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Man kann es einfach nicht leugnen: Das Café Savoy im Palais Léon-Wernburg an der linken Wienzeile ist fürs Auge eines der spektakulärsten Kaffeehäuser Wiens. 2009 wurde das traditionelle Lokal umfassend aufgefrischt, nachdem es reichlich angestaubt geworden und an vielen Stellen zerschlissen war. Was die Verantwortlichen damals vollbracht haben: Das Gesicht des Cafés ist dabei völlig unverändert geblieben, während andere Traditionslokale meist einen grossen Teil ihrer Patina einbüssen, wenn sie renoviert werden.

Jüngst ist das Savoy auf Seite Wienzeile um einen ganzen Raum mit „Loge“ erweitert worden. Und auch hier ist dasselbe gelungen wie schon 2009: Es sieht aus, als wäre es schon immer so gewesen. Der zusätzliche Raum ist stilistisch dem bisherigen Café so geschickt angepasst, dass man kaum erkennt, dass alles neu ist. Und der prächtige Luster, welcher bis 2009 beim Eingang gehangen hatte, hat einen neuen Plaz gefunden. Tolle Arbeit.

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Blick aus dem erweiterten Teil hinüber ins „alte“ Café Savoy

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Kaum ist der letzte Ton des vergangenen Neujahrskonzerts verklungen, so steht schon die nächste Ausgabe vor der Tür. Zumindest so der Eindruck – schnelllebige Zeit. Beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2020 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins steht mit Andris Nelsons (*1978) ein verhältnismässig sehr junger Dirigent am Pult. Der Lette leitet das Leipziger Gewandhausorchester und ist Direktor des Boston Symphony Orchestra.

Nelsons beweist einen recht guten Geschmack, was die Stückwahl betrifft: Mit Carl Michael Ziehrer, Hans Christian Lumbye und Franz von Suppé kommen heuer wieder drei für die U-Musik des 19. Jahrhunderts wichtige, zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratene Komponisten zum Zug. Schön auch, dass Eduard Strauss gleich mit zwei Stücken vertreten ist.

Und anlässlich seines 250. Geburtstages findet diesmal Ludwig van Beethoven als „Exot“ Niederschlag im Programm. Schade, dass Joseph Lanner auch heuer wieder aussen vor bleibt. Es hat einige Novitäten im Programm, das recht ausgeglichen daherkommt.

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Am Neujahrskonzert 2020 werden gespielt:

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1. Carl Michael Ziehrer – Ouvertüre zur Operette „Die Landstreicher

Wienerischer könnte das Programm nicht beginnen, tolle Wahl! „Die Landstreicher“ war Ziehrers erfolgreichste Operette, das ganze Stück strotzt nur so von Melodienreichtum, der sich bereits in der Ouvertüre so richtig entfaltet. Die Erstaufführung der Operette erfolgte am 29. Juni 1899 im Sommertheater „Venedig in Wien“ unter persönlicher Leitung Ziehrers. Im „Extrablatt“ stand unter anderem zu lesen: „…wienerisch ist die Operette vom Anfang bis zum Ende, und sie hat schon gestern im Sturm die Sympathien und den immer mit neuer Macht losbrechenden Beifall errungen. Ziehrer hat aber auch zur Durchführung seiner flotten Musik die entsprechenden Kräfte gefunden.“

2. Josef Strauss – Liebesgrüsse; Walzer op. 56

Mit beschwingter, lebensbejahender Tonmalerei à la Pepi gehts weiter. Der vergleichsweise einfach gehaltene, aber sehr gefällige Walzer wird zum ersten Mal im Rahmen eines Neujahrskonzertes gespielt. Er wurde am 1. Juni 1858 im Volksgarten zum im Zuge eines Festes mit Feuerwerk uraufgeführt. Zeitungsberichten zufolge verlangte das Publikum nach mehrmaliger Wiederholung der „Liebesgrüsse“. Über ein Jahr lang blieb das Werk im regelmässigen Repertoire der Strauss-Kapelle. Und auch später erklang der Walzer bei Gelegenheit immer mal wieder.

3. Josef Strauss – Liechtenstein-Marsch; op. 36

Man bleibt beim selben Komponisten. Dieser lebendige Marsch aus seiner frühen Schaffensphase hat Josef Strauss anno 1857 für eine Landwirtschaftsausstellung in Ungers Casino in Hernals geschrieben. Gewidmet ist das Stück dem Prinzen August Liechtenstein, welcher der organisierenden Gesellschaft vorstand. Die Ausstellung fand anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gesellschaft statt.

4. Johann Strauss (Sohn) – Blumenfest-Polka; op. 111

Ähnliche Hintergründe wie das vorige Stück hat auch die Blumenfest-Polka von Pepis Bruder Johann. Die kurze, neckische Polka hat er im Jahre 1852 geschrieben für ein vom Kaiserhof organisiertes Blumenfest im Glashausgarten, dem heutigen Burggarten. Die Uraufführung jedoch erfolgte bereits einige Tage zuvor an einem Frühlingsfest im Volksgarten anlässlich des Namenstages von Erzherzogin Sophie.

5. Johann Strauss (Sohn) – Wo die Citronen blüh’n; Walzer op. 364

Opus 364 gehört zweifelsohne zu den bezauberndsten und allerschönsten Geniestreichen Johanns, und er ist immer ein Höhepunkt in einem Neujahrskonzert-Programm. Komponiert anlässlich einer Italien-Reise anno 1874, nannte Strauss sein Werk vorerst „Bella Italia“ und führte es im Mai besagten Jahres in Turin zum ersten Mal auf. Später änderte Strauss den Titel. Der sagenhafte Melodienreichtum dieses Walzers ist eine wundervolle Hommage an das Land, wo die Zitronen blühen.

