Musikvereins: Für das Neujahrskonzert 2014 haben sich die Wiener Philharmoniker Daniel Barenboim an Land gezogen, der somit zum „Wiederholungstäter“ wird. Bereits 2009 hat der 71-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper unter den Linden und Musikdirektor der Mailänder Scala das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigert. Die Werkwahl ist erneut recht einfallsreich und sieht von Gassenhauern weitgehend ab. Das einzige, was ich vermisse, ist ein Beitrag von Carl Michael Ziehrer. Ansonsten: Man darf sich freuen.

Am Neujahrskonzert 2014 werden gespielt:

1. Eduard StraussHelenen Quadrille; op.14 … Festlich und belebt eröffnet das Konzert mit dieser selten gehörten, 1865 uraufgeführten Komposition des „schönen Edi“. Mit viel Paukenschlag und Melodienreichtum knüpft Eduard Strauss hier ein Bouquet bekannter Motive aus Jacques Offenbachs Operette „Die schöne Helena„. 1865 erfolgte im Theater an der Wien die Wiener Erstaufführung der Operette mit der legendären Marie Geistinger in der Hauptrolle. Der Erfolg war bombastisch. Die Strauss-Brüder machten sich bevorzugt angekündigte Bühnen-Aufführungen ausländischer Komponisten zunutze, um Quadrillen aus deren Motiven zu schaffen. Eine schöne Wahl für den Einstieg. Allein, weil dadurch dem Edi, der unter den Sträussen am wenigsten Beachtung erhalten hat, gebührend Ehre zuteil wird.

2. Josef StraussFriedenspalmen; Walzer op.207 … Ein weiteres Stück mit Seltenheitswert. Geheimnisvoll und überaus harmonisch erhebt sich das Intro dieses Walzers wie aus dem Nichts. Er gehört nicht unbedingt zu Josefs Geniestreichen, überzeugt aber dennoch mit hinreissenden Passagen. Dass der Walzer weitgehend frei von Festlichkeit ist, hat seine Gründe: Josef Strauss hat ihn im Herbst 1866 komponiert, kurz nachdem die Donaumonarchie einschneidende Kriegsniederlagen erlitten hatte und das Volk somit alles andere als in Festlaune war. Der Titel „Friedenspalmen“ wird also selbsterklärend. Im Rahmen eines Benefizkonzerts im Volksgarten am 18. November 1866 wurde der Walzer erstmals aufgeführt.

3. Johann Strauss VaterCarolinen Galopp; op.21a … Wir reisen zurück ins Biedermeier. Diese frühe Komposition von Strauss-Vater versprüht Frohgemüt. Ich freue mich sehr über diese heute so gut wie vergessene Perle. Ende November 1827 wurde diese Galoppe in der Wiener Zeitung angekündigt. Das genaue Datum der Uraufführung ist nicht überliefert. Es dürfte im Etablissement zu den „Zwey Tauben“ gewesen sein. Das Lokal lag am Ende der damaligen Carolinen-Brücke über den Wienfluss. Somit  erklärt sich die Bezeichnung. Die Kettenbrücke-Galoppe trägt die Opus-Nummer 21b. Sie wurde kurz später in ähnlicher Manier komponiert und ist ebenfalls ein Tribut an eine ehemalige Brücke über den Wienfluss.

4. Johann Strauss Jun.Ägyptischer Marsch; op.335 … Johann Strauss Sohn ist heuer stärker vertreten als in den vergangenen Jahren. Sein Debut an diesem Konzert gibt er mit einem wohlbekannten und originellen Charakterstück. Den „Egyptischen Marsch“ hat er 1869 während seines Aufenthalts im Russischen Pawlowsk geschrieben. Unter dem Zweit-Titel „Tscherkessen-Marsch“ gelangte das Stück nach Wien, wurde da dann aber doch mit der ursprünglichen Bezeichnung versehen. Passend eh, da am 16. November selben Jahres der Suez-Kanal eröffnet wurde.

5. Johann Strauss Jun.Seid umschlungen, Millionen; Walzer op.443 … Weiter gehts mit einem ebenfalls recht populären Walzer des Walzerkönigs mit einem atemberaubenden Hauptthema. Von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ liess sich Strauss leiten bei der Namensgebung. Gewidmet ist der späte Strauss-Walzer keinem Geringeren als Johannes Brahms. Uraufgeführt wurde der Walzer im März 1892 im Übrigen genau da, wo er am Neujahrskonzert 2014 gespielt wird, im Musikverein.

6. Johann Strauss Jun.Stürmisch in Lieb‘ und Tanz; Polka op.393 … Sehr schnell ist diese berühmte Polka und steckt doch voller Leidenschaft. Strauss hat sie für den Concordia-Ball vom 22. Februar 1881 in den Sofiensälen geschrieben. Der Concordia-Ball war der jährliche Ball der Wiener Autoren und Journalisten. Dirigiert hat nicht der Komponist selbst, sondern sein Bruder Eduard. Die Polka beinhaltet Melodien aus der Operette „Das Spitzentuch der Königin„.

—— PAUSE ——

7. Johann Strauss Jun.Ouvertüre „Waldmeister“ … Strauss war bereits im fortgeschrittenen Alter, als er sich an die Komposition der Operette „Waldmeister“ machte. Die Operette wird heute höchst selten mehr aufgeführt, dafür die Ouvertüre umso öfter. Es ist ein vor Einfallsreichtum nur so jugendlich frisch sprudelndes Werk, wie man es dem 70-Jährigen Strauss nicht mehr zugetraut hätte. Das Hauptthema ist der Walzer „Trau, schau, wem“. Am 4. Dezember 1895 im Musikverein konzertant aufgeführt, erntete Strauss grossen Applaus für seine Ouvertüre. Ein weiteres Motiv darin ist übrigens die Polka zur Librettostelle „Klipp Klapp“, die sich auf eine sich im Gange befindende Mühle zu Beginn der Operette bezieht. Strauss erinnerte sich an eine Melodie, welche ihm in Jugendjahren zu einem ähnlichen Szenario eingefallen war. Er integrierte sie in die Ouvertüre. Im Nachhinein komponierte Strauss aus diesem Motiv ein eigenständiges Stück: Die „Klipp Klapp- Galoppe“, die jetzt gleich folgt.

8. Johann Strauss Jun. Klipp Klapp; Galopp op.466 … Am 10. Februar 1896, mitten in der Karnevalszeit, führte Strauss dieses spritzige „Waldmeister-Extrakt“ am Concordia-Ball in den Sofiensälen erstmals auf. Noch im selben Monat war die Polka Teil der berühmten Sonntagskonzerte im Musikverein.

9. Johann Strauss Jun.Geschichten aus dem Wiener Wald; Walzer op.325 … Einer der berühmtesten Konzertwalzer der Musikgeschichte und mein persönlicher Lieblings-Strauss-Walzer. Dieses Meisterwerk kann man nicht oft genug spielen und hören, weshalb ich mich riesig freue, es auf dem Programm zu sehen. Eine TV-Einspielung führt die Zuschauer in den Wienerwald und ins Stift Klosterneuburg. Näheres zu diesem überwältigenden Walzer gibt es hier.

10. Joseph Hellmesberger Jun.Vielliebchen, Polka op.1 … Hellmesberger kommt wiederholt zum Zug. Das ist schön, denn er (und ebenso sein Vater) ist einer der weniger bekannten Wiener. „Vielliebchen“ ist eine reizende kleine Polka mit durch und durch wienerischem Charakter und zarten Melodienfolgen. Ein entspanntes Intermezzo.

11. Josef StraussBouquet; Polka op.188 … Eine ziemlich unbekannte Trouvaille vom Pepi und eine schöne Wahl. Als die Gartenbaugesellschaft am Stubenring ihr eigenes Festgebäude, die Blumensäle, feierlich eröffnete, steuerte Josef Strauss für die Einweihungsfestivitäten am 26. Dezember 1864 diese liebliche Polka bei. Die Blumensäle sind Geschichte, diese Polka hingegen lebt hiermit erneut auf.

12. Richard Strauss – „Capriccio“ (Mondscheinmusik) … Dies wirkt wie ein Fremdkörper – musikalisch und konzeptuell. Wir werden spätestens am Konzert erfahren, warum die Wahl auf dieses Werk von Richard Strauss fiel. Dieser Titan ernster Musik will hier so gar nicht reinpassen. Strauss‘ Oper „Capriccio“ wurde am 28. Oktober 1942 an der Münchner Oper uraufgeführt. Die tonmalerisch ausdrucksvolle, und bewegend-dramatische „Mondscheinmusik“ ist Teil des Finales der Oper. Als Richard Strauss am 13. Juli 1949 zum letzten Mal am Pult stand, dirigierte er die Mondscheinmusik. Einfach ein Tribut an den genialen Deutschen? Ich bin gespannt.

13. Joseph LannerDie Romantiker; Walzer op.167 … Freude herrscht! Der in meinen Augen grösste aller Wiener Komponisten des 19. Jahrhunderts ist auch heuer wieder vertreten. Diesmal mit einem seiner bekanntesten Walzern – dieser ist wahrlich eine vertonte Allegorie der Schönheit. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu in den Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein. Die Uraufführung des Walzers erfolgte Aufzeichnungen zufolge am Theresien-Fest-Ball in der „Goldenen Birn“ am 14. Oktober 1840. Wenige Tage später erklang der Walzer auch im „Grossen Zeisig“. Weitere Aufführungen in den Redoutensälen und in Baden bei Wien weisen darauf hin, dass „Die Romantiker“ mit grösster Begeisterung aufgenommen worden sein muss. Der Walzer gehört auch heute noch zu den meistgespielten des Walzervaters Lanner, der meiner Meinung nach der begnadetste Wiener Komponist und Musiker der letzten 200 Jahre ist.

14. Josef StraussNeckerei; Mazurka op.262 … Gemütlich und trotzdem beschwingt fliesst diese liebliche Mazurka dahin. Sie trägt Pepis deutliche Handschrift. „Neckerei“ war eine von zahlreichen Novitäten am Strauss-Benefiz-Ball in den Blumensälen am 8. Februar 1869. In der Fülle an elektrisierenden Neuheiten an jenem Abend schien „Neckerei“ jedoch untergegangen zu sein oder einfach wenig Beachtung gefunden zu haben. Darum lebt sie hiermit umso mehr auf und erhält die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Sehr schön.

15. Josef StraussSchabernack; Polka op.98 … Trotz seines von Krankheit und zuweilen Schwermut geprägten Lebens behielt Josef Strauss stets Fröhlichkeit. Dies zeigt sich mit dieser Polka, die themenmässig der Vorherigen Mazurka anschliesst. Einer Zeitungsannonce zufolge erklang die Polka an einem Volksgartenkonzert am 3. Februar 1861. Sie fand grossen Zuspruch und gehörte zu den bedeutendsten Kompositionen der Gebrüder Strauss des Jahres 1861. Heute ist sie jedoch fast vergessen. Jetzt erfährt sie ein wahres Revival.