6. Eduard Strauss – Knall und Fall; Polka op. 132

Der Titel verspricht bereits, was die Polka beinhaltet: ein temporeiches kleines musikalisches Feuerwerk aus dem Jahre 1855. Und das ist es auch, mit viel Witz und Charme vertont Edi das „Schlagartige“, „Unverhoffte“, „Plötzliche“ und beendet damit den ersten Konzertteil.

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—— PAUSE ——

(25-minütiger Pausenfilm über Ludwig van Beethoven anlässlich dessen 250. Geburtstages)

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7. Franz von Suppé – Ouvertüre zu „Leichte Kavallerie“

Es ist ein Jammer, dass die Suppé-Operetten (fast) alle vergessen sind. Immerhin haben die meisten Ouvertüren die Zeit überdauert und werden heute noch immer gespielt. Diese hier ist mit Abstand die bekannteste von ihnen. Eine nette Wahl für dieses Programm und eine würdige Eröffnung des zweiten Konzertteils mit hellen Fanfarenstössen. 1866 wurde die Operette in Wien uraufgeführt.

8. Josef Strauss – Cupido; Polka op. 81

Diese reizende, aber unspektakuläre Polka war eine von mehreren Nummern, die Josef Strauss während der Faschingszeit 1860 komponiert hat. Sie befand sich unter den Darbietungen am Künstlerball vom 22. Februar genannten Jahres im Etablissement Sperl. Der Titel insinuiert eine Reminiszenz an die süsse Begierde, respektive an den Liebesgott Amor. Die Platzierung ist wohlgwählt, zumal die Polka zu einem anspruchvollen sinfonischen Meisterwerk von Bruder Johann überleitet.

9. Johann Strauss (Sohn) – Seid umschlungen, Millionen; Walzer op. 443

Dieser sehr melodiöse, wundervolle Konzertwalzer mit seinem ungmein verträumten Hauptthema ist allein insofern eine Besonderheit, als er dem grossen Johannes Brahms (1833-1897) gewidmet ist, einem von Strauss‘ prominentesten Bewunderern. Nach einigem Hin und Her, wo und wann der Walzer zum ersten Mal gespielt werden sollte, erklang er schliesslich am 27. März 1892 genau da, wo wir ihn jetzt hören – im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, damals interpretiert von Eduard Strauss‘ Kapelle, von dem denn auch das nächste Stück stammt.

10. Eduard Strauss – Eisblume; Mazurka op. 55

Endlich erleben wir Eduard Strauss im Rahmen eines Neujahrskonzertes einmal im Dreivierteltakt – auch wenn es nicht ein Walzer, sondern „nur“ eine gemächliche Mazurka ist. „Eisblume“ mit einem lieblichen Hauptthema in Moll hat Eduard anlässlich der Eröffnung des Wiener Musikvereins im Jänner 1870 geschrieben. Die Inbetriebnahme des neuen Gebäudes von Theophil Hansen erfolgte am 6. Jänner, der grosse Eröffnungsball mit den Widmungskompositionen stieg am 13. Jänner. Kam „Eisblume“ von Eduard Strauss, so steuerte Johann den Walzer „Freut euch des Lebens“ und Josef die Polka „Künstler-Gruss“ bei. Auf der Titelseite der Notenpartitur von „Eisblume“ ist explizit vermerkt: „zum Eröffnungsballe“.

11. Joseph Hellmesberger (Jun.) – Gavotte

Es ist mir ja ein grosses Anliegen, dass auch die weniger bekannten Wiener an den Neujahrskonzerten zum Zug kommen. Aber warum die beiden Hellmesbergers in den vergangenen Jahren einen fixen Platz im Programm gepachtet zu haben scheinen, dünkt mich nun doch etwas merkwürdig, zumal es noch viele andere vergessene Komponisten gibt, die neue Aufmerksamkeit verdienten. Wie auch immer, an der Musik der Hellmesbergers gibt’s nicht auszusetzen. Die nicht näher definierte Gavotte knüpft stimmungsmässig an die vorherige Nummer an und funktioniert als beschauliches, nicht typisch wienerisches Intermezzo.

12. Hans Christian Lumbye – Postillon-Galopp; op. 16

Wienerischer als Hellmesberger gibt sich der „Strauss des Nordens“ mit dieser rasanten Galoppe. Schön, dass der Däne erneut einen Platz im Programm findet. Nächstes Mal bitte mit einem Walzer!

13. Ludwig van Beethoven – Zwölf Contretänze“; WoO 14

Dass mit Beethoven einer der Hauptvertreter der Wiener Klassik Eingang ins Programm findet, ist stilistisch selbstverständlich absolut abwegig. Aber da der Komponist 2020 seinen 250. Geburtstag feiert, liegt der Grund für die Wahl auf der Hand. Schliesslich handelte bereits der Pausenfilm von Beethoven.

14. Johann Strauss (Sohn) – Freuet euch des Lebens; Walzer op. 340

Nach „Eisblume“ hören wir nun eine weitere der damaligen Widmungskompositionen für den Eröffnungsball des Wiener Musikvereins. Strauss geht etwas fulminanter ans Werk als Eduard, so eröffnet das Intro mit festlichen Paukenschlägen. Warum der Walzer nach seiner Uraufführung ziemlich schnell der Vergessenheit anheim geraten ist, bleibt ein Rätsel, zumal er sich qualitativ von vielen anderen Strauss-Walzern abhebt. Immerhin hört man den Walzer heutzutage immer mal wieder. Eine schöne Wahl.

15. Johann Strauss (Sohn) – Tritsch-Tratsch-Polka; op. 214

Weniger einfallsreich ist diese Nummer, obschon die Polka aus dem Jahre 1858 stets ein Gute-Laune-Garant ist und das Publikum mitreisst. Aber irgendwie ist das Stück gerade wegen seiner Popularität alles andere als eine Überraschung auf dem Programm eines Neujahrskonzerts. Hier hätte sich etwas Anderes besser gemacht.