16. Léo DelibesMusik aus dem Ballett „Sylvia ou La Nymphe de Diane“ … Hiermit kommen wir zum zweiten „Exoten“ am diesjährigen Neujahrskonzert. Ich persönlich halte Léo Delibes allerdings sehr hoch, hatte der Herr doch ein ausgeprägtes Faible für besonders hinreissende und effektvolle Melodien, die mit den Wiener Weisen zuweilen eng verwandt sind. Vor allem beim Walzer in seinen Balletten legte der Komponist einen ungeheuren Einfallsreichtum zutage. Aus „Sylvia“ hat besonders die Pizzicato grosse Berühmtheit erlangt und ist heute in zahlreichen Kontexten in Film und Werbung zu hören. Warum die Wahl auf Delibes gefallen ist, werden wir ebenfalls spätestens am Konzert erfahren. Das Wiener Staatsballett tanzt dazu erneut im Stadtpalais Liechtenstein, diesmal im Stiegenhaus.

17. Josef StraussDynamiden (Geheime Anziehungskräfte); Walzer op.173 … Der Pepi ist auch recht stark vertreten dieses Jahr. Hier haben wir eine seiner hinreissendsten und gelungendsten Walzerkompositionen. Die tondichterische Klangmalerei, die er hier zaubert, verschafft einem wahre Gänsehaut. Das beginnt beim Intro und setzt sich intensiviert beim Hauptthema fort. Getragen auf Walzerwogen wähnt man sich in einem träumerischen Klanggebilde, wie es fast nur ein Josef Strauss kreieren vermag. Physikalisch gesehen bezeichnen Dynamiden in etwa die Bausteine, aus denen ein Atom besteht. Der Zusammenhang zwischen dieser physikalischen Erklärung und dem Alternativtitel „Geheime Anziehungskräfte“ geht wohl auf eine Interpretation des Komponisten zurück. Die Atomphysik dürfte auf Josef Strauss als gelernter Ingenieur nach wie vor eine grosse Faszination ausgeübt haben. Jedenfalls ist der Dynamiden-Walzer eines der schönsten und exklusivsten Werke, die Josef Strauss geschrieben hat. Es war das Widmungswerk für den Industriellenball in den Redoutensälen der Hofburg und wurde da am 30. Januar 1865 uraufgeführt.

18. Josef StraussOhne Sorgen; Polka op.271 … Und erneut kommt die Lebenslust Josefs zum Ausdruck, obwohl diese Polka entstanden ist, als der Komponist bereits schwer mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte. Josef Strauss komponierte diese Polka während eines Aufenthaltes mit seinem Bruder Johann im russischen Pawlowsk im Sommer 1869. Das Stück wird auch heute noch oft gespielt.

19. Josef StraussCarrière; Polka op.200 … Und gleich nochmal der Josef. Zum Schluss mit einer weiteren seltenen Perle. Die Carrière (Karriere) bezeichnet die schnellste Gangart des Pferdes, und somit ist die Polka dementsprechend ein lebendiges Werk. Die Uraufführung fand am 4. Juli 1866 im Volksgarten statt, einen Tag nach der Niederlage der österreichischen Armee bei Königgrätz.  Denkbar gedrückt war da die Stimmung der Bevölkerung, welche sich daher kaum von der Polka mitreissen liess. So konnte sich das Werk nicht halten. Jetzt wird auch dieses wieder zum Leben erweckt.

20. Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … traditionell zum Schluss des Neujahrskonzerts erklingt der Walzer aller Walzer. Informationen hier.

21. Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Und wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das alljährliche Spektakel.

Die Balletteinlage für den Walzer „Die Romantiker“ von Joseph Lanner ist in den neu renovierten Prunkräumen des Stadtpalais Liechtenstein gedreht worden. Das Wiener Staatsballett trägt Kostüme, geschaffen von Vivienne Westwood. Deren bunte Extravaganz wird zur barocken Pracht des Palais mit Sicherheit einen eigenwilligen Kontrast schaffen. Der Pausenfilm indes verspricht, nicht mehr so ein Reinfall wie der letztjährige zu werden, der vom ganzen Österreichischen Volk voller Empörung zerrissen worden war. Diesmal gibt es einen Blick hinter die Kulissen des Neujahrskonzerts.

Am Neujahrskonzert 2015 wird übrigens wieder Zubin Metha am Dirigentenpult stehen. Bereits zum 5. Mal.

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier eine ausführliche Programmbeschreibung mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Franz Welser-Möst – seit 2012 Direktor der Wiener Staatsoper – dirigiert wie bereits schon 2011 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein. Und es ist vielversprechend: Welser-Möst äusserte sich in einem Interview mit ORF, dass er Kompositionen dirigieren wolle, die nicht schon zahlreiche Male von seinen Vorgängern dirigiert worden seien. Ihn interessierten auch die „verborgenen Schätze“. Und so wird es auch mehrheitlich. Neben ein paar wohlbekannten Walzern von den beiden Strauss-Brüdern (Eduard fehlt diesmal) erklingen 2013 erneut mehrere Trouvaillen, über die ich mich sehr freue. Auffallend stark ist Josef Strauss im Programm vertreten. Verdi und Wagner bilden diesmal die „Fremdkörper“ im Programm. An ihre Stelle hätte man lieber wieder einen Ziehrer gesetzt !

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Es werden gespielt:

Josef StraussDie Soubrette, op.109 … Mit einer reizenden Polka vom Pepi eröffnet das aktuelle Neujahrskonzert. In der Zeit, als die Operette ihre Hochblüte feierte, verstand man unter einer Soubrette eine Tänzerin und Sängerin auf der Bühne. Zuvor stand der Begriff jedoch für ein kokettes Stubenmädchen, was auch das Titelblatt der Klavierausgabe von Josef Strauss‘ Polka verbildlicht. Möglicherweise wurde das Werk laut Aufzeichnungen des Komponisten am 8. August 1861 im Dommayer erstmals gespielt. Man geht davon aus, dass das Uraufführungsdatum der 6. August war, wo die Polka an einem Konzert im Volksgarten dem Publikum zum ersten Mal vorgeführt wurde. Obschon das Werk sich ordentlicher Beliebtheit erfreut haben dürfte, wurde es bald von anderen Novitäten verdrängt. Umso erfreulicher, lebt es hier neu auf.

Johann Strauss Jun.Kusswalzer, op.400 „Nur für Natur hegte sie Sympathie…“ Das bezaubernde Hauptthema ist Johann Strauss einmal plötzlich „durch den Schädel gefahren“, wie er sagte. Es war damals noch nicht geplant, dass die Melodie für seine neue Operette „Der lustige Krieg“ verwendet werden sollte (Uraufführung am 25. November 1881 im Theater an der Wien). Als aber der Bühnenstar Alexander Girardi als Ergänzung für seinen Part in der Operette ein Walzerlied verlangte, griff Strauss auf den Kusswalzer zurück und verarbeitete ihn zu einem Couplet. Die konzertante Uraufführung erlebte der Walzer beim Hofball am 10. Jänner 1882. Der Kusswalzer ist und bleibt einer der populärsten Strausswalzer, und ich erachte ihn als eine gute Wahl für das heurige Programm, zumal ja das Neujahrskonzert als eine Art Kuss aus Wien für die ganze Welt bezeichnet werden kann.

Josef StraussTheater-Quadrille, op.213 … Die Form der Quadrille wurde gerne benutzt, um Musikstücke zusammenzufassen, die von Aktualität waren. Sie liessen sich aneinanderreihen und in einem eigenständigen Werk arrangieren. Josef Strauss war ein Quadrillen-König. Gastierte ein Komponist in der Stadt oder wurde eine neue Oper uraufgeführt, war Josef sofort zur Stelle, griff die wichtigsten Melodien auf und schusterte sie flugs zu einer Quadrille zusammen, um dem Volk eine Art „Best Of“ zu präsentieren. Die Theater-Quadrille vereint Themen aus Bühnenwerken von Adolf Müller d.Ä., Giuseppe Verdi, Franz von Suppé, Peter Ludwig Hertel, Giacomo Meyerbeer, Julius Hopp und Jacques Offenbach. Die Uraufführung der Theater-Quadrille erfolgte am 12. Jänner 1867 im Dianasaal an einem Maskenball mit Motto „Les Comédiens“. Wiederholt wurde sie an der Carnevalsrevue von 10. März selben Jahres im Volksgarten.

Johann Strauss Jun.Aus den Bergen, Walzer op.292 ... Sehr schön. Eine heute weitgehend unbekannte Komposition des Walzerkönigs. Entstanden ist der Walzer allerdings nicht in den Bergen, sondern während Strauss‘ Konzertaufenthalt im russischen Pawlowsk im Jahre 1864. Die Aufführung im Theater an der Wien erntete reichlich Lob. Dennoch verstaubte der Walzer danach bald in den Regalen. Die Wiener Philharmoniker servieren ihn der neuen Welt, entstaubt und frisch. Das freut mich.

• Franz von Suppé – Leichte Kavallerie, Ouvertüre … Der morbide Franz verdient es auf jeden Fall, am Neujahrskonzert gespielt zu werden. Doch gäbe es weitaus Interessanteres als die Leichte Kavallerie. Sie ist einfach zu berühmt. Man hätte diese Chance nutzen können, den genialen Komponisten einmal durch eines seiner zahllosen unbekannteren Werke kennenzulernen. Leider wird dadurch das Klischee geschürt, Franz von Suppé sei vorwiegend ein Ouvertüren-Komponist gewesen.

Josef StraussSphärenklänge, Walzer op.235 … Einer der berühmtesten Walzer des Strauss-Bruders und mit Recht einer der gerühmtesten. Die Sphärenklänge katapultieren den Zuhörer in der Tat in andere Sphären. Durchaus berechtigt, dass auch ein „Allerweltswerk“ vom Josef hier Platz findet. Die „Sphärenkläge“ waren eine klassische Widmungskomposition für den Ball der Ärztegesellschaft am 21. Jänner 1868 im Sofiensaal. Der Komponist war gleichsam Balldirektor. Unter Kennern der Wienermusik werden die „Sphärenklänge“ als eines der eindrucksvollsten Tongedichte dieser Musikgattung gehandelt. Josef Strauss kümmerte es nicht, dass die Presse den für einen Medizinerball ihrer Ansicht nach sehr unpassenden Titel kritisierte, der wohl „eher für den Zustand der Ballgänger danach stehe als für den Ball selbst“.