16. Josef Strauss – Dynamiden; Walzer op. 173

Viel spannender ist dieser Walzer, mit dem das offizielle Programm seinen Schluss findet, auch wenn das Stück erst gerade noch 2014 unter Daniel Barenboim gespielt worden ist. Die Dynamiden – „geheime Anziehungskräfte“ – sind eine Anreihung bezaubernder Walzermelodien, für die Josef Strauss hörbar aus dem Vollen geschöpft hat. Es war das Widmungswerk für den Industriellenball in den Redoutensälen und wurde da am 30. Januar 1865 uraufgeführt.

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Es folgt nach der ersten Zugabe („Im Fluge“; Polka op. 230 von Josef Strauss) und dem traditionellen Neujahrsgruss der Walzer „An der schönen blauen Donau“ sowie der Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater). Letzterer erfährt in diesem Jahr eine Premiere: Der Marsch wird erstmals in einem Neuarrangement gespielt. Der Grund: Die bisherige Version stammt von Leopold Weininger (1879-1940). Der deutsch-österreichische Musiker war Antisemit sowie überzeugtes Mitglied der NSDAP und bearbeitete fleissig NS-Liedgut. Nun haben sich die Wiener Philharmoniker entschieden, das Arrangement des Radetzky-Marsches mit so unrühmlich braunem Hintergrund nicht mehr zu verwenden. Ein Zug, der schon lange überfällig war…

Was schon feststeht: Das Neuhajrskonzert 2021 wird dirigiert von keinem Geringeren als Riccardo Muti.

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Ein Beitrag aus der «Luzerner Zeitung»vom 29. Juli 2016. Autor: Andreas Faessler

 

Kaum einer wird heute mit dem Venedig des 18. Jahrhunderts so eng in Verbindung gebracht wie Antonio Vivaldi. Das kulturelle Geschehen in der Lagunenstadt drehte sich zu seinen Lebzeiten förmlich um den Genius – es war überdies eine Epoche, in der teils groteske gesellschaftliche Zustände herrschten. Und Vivaldi stand irgendwie immer mittendrin. Am 28. Juli 1741 starb der illustre Musiker. Allerdings nicht etwa in Venedig, sondern in Wien. Eine verhältnismässig kurze Episode in Vivaldis Leben hat zahlreiche Überlieferungen und Anekdoten hervorgebracht, welche die Biografie des Komponisten auf zuweilen amüsante Weise anreichern.

Zum Zeitpunkt von Antonio Vivaldis Geburt am 4. März 1678 trieb das ausschweifende, luxusverwöhnte Leben der reichen Venezianer ebenso eigenartige Blüten wie die  katholische Kirche in der «Serenissima». Nirgends gab es seinerzeit ein so grosses Angebot an Geistlichen wie in Venedig. Statistisch gesehen – so ist überliefert – war jeder 31. Venezianer ein Priester. Dass dies in der vergnügungssüchtigen Stadt aber kaum für eine ausserordentlich hohe Qualität des kirchlichen Lebens sprach, verwundert kaum, denn auch so manch Vertreter des oberen Klerus entsagte dem pompösen Unterhaltungsangebot in der Lagunenstadt nicht. Trotzdem bestand Antonio Vivaldis Vater darauf, dass sein Sohn die kirchliche Laufbahn einschlagen soll, obwohl der kleine Antonio für den Vater, der Berufsmusiker war, bei Auftritten oft als Vertreter  einspringen musste. Antonio hatte schon sehr früh begonnen, Violine zu spielen, und bewies dabei schnell eine aussergewöhnliche Begabung. Kurzum: Papa Vivaldi legte seinem Jungen die Musik faktisch in die Wiege.

«Il Prete Rosso»

Der Wille des geschätzten Vaters aber hatte selbstverständlich Gültigkeit: Antonio empfing bereits im Alter von 15 Jahren die ersten niederen Weihen. Mit
18 Jahren folgte die erste höhere Weihe zum Subdiakon, bald zum Diakon. Seine anschliessende Ausbildung zum Priester erfolgte primär in der Praxis an zwei venezianischen Pfarreien. 1703 wurde Vivaldi im Alter von 25 Jahren zum Priester geweiht. An Santa Maria della Pietà wirkte er als Kaplan – einer von Hunderten in Venedig. Als Priester genoss Vivaldi unter all den anderen allerdings insofern einen gewissen Bekanntheitsgrad, als er mit seinem feuerroten Haupthaar stark aus der Masse hervorstach. Stadtweit kannte man ihn als «Il Prete Rosso» – der rote Priester.
Vivaldis Biografie lässt allerdings den Rückschluss zu, dass er sein Amt als
Geistlicher mit wenig Ehrgeiz ausübte, geschweige denn eine kirchliche Karriere anstrebte. Später wird Vivaldi in einem Brief schreiben, dass es für ihn
aus gesundheitlichen Gründen jeweils ein Kraftakt gewesen sei, eine ganze
Messe abzuhalten. Zeitzeugen hielten fest, dass Vivaldi manchmal sogar mitten in der Messe den Altarraum verliess und sich in die Sakristei zurückzog oder
den Gottesdienst ganz abbrach. Schnell machten Gerüchte die Runde, dem
roten Priester sei wohl einfach die Lust am Zeremoniell vergangen, weil er
anderes im Kopf hatte.