Josef StraussDie Spinnerin, Polka op.192 … Diese Polka war eines von zehn Werken von Josef Strauss, welche an der Karnevalsrevue am 18. Februar 1866 im Volksgarten aufgeführt wurden. Die Klavierausgabe war jedoch bereits am 5. Februar erhältlich. „Die Spinnerin“ war ein sehr grosser Erfolg, verschwand später dennoch in den Archiven. Allein deshalb eine schöne Wahl für das Neujahrskonzert.

• Richard Wagner – „Lohengrin“, Vorspiel zum 3. Akt … Am 22. Mai 2013 würde Richard Wagner 200 Jahre alt. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des grossen Deutschen Komponisten. Wagner hatte in Wien zu Lebzeiten beruflich einen schweren Stand und erhielt wenig Anerkennung. Meine persönliche Meinung: Genialer Komponist, der meine höchste Bewunderung hat. Aber müsste hier trotzdem nicht sein, da zu unpassend für ein Neujahrskonzert und zuwenig Gemeinsamkeiten mit dem Wiener Genre. Im Prunksaal der Nationalbibliothek findet ihm zu Ehren bis am 10.  Februar 2013 die Ausstellung „Geliebt, verlacht, vergöttert – Richard Wagner und die Wiener“ statt.

Joseph Hellmesberger Jun.Unter vier Augen, Polka Mazurka … Hellmesberger wird auch diesmal wieder die Ehre zuteil. „Unter vier Augen“ ist eine einfache, aber höchst leidenschaftliche Mazurka von gut vier Minuten. Das Hauptthema ist so richtig wienerisch. Bedauerlicherweise ist Hellmesberger bereits mit 52 Jahren verstorben. Die Welt der Wiener Musik hätte noch mehr von ihm gebrauchen können.

Josef StraussHesperus-Bahnen, Walzer op.279 … Ein kaum bekanntes Werk vom Josef. Wunderbar! Der Walzer hat ein berauschend schönes Hauptthema. Es ist ein Walzer, der auf keinen Fall zu schnell gespielt werden darf. Die Hesperus-Bahnen waren die letzte Komposition, die Strauss für die Ballsaison der Künstlervereinigung „Hesperus“ komponiert hatte. Eigentlich hätte der Walzer in der ersten Hälfte der Karnevalssaison 1870 aufgeführt werden sollen. Aber wegen eines Feuers in der neuen Heimstätte der Gesellschaft beim Karlsplatz musste dies verschoben werden. Am 4. April erfolgte die Uraufführung im drei Monate zuvor eröffneten Musikverein. Das Publikum war nicht gross, der Applaus dafür umso grösser. Die Hesperus-Bahnen schlugen voll ein und waren das letzte derart mitreissende Werk Josef Strauss‘. Im Juli selben Jahres starb er – und mit ihm die Hepserus-Bahnen. Der Walzer ging weitgehend vergessen. Umso schöner, dass er jetzt seine Reinkarnation erlebt.

Josef StraussGaloppin-Polka, op.237 … Man liest gelegentlich auch „Galopin-Polka“. Diese Polka befand sich unter den Novitäten, welche Josef und Eduard Strauss für den traditionellen Wohltätigkeitsball in dem Blumensälen der Wiener Gartenbaugesellschaft an der Ringstrasse am 13. Februar 1868 geschrieben haben. Unter einem Galoppin verstand man einen jungen Mann, der eifrig mit Börsennachrichten hin und her rannte, und je schneller er diese übermittelte, desto höher fiel sein Trinkgeld aus. Dieser Service ersetzte damals die spätere Telekommunikation. Die Zeit der Galoppine war zwar wegen Neuerungen bald vorbei, aber dennoch versäumte es Josef Strauss nicht, ihnen diese sehr lebendige Komposition zu widmen. Die Polka erntete lautstarken Applaus. Laut der Aufzeichnung eines Orchestermitgliedes wurde die Galoppin-Polka bereits am 12. Februar an einem Maskenball im Sofiensaal gespielt, der Komponist nennt aber ersteres Datum als offiziellen Tag der Uraufführung. Eine tolle Wahl für dieses Programm. Die Balletteinspielung  kommt aus Schloss Hof. Man erkennt in dieser Polka die musikalische Verwandtschaft Pepis mit Joseph Lanner. Und dieser folgt jetzt gleich…

Steyrische Tänze - Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Steyrische Tänze – Titelblatt der Erstausgabe für Klavier

Joseph LannerSteyrische Tänze, op.165 … Wunderbar! Eine von Lanners bezauberndsten Kompositionen, ein gemächlicher Walzer im leichten Ländler-Stil. Vielleicht wäre etwas weniger Populäres von Lanner die noch interessantere Wahl gewesen, aber dass der Walzervater auch heuer vertreten ist, freut mich ausserordentlich. Diese Tänze selbst haben nicht etwa direkt etwas mit der oberösterreichischen Stadt Steyr zu tun, sondern mit der Steiermark (alte Schreibweise). Dieser Name leitet sich allerdings von der Stadt Steyr ab, von wo die Gründung der Steiermark ausging. Der “Steirische” ist ein volkstümlicher Tanz, der sich in der Steiermark grösster Beliebtheit erfreute und von Region zu Region unterschiedliche Ausprägungen hatte. Steirische aus der Biedermeierzeit haben sich kaum erhalten können, ausser Lanners op.165, das in der Originalpartitur auch mit “Pas Styrien” oder “Steyrische-National-Tänze” betitelt ist. Joseph Gungls „Alpenklänge/Steirische National-Tänze“ oder die „Aechten Ober-Steyrer Ländler“ von Michael Pamer haben seinerzeit einige Beachtung erhalten, sind aber heute völlig vergessen. Lanners Komposition ist dem Walzer-Genre zuzuordnen, der klassische Steirische wird nur anhand stilisierter Ländlermotive angedeutet. Im rhythmischen Grundmuster des ersten Themas sind deutliche Parallelen zum überlieferten steirischen Liedgut zu finden. Der Komponist hat dieses Werk ursprünglich für ein Divertissement namens „Die Macht der Kunst“ geschrieben, aufgeführt im 1870 demolierten Kärtnertortheater. Das Notenmaterial für das Neujahrskonzert wurde von der Joseph-Lanner-Gesellschaft zur Verfügung gestellt (wie auch für weitere Kompositionen im heurigen Programm).

Johann Strauss Jun.Melodien-Quadrille, op.112 … Mein Verhältnis zu all den Strauss’schen Quadrillen ist ambivalent. Melodien fremder Komponisten kann jeder zu einem Bouquet zusammenfassen. Deshalb gehören in ein Neujahrskonzert meiner Meinung nach reine Eigenleistungen und nicht „Abgekupfertes“. Opus 112 ist wohl ausgewählt worden, um auf die nächste Nummer einzustimmen. Verdi hatte anno 1843 die Wiener Uraufführung von „Nabucco“ geleitet, doch kaum ein namhaftes Presseblatt berichtete gebührend darüber. Verdi hatte wie Wagner auch keinen leichten Stand in der Kaiserstadt. Strauss zollte mit dieser Quadrille seinen Tribut an den Italiener. Sie vereint Verdi-Themen und war anfänglich unter dem Namen „Hesperiden-Quadrille“ aufgeführt und später umbenannt worden.

• Giuseppe Verdi – Presstissimo aus der Ballettmusik im 3. Akt von „Don Carlo“ … Auch Giuseppe Verdi würde 2013 seinen 200. Geburtstag feiern und zwar am 10. Oktober. Mit dieser Komposition gedenken die Wiener Philharmoniker des schaffenskräftigen Italieners.

Johann Strauss Jun.Wo die Citronen blüh’n, Walzer op.364 „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, kennst du es wohl?…“ Der Walzer entstand unter dem Namen „Bella Italia“, als Strauss 1874 nach Italien reiste. Später erfolgte die Umbenennung. Es handelt sich um eines der populäreren Werke des Walzerkönigs, und man hört es heute immer mal wieder. Insbesondere das Hauptthema ist ungeheuer reizvoll. Es darf auf keinen Fall zu schnell wiedergegeben werden, weil der ganze Zauber dadurch zerstört würde. Franz Welser-Möst wirds sicher recht machen. Die Balletteinspielung  kommt erneut aus Schloss Hof.

Johann Strauss VaterErinnerungen an Ernst oder Der Carneval in Venedig, op.126 … Schön, dass Strauss Senior es diesmal auch wieder ins Programm geschafft hat. Etwas einfallslos jedoch finde ich die Werkwahl. Einerseits, weil sie bereits 2007 im Programm war, andererseits, weil auch Strauss-Papa hier fremde Musik verwendet. In dieser Fantasie greift er zwei berühmte Themen des deutschen Wundergeigers Heinrich Wilhelm Ernst (1814-1865) auf und arrangiert und paraphrasiert sie auf originelle Weise. Das bekanntere der beiden: „Ein Mops/Hund kam in die Küche“ respektive „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Wenn der Strauss-Vater aber schon nur einmal vorkommt im Programm, so hätte es meines Erachtens eine Komposition sein müssen, die gänzlich seinem Kopf entsprungen ist. Es gibt da bei Gott genug unbekannte, höchst interessante Würfe des Genius. Am Katharinenfest im Sperl anno 1840 wurde dieses Werk mit grosser Neugier erwartet, denn H.W. Ernst war kurz zuvor in Wien zu Besuch gewesen und hatte das Volk begeistert. Wie auch immer, das Stück wird garantiert für amüsierte Gesichter sorgen im Goldenen Saal. Trotzdem hätte eine andere, repräsentativere Strauss-Vater-Komposition hierhin gehört.

Josef StraussPlappermäulchen, Polka op.245 … Eine kleine Reminiszenz an ein geschwätziges Fräulein, namentlich des Komponisten Tochter Carolina Anna. Nichts Besonderes und unspektakulär, aber dennoch von Reiz und somit ein nettes Intermezzo. 

Johann Strauss Jun.An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss VaterRadetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert. Was mich freut: Welser-Möst findet es laut seinen Aussagen genauso unpassend wie ich, wenn in einem ehrwürdigen Haus wie dem Musikverein zum Radetzky-Marsch geklatscht wird.

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Die beiden Balletteinlagen wurden dieses Mal auf Schloss Hof im Marchfeld aufgezeichnet, dem prächtigen Barockjuwel von Prinz Eugen, erbaut von Johann Lucas von Hildebrandt. Prinz Eugen wäre im neuen Jahr 350 Jahre alt.

Der Musikverein, Wien
Der Musikverein, Wien

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Mariss Jansons dirigiert das Neujahrskonzert 2012 im Musikverein. Der Lette hat bereits das Neujahrskonzert 2006 geleitet. Wieder werden zwischen 40 und 50 Millionen Menschen weltweit das Konzert am TV mitverfolgen. Als einziger Ballettschauplatz dient diesmal das Obere Belvedere. Hier das Programm:

Johann Strauss Jun. / Josef StraussVaterländischer Marsch … Interessant. Das Neujahrkonzert eröffnet mit einem gemeinsamen Werk von Schani und Pepi aus dem jahr 1859. Der Marsch ist durchsetzt mit Zitaten patriotischer Kompositionen. Dazu gehören Auszüge aus dem Radetzky-Marsch, dem Rakoczy-Marsch und auch der Österreichischen Hymne. Der Marsch war bloss eine Gelegenheitskomposition und geriet schnell in Vergessenheit. Toll, dass er im Rahmen des Neujahrskonzerts wieder zum Leben erweckt wird.