Der Abtrünnige

Diese Mutmassungen waren alles andere als abwegig. Denn Vivaldi war am angegliederten Ospedale della Pietà, Mädchenwaisenhaus und Musikschule zugleich, Violinlehrer. Dieses Amt übte er freilich mit mehr Enthusiasmus und Energie aus. Nach weniger als zwei Jahren seit der Priesterweihe quittierte Vivaldi seine kirchliche Laufbahn und widmete sich gänzlich seinem Dasein als Musiker – Vivaldis wahrer Berufung. Er blieb am Ospedale della Pietà, um später das dortige Mädchenorchester zu leiten. Es dauerte nicht lange, verbreiteten böse Zungen böse Geschichten über Liebschaften und gar zügellose Hurerei des einstigen Priesters. Weltliche Gelüste und der Umgang mit dem anderen Geschlecht seien ihm wohl wichtiger als einst der keusche Dienst am Herrn. Es tat Vivaldis steigender Bekanntheit aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Der Komponist erwuchs schnell in einer ungeheuren Schaffenskraft, lieferte Orchesterwerke sowie Opern am Band und übte gar Einfluss auf das evangelische Bach-Imperium nördlich der Alpen aus.

Tod in Wien

Als nach Jahren intensiven musikalischen Wirkens die Nachfrage nach dem
Stil Vivaldis sank, verliess er 1740 seine italienische Heimat, um in der Kulturhochburg Wien sein Glück zu versuchen. Doch scheiterte er in der Kaiserstadt kläglich, verarmte sehr schnell und starb dort als gebrochener, vergessener Mann. Dieses Schicksal wäre dem «abtrünnigen roten Priester» vermutlich erspart geblieben, hätte er die ihm zugedachte Laufbahn gewissenhaft verfolgt. Sein Vermächtnis aber ist dafür umso wertvoller und grandioser, gilt Antonio Vivaldi seit seiner Wiederentdeckung doch als einer der beliebtesten und meistinterpretierten Komponisten des Barock.
Seit 2001 erinnert am Rooseveltplatz in Wien neben der Votivkirche ein von
Gianni Arco entworfenes Denkmal an den venezianischen Meister und einstigen ambitionslosen Pfarrer.

unbenanntMedaillon am Vivaldi-Denkmal in Wien

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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017 wartet mit einer Neuheit auf – Dirigent Gustavo Dudamel gibt sein Neujahrskonzert-Debut, und er ist mit seinen 35 Jahren der jüngste, welcher am 1. Jänner im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins je den Takt angab. Man darf gespannt sein, auch wenn Eduard Strauss und Joseph Lanner dieses Jahr fehlen. Das Programm ist ungewöhnlich, wirft vor allem zu Beginn Fragen auf, enthält aber viele rare Perlen. Vielleicht für einmal sogar  zu viele… Es fehlen ein zwei Standard-Strauss-Walzer, weshalb heuer die Gefahr besteht, dass einem grossen Teil des Publikums der punktuelle Wiedererkennungswert fehlt.
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Am Neujahrskonzert 2017 werden gespielt:

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1. Franz LehàrNechledil Marsch aus „Wiener Frauen“

Bereits das letztjährige Neujahrskonzert wurde mit einem Marsch eines Vertreters der Silbernen Ära der Wiener U-Musik eröffnet. Macht das jetzt Schule? Es ist schön und gut, wenn Unbekanntes seinen Platz hat im Programm, doch mit etwas Vertrautem zu Beginn holt man das Publikum mit Sicherheit besser ab. Abgesehen davon ist der Nechledil Marsch alles andere als ein kompositorisches Meisterstück. Er passt ins Repertoire einer Dorf-Blaskapelle, aber gehört nicht an den Anfang des berühmtesten Konzerts der Welt. Dieser Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“ ist ein Frühwerk Lehárs und verfügt bei Weitem nicht über die Qualitäten dessen späteren Schaffens.

 

2. Èmile WaldteufelLes Patineurs; Walzer op. 183

Auch die zweite Nummer im Programm erstaunt mich. Der grosse Waldteufel wurde seit Anbeginn der Neujahrskonzerte nie beachtet – bis 2016. Und jetzt ist er gleich wieder im Programm?  Selbstverständlich freut mich das riesig, er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Es ist jedoch eine weitere unerwarete, und daher an dieser Stelle etwas befremdlich wirkende Parallele zum letztjährigen Konzert. Heuer ist Waldteufel mit den „Schlittschuhäufern“ vertreten, seiner bedeutendsten Komposition, einer der berühmtesten Walzer aller Zeiten. Er wird zigtausendfache Aha-Erlebnisse hervorrufen, denn nur wenige kennen den Meister hinter dem unverkennbaren Walzer. Waldteufels Opus 183 stammt aus dem Jahre 1882 und ist dem Schauspieler Ernest Coquelin gewidmet. Er ist ein Meisterwerk, wunscherschön, mitreissend und eingängig. Diese Wahl hätte allerdings seinen Platz später im Programm kriegen sollen. Der Überraschungseffekt wäre so viel grösser.

 

3. Johann Strauss (Sohn)S’gibt nur a Kaiserstadt, s’gibt nur a Wien; Polka op. 291

Eine der besonders beliebten und reizvollen Polkas von Strauss Sohn, oft gespielt, immer erheiternd. Vor allem der Mittelteil ist an Liebreiz kaum zu übertreffen. Im Oktober 1864 führte Johann Strauss diese Polka erstmals auf, als er im Russischen Pawlowsk weilte. Den Titel entlehnte Strauss einem Duett aus dem Singspiel „Aline“ von Adolf Bäuerle, in dem es im Refrain heisst „Ja nur ein‘ Kaiserstadt, ja nur ein Wien“. Diese Phrase wurde zu einer populären Parole im Wiener Volksmund. Strauss‘ Opus 291 existiert ferner auch als Lied unter dem Namen „Wienerwaldlerchen“.

 

4. Josef StraussWinterlust; Polka op. 121

Eine heute sehr selten gespielte, amüsante und lebendige Polka. Vermutlich wurde sie erstmals am Strauss-Ball vom 3. März 1862 im Diana-Saal aufgeführt. Die Schnellpolka imitiert in ihrem Hauptthema eine flotte Schlittenfahrt durch eine reizende Winterlandschaft. Über die Nachwirkung ist wenig bekannt, vermutlich verschwand die Polka bald in den Archiven und ging vergessen. Schön, dass sie hier in neuer Frische erklingt.

 

5. Johann Strauss (Sohn)Mephistos Höllenrufe; Walzer op. 101

Dieser anmutige, berauschende Walzer mit dem furiosen Intro war auch 1995 im Programm des Neujahrskonzerts unter Zubin Mehta. Strauss dürfte in Hochform gewesen sein, als er die Höllenrufe komponierte. Er schrieb sie für ein „Festival mit Feuerwerk und Musik“ im Volksgarten am 12. Oktober 1851. Das Konzert an diesem wundervollen Herbsttag war mit über 3000 Besuchern vollkommen ausverkauft. Der Walzer wurde begeistert aufgenommen und musste dreimal wiederholt werden. Das Spannende an diesem Walzer ist, dass er als Frühwerk von Strauss teils noch die Charakteristik der Altwiener-Musik aufweist, jedoch bereits gepaart ist mit der typischen Schani-Handschrift, was die Entwicklung des Wiener Walzers durch Strauss Sohn deutlich aufzeigt.



6. Johann Strauss (Sohn)So ängstlich sind wir nicht!; Polka op. 413

Es ist schön, dass wir hier das Konzertstück hören, das unter anderem auf dem berühmten gleichnamige Couplet aus dem 2. Akt der Operette „Eine Nacht in Venedig“ basiert, denn man kennt die Melodie an sich nur gesungen von den Frauen des Senators. Diese Polka war eines von sechs Exzerpten der Operette, welche Strauss nachträglich als Orchesterstück arrangierte. Die Polka wurde in der Karnevalszeit von 1884 vielfach aufgeführt.

 

—— PAUSE ——

 

7. Franz von SuppéOuvertüre zu „Pique Dame“

Franz, der Vater der Goldenen Wiener Operette und Meister der Ouvertüren, kommt hier zu Ehren. Sehr sympathisch. Viele seiner Ouvertüren, wie auch diejenige zur Operette „Pique Dame“, sind phänomenal aufgebaut und entfalten in ihrem Verlauf einen ungeheuren Charme. Diese Komposition wäre die bessere Wahl für den Auftakt des Konzerts gewesen, ist aber am Beginn des zweiten Teils auch gut platziert. „Pique Dame“ aus dem Jahre 1864 ist heute ein weitgehend vergessenes Bühnenwerk, aber die Ouvertüre ist umso populärer.

 

8. Carl Michael ZiehrerHerrreinspaziert!; Walzer op. 518

Die Verantwortlichen haben scheinbar begriffen, dass ein Zieher regelmässig ins Wiener Neujahrskonzert gehört. Das freut mich wahnsinnig! Mit Opus 518 kommen wir in den Genuss eines der bekanntesten Ziehrer-Walzer, der zu Recht auch heute noch immer wieder aufgeführt wird. Und wenn ihm die Wiener Philharmoniker jetzt noch zusätzliche Popularität verleihen – umso schöner. Danke! Der Walzer zitiert Motive aus der weitgehend vergessenen Operette „Der Schätzmeister“. 1904 im Wiener Carltheater uraufgeführt, haben sich immerhin einige Höhepunkte daraus erhalten und sind mittlerweile neu eingespielt und publiziert worden. Das Lied „Herrreinspaziert“, nach welchen der Walzer benannt ist, gehört dazu.

 

9. Otto Nicolai – „Mondaufgang“ aus der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“

Der gebürtige Ostpreusse ist der „Exot“ im diesjährigen Programm. Warum er gespielt wird, liegt auf der Hand, und das hat durchaus seine Berechtigung: Nicolai ist faktisch der Gründer der Wiener Philharmoniker. Am 28. März 1842 dirigierte er in der Hofburg das erste Konzert des Orchesters, welches unter der Bezeichnung „Wiener Philharmoiker“ zum bedeutendsten Orchester der Welt werden sollte. Mit dem träumerisch-verklärenden „Mondaufgang“ aus dem 3. Akt von Niolais bekanntester Oper wirds sphärisch und besinnlich im Goldenen Saal. Es singt dazu der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

 

10. Johann Strauss (Sohn)Pepita-Polka; op. 138

Diese kleine, neckische Polka widmete Strauss der gefeierten Spanischen Tänzerin Pepita d’Oliva (1834-1868), welche im Sommer 1853 im Carltheater auftrat. Das Publikum war so verzaubert von ihr, dass es in der Folge mehrere „Olé“- und „Pepita-Feste“ in Wien gab. Strauss lässt hier spanische Harmonien einfliessen. Eine selten gehörte Komposition von Strauss Junior. Schöne Wahl.

 

11. Johann Strauss (Sohn)Rotunde-Quadrille; op. 360

Und gleich nochmal eine fast vergessene Trouvaille aus dem Oeuvre von Strauss Junior. Hinter dem Titel steckt eine Reihe an Pleiten, Pech und Pannen. Er bezieht sich auf die Weltausstellung von 1873, welche unter einem schlechten Stern stand. Wetterpech, der grosse Börsenkrach, fehlende Besucher, eine Choleraepidemie… der Grossanlass endete schliesslich in einem finanziellen Desaster. Die architektonische Hauptattrakation der Weltausstellung war die so genannte Rotunde, ein gigantischer Rundbau mit 108 Metern Durchmesser und einer Höhe von 84 Metern, ausgeführt mit der allerneusten Technik und umgeben von einer Vielzahl an Ausstellungspavillons. Strauss war nicht sehr erpicht, sich im Rahmen dieser „schwierigen“ Weltausstellung engagiert zu zeigen. Dennoch zimmerte er aus Motiven seiner Operette „Carneval in Rom“ eine Quadrille zusammen, welche er nach dem monumentalen Rundbau benannte. Im Frühling 1873 führte Strauss sie erstmals im Prater auf. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit der Rotunde: Am 17. September 1937 brannte sie vollständig nieder. Vermutlich war die Qaudrille lange vor der Rotunde aus Augen und Sinn der Menschheit verschwunden. Umso schöner, erlebt diese rare Preziose hier eine Reinkarnation.