Johann Strauss Jun.Rathausball-Tänze (Walzer, op. 438) … Ein Spätwerk des Meisters von 1890 steht an zweiter Stelle. Geschrieben wurde der Walzer anlässlich der Eröffnung des grossen Festsaals im neuen Wiener Rathaus am 12. Februar. Der Walzer zitiert teils Themen aus dem Donauwalzer. Am selben Abend führte sein Bruder Eduard die Polka „Das tanzende Wien“ auf, und Carl Michael Ziehrer spielte seinen Walzer „Wiener Bürger“. An diesem Ball war der heimliche Strauss-Rivale Ziehrer für einmal der Erfolgreichere. Sein Walzer übertrifft die Rathausball-Tänze um ein Vielfaches an Berühmtheit (siehe weiter unten). Während des Spiels werden im TV Bilder des grössten Rathauses der Welt eingeblendet.

Johann Strauss Jun.Entweder oder! (Schnellpolka, op. 403) … Eine reizende kleine Polka aus der Operette „Der lustige Krieg„. Kaum bekannt, daher eine besonders schöne Wahl.

Johann Strauss Jun.Tritsch-Tratsch-Polka (op. 214) … Eine der bekanntesten Polkas überhaupt. Als Strauss 1858 in Russland weilte, tratschte man in Wien allerhand. Strauss hätte wohl Affären in Russland, sei dort verlobt oder gar verheiratet. Das Gerede wurde in der humoristischen Zeitschrift Tritsch-Tratsch veröffentlicht. Strauss machte sich mit dieser Polka über das Gequatsche der Wiener lustig. Die Uraufführung erfolgte am 24. November 1858 im Grossen Zeisig unterhalb von St. Ulrich am Spittelberg. Der Grosse Zeisig war damals eines der populärsten Tanz-Gasthäuser Wiens. Die Wiener Sängerknaben sind bei diesem Stück zungenbrecherisch mit von der Partie.

Carl Michael ZiehrerWiener Bürger (Walzer, op. 419) … So! Hat man mich denn nun endlich erhört? Trägt mein Rufen und Bitten nach Würdigung des grossen Ziehrers an einem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker nun endlich doch noch Früchte? Ich kann meiner Freude in Worten kaum Ausdruck verleihen. Ziehrer, dessen Walzer, Lieder und Märsche an Erhabenheit, an Charme, Liebreiz und Poesie viele Strauss-Werke weit übertreffen, kommt nach vielen Jahren endlich wieder zum Zuge. Dass ein derart begnadeter Komponist wie Ziehrer bis heute kaum anerkannt, kaum beachtet worden ist, da nach wie vor im Schatten Strauss‘, ist nicht in Ordnung! Dank engagierter Leute wie Hans Schadenbauer, Max Schönherr oder auch der Ziehrer-Stiftung kommen Ziehrers Werke nach und nach wieder ins Bewusstsein von Menschen mit wirklich gutem Musikgeschmack.

Johann Strauss Jun.Albion-Polka (op. 102) … Wie schön, ein eher frühes und minder bekanntes Strauss-Werk aus dem Jahr 1851. Die Polka wurde bereits am Neujahrskonzert 2000 gespielt. Sie ist nicht spektakulär, doch in ihrer Einfachheit durchaus reizend.

Josef StraussJockey-Polka (op. 278) … Hier begegnet uns wieder etwas Bekannteres. Die kurze rasante Polka bringt Stimmung in den Saal. Sie widerspiegelt Pepis Liebe zum Pferdesport. Die Uraufführung fand am 17. Februar 1870 in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft statt – mit riesigem Erfolg.

PAUSE (Japanische Schulmädchen und so fliegen durch die Luft)

Joseph Hellmesberger Jun.Teufelstanz … Schon wieder Hellmesberger? Was hat der, was Ziehrer nicht hat? Hatten wir den Teufelstanz nicht unlängst bereits an einem Neujahrskonzert? Na, warum nicht. Trotzdem eine nette Abwechslung. Und Hellmesberger ist einer der weniger bekannten Wiener, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Josef StraussKünstler-Gruss (Polka, op. 274) … Diese Polka hat im Rahmen des Neujahrskonzerts eine symbolische Bedeutung. Am ersten Konzert der Strauss-Brüder  im Januar 1870  im neu eröffneten Musikverein stand sie als erstes Werk auf der Liste.

Johann Strauss Jun.Freut euch des Lebens (Walzer, op. 340) … Auch dieses Werk wurde für die Eröffnung des Musikvereinsgebäudes geschrieben. Bereits am Neujahrskonzert 2008 aufgeführt, aber immer wieder herrlich zu hören. Wunderbares Hauptthema. Zu diesem Walzer tanzt das Ballett durch die Räume des Oberen Belvedere.

Johann Strauss VaterSperl-Galopp (op.42) … Zum Glück ist Papa Strauss auch vertreten. Die rasante Galoppe widmete Strauss dem berühmten Etablissement Sperl in der Leopoldstadt, an welches heute nur noch die Sperlgasse erinnert. Der riesige Ballsaal gehörte zu den beliebtesten Vergnügungsstätten Alt-Wiens.