 

12. Johann Strauss (Sohn) – Die Extravaganten; Walzer op. 205

Da wurde offenbar tief in der Kiste mit selten aufgeführten Strauss-Werken gegraben. Opus 205 hört man heutzutage kaum noch. Mit dem Titel drückt Strauss die „extravaganten“ neuen Formen in den einzelnen Walzerpartien aus, welche aus damaliger Sicht sehr fortschrittlich und noch ungewohnt anmuteten. Der Walzer kam bei seiner Uraufführung am Juristenball im Januar 1858 aber sehr gut an – trotz missbilligender Kritik von Eduard Hanslick. Strauss selbst war nachweislich stolz auf sein zukunftsweisendes Werk, das mit Fanfarenstössen festlich eröffnet und bald zum ausserordentlich lebendigen Hauptthema übergeht.

 

13. Johann Strauss (Vater)Indianer-Galopp; op. 111

Die Hintergründe zu dieser flotten Galoppe sind delikat. 1839 wurde in Wien ein indisches Tanzensemble erwartet. Kaum jemand wusste überhaupt etwas über diese exotischen Gäste, weder woher genau sie kamen, noch über ihre Kultur. Als man die „Inder“ ankündigte, verbreitete sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer die Kunde, dass „Indianer“ in die Stadt kommen. Diese „Indianer“ waren flugs in aller Munde, und auch Johann Strauss Vater wusste es nicht besser und komponierte aus gegebenem Anlass die Indianer-Galoppe. Diese hat in ihrer Charakteristik aber rein gar nichts zu tun mit indischen, geschweige denn „indianischen“ Klängen, sondern erinnert eher an Musik aus der Puszta. Aber für den Reiz der Komposition ist dies völlig irrelevant. Schön, dass Strauss Vater auch heuer zum Zug kommt mit einer solchen Rarität.

 

14. Josef StraussDie Nasswalderin; Mazurka op. 267

Diese liebliche Mazurka im gemächlichen Ländler-Stil ist den damals armen Bewohnern der Nasswald-Region im Rax-Gebirge gewidmet. Um die Armut des Holzfällervolkes zu lindern, gründete der Schriftsteller August Silberstein ein Hilfswerk. Nasswalder wurden regelmässig nach Wien eingeladen. So war am 27. Februar 1869 eine Gruppe Nasswalder zu Gast im Grossen Zeisig. Da erschien Josef Strauss mit einigen Musikern und führte diese Mazurka auf. Die Gäste aus dem Rax fühlten sich geehrt. Durch den karitativen Charakter dieses Werkes hat es auch aus heutiger Sicht eine besondere Bedeutung inerhalb des Konzertprogrammes.

 

15. Johann Strauss (Sohn)Auf zum Tanze!; Polka op. 436

Eine kleine, nette Polka, wenn auch nicht besonders spektakulär. Strauss hat sie eigens für einen Ball geschrieben, den er am 3. März 1888 bei sich zu Hause in seinem Palais an der Igelgasse 4 gab. Geladen waren rund 100 Gäste mit Rang und Namen. Strauss benannte die Polka nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Ganghofer, welchem das Stück gewidmet ist. Man hört die Polka heute fast nur noch im Rahmen der posthumen Strauss-Operette „Wiener Blut„. Dort erklingt sie im dritten Akt. Schön, dass sie in diesem Rahmen hier wieder einmal als alleinstehendes Werk aufgeführt wird.

 

16. Johann Strauss (Sohn)Tausend und eine Nacht; Walzer op. 346

Es ist bemerkenswert, dass an dieser Stelle mit Opus 346 das erste und an sich einzige „Standard-Werk“ von Strauss Sohn steht. Vielen Zuhöreren dürften hier erstmals vertraute Strauss-Töne zu Ohren kommen. Wenns nur nicht zu spät ist… Es ist ein zeitlos bezaubernder Walzer mit Motiven aus der gleichnamigen Operette.

 

17. Johann Strauss (Sohn)Tik-Tak. Polka schnell, op. 365

Und zum Schluss noch ein sehr populäres Stück, die Tik-Tak Polka war 2012 zum letzten Mal Teil des Neujahrskonzerts – ebenfalls als letzte Nummer des offiziellen Programms. Strauss arrangierte einige Themen aus der Operette „Die Fledermaus“ zu dieser lebendigen Polka. Sie wurde am 11. September 1874 an einem Konzert im Volksgarten uraufgeführt.

 

18. (Zugabe) Eduard StraussMit Vergnügen. Polka schnell, op. 228

Gut, immerhin kommt der „Jubliar“ in einer Zugabe noch zu seinen verdienten Ehren. Die Polka ist eine nette kleine Perle des oft zu Unrecht vernachlässigten Strauss-Bruders.

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Wie jedes Jahr schliesst das Konzert mit „An der schönen blauen Donau“ und dem Radetzky-Marsch.

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So typisch, so beschaulich, so wienerisch ist es, das Café Raimann. Eines der Kaffeehaus-Relikte der Wiener Vorstädte mit ungemeinem Charme. Mehrmals bin ich an ihm vorbeigekommen, aber jedesmal war es zu. Es muss jeweils ein Sonntag oder ein Feiertag gewesen sein, denn das Raimann ist von Montag bis Samstag täglich geöffnet. Für mich wars eine der schönsten Entdeckungen der letzten Zeit in der Wiener Gastronomie-Welt.

Alles über das Café Raimann gibts zu lesen auf –> Café Raimann.

 

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Wie jedes Jahr publiziert Planet-Vienna hier das Konzertprogramm im goldenen Saal des Wiener Musikvereins  mit objektiven und subjektiven Ausführungen zu den einzelnen Werken.
Diesmal steht wieder Mariss Jansons am Dirigentenpult (2006, 2012, 2016). Jansons ist Chefdirigent des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters.
Was die Werkwahl bezüglich der Strauss-Familie betrifft, enthält das Programm keine besonderen Überraschungen. Bis auf ein zwei Ausnahmen war alles schon mal da, teils mehrmals und in jüngerer Zeit. Ich frage mich, ob die Verantwortlichen überhaupt auf die zuvor gespielten Werke schauen, wenn sie ihr Programm gestalten? Die Strauss-Brüder haben zusammen über 1000 Walzer und Polkas komponiert. Es sollte doch machbar sein, eine etwas grössere Diversität in die Programme zu bringen und sie aufregender zu gestalten.
Dafür aber hat Janssons diesmal mit Robert Stolz und – was besonders erfreulich ist – Emile Waldteufel zwei „exotische“ Komponisten berücksichtigt. Warum aber Waldteufel erst jetzt zum Zuge kommt, wo doch 2015 sein 100. Todestag war, ist mir schleierhaft.

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Am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2016 werden gespielt:

Robert Stolz – UNO Marsch … Fulminant und festlich wird das Programm mit dem „Überraschungsgast“ Robert Stolz eröffnet. Vom Amerikanischen Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche (1904-1971) zur Komposition animiert, schrieb Stolz diesen Marsch als Widmung für die Vereinten Nationen. Dieses Werk sollte unbedingt weiter hinten im Programm stehen, ist es doch nicht von besonders wienerischer Koloratur, sondern erinnert eher an die zackigen Preussen-Märsche. So ein Konzertbeginn wird das Publikum irritieren. Ob der Marsch gewählt worden ist in Gedenken an die erste UN-Generalversammlung vor genau 70 Jahren?

Johann Strauss Jun. – Schatz-Walzer, op.418 … Der 1885 komponierte Walzer mit Motiven aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ gehört zu den berühmtesten und meistgespielten vom Johann. Aber sowohl das Hauptthema als auch die weiteren Walzerteile sind so beschwingt und populär, dass man den Schatz-Walzer ruhig zum mehrfach wiederholten Male bringen kann an einem Neujahrkonzert.

Johann Strauss Jun. – Violetta, Polka op.404 … Eine liebliche Polka, selten gespielt, darum eine schöne Wahl. Der Name bezieht sich auf die weibliche Hauptfigur in der Operette „Der lustige Krieg„. Die Musik zitiert unter anderem das Duett „Von einem Mann liess ich mich küssen“. Am 15. Januar 1882 wurde das Stück genau da uraufgeführt, wo es jetzt wieder erklingt: im Musikverein.

Johann Strauss Jun. – Vergnügungszug, Polka op.281 … Die Schnellpolka war 2001 zum letzten Mal im Programm. Die Polka gehört in die Sparte der so genannten „Eisenbahnmusik“. Strauss schrieb sie 1864 als Reminiszenz an das wachsende Eisenbahnnetz. Allmählich begann auch der Tourismus auf den Schienen zu florieren, Eisenbahnzüge waren nicht mehr nur für den Warentransport gedacht. Mit „Vergnügungszügen“ wollte man die Bevölkerung dazu animieren, mit der Bahn zu reisen.

Carl Michael Ziehrer – Weanar Madl’n, Walzer op.388 … Grosse Freude herrscht !! Erstens weil wieder Ziehrer gespielt wird, der meiner Ansicht wienerischste aller Wiener. Und zweitens, weil es dieser bezaubernde Walzer ist, zu recht Ziehrers berühmtester. So berühmt und legendär, dass Willi Forst 1944 die Geschichte dazu in „Wiener Mädeln“ verfilmt hat. Ich darf an dieser Stelle platzieren, dass mein „wien-erprobtes“ Ohr kaum einen anderen Walzer kennt, der den Wiener Spirit und die Wiener Lebens- und Tanzlust so vorzüglich wiedergibt wie die „Weanar Madl’n“. Bin gespannt, ob die Philharmoniker das hinreissende 4. Walzermotiv in ihrer Version wiederholen oder nicht. Der Walzer wurde zum ersten Mal am 23. Januar 1888 in Drehers Etablissement in Wien gespielt zusammen mit der Kapelle des Hoch- und Deutschmeisterregiments.

Eduard Strauss – Mit Extrapost, Polka op.259 … Der jüngste der Strauss-Brüder starb auch zuletzt, nämlich 1916. Somit feiern wir heuer seinen 100. Todestag. Dass Edi in diesem Prgramm schon wieder wenig berücksichtigt wird mit lediglich zwei einfachen Polkas, ist recht fragwürdig. Eduards Oeuvre umfasst auch zahlreiche hinreissende Konzertwalzer. Wo sind die geblieben in all den vergangenen Jahren?? „Extrapost“ ist eine flotte kleine Polka, die deutlich Edis Handschrift trägt.

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PAUSE….PAUSE….PAUSE….PAUSE
(Film „Zauberhaftes Salzburg“ im TV)

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• Johann Strauss Jun. – Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig“ … Die Operette „Eine Nacht in Venedig“ ist neben „Der Zigeunerbaron“ und „Die Fledermaus„, Strauss‘ populärstes und meist aufgeführtes Bühnenwerk. Die Ouvertüre war am Neujahrskonzert von 2009 bereits wiederholt im Programm, und jetzt (leider) schon wieder. So schön sie ist – es gäbe weitere Ouvertüren von Strauss, die weniger bekannt, aber genauso toll sind. Verpasste Chance.