Hans Christian LumbyeKopenhagen-Eisenbahn-Galopp … Ah wie schön! Auch dieses Jahr dachte man an den sympathischen Dänen. Lumbye schrieb diese Galoppe anlässlich der Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie von Kopenhagen nach Roskilde, die erste Bahnstrecke Dänemarks. Sie wurde am 18. Juni 1847 feierlich in Betrieb genommen. Die Galoppe erklingt im Hinblick auf die EU-Ratspräseidentschaft Dänemarks, welche am 1. Jänner 2012 beginnt. Ein aktueller Bezug also.

Josef StraussFeuerfest (Polka, op. 269) … Der Industrielle Franz von Wertheim fertigte feuerfeste Tresoren an, machte damit ein enormes Vermögen und baute sich am Schwarzenbergplatz ein stattliches Palais. Anlässlich der Produktion des 20’000. Tresors um 1869 organisierte Wertheim ein rauschendes Fest. Eigens dafür komponierte Josef Strauss diese nette Polka. Am Konzert wirken die Wiener Sängerknaben bei dieser Polka mit.

Eduard StraussCarmen-Quadrille (op. 134) … Eduards Bruder Josef war ein besonderer Spezialist darin, Opern, die in Wien zur Erstaufführung kamen, in eine Quadrille zu verpacken. George Bizets Carmen hat sich jedoch der schöne Edi angenommen. Aus den bekanntesten Melodien der Oper hat Eduard Strauss diese Quadrille geformt.

• Peter Tschaikowsky – Panorama und Walzer aus „Dornröschen“… Nanu, Tschaikowsky an einem Neujahrskonzert? Es ist weder ein Geburts- noch ein Todestag des Komponisten. Na, spätestens am Konzert werden wir den Grund für diese Wahl erfahren. Jedenfalls ist das Panorama eine sehr gefühlvolle und verträumte Abwechslung zum bisherigen, lebhaften Prgramm. Und der folgende Walzer beschwingt dann von Neuem. Trotzdem: Meiner Meinung nach hat Tschaikowsky ohne einen speziellen Anlass nichts verloren an einem Neujahrskonzert in Wien.

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Pizzicato Polka, Originalpartitur

Johann Strauss Jun. / Josef StraussPizzicato-Polka … Von mehreren Pizzicato-Polkas kommt hiermit Johanns und Josefs Gemeinschaftswerk zur Aufführung. Oft wird die Polka Johann allein zugeschrieben. (Nicht zu verwechseln mit der „Neuen Pizzicato-Polka“, op. 449 von Johann Strauss Jun.)

Johann Strauss Jun.Persischer Marsch (op. 289) … Strauss war nie in Persien, aber trotzdem schrieb er diese Hommage an den Osten und führte sie erstmals im Frühsommer 1864 in St. Petersburg auf. Die Wiener Uraufführung erfolgte im Oktober selben Jahres.

Josef StraussBrennende Liebe (Mazurka, op. 129) … Pepi hat oft Gemütszustände und Gefühlsempfinden in seine Kompositionen einfliessen lassen. Mit seiner Frau Caroline verband ihn eine innige Liebe. In dieser Mazurka drückt er diese besonders gefühlvoll aus. Auch hier kommt eine live Balletteinlage aus dem Oberen Belvedere. Passend dazu orientiert sich die Choreographie des Pas de Deux von Davide Bombana am weltberühmten Gemälde „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Der Maler feiert 2012 seinen 150. Geburtstag.

Josef StraussDelirien (Walzer, op. 212) … Ein ganz tolles, gross angelegtes Werk des Pepi Strauss. Uraufgeführt in der Karnevalssaison von 1867.

Johann Strauss Jun.Unter Donner und Blitz (Polka, op. 324) … Diese äusserst lebhafte Polka war schon mehrmals vertreten an den Neujahrskonzerten. Immer wieder eine gute Wahl. Ursprünglich hiess diese Komposition „Sternschnuppe“ (Uraufführung am 16. Februar 1868 im Dianasaal). Doch für das Phänomen einer Sternschnuppe war die Polka dann doch etwas zu geräuschvoll und grollend. Daher der passendere neue Titel.

Johann Strauss Jun.Tik-Tak-Polka (op. 365) … Die Polka, an eine Uhr erinnert (wie der Name schon verrät), ist Teil der Operette „Die Fledermaus“ und von daher bestens bekannt.

• Der Donauwalzer (das Ballett tanzt zum dritten mal im Oberen Belvedere) und der Radetzky-Marsch werden wie immer das Spektakel ausklingen lassen.

Fazit: Wie letztes Jahr schon ein überraschend diversifiziertes Programm! Erneut wird eine Fülle an weniger bekannten Werken präsentiert. Der absolute Höhepunkt für mich ist auf jeden Fall der Walzer von Carl Michael Ziehrer. Dass der wienerischste aller Walzerkomponisten endlich wieder mal einen Platz im Programm eines Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker findet, freut mich ungemein! Das absolute Non-Plus-Ultra wäre gewesen, wenn Joseph Lanner auch noch vertreten gewesen wäre. Schade, erklingt von ihm dieses Mal nichts. Aber man darf sich mit gutem Grund riesig freuen auf das Konzert am 1. Januar um 11.15 Uhr.

Der Musikverein, Wien

Der Musikverein, Wien


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