• Eduard Strauss – Ausser Rand und Band, Polka op.168 … Das zweite und letzte Werk des Jubilaren ist wieder eine Schnellpolka. Flott und rassig, wies der Titel verspricht. Sowohl der erste Beitrag als auch dieser ist kaum repräsentativ für das verkannte Talent des jüngsten Strauss-Bruders. Eine weitere verpasste Chance. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Josef Strauss – Sphärenklänge, Walzer op.235 … Schon wieder eine Nummer, die erst 2009 im Programm war. Zugegeben eine der wundervollsten Kompositionen von Josef, aber halt auch eine der populärsten. Wies der Name verrät, handelt es sich bei diesem Walzer um ein schwelgerisches Tongedicht mit herrlichen Harmonien.

Johann Strauss Jun.Sängerlust, Polka op.328 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Eine nette, einfache Polka vom Walzerkönig, die sowohl gesungen als auch rein orchestral gleichermassen lieblich ist. Die Wiener Sängerknaben werden das bestimmt wunderbar hinkriegen.

• Josef Strauss – Auf Ferienreisen, Polka op.135 (Mit den Wiener Sängerknaben) … Schneller und flotter als die Sängerlust ist diese Polka. Man darf gespannt sein, wie es wirkt, wenn sie gesungen wird.

Johann Strauss Jun. – Entr’acte aus der Operette „Fürstin Ninetta“ … Wies der Titel sagt, ist es ein Intermezzo. Heute ist diese Operette weitgehend vergessen, obwohl sie damals sehr erfolgreich war und 76 Mal aufgeführt wurde. Das gemächliche Intermezzo bringt etwas Ruhe ins Programm, bevor es sehr beschwingt weiter geht mit der nächsten Nummer.

Emile Waldteufel – España, Walzer op.236 … Für mich der Höhepunkt dieses Programms. Es ist meines Wissens das erste Mal überhaupt, dass Waldteufel am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker erklingt. Bravo! Vom sympathsichen Elsässer kennt man heute fast nur noch drei Werke, namentlich „Die Schlittschuhläufer“, „Estudiantina“ und eben „España“, das wir hier vorgeführt kriegen. España basiert auf der furiosen gleichnamigen Rhapsodie von Emmanuel Chabrier, welche 1883 herausgegeben wurde. Durch Emile Waldteufels Vertrag mit Hopwood & Crew war es ihm erlaubt, Arrangements mit Melodien anderer Komponisten zu schreiben. So schreib Waldteufel Melodien der Chabrier-Rhapsodie zu einem ungemein elektrisierenden Walzer um, der bezüglich Schwung und Vervé seinesgleichen sucht. Neben den „Weaner Madl’n“ von Ziehrer ist „España“ der treibendste und flotteste Walzer an diesem Konzert. Waldteufel, einer meiner drei Lieblingskomponisten überhaupt, hatte 2015 seinen 100. Todestag. Darum finde ich es – wie oben bereits erwähnt – seltsam, dass er erst 2016 zu seinem ehrenvollen Debut kommt.

• Joseph Hellmesberger Sen. – Ballszenen-Walzer … Herr Hellmesberger scheint sich in den letzten Jahren einen fixen Platz im Programm ergattert zu haben (warum eigentlich?). Auf diesen Beitrag hier freue ich mich sehr! Die Ball-Szenen muten an wie ein Charakterstück. Das einmalig schöne, sehr lebendige Hauptthema stellt die Spieler vor eine respektable technische Herausforderung. Es ist kaum tanzbar…

• Johann Strauss Vater – Seufzer-Galopp, op.9 … Populäres Stück, zu populär und auch nicht besonders aufregend. Und vor allem nicht wirklich repräsentativ für die hohen kompositorischen Fertigkeiten von Strauss-Senior. Es gäbe so herrliche Walzer, soviele einfallsreichere Galoppen und Polkas von ihm – die man noch nie gehört hat am Neujahrskonzert.

• Josef Strauss – Die Libelle, Mazurka op.204 … Die Inspiration zu dieser gemächlichen Mazurka von hat Josef Strauss in der Natur geholt, in der er sich besonders gerne aufhielt. Tondichterisch zeichnet er den Flug einer Libelle, wie sie über die saftige Wiese schwebt. Am 21. Oktober 1866 führte Strauss „Die Libelle“ im Volksgarten zum ersten Mal auf.

Johann Strauss Jun. – Kaiserwalzer op.437 … Das Monumentalwerk unter Johanns Konzertwalzern. An den Neujahrskonzerten wiederholt im Programm und somit keine Überraschung. Man hätte heuer gerne darauf verzichten dürfen und an seiner Stelle etwas Spannenderes von Johann setzen können. Dennoch wirds dem Publikum gefallen, da wohlvertraut. (Balletteinspielung des Wiener Staatsballetts, aufgenommen im Prater und in Schönbrunn)

Johann Strauss Jun. – Auf der Jagd, Polka op.373 … Schon wieder? 2010 war diese Polka erst zum letzten Mal im Programm. Etwas wie beispielsweise die Vöslauer-Polka hätte an dieser Stelle besser gepasst.

Johann Strauss Jun. – Im Sturmschritt, Polka op.348 … Eine ebenso flotte, lebendige Polka als Zugabe… schön.

Johann Strauss Jun. – An der schönen blauen Donau, Walzer op.314 … Alle Jahre wieder. Informationen hier.

Johann Strauss Vater – Radetzky-Marsch, op.228 … Wie gewohnt besiegelt der zackgie Marsch das Neujahrskonzert.

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Einige schöne Momente fürs Auge, und es waren teils gute und starke Stimmen dabei. Aus musikalischer Sicht war es unter dem Strich einmal mehr ein fader Einheitsbrei aus völlig nichtssagenden Liedern, von denen kein einziges im Ohr nachklingt. Einfach nur langweilig und grottenschlecht.

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